Jeside fühlt sich als Patriarch und Entscheidungsträger in intakter Ehe Syrischer Kurde der zweifachen Vergewaltigung der eigenen Ehefrau angeklagt / Nach Geständnis zwei Jahre Haft auf Bewährung verhängt Minden (cpt). Es war keine Zwangsheirat, aber auch keine Liebesheirat, die der 31-jährige Murat K. mit Ezra M. in Minden schloss. Während der Ehe soll es zweimal zu sexuellen Übergriffen des Ehemannes gekommen sein. Für diese Taten musste er sich vor dem Schöffengericht verantworten. Im Oktober 2007 und im Frühjahr 2008 vergewaltigte Murat K. seine Ehefrau, die damals schwanger war. Inzwischen ist das Paar geschieden und Ezra M. erstattete Anzeige. Bei der fast zweistündigen Vernehmung der 22-jährigen Frau wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Dies hatte religiöse Hintergründe. Sowohl Murat K. als auch seine inzwischen von ihm geschiedene Frau gehören den Jesiden an, einer nichtmuslimischen kurdischen Volksgruppe. Der Hintergrund lag darin begründet, dass in der jesidischen Kultur eheliche Dinge nur in den eigenen vier Wänden erörtert werden.Der Angeklagte, der der deutschen Sprache nicht mächtig ist und sich durch einen Dolmetscher verständigte, wollte zu den ihm vorgeworfenen Taten keine Angaben machen. Die Zeugin berichtete in der nicht öffentlichen Verhandlung ausführlich über ihre Ehe mit Murat K.Anschließend gelang es dem Verteidiger, seinen Mandanten zu überzeugen, ein Geständnis abzulegen, nachdem Verteidigung, Staatsanwaltschaft, Schöffengericht und die Vertreterin der Nebenklägerin Ezra M. sich zu einer ersten Beratung zurückgezogen hatten. Während der Beratung war dem Verteidiger erklärt worden, dass im Falle eines Geständnisses, der Angeklagte auf eine Bewährungsstrafe hoffen könne.Nach eigener Lebensart Widerstand falsch gewertetIn der danach folgenden öffentlichen Verhandlung gab der Verteidiger für seinen Mandanten eine Einlassung ab. Murat K. sei es nicht bewusst gewesen, dass das Eheleben für seine Frau so verlief, wie sie es geschildert habe. Er sei von einer nach dem Glauben der Jesiden intakten Ehe ausgegangen. Nach alten Regeln der Jesiden hat der Mann in der Ehe eine Stellung als Art Patriarch und Entscheidungsträger. Sein Mandant habe nicht gewusst, dass sich seine Ehefrau von ihrer Schwägerin und seiner Familie unterdrückt gefühlt habe.Bei den Taten sei Murat K. bewusst gewesen, dass ein gewisser Widerstand der Zeugin bestanden habe, so der Anwalt in seinen Ausführungen. Den Widerstand habe er nach seiner Auffassung der jesidischen Lebensart jedoch anders gewertet. Er wisse heute, dass das nicht der westlichen Lebensart entspreche.Murat K., der 1999 als Asylbewerber nach Deutschland kam, hatte in seiner Heimat Syrien keine Schule besucht und half seinem Vater in der Landwirtschaft aus. Nach seiner Einreise habe er sich auf die Suche nach einer Familie mit einer heiratsfähigen Tochter gemacht, Ezra M. kennengelernt und sechs Monate später bereits geehelicht.Für die junge Frau begann nach ihrer Einlassung dann eine Zeit der Unterdrückung. Sie war in Deutschland in einem recht liberalen Elternhaus aufgewachsen und westlich erzogen worden. Sie wollte ihre Ausbildung beenden und im erlernten Beruf arbeiten. Nach der Eheschließung sollte sie nach dem Willen des Ehemannes jedoch baldmöglichst schwanger werden, was dann auch der Fall war. Die Tochter ist heute knapp zwei Jahre alt.Junge Frau missverstanden und unterdrücktGewalt in der Ehe ist in Deutschland strafbar, das sollte jeder, der aus einem anderen Kulturkreis kommt, wissen, bekräftigte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Die Ehe sei für die junge Frau furchtbar gewesen, sie sei missverstanden und unterdrückt worden, ständige Streitigkeiten hätten das Zusammenleben zur Hölle gemacht. Zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt forderte die Staatsanwältin. Mit dem Strafmaß gaben sich auch Verteidiger und die Anwältin der Nebenklägerin zufrieden.Nach kurzer Beratung mit seinen Schöffen fällte der Vorsitzende Richter das Urteil. Zwei Jahre Haft zur Bewährung auf drei Jahre und 1000 Euro Geldstrafe erhielt Murat K. Zugutegehalten wurde ihm, dass er bislang noch nicht straffällig war, dass er letztendlich die Verantwortung für die Taten übernommen habe. Außerdem könne man nicht ignorieren, dass der Angeklagte in einer strenggläubigen jesidischen Familie aufgewachsen sei, sodass die Ehe mit Ezra M. zum Scheitern verurteilt war.

Jeside fühlt sich als Patriarch und Entscheidungsträger in intakter Ehe

Minden (cpt). Es war keine Zwangsheirat, aber auch keine Liebesheirat, die der 31-jährige Murat K. mit Ezra M. in Minden schloss. Während der Ehe soll es zweimal zu sexuellen Übergriffen des Ehemannes gekommen sein. Für diese Taten musste er sich vor dem Schöffengericht verantworten.

Im Oktober 2007 und im Frühjahr 2008 vergewaltigte Murat K. seine Ehefrau, die damals schwanger war. Inzwischen ist das Paar geschieden und Ezra M. erstattete Anzeige. Bei der fast zweistündigen Vernehmung der 22-jährigen Frau wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Dies hatte religiöse Hintergründe. Sowohl Murat K. als auch seine inzwischen von ihm geschiedene Frau gehören den Jesiden an, einer nichtmuslimischen kurdischen Volksgruppe. Der Hintergrund lag darin begründet, dass in der jesidischen Kultur eheliche Dinge nur in den eigenen vier Wänden erörtert werden.

Der Angeklagte, der der deutschen Sprache nicht mächtig ist und sich durch einen Dolmetscher verständigte, wollte zu den ihm vorgeworfenen Taten keine Angaben machen. Die Zeugin berichtete in der nicht öffentlichen Verhandlung ausführlich über ihre Ehe mit Murat K.

Anschließend gelang es dem Verteidiger, seinen Mandanten zu überzeugen, ein Geständnis abzulegen, nachdem Verteidigung, Staatsanwaltschaft, Schöffengericht und die Vertreterin der Nebenklägerin Ezra M. sich zu einer ersten Beratung zurückgezogen hatten. Während der Beratung war dem Verteidiger erklärt worden, dass im Falle eines Geständnisses, der Angeklagte auf eine Bewährungsstrafe hoffen könne.

Nach eigener Lebensart Widerstand falsch gewertet
In der danach folgenden öffentlichen Verhandlung gab der Verteidiger für seinen Mandanten eine Einlassung ab. Murat K. sei es nicht bewusst gewesen, dass das Eheleben für seine Frau so verlief, wie sie es geschildert habe. Er sei von einer nach dem Glauben der Jesiden intakten Ehe ausgegangen. Nach alten Regeln der Jesiden hat der Mann in der Ehe eine Stellung als Art Patriarch und Entscheidungsträger. Sein Mandant habe nicht gewusst, dass sich seine Ehefrau von ihrer Schwägerin und seiner Familie unterdrückt gefühlt habe.

Bei den Taten sei Murat K. bewusst gewesen, dass ein gewisser Widerstand der Zeugin bestanden habe, so der Anwalt in seinen Ausführungen. Den Widerstand habe er nach seiner Auffassung der jesidischen Lebensart jedoch anders gewertet. Er wisse heute, dass das nicht der westlichen Lebensart entspreche.

Murat K., der 1999 als Asylbewerber nach Deutschland kam, hatte in seiner Heimat Syrien keine Schule besucht und half seinem Vater in der Landwirtschaft aus. Nach seiner Einreise habe er sich auf die Suche nach einer Familie mit einer heiratsfähigen Tochter gemacht, Ezra M. kennengelernt und sechs Monate später bereits geehelicht.

Für die junge Frau begann nach ihrer Einlassung dann eine Zeit der Unterdrückung. Sie war in Deutschland in einem recht liberalen Elternhaus aufgewachsen und westlich erzogen worden. Sie wollte ihre Ausbildung beenden und im erlernten Beruf arbeiten. Nach der Eheschließung sollte sie nach dem Willen des Ehemannes jedoch baldmöglichst schwanger werden, was dann auch der Fall war. Die Tochter ist heute knapp zwei Jahre alt.

Junge Frau missverstanden und unterdrückt
Gewalt in der Ehe ist in Deutschland strafbar, das sollte jeder, der aus einem anderen Kulturkreis kommt, wissen, bekräftigte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Die Ehe sei für die junge Frau furchtbar gewesen, sie sei missverstanden und unterdrückt worden, ständige Streitigkeiten hätten das Zusammenleben zur Hölle gemacht. Zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt forderte die Staatsanwältin. Mit dem Strafmaß gaben sich auch Verteidiger und die Anwältin der Nebenklägerin zufrieden.

Nach kurzer Beratung mit seinen Schöffen fällte der Vorsitzende Richter das Urteil. Zwei Jahre Haft zur Bewährung auf drei Jahre und 1000 Euro Geldstrafe erhielt Murat K. Zugutegehalten wurde ihm, dass er bislang noch nicht straffällig war, dass er letztendlich die Verantwortung für die Taten übernommen habe. Außerdem könne man nicht ignorieren, dass der Angeklagte in einer strenggläubigen jesidischen Familie aufgewachsen sei, sodass die Ehe mit Ezra M. zum Scheitern verurteilt war.

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