Drückerkolonnen machen in Minden Hausbesuche Flugretter klingeln an der Tür / Beschwerden im Internet Minden (mt). Auch in Minden versuchen ambulante Werber all denen eine Mitgliedschaft bei der Luftrettung aufzuschwatzen, die nach dem Klingeln ihre Haustür voreilig geöffnet haben. Verbraucherschützer halten derartige Verträge für überflüssig. Denn wenn jemand während einer Reise zurücktransportiert werden muss, ist dies meist durch Krankenkassen oder die Reiseversicherung abgedeckt. Da staunte eine Verbraucherin nicht schlecht, als ein junger Mann am Montagabend vor ihrer Haustür an der Geibelstraße in einem roten Pullover mit der Aufschrift "FASI" erschien. "Wenn Sie auf dem Christkindelsmarkt in Nürnberg umkippen, bringt sie niemand nachhause", meinte das Mitglied der Drückerkolonne der Luftretter. Es zeigte der Mindenerin Bilder von einem Rettungsjet und fügte hinzu, dass damit Kranke sogar aus dem Ausland zurückgebracht werden könnten. "Es war schwierig, den Mann wieder los zu werden", erklärte die Frau, die den Fall dem MT meldete. Worum es aber ging, habe ihr Gesprächspartner anfangs nicht so recht sagen wollen.Dafür häufen sich im Internet Berichte von Hausbesuchen der Drücker, die seit einigen Monaten bundesweit negativ auffallen. Mal geben sie sich als Rettungspiloten aus, mal tragen sie Einsatzkleidung von Notfallpersonal, mal kommen sie allein und mal zu zweit. In ihren Geschichten vor der Tür geht es darum, den Ansprechpartner davon zu überzeugen, dass er bei Unfällen auf Urlaubsreisen oder in Deutschland für die Transportmöglichkeit mit Hubschraubern und anderem Fluggerät nicht ausreichend abgesichert ist. Wenn er aber gegen monatliche Zahlungen eine Mitgliedschaft bei der Flugrettung eingeht, hat er für den Notfall ausreichend gesorgt - dann nehmen ihn die fliegenden Engel aus allen Ecken der Erde mit.Im Rettungswesen tätige Organisationen sowie die Polizei warnen seit langem vor diesem Geschäftsgebaren, das offenbar legal ist. Nach Medienberichten geben sich die Werber als Mitarbeiter der Luftrettungs-Service-Vermittlungs-GmbH aus. Medien-Recherchen führten auch zu einer Flug-Ambulanz-Service-Vermittlung (FASI). Mitunter hatten die Jungs aus der Luftretterdrückerkolonne auch "IFA" auf dem roten Pullover stehen.Beim DRK-Kreisverband Minden sind allerdings bislang keine Beschwerden über die geschäftstüchtigen Luftretter bekannt. Auch die Polizei hat keine Rückmeldung von potenziellen Kunden gehört.Ursula Thielemann, Leiterin der Mindener Verbraucherberatung, bestätigt, dass Fragen nach dem Rücktransport bei Urlaubsunfällen immer wieder in ihrer Beratung eine Rolle spielen. Ihrer Meinung nach seien Mitgliedschaften bei Luftrettungsvermittlern nicht sinnvoll. Für die Versorgung im Inland gebe es durch die Krankenkassen ausreichend Schutz. Für den Rücktransport mit Flugzeugen vom ausländischen Urlaubsort aus gebe es entsprechende Reiseversicherungen.Thielmann: "Wir raten verunsicherten Verbrauchern, sich bei Fragen an ihre zuständige Krankenkasse zu wenden." Außerdem gebe die Verbraucherzentrale Info-Material heraus, das auch in der Mindener Beratungsstelle erhältlich sei.

Drückerkolonnen machen in Minden Hausbesuche

Minden (mt). Auch in Minden versuchen ambulante Werber all denen eine Mitgliedschaft bei der Luftrettung aufzuschwatzen, die nach dem Klingeln ihre Haustür voreilig geöffnet haben. Verbraucherschützer halten derartige Verträge für überflüssig. Denn wenn jemand während einer Reise zurücktransportiert werden muss, ist dies meist durch Krankenkassen oder die Reiseversicherung abgedeckt.

Unfall im Urlaub: Mit derartigen Szenarien versuchen die Drücker bei Verbrauchern Ängste auszulösen und Verträge abzuschließen. MT-Foto (Archiv): Manfred Otto
Unfall im Urlaub: Mit derartigen Szenarien versuchen die Drücker bei Verbrauchern Ängste auszulösen und Verträge abzuschließen. MT-Foto (Archiv): Manfred Otto

Da staunte eine Verbraucherin nicht schlecht, als ein junger Mann am Montagabend vor ihrer Haustür an der Geibelstraße in einem roten Pullover mit der Aufschrift "FASI" erschien. "Wenn Sie auf dem Christkindelsmarkt in Nürnberg umkippen, bringt sie niemand nachhause", meinte das Mitglied der Drückerkolonne der Luftretter. Es zeigte der Mindenerin Bilder von einem Rettungsjet und fügte hinzu, dass damit Kranke sogar aus dem Ausland zurückgebracht werden könnten. "Es war schwierig, den Mann wieder los zu werden", erklärte die Frau, die den Fall dem MT meldete. Worum es aber ging, habe ihr Gesprächspartner anfangs nicht so recht sagen wollen.

Dafür häufen sich im Internet Berichte von Hausbesuchen der Drücker, die seit einigen Monaten bundesweit negativ auffallen. Mal geben sie sich als Rettungspiloten aus, mal tragen sie Einsatzkleidung von Notfallpersonal, mal kommen sie allein und mal zu zweit. In ihren Geschichten vor der Tür geht es darum, den Ansprechpartner davon zu überzeugen, dass er bei Unfällen auf Urlaubsreisen oder in Deutschland für die Transportmöglichkeit mit Hubschraubern und anderem Fluggerät nicht ausreichend abgesichert ist. Wenn er aber gegen monatliche Zahlungen eine Mitgliedschaft bei der Flugrettung eingeht, hat er für den Notfall ausreichend gesorgt - dann nehmen ihn die fliegenden Engel aus allen Ecken der Erde mit.

Im Rettungswesen tätige Organisationen sowie die Polizei warnen seit langem vor diesem Geschäftsgebaren, das offenbar legal ist. Nach Medienberichten geben sich die Werber als Mitarbeiter der Luftrettungs-Service-Vermittlungs-GmbH aus. Medien-Recherchen führten auch zu einer Flug-Ambulanz-Service-Vermittlung (FASI). Mitunter hatten die Jungs aus der Luftretterdrückerkolonne auch "IFA" auf dem roten Pullover stehen.

Beim DRK-Kreisverband Minden sind allerdings bislang keine Beschwerden über die geschäftstüchtigen Luftretter bekannt. Auch die Polizei hat keine Rückmeldung von potenziellen Kunden gehört.

Ursula Thielemann, Leiterin der Mindener Verbraucherberatung, bestätigt, dass Fragen nach dem Rücktransport bei Urlaubsunfällen immer wieder in ihrer Beratung eine Rolle spielen. Ihrer Meinung nach seien Mitgliedschaften bei Luftrettungsvermittlern nicht sinnvoll. Für die Versorgung im Inland gebe es durch die Krankenkassen ausreichend Schutz. Für den Rücktransport mit Flugzeugen vom ausländischen Urlaubsort aus gebe es entsprechende Reiseversicherungen.

Thielmann: "Wir raten verunsicherten Verbrauchern, sich bei Fragen an ihre zuständige Krankenkasse zu wenden." Außerdem gebe die Verbraucherzentrale Info-Material heraus, das auch in der Mindener Beratungsstelle erhältlich sei.

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