3000 Klicks fürs Rats-TV: Mindener Politik hält Livestream-Premiere für gelungen Monika Jäger,Sebastian Radermacher Minden. Sieben Tage lang war der Mitschnitt der Ratssitzung vom 4. Februar auf der Seite der Stadt Minden noch anzusehen. So war der politische Beschluss. In dieser Zeit gab es 2.240 Aufrufe – das heißt nicht unbedingt, dass das 2.240 verschiedene Personen waren, denn jedes Vorklicken im Zeitstrahl wird auch als Aufruf gezählt, erklärt Pressesprecherin Susann Lewerenz. Während des Livestreams hatte es 270 ständige Zuschauer gegeben, die Zahl der Gesamtaufrufe lag bei knapp 3.000. Die Mindener Politik hält auch in der Nachbetrachtung die Premiere für gelungen, auch wenn die ersten Stimmen laut werden, dass die eine Woche zu kurz war, in der die Sitzung noch zu sehen war. Das hatte die Politik unter anderem aus Kostengründen beschlossen. Das Rats-TV sei auch bei allen Stadtverordneten gut angekommen, die nicht selbst vor Ort waren und so alles miterleben konnten, sagt Hendrik Mucke (CDU). Zu diskutieren sei unter anderem, ob künftig auch Online-Redebeiträge möglich sind. „Es hat uns gefreut, dass offenbar die Nutzerzahlen höher als erwartet waren", sagt auch Peter Kock (SPD). Für die Zeit der Corona-Beschränkungen sei das ein unerlässliches Instrument. „Doch auch generell sollten die Erfahrungen ernsthaft ausgewertet werden." Wie auch Mucke wünscht er sich, dass die Themen jeweils kurz eingeführt werden sollten. Hartmut Freise (FDP) findet, „wir sind ja alle keine Berufspolitiker, die laufend ihre Erklärungen vor laufenden Kameras abgeben". Aber das Rats-TV sei – so seine Rückmeldungen – „offenbar den Versuch wert". Thorsten Vogt (Wir für Minden) urteilt: „Eine gelungene Premiere", und Sebastian Landwehr (AfD) fände besser, Sitzungen auf Youtube zu streamen, um so mehr Menschen zu erreichen. Dagegen hatte sich der Rat nach einiger Diskussion entschieden, um die Hoheit über den eigenen Content nicht zu verlieren. Harald Steinmetz (Mindener Initiative) empfiehlt, Aufwand und Ergebnis genau zu betrachten. 3.000 Klicks seien nicht viel, findet er, und das Verlesen von vorbereiteten Statements könnte lebendiges Debattieren verhindern. Zu den Verbesserungsvorschlägen zählen kürzere Folienvorträge, sichtbar machen, wer wie abgestimmt hat und vor allem ein Mikro für alle, die reden – auch im Saal. Kann Minden ein Beispiel für andere sein? Im Kreistag können aktuell alle Mitglieder die Sitzungen des Kreisausschusses digital über die Plattform Zoom verfolgen. Eine Entscheidung, ob der Kreistag oder die Ausschüsse ihre Debatten darüber hinaus künftig live im Internet übertragen wollen, wurde noch nicht getroffen, sagt Kreissprecher Florian Hemann. Dies obliege der Politik und nicht der Verwaltung. „Entsprechende Gespräche mit den Fraktionen über die technischen Möglichkeiten sind bereits geplant." Es gehe um die Selbstorganisation des Kreistages „und deshalb entscheiden darüber auch die Mitglieder des Kreistages beziehungsweise des Kreisausschusses", sagt Landrätin Anna Katharina Bölling (CDU) zu dem Thema: „Ich persönlich stehe einem solchen Format ähnlich dem Rats-TV in Minden grundsätzlich offen gegenüber, will aber auch betonen, dass zunächst rechtliche und finanzielle Fragen geklärt werden müssten." Die Kreistagsfraktionen hätten nach dem Start von Rats-TV in Minden kurz über dieses Thema gesprochen, wie CDU-Politiker Detlef Beckschewe, Vorsitzender der größten Fraktion, berichtet: „Es kam die Frage auf, ob ein solches Angebot auch für die Kreispolitik denkbar wäre. Wir befinden uns da aber ganz am Anfang." Es gebe noch keinen Plan, wie man mit dem Thema weiter umgehen werde. Natürlich sorge die Live-Übertragung einer politischen Sitzung für mehr Transparenz, sagt Beckschewe. Die technische Umsetzung sei aber aufwendig und nicht einfach. „Wenn, dann muss es auch vernünftig gemacht werden", meint er. Lesen Sie auch: So lief das erste Mindener Rats-TV

3000 Klicks fürs Rats-TV: Mindener Politik hält Livestream-Premiere für gelungen

Die Mindener Ratssitzung konnte am 4. Februar am heimischen PC verfolgt werden. 270 sahen dauerhaft zu. In den Sitzungen vor Ort sind selten mehr als 15 bis 20 Zuschauer. MT-Foto: Monika Jäger © Monika Jäger

Minden. Sieben Tage lang war der Mitschnitt der Ratssitzung vom 4. Februar auf der Seite der Stadt Minden noch anzusehen. So war der politische Beschluss. In dieser Zeit gab es 2.240 Aufrufe – das heißt nicht unbedingt, dass das 2.240 verschiedene Personen waren, denn jedes Vorklicken im Zeitstrahl wird auch als Aufruf gezählt, erklärt Pressesprecherin Susann Lewerenz. Während des Livestreams hatte es 270 ständige Zuschauer gegeben, die Zahl der Gesamtaufrufe lag bei knapp 3.000.

Die Mindener Politik hält auch in der Nachbetrachtung die Premiere für gelungen, auch wenn die ersten Stimmen laut werden, dass die eine Woche zu kurz war, in der die Sitzung noch zu sehen war. Das hatte die Politik unter anderem aus Kostengründen beschlossen.

Das Rats-TV sei auch bei allen Stadtverordneten gut angekommen, die nicht selbst vor Ort waren und so alles miterleben konnten, sagt Hendrik Mucke (CDU). Zu diskutieren sei unter anderem, ob künftig auch Online-Redebeiträge möglich sind. „Es hat uns gefreut, dass offenbar die Nutzerzahlen höher als erwartet waren", sagt auch Peter Kock (SPD). Für die Zeit der Corona-Beschränkungen sei das ein unerlässliches Instrument. „Doch auch generell sollten die Erfahrungen ernsthaft ausgewertet werden."

Wie auch Mucke wünscht er sich, dass die Themen jeweils kurz eingeführt werden sollten. Hartmut Freise (FDP) findet, „wir sind ja alle keine Berufspolitiker, die laufend ihre Erklärungen vor laufenden Kameras abgeben". Aber das Rats-TV sei – so seine Rückmeldungen – „offenbar den Versuch wert".

Thorsten Vogt (Wir für Minden) urteilt: „Eine gelungene Premiere", und Sebastian Landwehr (AfD) fände besser, Sitzungen auf Youtube zu streamen, um so mehr Menschen zu erreichen. Dagegen hatte sich der Rat nach einiger Diskussion entschieden, um die Hoheit über den eigenen Content nicht zu verlieren. Harald Steinmetz (Mindener Initiative) empfiehlt, Aufwand und Ergebnis genau zu betrachten. 3.000 Klicks seien nicht viel, findet er, und das Verlesen von vorbereiteten Statements könnte lebendiges Debattieren verhindern.

Zu den Verbesserungsvorschlägen zählen kürzere Folienvorträge, sichtbar machen, wer wie abgestimmt hat und vor allem ein Mikro für alle, die reden – auch im Saal.

Kann Minden ein Beispiel für andere sein? Im Kreistag können aktuell alle Mitglieder die Sitzungen des Kreisausschusses digital über die Plattform Zoom verfolgen. Eine Entscheidung, ob der Kreistag oder die Ausschüsse ihre Debatten darüber hinaus künftig live im Internet übertragen wollen, wurde noch nicht getroffen, sagt Kreissprecher Florian Hemann. Dies obliege der Politik und nicht der Verwaltung. „Entsprechende Gespräche mit den Fraktionen über die technischen Möglichkeiten sind bereits geplant."

Es gehe um die Selbstorganisation des Kreistages „und deshalb entscheiden darüber auch die Mitglieder des Kreistages beziehungsweise des Kreisausschusses", sagt Landrätin Anna Katharina Bölling (CDU) zu dem Thema: „Ich persönlich stehe einem solchen Format ähnlich dem Rats-TV in Minden grundsätzlich offen gegenüber, will aber auch betonen, dass zunächst rechtliche und finanzielle Fragen geklärt werden müssten."

Die Kreistagsfraktionen hätten nach dem Start von Rats-TV in Minden kurz über dieses Thema gesprochen, wie CDU-Politiker Detlef Beckschewe, Vorsitzender der größten Fraktion, berichtet: „Es kam die Frage auf, ob ein solches Angebot auch für die Kreispolitik denkbar wäre. Wir befinden uns da aber ganz am Anfang." Es gebe noch keinen Plan, wie man mit dem Thema weiter umgehen werde.

Natürlich sorge die Live-Übertragung einer politischen Sitzung für mehr Transparenz, sagt Beckschewe. Die technische Umsetzung sei aber aufwendig und nicht einfach. „Wenn, dann muss es auch vernünftig gemacht werden", meint er.

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