Kaiser-Wilhelm-Denkmal 2,8 Millionen für die Standortsicherung an der Porta Das Denkmal an der Porta gehört zu den bedeutendsten in ganz Deutschland / LWL will Ort zum Fragenstellen Von Jan Henning Rogge Porta Westfalica/Münster (mt). Mit ein paar Eimern Farbe und Zement ist es nicht getan, der "Willi" ist in die Jahre gekommen. Und wenn ihm nicht der Boden unter den Füßen wegrutschen soll, muss gehandelt werden. Gestern wurde entschieden: 2,8 Millionen Euro stehen dafür jetzt zur Verfügung. "Das ist doch die westfälische Begrüßung, wenn man mit dem Zug aus Richtung Berlin kommt!", sagt Dr. Wolfgang Kirsch, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe (LWL), über das Kaiser-Denkmal in Porta. "Ein Stück Heimat" nennt es Dr. Jörg-Friedrich Sander, Geschäftsführer der Minden Marketing. Von der Provinz Westfalen gebaut, gehört es heute dem LWL. Nun muss der Sockel des Denkmals gesichert werden, um ein Abrutschen zu verhindern. "Wir sind in einer rechtlichen Verpflichtung, das Denkmal zu erhalten", sagt Kirsch. "Aber die inhaltliche Verpflichtung geht darüber hinaus."Eine verwitterte Tafel am Denkmal weist auf diese dunkle Zeit hin. Weitere schlecht lesbare Tafeln erklären die Geschichte, ordnen das Monument ein. Aber reicht das? Eine 88 Meter hohe Erinnerung an einen Monarchen, mitten in einem demokratischen Deutschland. "Gerade für junge Menschen muss das doch befremdlich wirken", sagt Kirsch. "Ich glaube, dass man sich an einem solchen Denkmal Fragen stellen kann." Zum Beispiel: "Was bedeutet ,Nation´ im 21. Jahrhundert?"Mehr als 100000 Besucher pro JahrFür Kirsch ist das Denkmal ein guter Ort, sich mit der eigenen Identität zu beschäftigen: "So wie Familien ihr Gedächtnis zum Beispiel in Fotos festhalten, ist es wichtig für Nationen, Denkmäler zu erhalten." Seit 2008 gehört der Wilhelm zur Straße der Monumente. Er steht damit in einer Reihe mit der Berliner Siegessäule, dem Völkerschlachtdenkmal in Leipzig, der Wartburg, dem Marine-Ehrenmal in Laboe, dem Kyffhäuser-Denkmal und dem Hermannsdenkmal bei Detmold. "Das ist ein Ort, der authentisch ist. Es geht eine Faszination davon aus."Die Zahlen geben ihm Recht, zwischen 100000 und 200 000 Besucher kommen jährlich. Künftig soll deshalb ein Besucherzentrum Einordnung bieten, einen konkreten Plan gibt es jedoch noch nicht. Und auch die Gastronomie soll wieder belebt werden. Ob am bisherigen Standort am Parkplatz, in einem Panoramacafé im Sockel oder an einem dritten Ort ist bislang unklar. "In einem beschränkten Wettbewerb wollen wir Vorschläge dafür sammeln", sagt Kirsch.Was er damit meint, liegt in der Geschichte des Denkmals begründet. Viel ist seit der Einweihung 1896 geschehen - einschneidend war eine Sprengung britischer Truppen 1946. Damals rutschte ein Teil des Sockels ab, ein großer Teil der Ringterrasse fehlt seitdem. Die Besatzungsmacht handelte nicht grundlos: Die Soldaten sprengten einen Tunnel unterhalb des Denkmals, in dem während des Zweiten Weltkrieges Zwangsarbeiter Rüstungsgüter herstellen mussten.Die nun bewilligten 2,8 Millionen Euro, von denen 300000 Euro der Bund beisteuert, stehen nur für die Sanierung des Sockels zur Verfügung. Für Gastronomie und neue sanitäre Anlagen sollen extra Gelder fließen.In Minden und Porta wird die Investition sehr begrüßt. Bei der Minden Marketing, die auch die Führungen am Denkmal durchführt, wünscht man sich jedoch ein Gesamtkonzept. "Das Denkmal ist sicherlich die Landmarke", sagt Sander. Doch die durchschnittliche Verweildauer der Gäste von 15 Minuten sei kurz - dabei befänden sich im Bereich der Wittekindsburg weitere Attraktionen. "Wir brauchen eine Vernetzung der Sehenswürdigkeiten und müssen das dem Besucher auch nahebringen."Von Seiten des LWL hat man nichts dagegen, wird aber auch nicht aktiv. "Wir sind für das Denkmal selbst zuständig", sagt Kirsch, "vermarkten müssen es die Verantwortlichen vor Ort." Die Voraussetzung dafür werde jetzt geschafft.
Kaiser-Wilhelm-Denkmal

2,8 Millionen für die Standortsicherung an der Porta

Porta Westfalica/Münster (mt). Mit ein paar Eimern Farbe und Zement ist es nicht getan, der "Willi" ist in die Jahre gekommen. Und wenn ihm nicht der Boden unter den Füßen wegrutschen soll, muss gehandelt werden. Gestern wurde entschieden: 2,8 Millionen Euro stehen dafür jetzt zur Verfügung.

"Unser Wilhelm" gehört zu den bedeutendsten Denkmälern in Deutschland. - © MT-Foto: Rogge
"Unser Wilhelm" gehört zu den bedeutendsten Denkmälern in Deutschland. - © MT-Foto: Rogge

"Das ist doch die westfälische Begrüßung, wenn man mit dem Zug aus Richtung Berlin kommt!", sagt Dr. Wolfgang Kirsch, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe (LWL), über das Kaiser-Denkmal in Porta. "Ein Stück Heimat" nennt es Dr. Jörg-Friedrich Sander, Geschäftsführer der Minden Marketing. Von der Provinz Westfalen gebaut, gehört es heute dem LWL. Nun muss der Sockel des Denkmals gesichert werden, um ein Abrutschen zu verhindern. "Wir sind in einer rechtlichen Verpflichtung, das Denkmal zu erhalten", sagt Kirsch. "Aber die inhaltliche Verpflichtung geht darüber hinaus."

2,8 Millionen für die Standortsicherung - © PORTA
2,8 Millionen für die Standortsicherung - © PORTA

Eine verwitterte Tafel am Denkmal weist auf diese dunkle Zeit hin. Weitere schlecht lesbare Tafeln erklären die Geschichte, ordnen das Monument ein. Aber reicht das? Eine 88 Meter hohe Erinnerung an einen Monarchen, mitten in einem demokratischen Deutschland. "Gerade für junge Menschen muss das doch befremdlich wirken", sagt Kirsch. "Ich glaube, dass man sich an einem solchen Denkmal Fragen stellen kann." Zum Beispiel: "Was bedeutet ,Nation´ im 21. Jahrhundert?"

Mehr als 100000 Besucher pro Jahr

Für Kirsch ist das Denkmal ein guter Ort, sich mit der eigenen Identität zu beschäftigen: "So wie Familien ihr Gedächtnis zum Beispiel in Fotos festhalten, ist es wichtig für Nationen, Denkmäler zu erhalten." Seit 2008 gehört der Wilhelm zur Straße der Monumente. Er steht damit in einer Reihe mit der Berliner Siegessäule, dem Völkerschlachtdenkmal in Leipzig, der Wartburg, dem Marine-Ehrenmal in Laboe, dem Kyffhäuser-Denkmal und dem Hermannsdenkmal bei Detmold. "Das ist ein Ort, der authentisch ist. Es geht eine Faszination davon aus."

Die Zahlen geben ihm Recht, zwischen 100000 und 200 000 Besucher kommen jährlich. Künftig soll deshalb ein Besucherzentrum Einordnung bieten, einen konkreten Plan gibt es jedoch noch nicht. Und auch die Gastronomie soll wieder belebt werden. Ob am bisherigen Standort am Parkplatz, in einem Panoramacafé im Sockel oder an einem dritten Ort ist bislang unklar. "In einem beschränkten Wettbewerb wollen wir Vorschläge dafür sammeln", sagt Kirsch.

Was er damit meint, liegt in der Geschichte des Denkmals begründet. Viel ist seit der Einweihung 1896 geschehen - einschneidend war eine Sprengung britischer Truppen 1946. Damals rutschte ein Teil des Sockels ab, ein großer Teil der Ringterrasse fehlt seitdem. Die Besatzungsmacht handelte nicht grundlos: Die Soldaten sprengten einen Tunnel unterhalb des Denkmals, in dem während des Zweiten Weltkrieges Zwangsarbeiter Rüstungsgüter herstellen mussten.

Die nun bewilligten 2,8 Millionen Euro, von denen 300000 Euro der Bund beisteuert, stehen nur für die Sanierung des Sockels zur Verfügung. Für Gastronomie und neue sanitäre Anlagen sollen extra Gelder fließen.

In Minden und Porta wird die Investition sehr begrüßt. Bei der Minden Marketing, die auch die Führungen am Denkmal durchführt, wünscht man sich jedoch ein Gesamtkonzept. "Das Denkmal ist sicherlich die Landmarke", sagt Sander. Doch die durchschnittliche Verweildauer der Gäste von 15 Minuten sei kurz - dabei befänden sich im Bereich der Wittekindsburg weitere Attraktionen. "Wir brauchen eine Vernetzung der Sehenswürdigkeiten und müssen das dem Besucher auch nahebringen."

Von Seiten des LWL hat man nichts dagegen, wird aber auch nicht aktiv. "Wir sind für das Denkmal selbst zuständig", sagt Kirsch, "vermarkten müssen es die Verantwortlichen vor Ort." Die Voraussetzung dafür werde jetzt geschafft.

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