Minden

120 Besucher feiern den Himmelfahrtsgottesdienst auf dem Kirchplatz von St. Marien

Thomas Lieske

Die Stühle sind mit Abstand aufgestellt: 120 Leute finden Platz. MT- - © Foto: Thomas Lieske
Die Stühle sind mit Abstand aufgestellt: 120 Leute finden Platz. MT- (© Foto: Thomas Lieske)

Minden. Diesmal ist vieles anders. Wie gern würden die rund 120 Gottesdienstbesucher am Himmelfahrtstag auf dem Kirchhof von St. Marien „Geh aus mein Herz und suche Freud“ mitsingen. Doch der Gesang ist Kantorin Anna Somogyi vorbehalten, begleitet vom evangelischen Bläserkreis unter Leitung von Lothar Euen.

Zu hoch ist die Ansteckungsgefahr in Zeiten von Corona. Gemeindegesang wird zum gemeinschaftlichen Summen. Manche zücken ihr Smartphone und filmen mit. Andere cremen sich noch schnell ein, um keinen Sonnenbrand zu riskieren. Und am Einlass herrscht Hochbetrieb. Bis kurz nach Beginn des Gottesdienst lassen sich die Besucher dort registrieren. Dieses Himmelfahrtsfest ist von Beginn an ein anderes als sonst.

Doch wo lässt sich der Himmelfahrtstag besser feiern als unter freiem Himmel? Dass die Besucher des gemeinsamen Gottesdienstes der Innenstadtkirchen auf Abstand bleiben müssen und die Stühle deshalb gut zwei Meter auseinanderstehen, stört niemanden. Die fehlende Umarmung schon. Gerade in diesen Zeiten sei Zusammenhalt das Wichtigste, um eine solche Krise zu überstehen, predigt Pastor Andreas Brügmann. In diesem Zusammenhang könnten die westlichen Christen noch einiges von den Jesiden, auch Eziden genannt, lernen – einer ethnisch-religiösen Minderheit aus dem Irak und Armenien. Die vielen Jahre der Verfolgung hätten diese Menschen nur durch Zusammenhalt überstanden. Deshalb freut sich Brügmann besonders, dass an diesem Himmelfahrtstag mit Ismet Sahin als Schatzmeister ein Vertreter der Gesellschaft Ezidischer Akademikerinnen und Akademiker gekommen ist.

Denn auch das Motto des Gottesdienstes – „Was für ein schöner Morgen“ – ist an ein ezidisches Morgengebet angelehnt. Und das gebe Hoffnung, betont Brügmann. Hoffnung die in diesen schweren Zeiten gefragt sei. Deshalb haben sich die Innenstadtgemeinden für alle Besucher auch etwas Besonderes einfallen lassen: Zum Abschied gibt es ein Päckchen mit Blumensamen, damit die Besucher zu Hause „Blumen der Hoffnung säen“ können. „Damit mit den Bienen neues Leben einzieht“, sagt Brügmann.

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Minden120 Besucher feiern den Himmelfahrtsgottesdienst auf dem Kirchplatz von St. MarienThomas LieskeMinden. Diesmal ist vieles anders. Wie gern würden die rund 120 Gottesdienstbesucher am Himmelfahrtstag auf dem Kirchhof von St. Marien „Geh aus mein Herz und suche Freud“ mitsingen. Doch der Gesang ist Kantorin Anna Somogyi vorbehalten, begleitet vom evangelischen Bläserkreis unter Leitung von Lothar Euen. Zu hoch ist die Ansteckungsgefahr in Zeiten von Corona. Gemeindegesang wird zum gemeinschaftlichen Summen. Manche zücken ihr Smartphone und filmen mit. Andere cremen sich noch schnell ein, um keinen Sonnenbrand zu riskieren. Und am Einlass herrscht Hochbetrieb. Bis kurz nach Beginn des Gottesdienst lassen sich die Besucher dort registrieren. Dieses Himmelfahrtsfest ist von Beginn an ein anderes als sonst. Doch wo lässt sich der Himmelfahrtstag besser feiern als unter freiem Himmel? Dass die Besucher des gemeinsamen Gottesdienstes der Innenstadtkirchen auf Abstand bleiben müssen und die Stühle deshalb gut zwei Meter auseinanderstehen, stört niemanden. Die fehlende Umarmung schon. Gerade in diesen Zeiten sei Zusammenhalt das Wichtigste, um eine solche Krise zu überstehen, predigt Pastor Andreas Brügmann. In diesem Zusammenhang könnten die westlichen Christen noch einiges von den Jesiden, auch Eziden genannt, lernen – einer ethnisch-religiösen Minderheit aus dem Irak und Armenien. Die vielen Jahre der Verfolgung hätten diese Menschen nur durch Zusammenhalt überstanden. Deshalb freut sich Brügmann besonders, dass an diesem Himmelfahrtstag mit Ismet Sahin als Schatzmeister ein Vertreter der Gesellschaft Ezidischer Akademikerinnen und Akademiker gekommen ist. Denn auch das Motto des Gottesdienstes – „Was für ein schöner Morgen“ – ist an ein ezidisches Morgengebet angelehnt. Und das gebe Hoffnung, betont Brügmann. Hoffnung die in diesen schweren Zeiten gefragt sei. Deshalb haben sich die Innenstadtgemeinden für alle Besucher auch etwas Besonderes einfallen lassen: Zum Abschied gibt es ein Päckchen mit Blumensamen, damit die Besucher zu Hause „Blumen der Hoffnung säen“ können. „Damit mit den Bienen neues Leben einzieht“, sagt Brügmann.