365 Tage Corona in Minden-Lübbecke: So hat ein Virus unser Leben auf den Kopf gestellt Benjamin Piel,Sebastian Radermacher Minden. Es ist der 31. Dezember 2019, 10.31 Uhr: Die deutsche Nachrichtenagentur dpa gibt eine Meldung heraus, die Deutschland nur am Rande wahrnimmt: „Eine mysteriöse Lungenkrankheit ist in der zentralchinesischen Metropole Wuhan ausgebrochen. Bislang seien 27 Erkrankte identifiziert worden, berichtete die Gesundheitskommission der Stadt am Dienstag. Gerüchten im Internet, es könnte sich um einen neuen Ausbruch der Lungenseuche Sars handeln, trat die ,Volkszeitung‘ entgegen. Das Parteiorgan zitierte Experten, dass die Ursache gegenwärtig noch unklar sei." Dass sich aus dieser Meldung eine weltweite Pandemie entwickeln wird, ahnt zu der Zeit noch niemand. Januar 2020 5. Die Weltgesundheitsbehörde (WHO) gibt eine „Disease Outbreak News" („Mitteilung über einen Krankheitsausbruch") heraus: „Am 31. Dezember wurde das chinesische Büro der WHO über Fälle von Lungenerkrankungen in Wuhan, Provinz Hubei, unbekannter Ursache informiert. Von 44 Personen erscheinen elf schwerstkrank. Die Symptome umfassen vor allem Fieber, wenige Patienten haben Atemprobleme." Doch erst ganz langsam kommt in der Öffentlichkeit an, dass diese Krankheit zu einem globalen Problem werden könnte. 9. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) gibt eine erste Einschätzung zum neuartigen Corona-Virus heraus. Es hält das Risiko für Reisende für gering, ebenso das Auftreten der Krankheit in der EU. 13. Zum ersten Mal ist explizit vom Corona-Virus im Mindener Tageblatt zu lesen: „Erstmals ist ein Patient an der geheimnisvollen neuen Lungenkrankheit gestorben, die in China ausgebrochen ist. Wie die Gesundheitskommission der zentral-chinesischen Metropole Wuhan berichtete, sind sieben Patienten in kritischem Zustand. Insgesamt sei bei 41 Erkrankten das neuartige Coronavirus festgestellt worden, das als Auslöser gilt." 23. Aus China sind nun Bilder zu sehen, die beunruhigen. Die Stadt Wuhan steht unter Quarantäne. Die Straßen sind leer. Menschen in weißen Schutzanzügen stehen an Straßensperren. 24. In Frankreich wird der erste Corona-Fall in Europa nachgewiesen. Drei Tage danach werden die ersten Infizierten in Deutschland entdeckt. Eine Chinesin hat vier Mitarbeiter des bayerischen Autozulieferers Websto angesteckt. 28. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ruft in einem Interview zu Gelassenheit auf: „Für übertriebene Sorge gibt es keinen Grund". Das Thema wird in Deutschland noch immer zurückhaltend diskutiert. Warnungen vor Ansteckungen oder die Empfehlung, Abstand zu halten, gibt es nicht. 30. Erstmals taucht das Virus im MT-Lokalteil auf. Zwei Freundinnen aus Bad Oeynhausen, die auf einer Reise durch China waren, berichten von ihren Eindrücken. Auf dem Foto ist zu sehen, was noch fremd wird und schon bald vertraut sein soll: Die beiden Frauen tragen FFP2-Masken. Einen Tag später ist zu lesen, dass die Nachfrage nach Atemschutzmasken in Mindener Apotheken bereits deutlich angestiegen ist. Die Kreisverwaltung weist darauf hin, „dass von der Influenza eine deutlich höhere Gefahr ausgeht. Die saisonale Influenza gehört zu den Infektionskrankheiten mit der höchsten bevölkerungsbezogenen Sterblichkeit." Februar 2020 7. Eigentlich hatte an diesem Tag die chinesische Neujahrsfeier des Trägervereins Partnerschaft Minden Changzhou im BÜZ stattfinden sollen. Die Veranstalter sagen es aus Sicherheitsgründen ab. Es ist die erste Veranstaltung, die im Zusammenhang mit dem Corona-Virus nicht stattfindet. Viele weitere werden folgen. 15. Mehr als 300 Karnevalisten des Vereins „Langbröker Dicke Flaa" feiern in Gangelt (Rheinland) die Knappensitzung. Dicht an dicht schunkeln die Jecken – nicht wissend, dass das Virus mit im Raum ist. Wenige Tage später wird der Landkreis Heinsberg der erste deutsche Hotspot sein. 26. Erstmals ist in Minden-Lübbeckes unmittelbarer Nachbarschaft vom Corona-Virus die Rede: Wegen eines Verdachtsfalls bleiben im Landkreis Nienburg zwei Schulen geschlossen. Kurz darauf gibt die dortige Kreisverwaltung aber Entwarnung. 27. Angesichts des Ausbruchgeschehens im Rheinland spricht Gesundheitsminister Spahn erstmals von einer drohenden Epidemie in Deutschland. Derweil gibt Chef Heino Nordmeyer bekannt, dass die Jahreshauptversammlung der Mindener Feuerwehr wegen der Ansteckungsgefahr ausfallen muss. 28. Erstmals äußert sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu Corona. Sie wirbt für ein Vorgehen mit „Maß und Mitte". Das Mindener Johannes-Wesling-Klinikum (JWK) hat bisher 20 Patienten auf eine Infektion hin untersucht. Alle Tests waren negativ. 29. Immer mehr Einrichtungen reagieren auf das Virus. Das Leo-Sympher-Berufskolleg sagt eine Klassenfahrt nach Italien ab. Die Kassenärztliche Vereinigung richtet eine Patienten-Hotline ein. Erstmals ist auch im Lokalsport vom Corona-Virus die Rede: Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) sieht zwar keine Veranlassung, Spielbetrieb und Wettkämpfe abzusagen. Aufs Händeschütteln sollen die Sportler aber verzichten. März 2020 1. In Deutschland gibt es 147 nachgewiesene Infektionen. Viele Menschen kehren aus dem Skiurlaub zurück und bringen insbesondere aus dem Hotspot Ischgl das Virus mit. 5. Die Mühlenkreiskliniken (MKK) beginnen vor dem Haupteingang des Mindener Klinikums mit dem Betrieb einer Corona-Ambulanz. Graue Zelte, ein Behandlungsraum auf Rädern und ein Toilettenwagen – daraus besteht die sogenannte Infektiöse Notfallambulanz. Ziel ist es, dort Patienten zu untersuchen, die sich mit dem Virus angesteckt haben könnten. Bereits vor Inbetriebnahme des Zentrums hat das Krankenhaus begonnen, in der stationären Aufnahme Patienten mit Corona-Symptomen zu isolieren. Derweil gibt es den ersten nachgewiesenen Corona-Fall in OWL, konkret in Lippe. 6. In Minden-Lübbecke werden die ersten beiden Corona-Infizierten bekannt. Sie müssen ebenso in die häusliche Quarantäne wie mehrere Kontaktpersonen. Derweil richtet der Kreis ein Bürgertelefon ein, um eine Anlaufstelle für die zahlreichen Fragen anzubieten. Das Thema Corona erreicht den heimischen Sport: In der Handball-Verbandsliga fällt das Hahler Spiel gegen ASV Senden aus. Grund ist ein Corona Verdachtsfall im Raum Senden. 7. Dutzende Gäste tanzen und schunkeln beim „Bayerischen Fest" in einem Espelkamper Gasthaus – es soll Minden-Lübbeckes erster Corona-Hotspot werden. 8. Der erste Deutsche stirbt an den Folgen der Infektion in einem ägyptischen Krankenhaus. Einen Tag später sterben zwei Infizierte in NRW. Gesundheitsminister Spahn empfiehlt, alle Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen abzusagen. In Minden-Lübbecke gibt es zu diesem Zeitpunkt fünf bestätigte Corona-Infektionen. 9. Der Kreis Minden-Lübbecke richtet einen verwaltungsinternen Krisenstab ein, der Tag für Tag über das weitere Vorgehen entscheidet. Im Kreisgebiet wird die erste Großveranstaltung abgesagt: die Ausbildungsmesse „Go Future 2020". Veranstaltungen im Mindener Stadttheater finden noch statt. 10. Das Land erlässt, dass Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Personen abgesagt werden müssen. Das erste Geisterspiel der Fußball-Bundesliga-Geschichte ist einen Tag später das Nachholspiel Borussia Mönchengladbach gegen 1. FC Köln. 11. Nach einigem Hin und Her wird die Messe „Haus und Energie" auf Kanzlers Weide abgesagt. Handball-Bundesligist GWD Minden stoppt den Kartenvorverkauf für die bevorstehenden Heimspiele. In den Tagen danach fallen immer mehr Veranstaltungen aus. Auch das Stadttheater sagt alle Events ab. 12. Erstmals werden Schulen wegen Verdachtsfällen unter den Schülern geschlossen: die Grundschule Gehlenbeck, die Verbundschule Hille, das Mindener Bessel-Gymnasium sowie zwei Schulen in Espelkamp. Kurz danach beschließt das Land, Schulen und Kitas komplett zu schließen. 13. Corona erricht den Sport mit voller Wucht: Die Verantwortlichen aus Handball, Fußball, Volleyball, Tischtennis und allen anderen Sportarten entscheiden sich, den Spiel- und Trainingsbetrieb einzustellen. Alle Mannschaften und Einzelsportler betroffen – von der Bundes- bis in die Kreisliga. Auch Museen und Kinos müssen schließen, ebenso das Stadttheater, der Jazz Club und das BÜZ. Die Freilichtbühne Porta und die Tucholsky-Bühne müssen ihre für den Sommer geplanten Produktionen aufgeben, weil auch keine Proben mehr erlaubt sind. 16. Es gibt einen bundesweiten Lockdown – unter anderem schließen Restaurants, der Profi- und Amateursport stellen den Betrieb ein, die Mühlenkreiskliniken verhängen einen Besucherstopp. Alle Menschen werden aufgefordert, ihre Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren. Zwei Tage später wendet sich Kanzlerin Merkel während einer Fernsehansprache an die Deutschen: „Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst." In Minden-Lübbecke gibt es inzwischen knapp 50 nachgewiesene Corona-Infektionen. 17. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) richtet einen eindringlichen Appell an die Bevölkerung, sie möge soziale Kontakte auf ein Minimum beschränken: „Es geht um Leben und Tod – so einfach ist das." Auch Mindens größtes Kaufhaus, Hagemeyer, schließt. 18. Trotz der Regeln kommen noch immer Menschen auf Sportplätzen und in Cafés zusammen. Die Stadt Minden erhöht den Druck, die Beschränkungen durchzusetzen, und droht mit Bußgeldern. Es gibt 98 bestätigte Fälle. Wegen des stark reduzierten Flugverkehrs sitzen Tausende Deutsche in Urlaubsländern fest, darunter auch zahlreiche Minden-Lübbecker. 20. Ein 87-jähriger Mann aus dem Kreis Lippe ist der erste Patient in OWL, der an oder mit dem Corona-Virus stirbt. Das Mindener Klinikum richtet wegen steigender Fallzahlen auf die Schnelle ein kleines Container-Dorf ein, um die Behandlungskapazitäten zu erhöhen. Die Zahl der nachgewiesenen Fälle im Kreisgebiet liegt bei 118. Auch die Hamsterkäufe nehmen zu – Andrang gibt es vor allem auf Toilettenpapier. In Italien sterben unterdessen fast 800 Menschen an oder mit dem Virus innerhalb eines Tages. Mit bis dahin rund 4.800 Toten ist Italien das zu dem Zeitpunkt am stärksten betroffene Land der Welt. 22. Nachdem die Mindener Innenstadt in den ersten Tagen des Lockdowns noch erstaunlich voll gewesen war, hat sich das geändert: Sie ist nun beinahe menschenleer. Während das öffentliche Leben mehr und mehr stillsteht, arbeitet das Labor im Mindener Klinikum am Anschlag. Es bereitet sich darauf vor, die Zahl der Tests pro Tag auf 1.000 hochzufahren. Bund und Länder beschließen, Treffen von mehr als zwei Menschen in der Öffentlichkeit zu verbieten. Auch alle Restaurants und Friseure in NRW müssen geschlossen bleiben. 24. Auf Parkplätzen entlang der A2 im Bereich Porta stranden Fernfahrer vor allem aus Osteuropa, die nicht wissen, wann sie ihre Ziele wieder ansteuern können. Weil es für die Trucker auch an Lebensmitteln mangelt, organisieren zwei Minden-Lübbecker spontan Hilfe. 25. Das gemeinsam von Kassenärzten und Klinik betriebene Corona-Testzentrum in den Containern neben dem Mindener Klinikum nimmt seinen Betrieb auf. 26. Not macht erfinderisch: Als Mundschutz zur Mangelware wird, entwickelt die Mindener Firma Sitex eine wiederverwertbare Atemmaske. Ein Wachdienst kontrolliert nun dauerhaft die Eingänge des Mindener Klinikums – so soll der Zugang auf wenige Personen beschränkt werden. 27. Das Wetter ist sonnig, viele Menschen nutzen die freie Zeit, um ihren Garten auf Vordermann zu bringen. In vielen Baumärkten herrscht großer Andrang. 29. Das Mindener „Bündnis gegen Rechts" richtet zwei Gabenzäune ein. Daran können Menschen Lebensmittel oder Kleidung hängen, um Personen zu unterstützen, die durch die Corona-Krise besonders hart getroffen sind. Wer etwas braucht, kann sich etwas nehmen. 31. Noch ist das Tragen von Atemschutzmasken nicht verpflichtend. Trotzdem beginnen immer mehr Menschen Alltagsmasken zu nähen – für sich und andere. April 2020 1. 2.000 Firmen in den Kreisen Minden-Lübbecke und Herford haben Kurzarbeit bei der Agentur für Arbeit angemeldet. Bundesweit gehen fast eine halbe Million Unternehmen diesen Schritt. 2. Erstmals stirbt ein Corona-Infizierter aus Minden-Lübbecke: ein 78-Jähriger Mindener, der schwere Vorerkrankungen hatte. 8. Klopapier statt Wein: Der Mindener Feinkosthändler Stuppiello importiert kurzerhand 340.000 Rollen Toilettenpapier aus Italien, um sie an regionale Partner im Einzelhandel weiterzugeben. Damit sollen mögliche Lieferengpässe aufgefangen werden – Hamsterkäufe sorgen dafür, dass Toilettenpapier-Regale in den Märkten größtenteils weiterhin leer sind. 11. Gerade angesichts sonniger Ostertage appellieren Behörden und Polizei, auf Tagesausflüge zu verzichten, um Menschenansammlungen zu vermeiden. Die Kirchen bleiben erstmals an einem Osterfest leer. 15. Die Preise für Benzin und Diesel fallen auf langjährige Tiefststände. Bereits zu diesem Zeitpunkt fällt die Entscheidung, Großveranstaltungen bis Ende August auszusetzen. 16. Die NRW-Landesregierung hält am 13. September als Termin für die Kommunalwahl fest. Das Land NRW erlaubt als einziges Bundesland den Möbelhäusern wieder zu öffnen und kommt damit vor allem der Möbelindustrie in OWL entgegen. Einzelhandelsgeschäfte dürfen nur Kunden empfangen, wenn die Verkaufsfläche maximal 800 Quadratmeter beträgt. Unterdessen brummt es an den Wertstoffhöfen – viele Menschen scheinen die Zeit zu Hause zum Entrümpeln und zur Gartenarbeit zu nutzen. 20. Der Handballverband Westfalen zieht die Notbremse: Saisonabbruch, keine Absteiger, Wildcards, vermehrte Aufstiege und Neuordnung der Amateurligen sind die Folge. Einen Tag später wird die laufende Saison der 1. und 2. Handball-Bundesliga mit sofortiger Wirkung beendet. Anfang Mai bricht auch der westfälische Amateurfußball die Spielzeit ab. 23. Einige Schüler haben unterdessen wieder Unterricht – nämlich, wenn sie vor Prüfungen stehen. Eine Ausnahme bilden Schüler vor dem Abitur: Sie können die Schule freiwillig besuchen. 25. Melitta stellt eine Atemschutzmaske aus Vlies in Form eines Kaffeefilters heraus. In Berlin demonstrieren derweil erstmals rund 1.000 Menschen gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung. 27. NRW führt eine Maskenpflicht beim Einkaufen sowie im ÖPNV ein. In Minden verzeichnet das Ordnungsamt kaum Verstöße. Mai 2020 1. Gläubige dürfen wieder Gottesdienste feiern, in Minden startet das Autokino. 4. Friseure dürfen wieder öffnen, wenn sie entsprechende Hygiene-Auflagen einhalten. 6. Bund und Länder vereinbaren weitere Lockerungen, mahnen aber zur Vorsicht. Sport, Freunde treffen, Kneipenbesuche – vieles soll wieder möglich sein. Kinder dürfen wieder auf Spielplätzen toben. 7. Der positive Trend erleidet einen Dämpfer: Es gibt 16 nachgewiesene Neuinfektionen, Auslöser ist ein größerer Ausbruch im Seniorenheim „Morgenglanz" in Minden, wo 26 Personen positiv getestet werden, von denen 16 im Mühlenkreis gemeldet sind. 11. Fast zwei Monate waren die Fitnessstudios in Minden geschlossen, jetzt dürfen sie wieder öffnen. Bei den Betreibern ist vor allem Erleichterung zu spüren. Der große Ansturm bleibt aus. 12. Das Ausnahme-Abitur beginnt: In NRW schreiben die Schülerinnen und Schüler die ersten Klausuren. Um die Abstandsregeln einzuhalten, ziehen die rund 90 Absolventen der Verbundschule Hille in die benachbarte Sporthalle um. 23. In der Mindener Innenstadt demonstrieren 50 bis 60 Menschen gegen die Corona-Auflagen. Sie machen sich für „Freiheit und Selbstbestimmung" stark. Mehrere Rednerinnen und Redner kritisieren die Vorgaben der Regierung, aber auch generell staatliche Institutionen und Medien. In den Monaten darauf folgen weitere Treffen die Initiative „Querdenken" organisiert mehrere Protest-Aktionen in Minden. 25. Planschen mit Abstand: Auch das Porta-Bad darf nach der Zwangspause unter verschärften Bedingungen in die Badesaison starten. Die Vorbereitungen sind aufwendig. 26. Wegen der positiven Entwicklung der Infektionszahlen wird das Corona-Behandlungszentrum der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe am Klinikum Minden geschlossen. Inzwischen gebe es nur noch eine „verschwindend geringe Zahl" von Patienten, die dort positiv getestet würden. Das Testzentrum der Mühlenkreiskliniken bleibt. Kreisweit gibt es 481 bestätigte Corona-Fälle. 30. Tanzen auf vier Rädern: Rund 1.000 Musikbegeisterte feiern bei der ersten „Auto-Disco Minden". In und auf den Fahrzeugen herrscht Partystimmung. Auch in Hille kommt Mitte Juni die erste Autodisco gut an: Hunderte junge Leute feiern ausgelassen – manche tanzen sogar auf dem Dach ihres Wagens. Juni 2020 5. Der Fernsehturm in Porta leuchtet abends wie noch nie zuvor. Die Organisatoren wollen mit der Aktion nicht nur ein faszinierendes Farbenspiel bieten, sondern auch ein Zeichen setzen: Die Lichtshow ist ein Signal der Hoffnung und des Zusammenhalts für die gesamte Kulturszene, die die Corona-Krise hart getroffen hat. Eine weitere wichtige Nachricht an diesem Tag: Alle Kinder können bald wieder täglich zur Grundschule gehen: Das Land beschließt, dass ab 15. Juni wieder Regelunterricht erteilt wird. 8. Alle Kinder dürfen wieder die Kitas besuchen. Weniger Stunden, andere Abläufe beim Bringen und Abholen: Für die Einrichtungen ist das eine Herausforderung. Auch die städtischen Jugendhäuser, deren Türen seit dem 13. März geschlossen waren, dürfen in Minden wieder öffnen – mit eingeschränkten Zeiten und umfangreichen Hygienekonzepten. 12. Das Mindener Bürgerbüro vergibt wieder Termine, um zum Beispiel Ausweisdokumente zu beantragen. Der Andrang ist riesig, es kommt zu Wartezeiten von drei Wochen. 15. 7.344 Anträge aus dem Mühlenkreis auf die Corona-Soforthilfe des Landes sind eingegangen. In OWL liegt die Zahl bei fast 45.000. Die offizielle Corona-Warn-App geht an den Start. 17. Massiver Corona- Ausbruch beim Schlachtbetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück: 650 Beschäftige werden positiv getestet, 7.000 gehen in Quarantäne. Auch Mitarbeiter, die im Mühlenkreis wohnen, sind betroffen. 18. Während der Kreis Gütersloh wegen der Tönnies-Fälle letztlich einen Lockdown verhängt, ist die Entwicklung in Minden-Lübbecke positiv, denn der Kreis ist fast „coronafrei": Nur noch drei Bürger sind nachweislich mit dem Virus infiziert, insgesamt gibt es 489 laborbestätigte Fälle. 23. Als erstes Kino in der Umgebung hat die Birke in Minden nach der coronabedingten Zwangspause wieder geöffnet. Laut Auskunft des Betreibers sind die ersten Vorstellungen zufriedenstellend verlaufen. Juli 2020 8. Im Corona-Testzentrum am Klinikum Minden kann sich ab sofort jeder freiwillig testen lassen – allerdings auf eigene Rechnung oder auf Kosten des Arbeitgebers. Nur in begründeten Verdachtsfällen kommen die Krankenkassen dafür auf. 14. Erneut gibt es nur noch drei aktive Fälle, doch ganz „coronafrei" wird der Mühlenkreis nicht. Unterdessen wird für ein halbes Jahr die Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent gesenkt. 23. Die Zahl der Infektionen nimmt wieder zu, vor allem durch Urlaubsrückkehrer. Nach der Ankunft aus Risikogebieten gilt automatisch eine Quarantänepflicht. August 2020 13. Eine Lehrkraft der Freiherr-von-Vincke-Realschule Minden wird positiv getestet. Krisenstab und Gesundheitsamt des Kreises lassen die Schule vorsichtshalber für zwei Tage schließen. 20. Drei weitere Schulen sind von Corona-Fällen betroffen. Zum einen wird eine Lehrkraft des Freiherr-vom-Stein-Berufskollegs in Minden positiv getestet, auch ein Schüler des Leo- Sympher-Kollegs infiziert sich. Der Schulbetrieb ist laut Kreis aber nicht eingeschränkt, da die Hygieneregeln inklusive des Tragens von Mund-Nase-Bedeckungen während des Unterrichtes eingehalten worden sind. Deutlich komplizierter ist die Situation in der Grundschule Lahde, nachdem zwei Geschwisterkinder positiv getestet worden sind. Weil in weiteren Klassen Fälle auftreten, wird der Standort wird für einige Tage geschlossen. 28. Karnevalisten in Minden und Porta sagen alle öffentlichen Termine der kommenden Session ab. Später ziehen auch die Jecken in Petershagen nach. 31. Immer wieder gibt es Corona-Fälle, die Querverbindungen zueinander aufweisen. Die Suche nach dem Ausgangspunkt der Infektionen ist für das Gesundheitsamt sehr schwierig – vor allem, weil immer mehr Infizierte keinerlei Symptome aufweisen. Und je mehr Kontakte die Menschen nach den Lockerungen wieder haben, desto schwieriger sei es, Kontaktpersonen frühzeitig zu ermitteln, um einen „Schneeballeffekt" bei der Ausbreitung zu verhindern. Ende August gibt es laut Kreis 724 laborbestätigte Fälle. September 2020 2. Das Corona-Testzentrum am Mindener Klinikum verdoppelt seine Kapazitäten. Das Team will täglich 6.000 Tests ermöglichen. 4. Vor dem Klinikum Minden bilden sich immer wieder lange Warteschlangen, Besucher müssen teilweise über eine Stunde anstehen. Die Vorschriften bleiben streng, es gibt feste Zeitfenster. An der Situation ändert sich im Laufe des Monats nichts, dann reagieren die MKK: Ein Drei-Tage-Ausweis für Besucher soll für Entspannung sorgen. 6. Innerhalb des ersten halben Jahres seit der ersten nachgewiesenen Corona-Infektion in Minden-Lübbecke sind 13 infizierte Menschen gestorben. 29. Die Zahl der Corona-Infektionen steigt. Insgesamt gibt es im Mühlenkreis 922 laborbestätigte Fälle, 812 gelten als abgeschlossen. Die Corona-Entwicklung in einer interaktiven Grafik   Oktober 2020 1. Nachdem die Frühjahrs- und Herbstmesse ausfallen mussten, ist der Kirmespark Weser auf Kanzlers Weide im Oktober eine willkommene Abwechslung für Besucher und vor allem für die Schausteller nach einer langen Durststrecke ohne Großveranstaltungen. Der Veranstalter registriert am Ende rund rund 36.000 Gäste. 3. Die aktualisierte Coronaschutzverordnung NRW schreibt vor, dass private Feiern „aus herausragendem Anlass" mit mehr als 50 Teilnehmenden und außerhalb des privaten Bereichs vom Veranstalter beziehungsweise Gastgeber drei Tage vorher schriftlich bei der Ordnungsbehörde angemeldet werden müssen. 11. Die Kabarett-Reihe im BÜZ startet, allgemein gibt es im Herbst wieder Theater, Kunst und Konzerte. Doch die Freude wird nur etwa vier Wochen anhalten: Im November werden erneut die Lichter ausgehen. 13. Die Zahl der aktiven Fälle in Minden-Lübbecke steigt auf 108 – insgesamt hat der Kreis seit Beginn der Pandemie 1.026 laborbestätigte Corona-Infektionen registriert. 19. Um diesen Tag herum beginnt ein exponentielles Wachstum nachgewiesener Fälle. Am 19. Oktober sind es 1.099, eine Woche später 1.315 Fälle, am 9. November bereits 2.483. 23. 30 Neuinfektionen innerhalb eines Tages registriert das Gesundheitsamt. Der Sieben-Tage-Inzidenz-Wert, also die Zahl der Neuinfektionen der vergangenen sieben Tage pro 100.000 Einwohner – steigt in Minden-Lübbecke erstmals über den ersten Grenzwert von 35. Die Folge sind weitere Einschränkungen. 26. Minden-Lübbecke wird mit einem Inzidenzwert von 57,3 offiziell als Risikogebiet eingestuft. Damit gelten weitere Beschränkungen unter anderem für Sport- und Kulturveranstaltungen, den gastronomischen Betrieb, das Treffen von Gruppen in der Öffentlichkeit und Besuchsmöglichkeiten in den Mühlenkreiskliniken. 31. Der Entschluss steht: Auch in Minden wird es 2020 keinen Weihnachtsmarkt geben. Lange hat die Minden Marketing an einem corona-konformen Konzept gefeilt, doch eine Umsetzung ist letztendlich nicht möglich. November 2020 1. Die zweite Welle rollt an und trifft auch den Sport: Die Amateursportler müssen wieder zu Hause bleiben. 4. Der Kreis meldet so viele Corona-Neuinfektionen wie noch nie zuvor – 113 innerhalb von 24 Stunden. Die Mitarbeiter im Gesundheitsamt sind überlastet und können ohne Hilfe nicht mehr alle potenziell Betroffenen rechtzeitig kontaktieren und in Quarantäne schicken. Die Bundeswehr unterstützt die Corona-Ermittler. 5. In den vergangenen drei Wochen haben sich genauso viele Menschen im Mühlenkreis infiziert wie zuvor in sieben Monaten. Allein in den vergangenen 24 Stunden sind 137 Fälle hinzugekommen – neuer Rekordwert. 7. Bei einer Kontrolle des SG-Clubs stellt das Portaner Ordnungsamt Verstöße gegen die Corona-Schutzverordnung fest. Der Bordellbetreiber muss mit einem hohen Bußgeld rechnen. Auch im Dezember werden bei einer Razzia mehrere Prostituierte und Freier angetroffen – der Betreiber soll daraufhin 50.000 Euro zahlen. Nicht mit allen Corona-Maßnahmen ist Dr. Peter Witte einverstanden. Der Direktor des Instituts für Krankenhaushygiene an den Mühlenkreiskliniken hätte Restaurants zum Beispiel nicht geschlossen. „Sorgen machen kann man sich schon. Aber man sollte nicht in Panik verfallen." 10. Eine Lehrkraft der Grundschule in Eldagsen infiziert sich und wird in Quarantäne geschickt. Ihr Fall zeigt, wie Notfallpläne funktionieren. Der Unterricht kann weiterlaufen. 11. Einem Schüler aus Minden wird eine Corona-Kontrolle vor seiner Berufsschule in Bielefeld zum Verhängnis. Er ist einer von diversen Schülern, die 50 Euro zahlen sollen, weil sie – trotz Masken und Abstand – zusammenstanden und dabei die Zwei-Haushalte-Regel nicht einhielten. Der 18-Jährige kann das nicht verstehen: „Wenige Minuten später saßen wir alle wieder im Klassenraum zusammen." 12. Handballer Juri Knorr wird nach einer Länderspielreise positiv getestet und leidet an deutlichen Symptomen. Noch am gleichen Tag begibt sich der gesamte Tross von GWD Minden in Quarantäne. Nach neun Tagen und mehreren negativen Tests darf der Handball-Bundesligist wieder trainieren. 19. Die Diakonie Stiftung Salem kümmert sich um Covid-19-Patienten, die nicht mehr ansteckend sind. Sie ziehen in die Räume einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft in Dützen ein, um das Klinikum zu entlasten. Unterdessen meldet der Kreis 990 aktive Corona-Fälle. Insgesamt gibt es 3.363 laborbestätigte Infektionen. 20. Nach einem „diffusen Ausbruchsgeschehen" werden 180 Schüler einer Jahrgangsstufe des Herdergymnasiums nach Hause geschickt und müssen sich testen lassen. Eine Person hat dabei einen positiven Befund. Nach drei Tagen geht der Unterricht weiter. 30. Espelkamp wird mit einer Inzidenz von mehr als 500 zum Hotspot und Sorgenkind des Kreises. Landrätin Anna Bölling (CDU) appelliert an die Bürger: „Bitte nicht alles tun, was erlaubt ist, und dazu auf alle nicht notwendigen Kontakte verzichten!" Dezember 2020 3. Die Bauarbeiten für das Minden-Lübbecker Corona-Impfzentrum in Hille haben begonnen. Bis zum 15. Dezember soll der Umbau der Unterlübber Sporthalle fertig sein. 9. Das Corona-Testzentrum der Mühlenkreiskliniken bietet nun auch Antigen-Abstriche an. Zudem können Termine reserviert werden, um stundenlange Wartezeiten zu vermeiden. Es gibt aber auch Wirbel um das Testzentrum, denn dort soll ein Streit dazu geführt haben, dass fünf Mitarbeiter ihre Jobs verloren haben. Im Mittelpunkt steht die Tochter einer Führungskraft und ihr Umgang mit Patienten. Die MKK widersprechen den Angaben der Betroffenen. Sie bestätigen aber, sich sich von Mitarbeitern getrennt zu haben. 10. Der Kreis verschärft die Corona-Schutzmaßnahmen noch einmal deutlich. Private Zusammenkünfte sind auf höchstens fünf Personen aus zwei Haushalten begrenzt. Sport- und Schwimmhallen dürfen nur noch für prüfungsrelevante Lehrveranstaltungen genutzt werden, Musikunterricht ist als Präsenzveranstaltung untersagt, in Gottesdiensten gilt ein Gesangsverbot und im Handel darf sich nur ein Kunde pro 20 Quadratmeter aufhalten. Grund für die zunächst bis zum 23. Dezember beschränkten Maßnahmen ist die kreisweite Überschreitung eines Inzidenzwertes von 200. In Espelkamp (Inzidenz: 581) werden die Menschen erstmals aufgefordert, ihre Wohnungen nicht mehr ohne Grund zu verlassen. 13. Harter Lockdown für NRW beschlossen: Alle Geschäfte außer die für den täglichen Bedarf müssen schließen. Schüler und Kita-Kinder sollen bis zum 10. Januar zu Hause bleiben. Die Ankündigung treibt am Wochenende zahlreiche Menschen in die Stadt, um schnell noch Weihnachtsgeschenke zu kaufen. 16. Heiligabend ohne Kirchgang: Dass die Weihnachtsgottesdienste ausfallen sollen, trifft die Gemeinden im Kirchenkreis Minden hart. Trotzdem stehen sie hinter der Empfehlung der Evangelischen Kirche von Westfalen. 18. Ältere und vorerkrankte Menschen dürfen sich seit einigen Tagen drei kostenlose FFP2-Masken in der Apotheke abholen. Der Andrang ist groß. 20. Der Inzidenzwert von 275 ist der bisher höchste in Minden-Lübbecke. Allein am Wochenende vor Weihnachten meldet der Kreis 261 Neuinfektionen – so viele wie noch nie. Unterdessen wächst die Sorge vor einer neuen Virus-Variante: Die Bundesregierung will deshalb das Reisen nach Großbritannien einschränken. 21. Minden-Lübbecke liegt auf Platz drei der Corona-Hotspots in NRW. Ab dem 23. Dezember gilt von 21 bis 4 Uhr eine Ausgangssperre. An den Feiertagen und zu Silvester werden die Zeiten etwas gelockert. Zudem sollen alle Maßnahmen bis zum 10. Januar verlängert werden. 23. Der Kreis meldet mit 164 den bis heute höchsten Wert an Corona-Neuinfektionen innerhalb eines Tages. 25. Mit 2.083 aktuellen Erkrankten ist der bisherige Höchstwert im Kreis erreicht. 27. Die Corona-Impfaktion beginnt in der Senioren-Residenz Schloss Rahden. Die Impfdosen reichen für 86 Bewohner über 80 Jahre und 103 Mitarbeiter. Das mobile Ärzteteam und Pflegekräfte leisten Akkordarbeit. 31. Die Zahl der Corona-Toten im Kreis ist dreistellig (101). In Minden-Lübbecke liegen 36 Covid-Patienten auf einer Intensivstation – so viele wie bis dahin noch nie. Januar 2021 5. Die Schutzmaßnahmen werden nicht nur bis zum 31. Januar verlängert, sondern noch erheblich ausgeweitet. So dürfen sich zum Beispiel im privaten Bereich die Personen eines Haushalts nur noch mit einer Person aus einem weiteren Haushalt treffen. 6. Rund 44.000 Menschen sind in Westfalen-Lippe bereits gegen das Virus geimpft worden. Zahlen für den Mühlenkreis nennt die Kassenärztliche Vereinigung zunächst aber nicht. 7. In der Weser-Residenz Bad Hopfenberg in Petershagen gibt es 45 Corona-Fälle. Alle betroffenen Bewohner befinden sich im Isolationsbereich, es wird ein Besuchsverbot verhängt. 8. In Minden-Lübbeckes Krankenhäusern werden 105 Covid-Patienten behandelt, so viele wie bisher noch nie. 12. Der Kreis bleibt ein Corona-Hotspot. Die Folge: Menschen dürfen sich nicht weiter als 15 Kilometer von ihrem Wohnort entfernen. Die Regel sorgt für Verwirrung, denn es gibt viele Ausnahmen. 13. 1.553 Menschen sind bislang geimpft worden – damit ist der Mühlenkreis Schlusslicht in Ostwestfalen. 19. Die Mindener Gastronomen haben bisher von den zugesagten finanziellen Hilfen nur Abschläge gesehen. Die Kosten laufen aber weiter – „es wird eng". Auch die Kulturszene trifft der zweite Lockdown hart. Außerdem wird der Lockdown bis zum 14. Februar verlängert. Unter anderem wird die Maskenpflicht in Bussen und Bahnen sowie in Supermärkten verschärft. Arbeitgeber müssen Homeoffice ermöglichen, Schulen bleiben geschlossen, Eltern sollen Kinder nur in die Kita schicken, wenn es gar nicht anders geht. 20. In den Kliniken wird wegen Lieferproblemen des Herstellers Biontech ein kurzfristiger Impfstopp verhängt. Die Mühlenkreiskliniken sind davon besonders betroffen. An einem Tag sollen 450 Mitarbeiter immunisiert werden – doch es kommt anders. 22. Der Inzidenzwert für den Kreis liegt bei 138,5 – so niedrig wie zuletzt im Oktober. Und Minden-Lübbecke holt beim Impfen auf. Doch es gibt auch mehrere Todesfälle zu beklagen. 25. Große technische Probleme bei der Vergabe der Impftermine sorgen im Mühlenkreis für reichlich Kritik. Die Kassenärztliche Vereinigung bittet um Geduld. 27. Der Handballverband Westfalen bricht die zweite Saison in Folge ab. Es gibt erneut keine Absteiger. Vereine, die in ihren Ligen aufsteigen wollen, können an einer Aufstiegsrunde teilnehmen. Nach einem größeren Ausbruch mit 30 nachgewiesenen Fällen in der Seniorenresidenz Weserbergland in Hausberge sterben sieben Bewohner im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion. Februar 2021 1. Hilfe gegen Corona-Spätfolgen: Am Klinikum Minden eröffnet die erste Post-Covid-Ambulanz in OWL. Derweil übersteigt die Zahl der coronainfiziert Verstorbenen die Marke von 200. 2. Erstmals seit Ende Oktober ist die Inzidenz für den Kreis wieder zweistellig (99,2). 4.155 Menschen haben die erste Impfung erhalten. 8. Das Impfzentrum in Hille nimmt seinen Betrieb auf. Senioren über 80 Jahre, die nicht in Heimen leben, werden immunisiert. Ein heftiger Wintereinbruch macht den Auftakt für alle Beteiligten zu einer Herausforderung. Der Impffortschritt in Ostwestfalen-Lippe !function(){"use strict";window.addEventListener("message",(function(a){if(void 0!==a.data["datawrapper-height"])for(var e in a.data["datawrapper-height"]){var t=document.getElementById("datawrapper-chart-"+e)||document.querySelector("iframe[src*='"+e+"']");t&&(t.style.height=a.data["datawrapper-height"][e]+"px")}}))}(); 9. Mutation nachgewiesen: Eine Mitarbeiterin des Herz- und Diabeteszentrums in Bad Oeynhausen hat sich mit der britischen Corona-Variante infiziert. Eine Übertragung auf Kontaktpersonen gab es laut Kreis nicht. 10. Der Lockdown wird bis zum 7. März verlängert. Als neuer Grenzwert für Lockerungen gilt nun eine Inzidenz von 35, nicht mehr von 50. 11. Die Inzidenz sinkt im Mühlenkreis zum ersten Mal seit Ende Oktober auf unter 50. 13. Der Kreis hat in einer kurzfristigen Aktion Berufsfeuerwehrleute, Rettungsdienstkräfte und Pflegedienstmitarbeiter mit dem Astrazeneca-Stoff impfen lassen. Tags darauf fallen zahlreiche Mitarbeiter des Rettungswesens mit Nebenwirkungen wie Fieber oder Schüttelfrost aus. Bereits im Vorfeld hatte es intern deutliche Kritik an den Plänen gegeben. 16. Die Hygienevorschriften im Kampf gegen die Pandemie zeigen positive Nebeneffekte. Erkältungen oder Magen-Darm-Erkrankungen gehen deutlich zurück. 19. 21 Neuinfektionen, 51 bestätigte Mutationsfälle und eine leicht gestiegene Inzidenz: Die Infektionskurve zeigt weiter leicht nach oben. Im Seniorenheim „Haus Emmaus" der Diakonie gibt es mehrere Infektionen, obwohl die Bewohner Mitte Januar geimpft wurden. 22. Individualsportler wie Tennis- oder Golfspieler, dürfen unter strengen Auflagen auf ihre Anlagen zurückkehren. Mannschaftssportler müssen sich weiterhin gedulden. 26. Immer wieder gibt es Meldungen, dass Menschen geimpft werden, die noch gar nicht an der Reihe sind. Das sorgt für reichlich Unmut. März 2021 1. Endlich wieder die Haare schön: Nach zweieinhalb Monaten Corona-Zwangspause dürfen Friseure wieder öffnen. Vor vielen Salons stehen die Kunden bereits morgens Schlange. 2. Händler fordern Wiedereröffnung: Mit einem offenen Brief senden Geschäftsinhaber einen emotionalen Appell an die Bundesregierung. Sie stehen in den Startlöchern. 3. Der Lockdown wird grundsätzlich bis zum 28. März verlängert – dennoch sollen Lockerungen zugelassen werden. Es gibt eine stufenweise Öffnungsstrategie mit eingebauter Notbremse. Der Inzidenzwert 35 spielt dabei kaum noch eine Rolle. Bald kann sich jeder mit Schnelltests auf eine Corona-Infektion hin untersuchen. Es ist eine Hoffnung im Umgang mit der Pandemie. Mediziner Peter Witte mahnt aber zur Vorsicht. Die Tests könnten helfen, nicht erkannte Fälle aufzudecken. „Allerdings wäre es ein Fehler, sich zu sehr auf das Ergebnis zu verlassen und unvorsichtig zu werden." 5. Ein Jahr nach Bekanntwerden des ersten Corona-Falls in Minden-Lübbecke sind 10.311 Infektionen nachgewiesen worden, 9.442 Menschen sind nach einer Infektion genesen, 234 verstorben. Der Inzidenzwert liegt nach MT-Berechnungen bei 65,7.

365 Tage Corona in Minden-Lübbecke: So hat ein Virus unser Leben auf den Kopf gestellt

Seit Beginn der Pandemie wurden im Kreis Minden-Lübbecke 10.311 Corona-Infektionen nachgewiesen, 9.442 Menschen sind nach einer Infektion genesen, 234 verstorben. Der Inzidenzwert liegt nach MT-Berechnungen aktuell bei 65,7. Foto: © MT-Archiv

Minden. Es ist der 31. Dezember 2019, 10.31 Uhr: Die deutsche Nachrichtenagentur dpa gibt eine Meldung heraus, die Deutschland nur am Rande wahrnimmt: „Eine mysteriöse Lungenkrankheit ist in der zentralchinesischen Metropole Wuhan ausgebrochen. Bislang seien 27 Erkrankte identifiziert worden, berichtete die Gesundheitskommission der Stadt am Dienstag. Gerüchten im Internet, es könnte sich um einen neuen Ausbruch der Lungenseuche Sars handeln, trat die ,Volkszeitung‘ entgegen. Das Parteiorgan zitierte Experten, dass die Ursache gegenwärtig noch unklar sei." Dass sich aus dieser Meldung eine weltweite Pandemie entwickeln wird, ahnt zu der Zeit noch niemand.

Die Stadt Wuhan steht im Januar 2020 unter Quarantäne. Es sind beunruhigende Bilder, doch zu diesem Zeitpunkt ahnt wohl noch niemand, was das Corona-Virus noch alles bewirken wird. Foto: - © imago images/Kyodo News
Die Stadt Wuhan steht im Januar 2020 unter Quarantäne. Es sind beunruhigende Bilder, doch zu diesem Zeitpunkt ahnt wohl noch niemand, was das Corona-Virus noch alles bewirken wird. Foto: - © imago images/Kyodo News

Januar 2020

5. Die Weltgesundheitsbehörde (WHO) gibt eine „Disease Outbreak News" („Mitteilung über einen Krankheitsausbruch") heraus: „Am 31. Dezember wurde das chinesische Büro der WHO über Fälle von Lungenerkrankungen in Wuhan, Provinz Hubei, unbekannter Ursache informiert. Von 44 Personen erscheinen elf schwerstkrank. Die Symptome umfassen vor allem Fieber, wenige Patienten haben Atemprobleme." Doch erst ganz langsam kommt in der Öffentlichkeit an, dass diese Krankheit zu einem globalen Problem werden könnte.

9. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) gibt eine erste Einschätzung zum neuartigen Corona-Virus heraus. Es hält das Risiko für Reisende für gering, ebenso das Auftreten der Krankheit in der EU.

13. Zum ersten Mal ist explizit vom Corona-Virus im Mindener Tageblatt zu lesen: „Erstmals ist ein Patient an der geheimnisvollen neuen Lungenkrankheit gestorben, die in China ausgebrochen ist. Wie die Gesundheitskommission der zentral-chinesischen Metropole Wuhan berichtete, sind sieben Patienten in kritischem Zustand. Insgesamt sei bei 41 Erkrankten das neuartige Coronavirus festgestellt worden, das als Auslöser gilt."

23. Aus China sind nun Bilder zu sehen, die beunruhigen. Die Stadt Wuhan steht unter Quarantäne. Die Straßen sind leer. Menschen in weißen Schutzanzügen stehen an Straßensperren.

24. In Frankreich wird der erste Corona-Fall in Europa nachgewiesen. Drei Tage danach werden die ersten Infizierten in Deutschland entdeckt. Eine Chinesin hat vier Mitarbeiter des bayerischen Autozulieferers Websto angesteckt.

28. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ruft in einem Interview zu Gelassenheit auf: „Für übertriebene Sorge gibt es keinen Grund". Das Thema wird in Deutschland noch immer zurückhaltend diskutiert. Warnungen vor Ansteckungen oder die Empfehlung, Abstand zu halten, gibt es nicht.

30. Erstmals taucht das Virus im MT-Lokalteil auf. Zwei Freundinnen aus Bad Oeynhausen, die auf einer Reise durch China waren, berichten von ihren Eindrücken. Auf dem Foto ist zu sehen, was noch fremd wird und schon bald vertraut sein soll: Die beiden Frauen tragen FFP2-Masken. Einen Tag später ist zu lesen, dass die Nachfrage nach Atemschutzmasken in Mindener Apotheken bereits deutlich angestiegen ist. Die Kreisverwaltung weist darauf hin, „dass von der Influenza eine deutlich höhere Gefahr ausgeht. Die saisonale Influenza gehört zu den Infektionskrankheiten mit der höchsten bevölkerungsbezogenen Sterblichkeit."

Im Johannes Wesling Klinikum werden die ersten 20 Menschen Ende Februar auf eine Infektion untersucht. Alles Tests bleiben negativ. Foto: - © MT-Archiv
Im Johannes Wesling Klinikum werden die ersten 20 Menschen Ende Februar auf eine Infektion untersucht. Alles Tests bleiben negativ. Foto: - © MT-Archiv

Februar 2020

7. Eigentlich hatte an diesem Tag die chinesische Neujahrsfeier des Trägervereins Partnerschaft Minden Changzhou im BÜZ stattfinden sollen. Die Veranstalter sagen es aus Sicherheitsgründen ab. Es ist die erste Veranstaltung, die im Zusammenhang mit dem Corona-Virus nicht stattfindet. Viele weitere werden folgen.

15. Mehr als 300 Karnevalisten des Vereins „Langbröker Dicke Flaa" feiern in Gangelt (Rheinland) die Knappensitzung. Dicht an dicht schunkeln die Jecken – nicht wissend, dass das Virus mit im Raum ist. Wenige Tage später wird der Landkreis Heinsberg der erste deutsche Hotspot sein.

26. Erstmals ist in Minden-Lübbeckes unmittelbarer Nachbarschaft vom Corona-Virus die Rede: Wegen eines Verdachtsfalls bleiben im Landkreis Nienburg zwei Schulen geschlossen. Kurz darauf gibt die dortige Kreisverwaltung aber Entwarnung.

27. Angesichts des Ausbruchgeschehens im Rheinland spricht Gesundheitsminister Spahn erstmals von einer drohenden Epidemie in Deutschland. Derweil gibt Chef Heino Nordmeyer bekannt, dass die Jahreshauptversammlung der Mindener Feuerwehr wegen der Ansteckungsgefahr ausfallen muss.

28. Erstmals äußert sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu Corona. Sie wirbt für ein Vorgehen mit „Maß und Mitte". Das Mindener Johannes-Wesling-Klinikum (JWK) hat bisher 20 Patienten auf eine Infektion hin untersucht. Alle Tests waren negativ.

29. Immer mehr Einrichtungen reagieren auf das Virus. Das Leo-Sympher-Berufskolleg sagt eine Klassenfahrt nach Italien ab. Die Kassenärztliche Vereinigung richtet eine Patienten-Hotline ein. Erstmals ist auch im Lokalsport vom Corona-Virus die Rede: Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) sieht zwar keine Veranlassung, Spielbetrieb und Wettkämpfe abzusagen. Aufs Händeschütteln sollen die Sportler aber verzichten.

Vor dem Haupteingang des Klinikums wird eine Corona-Ambulanz aufgebaut. Am 6. März werden die ersten beiden Corona-Infizierten im Kreis Minden-Lübbecke bekannt. Der Anfang der Pandemie im Mühlenkreis. Foto: - © MT-Archiv
Vor dem Haupteingang des Klinikums wird eine Corona-Ambulanz aufgebaut. Am 6. März werden die ersten beiden Corona-Infizierten im Kreis Minden-Lübbecke bekannt. Der Anfang der Pandemie im Mühlenkreis. Foto: - © MT-Archiv

März 2020

1. In Deutschland gibt es 147 nachgewiesene Infektionen. Viele Menschen kehren aus dem Skiurlaub zurück und bringen insbesondere aus dem Hotspot Ischgl das Virus mit.

5. Die Mühlenkreiskliniken (MKK) beginnen vor dem Haupteingang des Mindener Klinikums mit dem Betrieb einer Corona-Ambulanz. Graue Zelte, ein Behandlungsraum auf Rädern und ein Toilettenwagen – daraus besteht die sogenannte Infektiöse Notfallambulanz. Ziel ist es, dort Patienten zu untersuchen, die sich mit dem Virus angesteckt haben könnten. Bereits vor Inbetriebnahme des Zentrums hat das Krankenhaus begonnen, in der stationären Aufnahme Patienten mit Corona-Symptomen zu isolieren. Derweil gibt es den ersten nachgewiesenen Corona-Fall in OWL, konkret in Lippe.

6. In Minden-Lübbecke werden die ersten beiden Corona-Infizierten bekannt. Sie müssen ebenso in die häusliche Quarantäne wie mehrere Kontaktpersonen. Derweil richtet der Kreis ein Bürgertelefon ein, um eine Anlaufstelle für die zahlreichen Fragen anzubieten. Das Thema Corona erreicht den heimischen Sport: In der Handball-Verbandsliga fällt das Hahler Spiel gegen ASV Senden aus. Grund ist ein Corona Verdachtsfall im Raum Senden.

7. Dutzende Gäste tanzen und schunkeln beim „Bayerischen Fest" in einem Espelkamper Gasthaus – es soll Minden-Lübbeckes erster Corona-Hotspot werden.

8. Der erste Deutsche stirbt an den Folgen der Infektion in einem ägyptischen Krankenhaus. Einen Tag später sterben zwei Infizierte in NRW. Gesundheitsminister Spahn empfiehlt, alle Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen abzusagen. In Minden-Lübbecke gibt es zu diesem Zeitpunkt fünf bestätigte Corona-Infektionen.

9. Der Kreis Minden-Lübbecke richtet einen verwaltungsinternen Krisenstab ein, der Tag für Tag über das weitere Vorgehen entscheidet. Im Kreisgebiet wird die erste Großveranstaltung abgesagt: die Ausbildungsmesse „Go Future 2020". Veranstaltungen im Mindener Stadttheater finden noch statt.

10. Das Land erlässt, dass Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Personen abgesagt werden müssen. Das erste Geisterspiel der Fußball-Bundesliga-Geschichte ist einen Tag später das Nachholspiel Borussia Mönchengladbach gegen 1. FC Köln.

11. Nach einigem Hin und Her wird die Messe „Haus und Energie" auf Kanzlers Weide abgesagt. Handball-Bundesligist GWD Minden stoppt den Kartenvorverkauf für die bevorstehenden Heimspiele. In den Tagen danach fallen immer mehr Veranstaltungen aus. Auch das Stadttheater sagt alle Events ab.

12. Erstmals werden Schulen wegen Verdachtsfällen unter den Schülern geschlossen: die Grundschule Gehlenbeck, die Verbundschule Hille, das Mindener Bessel-Gymnasium sowie zwei Schulen in Espelkamp. Kurz danach beschließt das Land, Schulen und Kitas komplett zu schließen.

13. Corona erricht den Sport mit voller Wucht: Die Verantwortlichen aus Handball, Fußball, Volleyball, Tischtennis und allen anderen Sportarten entscheiden sich, den Spiel- und Trainingsbetrieb einzustellen. Alle Mannschaften und Einzelsportler betroffen – von der Bundes- bis in die Kreisliga. Auch Museen und Kinos müssen schließen, ebenso das Stadttheater, der Jazz Club und das BÜZ. Die Freilichtbühne Porta und die Tucholsky-Bühne müssen ihre für den Sommer geplanten Produktionen aufgeben, weil auch keine Proben mehr erlaubt sind.

16. Es gibt einen bundesweiten Lockdown – unter anderem schließen Restaurants, der Profi- und Amateursport stellen den Betrieb ein, die Mühlenkreiskliniken verhängen einen Besucherstopp. Alle Menschen werden aufgefordert, ihre Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren. Zwei Tage später wendet sich Kanzlerin Merkel während einer Fernsehansprache an die Deutschen: „Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst." In Minden-Lübbecke gibt es inzwischen knapp 50 nachgewiesene Corona-Infektionen.

17. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) richtet einen eindringlichen Appell an die Bevölkerung, sie möge soziale Kontakte auf ein Minimum beschränken: „Es geht um Leben und Tod – so einfach ist das." Auch Mindens größtes Kaufhaus, Hagemeyer, schließt.

18. Trotz der Regeln kommen noch immer Menschen auf Sportplätzen und in Cafés zusammen. Die Stadt Minden erhöht den Druck, die Beschränkungen durchzusetzen, und droht mit Bußgeldern. Es gibt 98 bestätigte Fälle. Wegen des stark reduzierten Flugverkehrs sitzen Tausende Deutsche in Urlaubsländern fest, darunter auch zahlreiche Minden-Lübbecker.

20. Ein 87-jähriger Mann aus dem Kreis Lippe ist der erste Patient in OWL, der an oder mit dem Corona-Virus stirbt. Das Mindener Klinikum richtet wegen steigender Fallzahlen auf die Schnelle ein kleines Container-Dorf ein, um die Behandlungskapazitäten zu erhöhen. Die Zahl der nachgewiesenen Fälle im Kreisgebiet liegt bei 118. Auch die Hamsterkäufe nehmen zu – Andrang gibt es vor allem auf Toilettenpapier. In Italien sterben unterdessen fast 800 Menschen an oder mit dem Virus innerhalb eines Tages. Mit bis dahin rund 4.800 Toten ist Italien das zu dem Zeitpunkt am stärksten betroffene Land der Welt.

22. Nachdem die Mindener Innenstadt in den ersten Tagen des Lockdowns noch erstaunlich voll gewesen war, hat sich das geändert: Sie ist nun beinahe menschenleer. Während das öffentliche Leben mehr und mehr stillsteht, arbeitet das Labor im Mindener Klinikum am Anschlag. Es bereitet sich darauf vor, die Zahl der Tests pro Tag auf 1.000 hochzufahren. Bund und Länder beschließen, Treffen von mehr als zwei Menschen in der Öffentlichkeit zu verbieten. Auch alle Restaurants und Friseure in NRW müssen geschlossen bleiben.

24. Auf Parkplätzen entlang der A2 im Bereich Porta stranden Fernfahrer vor allem aus Osteuropa, die nicht wissen, wann sie ihre Ziele wieder ansteuern können. Weil es für die Trucker auch an Lebensmitteln mangelt, organisieren zwei Minden-Lübbecker spontan Hilfe.

25. Das gemeinsam von Kassenärzten und Klinik betriebene Corona-Testzentrum in den Containern neben dem Mindener Klinikum nimmt seinen Betrieb auf.

26. Not macht erfinderisch: Als Mundschutz zur Mangelware wird, entwickelt die Mindener Firma Sitex eine wiederverwertbare Atemmaske. Ein Wachdienst kontrolliert nun dauerhaft die Eingänge des Mindener Klinikums – so soll der Zugang auf wenige Personen beschränkt werden.

27. Das Wetter ist sonnig, viele Menschen nutzen die freie Zeit, um ihren Garten auf Vordermann zu bringen. In vielen Baumärkten herrscht großer Andrang.

29. Das Mindener „Bündnis gegen Rechts" richtet zwei Gabenzäune ein. Daran können Menschen Lebensmittel oder Kleidung hängen, um Personen zu unterstützen, die durch die Corona-Krise besonders hart getroffen sind. Wer etwas braucht, kann sich etwas nehmen.

31. Noch ist das Tragen von Atemschutzmasken nicht verpflichtend. Trotzdem beginnen immer mehr Menschen Alltagsmasken zu nähen – für sich und andere.

Ende April wird in NRW einen Maskenpflicht beim Einkaufen sowie im ÖPNV eingeführt. Foto: - © MT-Archiv
Ende April wird in NRW einen Maskenpflicht beim Einkaufen sowie im ÖPNV eingeführt. Foto: - © MT-Archiv

April 2020

1. 2.000 Firmen in den Kreisen Minden-Lübbecke und Herford haben Kurzarbeit bei der Agentur für Arbeit angemeldet. Bundesweit gehen fast eine halbe Million Unternehmen diesen Schritt.

2. Erstmals stirbt ein Corona-Infizierter aus Minden-Lübbecke: ein 78-Jähriger Mindener, der schwere Vorerkrankungen hatte.

8. Klopapier statt Wein: Der Mindener Feinkosthändler Stuppiello importiert kurzerhand 340.000 Rollen Toilettenpapier aus Italien, um sie an regionale Partner im Einzelhandel weiterzugeben. Damit sollen mögliche Lieferengpässe aufgefangen werden – Hamsterkäufe sorgen dafür, dass Toilettenpapier-Regale in den Märkten größtenteils weiterhin leer sind.

11. Gerade angesichts sonniger Ostertage appellieren Behörden und Polizei, auf Tagesausflüge zu verzichten, um Menschenansammlungen zu vermeiden. Die Kirchen bleiben erstmals an einem Osterfest leer.

15. Die Preise für Benzin und Diesel fallen auf langjährige Tiefststände. Bereits zu diesem Zeitpunkt fällt die Entscheidung, Großveranstaltungen bis Ende August auszusetzen.

16. Die NRW-Landesregierung hält am 13. September als Termin für die Kommunalwahl fest. Das Land NRW erlaubt als einziges Bundesland den Möbelhäusern wieder zu öffnen und kommt damit vor allem der Möbelindustrie in OWL entgegen. Einzelhandelsgeschäfte dürfen nur Kunden empfangen, wenn die Verkaufsfläche maximal 800 Quadratmeter beträgt. Unterdessen brummt es an den Wertstoffhöfen – viele Menschen scheinen die Zeit zu Hause zum Entrümpeln und zur Gartenarbeit zu nutzen.

20. Der Handballverband Westfalen zieht die Notbremse: Saisonabbruch, keine Absteiger, Wildcards, vermehrte Aufstiege und Neuordnung der Amateurligen sind die Folge. Einen Tag später wird die laufende Saison der 1. und 2. Handball-Bundesliga mit sofortiger Wirkung beendet. Anfang Mai bricht auch der westfälische Amateurfußball die Spielzeit ab.

23. Einige Schüler haben unterdessen wieder Unterricht – nämlich, wenn sie vor Prüfungen stehen. Eine Ausnahme bilden Schüler vor dem Abitur: Sie können die Schule freiwillig besuchen.

25. Melitta stellt eine Atemschutzmaske aus Vlies in Form eines Kaffeefilters heraus. In Berlin demonstrieren derweil erstmals rund 1.000 Menschen gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung.

27. NRW führt eine Maskenpflicht beim Einkaufen sowie im ÖPNV ein. In Minden verzeichnet das Ordnungsamt kaum Verstöße.

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In NRW schreiben die Schülerinnen und Schüler die ersten Klausuren. Um die Abstandsregeln einzuhalten, ziehen die rund 90 Absolventen der Verbundschule Hille in die benachbarte Sporthalle um. Foto: - © MT-Archiv
In NRW schreiben die Schülerinnen und Schüler die ersten Klausuren. Um die Abstandsregeln einzuhalten, ziehen die rund 90 Absolventen der Verbundschule Hille in die benachbarte Sporthalle um. Foto: - © MT-Archiv

Mai 2020

1. Gläubige dürfen wieder Gottesdienste feiern, in Minden startet das Autokino.

4. Friseure dürfen wieder öffnen, wenn sie entsprechende Hygiene-Auflagen einhalten.

6. Bund und Länder vereinbaren weitere Lockerungen, mahnen aber zur Vorsicht. Sport, Freunde treffen, Kneipenbesuche – vieles soll wieder möglich sein. Kinder dürfen wieder auf Spielplätzen toben.

7. Der positive Trend erleidet einen Dämpfer: Es gibt 16 nachgewiesene Neuinfektionen, Auslöser ist ein größerer Ausbruch im Seniorenheim „Morgenglanz" in Minden, wo 26 Personen positiv getestet werden, von denen 16 im Mühlenkreis gemeldet sind.

11. Fast zwei Monate waren die Fitnessstudios in Minden geschlossen, jetzt dürfen sie wieder öffnen. Bei den Betreibern ist vor allem Erleichterung zu spüren. Der große Ansturm bleibt aus.

12. Das Ausnahme-Abitur beginnt: In NRW schreiben die Schülerinnen und Schüler die ersten Klausuren. Um die Abstandsregeln einzuhalten, ziehen die rund 90 Absolventen der Verbundschule Hille in die benachbarte Sporthalle um.

23. In der Mindener Innenstadt demonstrieren 50 bis 60 Menschen gegen die Corona-Auflagen. Sie machen sich für „Freiheit und Selbstbestimmung" stark. Mehrere Rednerinnen und Redner kritisieren die Vorgaben der Regierung, aber auch generell staatliche Institutionen und Medien. In den Monaten darauf folgen weitere Treffen die Initiative „Querdenken" organisiert mehrere Protest-Aktionen in Minden.

25. Planschen mit Abstand: Auch das Porta-Bad darf nach der Zwangspause unter verschärften Bedingungen in die Badesaison starten. Die Vorbereitungen sind aufwendig.

26. Wegen der positiven Entwicklung der Infektionszahlen wird das Corona-Behandlungszentrum der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe am Klinikum Minden geschlossen. Inzwischen gebe es nur noch eine „verschwindend geringe Zahl" von Patienten, die dort positiv getestet würden. Das Testzentrum der Mühlenkreiskliniken bleibt. Kreisweit gibt es 481 bestätigte Corona-Fälle.

30. Tanzen auf vier Rädern: Rund 1.000 Musikbegeisterte feiern bei der ersten „Auto-Disco Minden". In und auf den Fahrzeugen herrscht Partystimmung. Auch in Hille kommt Mitte Juni die erste Autodisco gut an: Hunderte junge Leute feiern ausgelassen – manche tanzen sogar auf dem Dach ihres Wagens.

Der Fernsehturm in Porta Westfalica leuchtet im Juni - und setzt ein wichtiges Zeichen für die Kulturszene, die die Corona-Krise hart getroffen hat. Foto: - © Michelle Hebel
Der Fernsehturm in Porta Westfalica leuchtet im Juni - und setzt ein wichtiges Zeichen für die Kulturszene, die die Corona-Krise hart getroffen hat. Foto: - © Michelle Hebel

Juni 2020

5. Der Fernsehturm in Porta leuchtet abends wie noch nie zuvor. Die Organisatoren wollen mit der Aktion nicht nur ein faszinierendes Farbenspiel bieten, sondern auch ein Zeichen setzen: Die Lichtshow ist ein Signal der Hoffnung und des Zusammenhalts für die gesamte Kulturszene, die die Corona-Krise hart getroffen hat. Eine weitere wichtige Nachricht an diesem Tag: Alle Kinder können bald wieder täglich zur Grundschule gehen: Das Land beschließt, dass ab 15. Juni wieder Regelunterricht erteilt wird.

8. Alle Kinder dürfen wieder die Kitas besuchen. Weniger Stunden, andere Abläufe beim Bringen und Abholen: Für die Einrichtungen ist das eine Herausforderung. Auch die städtischen Jugendhäuser, deren Türen seit dem 13. März geschlossen waren, dürfen in Minden wieder öffnen – mit eingeschränkten Zeiten und umfangreichen Hygienekonzepten.

12. Das Mindener Bürgerbüro vergibt wieder Termine, um zum Beispiel Ausweisdokumente zu beantragen. Der Andrang ist riesig, es kommt zu Wartezeiten von drei Wochen.

15. 7.344 Anträge aus dem Mühlenkreis auf die Corona-Soforthilfe des Landes sind eingegangen. In OWL liegt die Zahl bei fast 45.000. Die offizielle Corona-Warn-App geht an den Start.

17. Massiver Corona- Ausbruch beim Schlachtbetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück: 650 Beschäftige werden positiv getestet, 7.000 gehen in Quarantäne. Auch Mitarbeiter, die im Mühlenkreis wohnen, sind betroffen.

18. Während der Kreis Gütersloh wegen der Tönnies-Fälle letztlich einen Lockdown verhängt, ist die Entwicklung in Minden-Lübbecke positiv, denn der Kreis ist fast „coronafrei": Nur noch drei Bürger sind nachweislich mit dem Virus infiziert, insgesamt gibt es 489 laborbestätigte Fälle.

23. Als erstes Kino in der Umgebung hat die Birke in Minden nach der coronabedingten Zwangspause wieder geöffnet. Laut Auskunft des Betreibers sind die ersten Vorstellungen zufriedenstellend verlaufen.

Im Juli nimmt die Zahl der Corona-Infektionen wieder zu, der Hauptgrund dafür sind Reiserückkehrer. Diejenigen, die aus Risikogebieten kommen, müssen in Quarantäne. Foto: - © MT-Archiv
Im Juli nimmt die Zahl der Corona-Infektionen wieder zu, der Hauptgrund dafür sind Reiserückkehrer. Diejenigen, die aus Risikogebieten kommen, müssen in Quarantäne. Foto: - © MT-Archiv

Juli 2020

8. Im Corona-Testzentrum am Klinikum Minden kann sich ab sofort jeder freiwillig testen lassen – allerdings auf eigene Rechnung oder auf Kosten des Arbeitgebers. Nur in begründeten Verdachtsfällen kommen die Krankenkassen dafür auf.

14. Erneut gibt es nur noch drei aktive Fälle, doch ganz „coronafrei" wird der Mühlenkreis nicht. Unterdessen wird für ein halbes Jahr die Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent gesenkt.

23. Die Zahl der Infektionen nimmt wieder zu, vor allem durch Urlaubsrückkehrer. Nach der Ankunft aus Risikogebieten gilt automatisch eine Quarantänepflicht.

Nachdem zwei Kinder der Grundschule Lahde im August positiv auf das Virus getestet wurden, wird die Schule geschlossen. Es folgt eine große Testung am Standort. Foto: - © MT-Archiv
Nachdem zwei Kinder der Grundschule Lahde im August positiv auf das Virus getestet wurden, wird die Schule geschlossen. Es folgt eine große Testung am Standort. Foto: - © MT-Archiv

August 2020

13. Eine Lehrkraft der Freiherr-von-Vincke-Realschule Minden wird positiv getestet. Krisenstab und Gesundheitsamt des Kreises lassen die Schule vorsichtshalber für zwei Tage schließen.

20. Drei weitere Schulen sind von Corona-Fällen betroffen. Zum einen wird eine Lehrkraft des Freiherr-vom-Stein-Berufskollegs in Minden positiv getestet, auch ein Schüler des Leo- Sympher-Kollegs infiziert sich. Der Schulbetrieb ist laut Kreis aber nicht eingeschränkt, da die Hygieneregeln inklusive des Tragens von Mund-Nase-Bedeckungen während des Unterrichtes eingehalten worden sind. Deutlich komplizierter ist die Situation in der Grundschule Lahde, nachdem zwei Geschwisterkinder positiv getestet worden sind. Weil in weiteren Klassen Fälle auftreten, wird der Standort wird für einige Tage geschlossen.

28. Karnevalisten in Minden und Porta sagen alle öffentlichen Termine der kommenden Session ab. Später ziehen auch die Jecken in Petershagen nach.

31. Immer wieder gibt es Corona-Fälle, die Querverbindungen zueinander aufweisen. Die Suche nach dem Ausgangspunkt der Infektionen ist für das Gesundheitsamt sehr schwierig – vor allem, weil immer mehr Infizierte keinerlei Symptome aufweisen. Und je mehr Kontakte die Menschen nach den Lockerungen wieder haben, desto schwieriger sei es, Kontaktpersonen frühzeitig zu ermitteln, um einen „Schneeballeffekt" bei der Ausbreitung zu verhindern. Ende August gibt es laut Kreis 724 laborbestätigte Fälle.

Vor dem Mindener Klinikum bilden sich im September 2020 lange Schlangen. In der Folge reagieren die Mühlenkreiskliniken und führen einen Drei-Tage-Ausweis für Besucher ein. Foto: - © MT-Archiv
Vor dem Mindener Klinikum bilden sich im September 2020 lange Schlangen. In der Folge reagieren die Mühlenkreiskliniken und führen einen Drei-Tage-Ausweis für Besucher ein. Foto: - © MT-Archiv

September 2020

2. Das Corona-Testzentrum am Mindener Klinikum verdoppelt seine Kapazitäten. Das Team will täglich 6.000 Tests ermöglichen.

4. Vor dem Klinikum Minden bilden sich immer wieder lange Warteschlangen, Besucher müssen teilweise über eine Stunde anstehen. Die Vorschriften bleiben streng, es gibt feste Zeitfenster. An der Situation ändert sich im Laufe des Monats nichts, dann reagieren die MKK: Ein Drei-Tage-Ausweis für Besucher soll für Entspannung sorgen.

6. Innerhalb des ersten halben Jahres seit der ersten nachgewiesenen Corona-Infektion in Minden-Lübbecke sind 13 infizierte Menschen gestorben.

29. Die Zahl der Corona-Infektionen steigt. Insgesamt gibt es im Mühlenkreis 922 laborbestätigte Fälle, 812 gelten als abgeschlossen.

Die Corona-Entwicklung in einer interaktiven Grafik

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Im Oktober 2020 herrscht fast noch Normalität: Der Kirmespark Weser lockt 36.000 Menschen auf Kanzlers Weide. Foto: - © MT-Archiv
Im Oktober 2020 herrscht fast noch Normalität: Der Kirmespark Weser lockt 36.000 Menschen auf Kanzlers Weide. Foto: - © MT-Archiv

 Oktober 2020

1. Nachdem die Frühjahrs- und Herbstmesse ausfallen mussten, ist der Kirmespark Weser auf Kanzlers Weide im Oktober eine willkommene Abwechslung für Besucher und vor allem für die Schausteller nach einer langen Durststrecke ohne Großveranstaltungen. Der Veranstalter registriert am Ende rund rund 36.000 Gäste.

3. Die aktualisierte Coronaschutzverordnung NRW schreibt vor, dass private Feiern „aus herausragendem Anlass" mit mehr als 50 Teilnehmenden und außerhalb des privaten Bereichs vom Veranstalter beziehungsweise Gastgeber drei Tage vorher schriftlich bei der Ordnungsbehörde angemeldet werden müssen.

11. Die Kabarett-Reihe im BÜZ startet, allgemein gibt es im Herbst wieder Theater, Kunst und Konzerte. Doch die Freude wird nur etwa vier Wochen anhalten: Im November werden erneut die Lichter ausgehen.

13. Die Zahl der aktiven Fälle in Minden-Lübbecke steigt auf 108 – insgesamt hat der Kreis seit Beginn der Pandemie 1.026 laborbestätigte Corona-Infektionen registriert.

19. Um diesen Tag herum beginnt ein exponentielles Wachstum nachgewiesener Fälle. Am 19. Oktober sind es 1.099, eine Woche später 1.315 Fälle, am 9. November bereits 2.483.

23. 30 Neuinfektionen innerhalb eines Tages registriert das Gesundheitsamt. Der Sieben-Tage-Inzidenz-Wert, also die Zahl der Neuinfektionen der vergangenen sieben Tage pro 100.000 Einwohner – steigt in Minden-Lübbecke erstmals über den ersten Grenzwert von 35. Die Folge sind weitere Einschränkungen.

26. Minden-Lübbecke wird mit einem Inzidenzwert von 57,3 offiziell als Risikogebiet eingestuft. Damit gelten weitere Beschränkungen unter anderem für Sport- und Kulturveranstaltungen, den gastronomischen Betrieb, das Treffen von Gruppen in der Öffentlichkeit und Besuchsmöglichkeiten in den Mühlenkreiskliniken.

31. Der Entschluss steht: Auch in Minden wird es 2020 keinen Weihnachtsmarkt geben. Lange hat die Minden Marketing an einem corona-konformen Konzept gefeilt, doch eine Umsetzung ist letztendlich nicht möglich.

Weil das Gesundheitsamt des Kreises nicht mehr mit der Arbeit hinterher kommt, leistet die Bundeswehr Amtshilfe. Foto: - © MT-Archiv
Weil das Gesundheitsamt des Kreises nicht mehr mit der Arbeit hinterher kommt, leistet die Bundeswehr Amtshilfe. Foto: - © MT-Archiv

November 2020

1. Die zweite Welle rollt an und trifft auch den Sport: Die Amateursportler müssen wieder zu Hause bleiben.

4. Der Kreis meldet so viele Corona-Neuinfektionen wie noch nie zuvor – 113 innerhalb von 24 Stunden. Die Mitarbeiter im Gesundheitsamt sind überlastet und können ohne Hilfe nicht mehr alle potenziell Betroffenen rechtzeitig kontaktieren und in Quarantäne schicken. Die Bundeswehr unterstützt die Corona-Ermittler.

5. In den vergangenen drei Wochen haben sich genauso viele Menschen im Mühlenkreis infiziert wie zuvor in sieben Monaten. Allein in den vergangenen 24 Stunden sind 137 Fälle hinzugekommen – neuer Rekordwert.

7. Bei einer Kontrolle des SG-Clubs stellt das Portaner Ordnungsamt Verstöße gegen die Corona-Schutzverordnung fest. Der Bordellbetreiber muss mit einem hohen Bußgeld rechnen. Auch im Dezember werden bei einer Razzia mehrere Prostituierte und Freier angetroffen – der Betreiber soll daraufhin 50.000 Euro zahlen.

Nicht mit allen Corona-Maßnahmen ist Dr. Peter Witte einverstanden. Der Direktor des Instituts für Krankenhaushygiene an den Mühlenkreiskliniken hätte Restaurants zum Beispiel nicht geschlossen. „Sorgen machen kann man sich schon. Aber man sollte nicht in Panik verfallen."

10. Eine Lehrkraft der Grundschule in Eldagsen infiziert sich und wird in Quarantäne geschickt. Ihr Fall zeigt, wie Notfallpläne funktionieren. Der Unterricht kann weiterlaufen.

11. Einem Schüler aus Minden wird eine Corona-Kontrolle vor seiner Berufsschule in Bielefeld zum Verhängnis. Er ist einer von diversen Schülern, die 50 Euro zahlen sollen, weil sie – trotz Masken und Abstand – zusammenstanden und dabei die Zwei-Haushalte-Regel nicht einhielten. Der 18-Jährige kann das nicht verstehen: „Wenige Minuten später saßen wir alle wieder im Klassenraum zusammen."

12. Handballer Juri Knorr wird nach einer Länderspielreise positiv getestet und leidet an deutlichen Symptomen. Noch am gleichen Tag begibt sich der gesamte Tross von GWD Minden in Quarantäne. Nach neun Tagen und mehreren negativen Tests darf der Handball-Bundesligist wieder trainieren.

19. Die Diakonie Stiftung Salem kümmert sich um Covid-19-Patienten, die nicht mehr ansteckend sind. Sie ziehen in die Räume einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft in Dützen ein, um das Klinikum zu entlasten. Unterdessen meldet der Kreis 990 aktive Corona-Fälle. Insgesamt gibt es 3.363 laborbestätigte Infektionen.

20. Nach einem „diffusen Ausbruchsgeschehen" werden 180 Schüler einer Jahrgangsstufe des Herdergymnasiums nach Hause geschickt und müssen sich testen lassen. Eine Person hat dabei einen positiven Befund. Nach drei Tagen geht der Unterricht weiter.

30. Espelkamp wird mit einer Inzidenz von mehr als 500 zum Hotspot und Sorgenkind des Kreises. Landrätin Anna Bölling (CDU) appelliert an die Bürger: „Bitte nicht alles tun, was erlaubt ist, und dazu auf alle nicht notwendigen Kontakte verzichten!"

Drastische Maßnahme: Wegen der immer stärker steigenden Corona-Zahlen verkündet der Krisenstab des Kreises am 21. Dezember in einer Pressekonferenz eine Ausgangssperre, die auch über die Weihnachtsfeiertage hinweg gilt - wenngleich in abgeschwächter Form. Foto: - © MT-Archiv
Drastische Maßnahme: Wegen der immer stärker steigenden Corona-Zahlen verkündet der Krisenstab des Kreises am 21. Dezember in einer Pressekonferenz eine Ausgangssperre, die auch über die Weihnachtsfeiertage hinweg gilt - wenngleich in abgeschwächter Form. Foto: - © MT-Archiv

Dezember 2020

3. Die Bauarbeiten für das Minden-Lübbecker Corona-Impfzentrum in Hille haben begonnen. Bis zum 15. Dezember soll der Umbau der Unterlübber Sporthalle fertig sein.

9. Das Corona-Testzentrum der Mühlenkreiskliniken bietet nun auch Antigen-Abstriche an. Zudem können Termine reserviert werden, um stundenlange Wartezeiten zu vermeiden. Es gibt aber auch Wirbel um das Testzentrum, denn dort soll ein Streit dazu geführt haben, dass fünf Mitarbeiter ihre Jobs verloren haben. Im Mittelpunkt steht die Tochter einer Führungskraft und ihr Umgang mit Patienten. Die MKK widersprechen den Angaben der Betroffenen. Sie bestätigen aber, sich sich von Mitarbeitern getrennt zu haben.

10. Der Kreis verschärft die Corona-Schutzmaßnahmen noch einmal deutlich. Private Zusammenkünfte sind auf höchstens fünf Personen aus zwei Haushalten begrenzt. Sport- und Schwimmhallen dürfen nur noch für prüfungsrelevante Lehrveranstaltungen genutzt werden, Musikunterricht ist als Präsenzveranstaltung untersagt, in Gottesdiensten gilt ein Gesangsverbot und im Handel darf sich nur ein Kunde pro 20 Quadratmeter aufhalten. Grund für die zunächst bis zum 23. Dezember beschränkten Maßnahmen ist die kreisweite Überschreitung eines Inzidenzwertes von 200. In Espelkamp (Inzidenz: 581) werden die Menschen erstmals aufgefordert, ihre Wohnungen nicht mehr ohne Grund zu verlassen.

13. Harter Lockdown für NRW beschlossen: Alle Geschäfte außer die für den täglichen Bedarf müssen schließen. Schüler und Kita-Kinder sollen bis zum 10. Januar zu Hause bleiben. Die Ankündigung treibt am Wochenende zahlreiche Menschen in die Stadt, um schnell noch Weihnachtsgeschenke zu kaufen.

16. Heiligabend ohne Kirchgang: Dass die Weihnachtsgottesdienste ausfallen sollen, trifft die Gemeinden im Kirchenkreis Minden hart. Trotzdem stehen sie hinter der Empfehlung der Evangelischen Kirche von Westfalen.

18. Ältere und vorerkrankte Menschen dürfen sich seit einigen Tagen drei kostenlose FFP2-Masken in der Apotheke abholen. Der Andrang ist groß.

20. Der Inzidenzwert von 275 ist der bisher höchste in Minden-Lübbecke. Allein am Wochenende vor Weihnachten meldet der Kreis 261 Neuinfektionen – so viele wie noch nie. Unterdessen wächst die Sorge vor einer neuen Virus-Variante: Die Bundesregierung will deshalb das Reisen nach Großbritannien einschränken.

21. Minden-Lübbecke liegt auf Platz drei der Corona-Hotspots in NRW. Ab dem 23. Dezember gilt von 21 bis 4 Uhr eine Ausgangssperre. An den Feiertagen und zu Silvester werden die Zeiten etwas gelockert. Zudem sollen alle Maßnahmen bis zum 10. Januar verlängert werden.

23. Der Kreis meldet mit 164 den bis heute höchsten Wert an Corona-Neuinfektionen innerhalb eines Tages.

25. Mit 2.083 aktuellen Erkrankten ist der bisherige Höchstwert im Kreis erreicht.

27. Die Corona-Impfaktion beginnt in der Senioren-Residenz Schloss Rahden. Die Impfdosen reichen für 86 Bewohner über 80 Jahre und 103 Mitarbeiter. Das mobile Ärzteteam und Pflegekräfte leisten Akkordarbeit.

31. Die Zahl der Corona-Toten im Kreis ist dreistellig (101). In Minden-Lübbecke liegen 36 Covid-Patienten auf einer Intensivstation – so viele wie bis dahin noch nie.

Am 27. Januar bricht der Handballverband Westfalen die Saison 2020/21 vorzeitig ab. Es ist die zweite Spielzeit, die der Corona-Pandemie zum Opfer fällt. Foto: - © MT-Archiv
Am 27. Januar bricht der Handballverband Westfalen die Saison 2020/21 vorzeitig ab. Es ist die zweite Spielzeit, die der Corona-Pandemie zum Opfer fällt. Foto: - © MT-Archiv

Januar 2021

5. Die Schutzmaßnahmen werden nicht nur bis zum 31. Januar verlängert, sondern noch erheblich ausgeweitet. So dürfen sich zum Beispiel im privaten Bereich die Personen eines Haushalts nur noch mit einer Person aus einem weiteren Haushalt treffen.

6. Rund 44.000 Menschen sind in Westfalen-Lippe bereits gegen das Virus geimpft worden. Zahlen für den Mühlenkreis nennt die Kassenärztliche Vereinigung zunächst aber nicht.

7. In der Weser-Residenz Bad Hopfenberg in Petershagen gibt es 45 Corona-Fälle. Alle betroffenen Bewohner befinden sich im Isolationsbereich, es wird ein Besuchsverbot verhängt.

8. In Minden-Lübbeckes Krankenhäusern werden 105 Covid-Patienten behandelt, so viele wie bisher noch nie.

12. Der Kreis bleibt ein Corona-Hotspot. Die Folge: Menschen dürfen sich nicht weiter als 15 Kilometer von ihrem Wohnort entfernen. Die Regel sorgt für Verwirrung, denn es gibt viele Ausnahmen.

13. 1.553 Menschen sind bislang geimpft worden – damit ist der Mühlenkreis Schlusslicht in Ostwestfalen.

19. Die Mindener Gastronomen haben bisher von den zugesagten finanziellen Hilfen nur Abschläge gesehen. Die Kosten laufen aber weiter – „es wird eng". Auch die Kulturszene trifft der zweite Lockdown hart. Außerdem wird der Lockdown bis zum 14. Februar verlängert. Unter anderem wird die Maskenpflicht in Bussen und Bahnen sowie in Supermärkten verschärft. Arbeitgeber müssen Homeoffice ermöglichen, Schulen bleiben geschlossen, Eltern sollen Kinder nur in die Kita schicken, wenn es gar nicht anders geht.

20. In den Kliniken wird wegen Lieferproblemen des Herstellers Biontech ein kurzfristiger Impfstopp verhängt. Die Mühlenkreiskliniken sind davon besonders betroffen. An einem Tag sollen 450 Mitarbeiter immunisiert werden – doch es kommt anders.

22. Der Inzidenzwert für den Kreis liegt bei 138,5 – so niedrig wie zuletzt im Oktober. Und Minden-Lübbecke holt beim Impfen auf. Doch es gibt auch mehrere Todesfälle zu beklagen.

25. Große technische Probleme bei der Vergabe der Impftermine sorgen im Mühlenkreis für reichlich Kritik. Die Kassenärztliche Vereinigung bittet um Geduld.

27. Der Handballverband Westfalen bricht die zweite Saison in Folge ab. Es gibt erneut keine Absteiger. Vereine, die in ihren Ligen aufsteigen wollen, können an einer Aufstiegsrunde teilnehmen.

Nach einem größeren Ausbruch mit 30 nachgewiesenen Fällen in der Seniorenresidenz Weserbergland in Hausberge sterben sieben Bewohner im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion.

Das Impfzentrum in Unterlübbe nimmt am 8. Februar seinen Betrieb auf. Bis einschließlich dem 4. März haben dort nun 8.659 Menschen die erste Corona-Impfung erhalten, davon 353 die Folge-Impfung. Foto: - © MT-Archiv
Das Impfzentrum in Unterlübbe nimmt am 8. Februar seinen Betrieb auf. Bis einschließlich dem 4. März haben dort nun 8.659 Menschen die erste Corona-Impfung erhalten, davon 353 die Folge-Impfung. Foto: - © MT-Archiv

Februar 2021

1. Hilfe gegen Corona-Spätfolgen: Am Klinikum Minden eröffnet die erste Post-Covid-Ambulanz in OWL. Derweil übersteigt die Zahl der coronainfiziert Verstorbenen die Marke von 200.

2. Erstmals seit Ende Oktober ist die Inzidenz für den Kreis wieder zweistellig (99,2). 4.155 Menschen haben die erste Impfung erhalten.

8. Das Impfzentrum in Hille nimmt seinen Betrieb auf. Senioren über 80 Jahre, die nicht in Heimen leben, werden immunisiert. Ein heftiger Wintereinbruch macht den Auftakt für alle Beteiligten zu einer Herausforderung.

Der Impffortschritt in Ostwestfalen-Lippe

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9. Mutation nachgewiesen: Eine Mitarbeiterin des Herz- und Diabeteszentrums in Bad Oeynhausen hat sich mit der britischen Corona-Variante infiziert. Eine Übertragung auf Kontaktpersonen gab es laut Kreis nicht.

10. Der Lockdown wird bis zum 7. März verlängert. Als neuer Grenzwert für Lockerungen gilt nun eine Inzidenz von 35, nicht mehr von 50.

11. Die Inzidenz sinkt im Mühlenkreis zum ersten Mal seit Ende Oktober auf unter 50.

13. Der Kreis hat in einer kurzfristigen Aktion Berufsfeuerwehrleute, Rettungsdienstkräfte und Pflegedienstmitarbeiter mit dem Astrazeneca-Stoff impfen lassen. Tags darauf fallen zahlreiche Mitarbeiter des Rettungswesens mit Nebenwirkungen wie Fieber oder Schüttelfrost aus. Bereits im Vorfeld hatte es intern deutliche Kritik an den Plänen gegeben.

16. Die Hygienevorschriften im Kampf gegen die Pandemie zeigen positive Nebeneffekte. Erkältungen oder Magen-Darm-Erkrankungen gehen deutlich zurück.

19. 21 Neuinfektionen, 51 bestätigte Mutationsfälle und eine leicht gestiegene Inzidenz: Die Infektionskurve zeigt weiter leicht nach oben. Im Seniorenheim „Haus Emmaus" der Diakonie gibt es mehrere Infektionen, obwohl die Bewohner Mitte Januar geimpft wurden.

22. Individualsportler wie Tennis- oder Golfspieler, dürfen unter strengen Auflagen auf ihre Anlagen zurückkehren. Mannschaftssportler müssen sich weiterhin gedulden.

26. Immer wieder gibt es Meldungen, dass Menschen geimpft werden, die noch gar nicht an der Reihe sind. Das sorgt für reichlich Unmut.

Seit dem 1. März sind die Friseure wieder an der Arbeit - nach knapp zweieinhalb Monaten Zwangspause. Foto: - © MT-Archiv
Seit dem 1. März sind die Friseure wieder an der Arbeit - nach knapp zweieinhalb Monaten Zwangspause. Foto: - © MT-Archiv

März 2021

1. Endlich wieder die Haare schön: Nach zweieinhalb Monaten Corona-Zwangspause dürfen Friseure wieder öffnen. Vor vielen Salons stehen die Kunden bereits morgens Schlange.

2. Händler fordern Wiedereröffnung: Mit einem offenen Brief senden Geschäftsinhaber einen emotionalen Appell an die Bundesregierung. Sie stehen in den Startlöchern.

3. Der Lockdown wird grundsätzlich bis zum 28. März verlängert – dennoch sollen Lockerungen zugelassen werden. Es gibt eine stufenweise Öffnungsstrategie mit eingebauter Notbremse. Der Inzidenzwert 35 spielt dabei kaum noch eine Rolle.

Bald kann sich jeder mit Schnelltests auf eine Corona-Infektion hin untersuchen. Es ist eine Hoffnung im Umgang mit der Pandemie. Mediziner Peter Witte mahnt aber zur Vorsicht. Die Tests könnten helfen, nicht erkannte Fälle aufzudecken. „Allerdings wäre es ein Fehler, sich zu sehr auf das Ergebnis zu verlassen und unvorsichtig zu werden."

5. Ein Jahr nach Bekanntwerden des ersten Corona-Falls in Minden-Lübbecke sind 10.311 Infektionen nachgewiesen worden, 9.442 Menschen sind nach einer Infektion genesen, 234 verstorben. Der Inzidenzwert liegt nach MT-Berechnungen bei 65,7.

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