Schönes Wochenende: Winnetou gibt nicht auf

Hartmut Nolte

Ich gehöre zu den Menschen, die mit zwei linken Händen geboren wurden. Wenn jemand das aufbauen oder reparieren kann, dann nicht du, weiß meine Umgebung. Weder vor Mecklenburgischen Seenplatten bei Reparaturversuchen mit Wasser noch von leichten Elektroschocks beim Anbringen einer Lampe oder schmerzhaft blauen Fingerkuppen schrecke ich zurück. Ein Indianer kennt keinen Schmerz. Es ist eher das Begreifen von Technik. Dem Ingeniör ist nichts zu schwör. Mir schon. Meine Hoffnung: Irgendwann wirst du es der Welt zeigen. Darauf warte ich noch heute.

Kommentarfoto Hartmut Nolte - © siehe Bildtext
Kommentarfoto Hartmut Nolte (© siehe Bildtext)

Da kann es nicht wundern, dass Ikea-Möbel für mich eine unvorstellbar große Herausforderung sind. Obwohl die Bauanleitungen ja für Menschen wie mich gemacht zu sein scheinen. Dass der Aufbau von Regal Billy und Schrank Smågöra vielfach parodiert wird, tröstet mich etwas.

Schlimmer als Schweden ist aber China. Ein 80 x 40 x 35 Zentimeter großes Ding mit dem hochtrabenden Namen „Gewächshaus“ aus dem Baumarkt hat mich einen halben Tag meines Lebens gekostet. Schon beim Auspacken der zahlreichen Einzelteile, dachte ich an Rückgabe, als ich vergeblich die Bauanleitung suchte. Aber „Winnetou hat nie aufgegeben“, hatte mein Vater immer gesagt.

Total easy schien – nach einem Kampf mit langen und kurzen Schrauben – das Aufsetzen der drei Dachflächen. Einfach nacheinander in die Nut der Rückwand schieben. Leider ließ sich die mittlere nun nicht mehr ganz aufklappen. Das merkte ich, als ich alles verschraubt und noch mal fest angezogen hatte. Wobei sich an einer Stelle die Handwerkerweisheit fest – zu fest – ab bewahrheitete.

Stolz wie Oskar – weil am Ende nur eine Schraube übrig blieb – genoss ich schließlich das kühle Bier und die Bewunderung meiner Hausgärtnerin. Ihr „Hat ja auch lange genug gedauert“ ignorierte ich großzügig. Beim Vernichten der Verpackung fand sich übrigens auch die gut versteckte Bauanleitung an.

Beim Aufsetzen auf das Hochbeet zeigte sich der wahre Fehlkauf. Das Ding aus Plexiglas und Billigalu, ist nur für völlig ebene Untergründe geeignet. Auf dem Hochbeet verkantete es, die Dachflächen überlappten sich, es schien sich innerlich zusammenzuziehen. Und beim ersten kräftigeren Windstoß fanden wir es trotz Verankerungshaken hinter dem Hochbeet. Für mich hatte sich die andere, die dunkle Seite der globalen Arbeitsteilung, der Verlagerung in Billiglohnländer offenbart.

Nächstes Jahr baue ich mir selbst ein Gewächshaus. So schwer kann das ja nicht sein. Ich weiß ja jetzt, wie es geht. Jedenfalls im Prinzip.

In dem Sinne ein schönes Wochenende.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

Schönes Wochenende: Winnetou gibt nicht aufHartmut NolteIch gehöre zu den Menschen, die mit zwei linken Händen geboren wurden. Wenn jemand das aufbauen oder reparieren kann, dann nicht du, weiß meine Umgebung. Weder vor Mecklenburgischen Seenplatten bei Reparaturversuchen mit Wasser noch von leichten Elektroschocks beim Anbringen einer Lampe oder schmerzhaft blauen Fingerkuppen schrecke ich zurück. Ein Indianer kennt keinen Schmerz. Es ist eher das Begreifen von Technik. Dem Ingeniör ist nichts zu schwör. Mir schon. Meine Hoffnung: Irgendwann wirst du es der Welt zeigen. Darauf warte ich noch heute. Da kann es nicht wundern, dass Ikea-Möbel für mich eine unvorstellbar große Herausforderung sind. Obwohl die Bauanleitungen ja für Menschen wie mich gemacht zu sein scheinen. Dass der Aufbau von Regal Billy und Schrank Smågöra vielfach parodiert wird, tröstet mich etwas. Schlimmer als Schweden ist aber China. Ein 80 x 40 x 35 Zentimeter großes Ding mit dem hochtrabenden Namen „Gewächshaus“ aus dem Baumarkt hat mich einen halben Tag meines Lebens gekostet. Schon beim Auspacken der zahlreichen Einzelteile, dachte ich an Rückgabe, als ich vergeblich die Bauanleitung suchte. Aber „Winnetou hat nie aufgegeben“, hatte mein Vater immer gesagt. Total easy schien – nach einem Kampf mit langen und kurzen Schrauben – das Aufsetzen der drei Dachflächen. Einfach nacheinander in die Nut der Rückwand schieben. Leider ließ sich die mittlere nun nicht mehr ganz aufklappen. Das merkte ich, als ich alles verschraubt und noch mal fest angezogen hatte. Wobei sich an einer Stelle die Handwerkerweisheit fest – zu fest – ab bewahrheitete. Stolz wie Oskar – weil am Ende nur eine Schraube übrig blieb – genoss ich schließlich das kühle Bier und die Bewunderung meiner Hausgärtnerin. Ihr „Hat ja auch lange genug gedauert“ ignorierte ich großzügig. Beim Vernichten der Verpackung fand sich übrigens auch die gut versteckte Bauanleitung an. Beim Aufsetzen auf das Hochbeet zeigte sich der wahre Fehlkauf. Das Ding aus Plexiglas und Billigalu, ist nur für völlig ebene Untergründe geeignet. Auf dem Hochbeet verkantete es, die Dachflächen überlappten sich, es schien sich innerlich zusammenzuziehen. Und beim ersten kräftigeren Windstoß fanden wir es trotz Verankerungshaken hinter dem Hochbeet. Für mich hatte sich die andere, die dunkle Seite der globalen Arbeitsteilung, der Verlagerung in Billiglohnländer offenbart. Nächstes Jahr baue ich mir selbst ein Gewächshaus. So schwer kann das ja nicht sein. Ich weiß ja jetzt, wie es geht. Jedenfalls im Prinzip. In dem Sinne ein schönes Wochenende.