25-Jähriger vor Gericht: Ein Diebstahl sollte alleine seine Probleme lösen - doch machte sie nur noch größer Hartmut Nolte Rahden/Minden. Ob er nun aus der Untersuchungshaft oder aus Ersatzhaft für eine nichtbezahlte Geldstrafe in den Saal 223 vor des Schöffengerichts Minden geführt wurde, wurde in der Verhandlung nicht so ganz deutlich. Aber Ruven R. (Name geändert ) aus Rahden musste wegen der Ersatzhaft in die JVA Herford zurück, obwohl das Gericht ihm diesmal Bewährung gegeben hatte. Für den 25-jährigen Rahdener hängt aber viel davon ab, dass sich seine strafrechtliche Lage schnell klärt. Im Juli 2018 und im Mai 2020 war er vom Amtsgericht Rahden zu 500 beziehungsweise 300 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Bei nicht fristgerechter Bezahlung drohte Ersatzhaft. Ein Tag jeweils einkommensabhängig für 25 beziehungsweise 30 Euro. Lief zuerst trotz Hartz IV wohl auch ganz gut. Doch dann machte R. einen Fehler, für den er jetzt vor Gericht stand. Am 7. Oktober 2020 besuchte er nachmittags einen Freund in dessen Wohnung. Dort sah er einen kleinen Tresor. Für den klammen und amphetaminabhängigen Angeklagten eine Verlockung. Fünf Stunden später war er wieder da, hebelte die Wohnungstür in dem Mehrfamilienhaus auf und verschwand mit dem Tresor. Die Beute: Eine Betriebserlaubnis für einen Roller und zwei Sparbücher, womit er nichts anfangen konnte. Aber 600 Euro Bargeld. Die Freude dürfte nur kurz gewesen sein, denn anhand der Fingerabdrücke war er bald als Täter identifiziert und angeklagt. Am angesetzten Verhandlungstermin 9. April wartete das Gericht in Minden vergeblich auf den Angeklagten. Die von Richter Dr. Sebastian Homeier zum „Taxi-Dienst“ beauftragte Polizei traf ihn nicht an. Er habe sich Tage zuvor selbst wegen seiner Drogenprobleme in stationäre psychische Behandlung begeben, sagte er jetzt. So kam es jetzt zum neuen Verhandlungstermin. Da räumte der 25-jährige ohne Umschweife seine Tat ein, zeigte Reue und Initiative, sein seit einigen Jahren aus der Bahn geratenes Leben wieder auf das gerade Gleis zu stellen. Die schlechte Entwicklung begann mit Stress und Gewalt in der Familie, Trennung der Eltern. Kaum volljährig sei er zu Hause rausgeschmissen worden, berichtete seine Verteidigerin Kathleen Heine. Die Lehre endete wenig später ebenso. Er rutschte durch Frust und falsche Freunde in die Drogen und mit dem Einbruch in die Beschaffungskriminalität – eher eine übliche Entwicklung als ein besonderer Einzelfall. Doch das Nichterscheinen vor Gericht im April hatte fatale Folgen. Er wurde zur Fahndung ausgeschrieben, in Bielefeld geschnappt und in die JVA Herford gebracht. Für Häftlinge wird kein Hartz IV gezahlt. Damit konnte R. aber seine Geldstrafenverpflichtung nicht erfüllen und die Ersatzhaft drohte. Justitias Mühlen mahlten unbeeindruckt weiter und so sitzt der Rahdener seit 28. Juni den Rest der ersten und ab 27. Juli bis 21. August die zweite Ersatzhaft ab. Die Strafen wären dann zwar getilgt, aber die in Aussicht stehende Lehrstelle in einem Handwerksbetrieb wäre futsch. „Die Zeit läuft weg,“ sagte Strafverteidigerin Heine. Direkt konnte das Schöffengericht da nichts machen. Strafe für den Wohnungseinbruchsdiebstahl, gesetzlich kürzlich auf ein Jahr Haft mindestens verdoppelt, muss sein. In diesem Fall wurden es ein Jahr und zwei Monate, die zur Bewährung auf drei Jahre ausgesetzt wurden. Die 600 Euro aus der Beute wird die Staatsanwaltschaft bei ihm einziehen, wenn er dazu in der Lage ist. Die sechs Wochen im Gefängnis haben offenbar große Wirkung beim Angeklagten hinterlassen. Er habe eine Ausbildung in Aussicht, sagte R. und will trotz des Zeitproblems am Ball bleiben, der Ausbildungsbeginn ließe sich vielleicht verschieben. Als Plan B will er sich um einen Übergangsjob bemühen. Die Drogen habe er ebenso wie die falschen Freunde aufgegeben, versichert er glaubhaft. Freiwillig will er sich zur Sicherheit einer ambulanten Drogentherapie unterziehen. So viel seltenen persönlichen Einsatz wollte das Gericht würdigen: Die verhängten 75 Sozialstunden werden Ruven R. erlassen, wenn es mit der Ausbildung klappen sollte. Das Urteil wurde sofort rechtskräftig.

25-Jähriger vor Gericht: Ein Diebstahl sollte alleine seine Probleme lösen - doch machte sie nur noch größer

Die Haft hatte für den Angeklagten weitreichende Folgen. Auch der Start der Ausbildung geriet in Gefahr. Symbolfoto: Hauke Hass/Imago © imago/Hauke Hass

Rahden/Minden. Ob er nun aus der Untersuchungshaft oder aus Ersatzhaft für eine nichtbezahlte Geldstrafe in den Saal 223 vor des Schöffengerichts Minden geführt wurde, wurde in der Verhandlung nicht so ganz deutlich. Aber Ruven R. (Name geändert ) aus Rahden musste wegen der Ersatzhaft in die JVA Herford zurück, obwohl das Gericht ihm diesmal Bewährung gegeben hatte.

Für den 25-jährigen Rahdener hängt aber viel davon ab, dass sich seine strafrechtliche Lage schnell klärt. Im Juli 2018 und im Mai 2020 war er vom Amtsgericht Rahden zu 500 beziehungsweise 300 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Bei nicht fristgerechter Bezahlung drohte Ersatzhaft. Ein Tag jeweils einkommensabhängig für 25 beziehungsweise 30 Euro. Lief zuerst trotz Hartz IV wohl auch ganz gut.

Doch dann machte R. einen Fehler, für den er jetzt vor Gericht stand. Am 7. Oktober 2020 besuchte er nachmittags einen Freund in dessen Wohnung. Dort sah er einen kleinen Tresor. Für den klammen und amphetaminabhängigen Angeklagten eine Verlockung. Fünf Stunden später war er wieder da, hebelte die Wohnungstür in dem Mehrfamilienhaus auf und verschwand mit dem Tresor. Die Beute: Eine Betriebserlaubnis für einen Roller und zwei Sparbücher, womit er nichts anfangen konnte. Aber 600 Euro Bargeld. Die Freude dürfte nur kurz gewesen sein, denn anhand der Fingerabdrücke war er bald als Täter identifiziert und angeklagt.


Am angesetzten Verhandlungstermin 9. April wartete das Gericht in Minden vergeblich auf den Angeklagten. Die von Richter Dr. Sebastian Homeier zum „Taxi-Dienst“ beauftragte Polizei traf ihn nicht an. Er habe sich Tage zuvor selbst wegen seiner Drogenprobleme in stationäre psychische Behandlung begeben, sagte er jetzt. So kam es jetzt zum neuen Verhandlungstermin. Da räumte der 25-jährige ohne Umschweife seine Tat ein, zeigte Reue und Initiative, sein seit einigen Jahren aus der Bahn geratenes Leben wieder auf das gerade Gleis zu stellen.

Die schlechte Entwicklung begann mit Stress und Gewalt in der Familie, Trennung der Eltern. Kaum volljährig sei er zu Hause rausgeschmissen worden, berichtete seine Verteidigerin Kathleen Heine. Die Lehre endete wenig später ebenso. Er rutschte durch Frust und falsche Freunde in die Drogen und mit dem Einbruch in die Beschaffungskriminalität – eher eine übliche Entwicklung als ein besonderer Einzelfall.

Doch das Nichterscheinen vor Gericht im April hatte fatale Folgen. Er wurde zur Fahndung ausgeschrieben, in Bielefeld geschnappt und in die JVA Herford gebracht. Für Häftlinge wird kein Hartz IV gezahlt. Damit konnte R. aber seine Geldstrafenverpflichtung nicht erfüllen und die Ersatzhaft drohte. Justitias Mühlen mahlten unbeeindruckt weiter und so sitzt der Rahdener seit 28. Juni den Rest der ersten und ab 27. Juli bis 21. August die zweite Ersatzhaft ab.

Die Strafen wären dann zwar getilgt, aber die in Aussicht stehende Lehrstelle in einem Handwerksbetrieb wäre futsch. „Die Zeit läuft weg,“ sagte Strafverteidigerin Heine. Direkt konnte das Schöffengericht da nichts machen. Strafe für den Wohnungseinbruchsdiebstahl, gesetzlich kürzlich auf ein Jahr Haft mindestens verdoppelt, muss sein. In diesem Fall wurden es ein Jahr und zwei Monate, die zur Bewährung auf drei Jahre ausgesetzt wurden. Die 600 Euro aus der Beute wird die Staatsanwaltschaft bei ihm einziehen, wenn er dazu in der Lage ist.

Die sechs Wochen im Gefängnis haben offenbar große Wirkung beim Angeklagten hinterlassen. Er habe eine Ausbildung in Aussicht, sagte R. und will trotz des Zeitproblems am Ball bleiben, der Ausbildungsbeginn ließe sich vielleicht verschieben. Als Plan B will er sich um einen Übergangsjob bemühen. Die Drogen habe er ebenso wie die falschen Freunde aufgegeben, versichert er glaubhaft. Freiwillig will er sich zur Sicherheit einer ambulanten Drogentherapie unterziehen. So viel seltenen persönlichen Einsatz wollte das Gericht würdigen: Die verhängten 75 Sozialstunden werden Ruven R. erlassen, wenn es mit der Ausbildung klappen sollte. Das Urteil wurde sofort rechtskräftig.

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