40 Jahre Box: Der Mythos des Pangalaktischen Donnergurglers Christine Riechmann Minden. Schon lange sind in Mindens einziger Diskothek die Party-Lichter aus. Corona hat auch die „Box“-Gänger von der Tanzfläche vertrieben und beschert den Disco-Betreibern schwere Zeiten – die auch vor der Pandemie nicht rosig waren. Trotzdem ist es um die Musikbox nicht still geworden. Die Geschichten, die sich um die Kultdisco ranken, sind allgegenwärtig – jeder kann eine erzählen. Zum 40. Geburtstag erinnern sich Musikbox-Gründer und -Betreiber Heinz Eichler, seine Frau Gitta Nicola Vogt und deren Tochter Nora (26) an gute und schlechte Zeiten. Die beste Zeit „Die ersten 20 Jahre“, sagt Heinz Eichler wie aus der Pistole geschossen. Alles sei neu gewesen – auch musikalisch neu. In der Musikbox und drum herum sei so viel Bewegung gewesen. „Weil miteinander gesprochen wurde“. Die zweitbeste Zeit sei gerade jetzt – obwohl es wirtschaftlich so schwierig ist. In diesen harten Tagen hätte die „Box“-Familie so viel Unterstützung und so viele Rückmeldungen erhalten. Der neue Biergarten „Dos Lunas“, der neben der eigentlichen Musikbox einige Stufen abwärts in einem Innenhof liegt, sei wie ein Neugeborenes. Mit ihm wolle die Box für alle da sein – für Junge, für Alte, für Familien mit Kindern. Besonders schwierig sei es allerdings, die jungen Leute mit der neuen Lokalität zu erreichen. Das herausragendste Ereignis Das sei schwer zu sagen, weil es so viele gab. „Toll war, als Klaus Doldinger aufgetreten ist“, resümiert Heinz Eichler, der an 90 Prozent aller Öffnungstage in der Box war, aber dort noch nie getanzt hat. Oder als mal wieder etwas Neues an das Gebäude angebaut wurde. Für Tochter Nora war herausragend, als sie während ihrer Abi-Mottowoche in der Box gefeiert hat. „Großartig“, sagt sie dazu. Die Tanzfreude zu Anfangszeiten sei herausragend gewesen, meint Heinz Eichler. „Der Spaß an Musik war irre, das war so toll.“ Wie viele Beziehungen und Kinder hier wohl entstanden seien, fragt sich Gitta Nicola Vogt und muss herzlich lachen. Sie selbst hat ihren Mann Heinz Eichler als Gast in der Musikbox kennen und lieben gelernt. Die schlechteste Idee „Die rankten sich oft um Live-Geschichten“, erinnert sich Eichler. So habe man sich aus Angst, dass niemand kommen würde zum Beispiel bei einem Auftritt von Alphonse Mouzon dazu entschlossen, keinen Eintritt zu nehmen, um wenigstens Getränke zu verkaufen. „Und dann sind die Leute doch wie verrückt gekommen und haben die Musik total gefeiert – tja, schlechte Idee von uns“, weiß der „Box“-Betreiber im Nachhinein. Es sei nicht immer alles aufgegangen. Die beste Idee „Aufzumachen“, sagt Heinz Eichler und lacht. Das wäre nämlich fast nicht passiert. Nachdem der 18-jährige Eichler erfolglos nach Räumlichkeiten für eine Diskothek gesucht hatte – damals sein großer Traum – , studierte er Wirtschaftswissenschaften. „Ich wollte dann in irgend so einen blöden Beruf“, erzählt er. Mit 25 Jahren, nach seinem Studium, standen dann plötzlich die Räumlichkeiten an der Portastraße zum Verkauf. Zuvor war dort der „Wiesenkater“, auch eine Disco, beheimatet. 400.000 Mark zahlte Eichler den Vorgängern für das technische Equipment. „Das hat dann alles ganz schnell geklappt.“ Gut so – und nicht nur für Mindens Disco-Szene. Seine Frau hätte er sonst wahrscheinlich auch nicht kennen gelernt ... Die coolste Party Tequila-Partys, Mexican-Nights, Abipartys, Rosenmontag – Partys gab es in der „Box“ so einige. Für Heinz Eichler war die erste Beach-Party nur fünf Tage nach der Eröffnung die coolste. „Die Leute haben uns überrannt“, erzählt er. „Das war wie verrückt, das würde heute nicht mehr klappen.“ Ein Erfolgsgarant waren viele Jahre auch die Partys zum Rosenmontag. „Die erste war schon um 21 Uhr total voll.“ In den Folgejahren hat die „Box“ dann irgendwann bereits am Nachmittag geöffnet, um den feiernden Massen gerecht zu werden. Die einzige Überlebende StudioM, FKK, PW1, Cammer – die Musikbox hat sie alle überlebt und war viele Jahre immer mal wieder die einzige Diskothek in Minden. Woran das liegen mag, weiß auch Heinz Eichler nicht so richtig. „Keine Ahnung“, sagt der Betreiber. „Wir müssen wohl einiges richtig gemacht haben.“ Ein Aspekt könnte aus seiner Sicht sein, dass die „Box“ ein breites Publikumsspektrum angesprochen habe und nie zu groß war. An einen Traditionsvorteil glaubt Eichler nicht. Die Medaille habe eher zwei Seiten und der vermeintliche Vorteil könne auch eine Bürde sein. Viele Leute würden auch oft nicht kommen, da sie meinen, in die „Box“ könne man ja immer gehen, die sei ja immer da. Politische Veranstaltungen Gab es früher in der Musikbox etliche: Aktionen wie „Rock gegen Rechts“, „Rettet den Regenwald“ oder „Atomkraft, nein Danke“ hätten etliche Besucher angezogen. „Heute trauen wir uns das nicht mehr“, gibt Eichler zu. Gern hätte er eine Veranstaltung zur Europawahl gemacht – ein Thema, das ihm und seiner Familie besonders am Herzen liegt – , hatte aber Angst, dass keiner kommt. „Wir würden es aber eigentlich gerne machen“, sagt Eichler – und auch Tochter Nora „fände das cool“. Live-Auftritte „Klaus Doldinger war die größte Nummer“, meint Heinz Eichler. Anfang der 80er Jahre sei Jazz-Rock ein ganz großes Thema gewesen. Familie Eichler erinnert sich aber auch an Auftritte von Bands wie Wingenfelder, immer wieder Curse, Loona oder Grandmaster Flash, die alle in der Box auf der Bühne gestanden haben. „Und eines abends, das muss in den 80ern gewesen sein, war plötzlich Bob Geldorf als Gast da“, erzählt Gitta Nicola Vogt. Warum, das wissen sie bis heute nicht. Andere prominente Gäste waren Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe. „Der war zu später Stunde mal mit seinem Sohn und ein paar anderen Leuten hier – alle in sehr guter Stimmung“, erinnert sich Vogt. Immer Ärger mit den Nachbarn Probleme mit Anwohnern rund um die Disco an der Portastraße sind so alt wie die „Box“ selbst. Die gipfelten 2009 in einer Nachbarschaftsinitiative gegen die „Musikbox“. Die Anwohner ärgerten sich über die Lautstärke, die herumlungernden Jugendlichen in ihren Vorgärten und den Müll, den sie dort hinterließen. In den vergangenen Jahren habe sich das Problem im Zuge des Publikumsschwunds praktisch von alleine erledigt. „Es kommen ja nur noch etwa ein Drittel der Gäste von früher zu den besten Zeiten“, erklärt Heinz Eichler. An guten Tagen kämen 500, manchmal seien es nicht mal 100 Gäste, wobei 900 in die Räumlichkeiten hinein dürfen. Umzug auf den Simeonsplatz „Das waren damals große Pläne“, berichtet Eichler. Auf dem Simeonsplatz sollte ein Großkino mit angeschlossener Diskothek entstehen. „Wir waren bereit“, sagt Eichler. Damals wäre man dem Ärger mit den Anwohnern gerne entflohen. Heute seien sie froh, dass aus dem Vorhaben nichts geworden ist. „Gott sei Dank“, sagt der Box-Betreiber rückblickend. Und Prost! Getrunken wurde in der „Box“ so einiges – „in den 80er Jahren vor allen Dingen Bier“, berichtet Eichler. Schnaps sei damals wenig getrunken worden. Dafür mehr Wein – „und der auch direkt aus der Flasche“, wie sich Gitta Nicola Vogt erinnert. Im Jahr 2000 wurde in der Box die Millionste Flasche Barre Bügel verkauft, dafür gab es eine goldene Bierflasche, die jetzt hinter der Theke im Regal steht. Seit den 2000er Jahren ist Wodka-E das wichtigste Getränk. „Das wird wie verrückt getrunken“, so der Betreiber. Nora Vogt kann sich erinnern, dass immer mal wieder mit schwerer Zunge eine „Giraffe Wodka-E“ bestellt wird. Und sie weiß auch, dass es eine Zeit lang total cool war, „Grüne Fee“, ein Absinth-Getränk, zu trinken. Aber der wohl markanteste Drink der Box ist der „Pangalaktische Donnergurgler“, den ein Mitarbeiter erfunden habe. „Ein sehr umfangreiches Mischgetränk, in dem alles zusammen geschüttet wird, was da ist“, beschreibt Heinz Eichler den Drink. Irgendwann sei dann als Steigerung auch noch der „Hyperpangalaktische Donnergurgler“ dazugekommen. Heinz Eichler erinnert sich nicht mehr genau, aber er meint, dass die Drinks in Anlehnung an eine Science-Fiction-Serie entstanden sind. Ab und zu würden die auch heute noch bestellt, hat Nora Vogt schon mitbekommen. Welche Pläne sind wieder in der Schublade verschwunden? Eigentlich sollte alles noch größer werden. Der Trend war, noch mehr einzelne Clubs in einem Gebäude zu errichten. Etliche Bauanfragen seien gestellt worden. Aber das habe sich überholt und Eichler ist heute froh, dass einerseits die Bauanfragen scheiterten und andererseits auch das Geld nicht da gewesen sei. „Damals hätte ich allerdings nicht geglaubt, dass es nicht dahingehen würde.“ Heute kann in der „Box“ auf drei Floors auf verschiedenen Ebenen – im Sub, im Main und im Backstage – getanzt werden. Der Wandel Für Heinz Eichler ist seit Mitte der 2000er Jahre alles anders. Er teilt die Jahre – zumindest wirtschaftlich betrachtet – ganz klar in die „guten“ (vor 2005) und die „schlechten Jahre“ (nach 2005) ein. Dass längst nicht mehr so viele Leute in die „Box“ kommen erklärt er sich damit, dass sich das Verhältnis der Jugendlichen zum Ausgehen generell gewandelt habe. Da würde die Spontaneität fehlen. Speziell jüngere Menschen würden sich nicht mehr so viel treffen wie früher. „Weil sie sich anders beschäftigen und kommunizieren.“ Besonders die sozialen Medien würden dazu beitragen. „Facebook ja, aber von face to face nein“, meint Eichler. Die Autorin ist erreichbar unter (05 71) 882 169 oder Christine.Riechmann@MT.de

40 Jahre Box: Der Mythos des Pangalaktischen Donnergurglers

Familienangelegenheit: Gitta Nicola Vogt, Tochter Nora Vogt und Heinz Eichler betreiben die „Box“. MT-Archivfoto: Alex Lehn

Minden. Schon lange sind in Mindens einziger Diskothek die Party-Lichter aus. Corona hat auch die „Box“-Gänger von der Tanzfläche vertrieben und beschert den Disco-Betreibern schwere Zeiten – die auch vor der Pandemie nicht rosig waren. Trotzdem ist es um die Musikbox nicht still geworden. Die Geschichten, die sich um die Kultdisco ranken, sind allgegenwärtig – jeder kann eine erzählen. Zum 40. Geburtstag erinnern sich Musikbox-Gründer und -Betreiber Heinz Eichler, seine Frau Gitta Nicola Vogt und deren Tochter Nora (26) an gute und schlechte Zeiten.

Die beste Zeit

„Die ersten 20 Jahre“, sagt Heinz Eichler wie aus der Pistole geschossen. Alles sei neu gewesen – auch musikalisch neu. In der Musikbox und drum herum sei so viel Bewegung gewesen. „Weil miteinander gesprochen wurde“.

Die zweitbeste Zeit sei gerade jetzt – obwohl es wirtschaftlich so schwierig ist. In diesen harten Tagen hätte die „Box“-Familie so viel Unterstützung und so viele Rückmeldungen erhalten. Der neue Biergarten „Dos Lunas“, der neben der eigentlichen Musikbox einige Stufen abwärts in einem Innenhof liegt, sei wie ein Neugeborenes. Mit ihm wolle die Box für alle da sein – für Junge, für Alte, für Familien mit Kindern. Besonders schwierig sei es allerdings, die jungen Leute mit der neuen Lokalität zu erreichen.

Das herausragendste Ereignis

Der aus Minden stammende Musiker Curse gehört in Sachen Live-Auftritte zu den Dauerbrennern in der Musikbox. MT-Archivfoto: privat
Der aus Minden stammende Musiker Curse gehört in Sachen Live-Auftritte zu den Dauerbrennern in der Musikbox. MT-Archivfoto: privat

Das sei schwer zu sagen, weil es so viele gab. „Toll war, als Klaus Doldinger aufgetreten ist“, resümiert Heinz Eichler, der an 90 Prozent aller Öffnungstage in der Box war, aber dort noch nie getanzt hat. Oder als mal wieder etwas Neues an das Gebäude angebaut wurde.

Für Tochter Nora war herausragend, als sie während ihrer Abi-Mottowoche in der Box gefeiert hat. „Großartig“, sagt sie dazu. Die Tanzfreude zu Anfangszeiten sei herausragend gewesen, meint Heinz Eichler. „Der Spaß an Musik war irre, das war so toll.“

Wie viele Beziehungen und Kinder hier wohl entstanden seien, fragt sich Gitta Nicola Vogt und muss herzlich lachen. Sie selbst hat ihren Mann Heinz Eichler als Gast in der Musikbox kennen und lieben gelernt.

Die schlechteste Idee

„Die rankten sich oft um Live-Geschichten“, erinnert sich Eichler. So habe man sich aus Angst, dass niemand kommen würde zum Beispiel bei einem Auftritt von Alphonse Mouzon dazu entschlossen, keinen Eintritt zu nehmen, um wenigstens Getränke zu verkaufen. „Und dann sind die Leute doch wie verrückt gekommen und haben die Musik total gefeiert – tja, schlechte Idee von uns“, weiß der „Box“-Betreiber im Nachhinein. Es sei nicht immer alles aufgegangen.

Die beste Idee

„Aufzumachen“, sagt Heinz Eichler und lacht. Das wäre nämlich fast nicht passiert. Nachdem der 18-jährige Eichler erfolglos nach Räumlichkeiten für eine Diskothek gesucht hatte – damals sein großer Traum – , studierte er Wirtschaftswissenschaften. „Ich wollte dann in irgend so einen blöden Beruf“, erzählt er. Mit 25 Jahren, nach seinem Studium, standen dann plötzlich die Räumlichkeiten an der Portastraße zum Verkauf. Zuvor war dort der „Wiesenkater“, auch eine Disco, beheimatet. 400.000 Mark zahlte Eichler den Vorgängern für das technische Equipment. „Das hat dann alles ganz schnell geklappt.“ Gut so – und nicht nur für Mindens Disco-Szene. Seine Frau hätte er sonst wahrscheinlich auch nicht kennen gelernt ...

Die coolste Party

Tequila-Partys, Mexican-Nights, Abipartys, Rosenmontag – Partys gab es in der „Box“ so einige. Für Heinz Eichler war die erste Beach-Party nur fünf Tage nach der Eröffnung die coolste. „Die Leute haben uns überrannt“, erzählt er. „Das war wie verrückt, das würde heute nicht mehr klappen.“

Ein Erfolgsgarant waren viele Jahre auch die Partys zum Rosenmontag. „Die erste war schon um 21 Uhr total voll.“ In den Folgejahren hat die „Box“ dann irgendwann bereits am Nachmittag geöffnet, um den feiernden Massen gerecht zu werden.

Die einzige Überlebende

StudioM, FKK, PW1, Cammer – die Musikbox hat sie alle überlebt und war viele Jahre immer mal wieder die einzige Diskothek in Minden. Woran das liegen mag, weiß auch Heinz Eichler nicht so richtig. „Keine Ahnung“, sagt der Betreiber. „Wir müssen wohl einiges richtig gemacht haben.“ Ein Aspekt könnte aus seiner Sicht sein, dass die „Box“ ein breites Publikumsspektrum angesprochen habe und nie zu groß war. An einen Traditionsvorteil glaubt Eichler nicht. Die Medaille habe eher zwei Seiten und der vermeintliche Vorteil könne auch eine Bürde sein. Viele Leute würden auch oft nicht kommen, da sie meinen, in die „Box“ könne man ja immer gehen, die sei ja immer da.

Politische Veranstaltungen

Gab es früher in der Musikbox etliche: Aktionen wie „Rock gegen Rechts“, „Rettet den Regenwald“ oder „Atomkraft, nein Danke“ hätten etliche Besucher angezogen. „Heute trauen wir uns das nicht mehr“, gibt Eichler zu. Gern hätte er eine Veranstaltung zur Europawahl gemacht – ein Thema, das ihm und seiner Familie besonders am Herzen liegt – , hatte aber Angst, dass keiner kommt. „Wir würden es aber eigentlich gerne machen“, sagt Eichler – und auch Tochter Nora „fände das cool“.

Live-Auftritte

„Klaus Doldinger war die größte Nummer“, meint Heinz Eichler. Anfang der 80er Jahre sei Jazz-Rock ein ganz großes Thema gewesen. Familie Eichler erinnert sich aber auch an Auftritte von Bands wie Wingenfelder, immer wieder Curse, Loona oder Grandmaster Flash, die alle in der Box auf der Bühne gestanden haben.

„Und eines abends, das muss in den 80ern gewesen sein, war plötzlich Bob Geldorf als Gast da“, erzählt Gitta Nicola Vogt. Warum, das wissen sie bis heute nicht. Andere prominente Gäste waren Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe. „Der war zu später Stunde mal mit seinem Sohn und ein paar anderen Leuten hier – alle in sehr guter Stimmung“, erinnert sich Vogt.

Immer Ärger mit den Nachbarn

Probleme mit Anwohnern rund um die Disco an der Portastraße sind so alt wie die „Box“ selbst. Die gipfelten 2009 in einer Nachbarschaftsinitiative gegen die „Musikbox“. Die Anwohner ärgerten sich über die Lautstärke, die herumlungernden Jugendlichen in ihren Vorgärten und den Müll, den sie dort hinterließen. In den vergangenen Jahren habe sich das Problem im Zuge des Publikumsschwunds praktisch von alleine erledigt. „Es kommen ja nur noch etwa ein Drittel der Gäste von früher zu den besten Zeiten“, erklärt Heinz Eichler. An guten Tagen kämen 500, manchmal seien es nicht mal 100 Gäste, wobei 900 in die Räumlichkeiten hinein dürfen.

Umzug auf den Simeonsplatz

„Das waren damals große Pläne“, berichtet Eichler. Auf dem Simeonsplatz sollte ein Großkino mit angeschlossener Diskothek entstehen. „Wir waren bereit“, sagt Eichler. Damals wäre man dem Ärger mit den Anwohnern gerne entflohen. Heute seien sie froh, dass aus dem Vorhaben nichts geworden ist. „Gott sei Dank“, sagt der Box-Betreiber rückblickend.

Und Prost!

Getrunken wurde in der „Box“ so einiges – „in den 80er Jahren vor allen Dingen Bier“, berichtet Eichler. Schnaps sei damals wenig getrunken worden. Dafür mehr Wein – „und der auch direkt aus der Flasche“, wie sich Gitta Nicola Vogt erinnert.

Im Jahr 2000 wurde in der Box die Millionste Flasche Barre Bügel verkauft, dafür gab es eine goldene Bierflasche, die jetzt hinter der Theke im Regal steht. Seit den 2000er Jahren ist Wodka-E das wichtigste Getränk. „Das wird wie verrückt getrunken“, so der Betreiber. Nora Vogt kann sich erinnern, dass immer mal wieder mit schwerer Zunge eine „Giraffe Wodka-E“ bestellt wird. Und sie weiß auch, dass es eine Zeit lang total cool war, „Grüne Fee“, ein Absinth-Getränk, zu trinken.

Aber der wohl markanteste Drink der Box ist der „Pangalaktische Donnergurgler“, den ein Mitarbeiter erfunden habe. „Ein sehr umfangreiches Mischgetränk, in dem alles zusammen geschüttet wird, was da ist“, beschreibt Heinz Eichler den Drink. Irgendwann sei dann als Steigerung auch noch der „Hyperpangalaktische Donnergurgler“ dazugekommen. Heinz Eichler erinnert sich nicht mehr genau, aber er meint, dass die Drinks in Anlehnung an eine Science-Fiction-Serie entstanden sind. Ab und zu würden die auch heute noch bestellt, hat Nora Vogt schon mitbekommen.

Welche Pläne sind wieder in der Schublade verschwunden?

Eigentlich sollte alles noch größer werden. Der Trend war, noch mehr einzelne Clubs in einem Gebäude zu errichten. Etliche Bauanfragen seien gestellt worden. Aber das habe sich überholt und Eichler ist heute froh, dass einerseits die Bauanfragen scheiterten und andererseits auch das Geld nicht da gewesen sei. „Damals hätte ich allerdings nicht geglaubt, dass es nicht dahingehen würde.“ Heute kann in der „Box“ auf drei Floors auf verschiedenen Ebenen – im Sub, im Main und im Backstage – getanzt werden.

Der Wandel

Für Heinz Eichler ist seit Mitte der 2000er Jahre alles anders. Er teilt die Jahre – zumindest wirtschaftlich betrachtet – ganz klar in die „guten“ (vor 2005) und die „schlechten Jahre“ (nach 2005) ein. Dass längst nicht mehr so viele Leute in die „Box“ kommen erklärt er sich damit, dass sich das Verhältnis der Jugendlichen zum Ausgehen generell gewandelt habe. Da würde die Spontaneität fehlen. Speziell jüngere Menschen würden sich nicht mehr so viel treffen wie früher. „Weil sie sich anders beschäftigen und kommunizieren.“ Besonders die sozialen Medien würden dazu beitragen. „Facebook ja, aber von face to face nein“, meint Eichler.

Die Autorin ist erreichbar unter (05 71) 882 169 oder Christine.Riechmann@MT.de

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