Minden/Porta Westfalica

Familientag statt Feierlaune: So war der Vatertag 2020 im Mühlenkreis

Thomas Lieske

Am Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Barkhausen waren am Donnerstag mehrere hundert Ausflügler. Die verteilten sich bei schönem Wetter aber gut, sodass es zu keinen größeren Gruppenbildungen kam. Einschreiten mussten Polizei und Ordnungsamt hier nicht. MT- - © Foto: Thomas Lieske
Am Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Barkhausen waren am Donnerstag mehrere hundert Ausflügler. Die verteilten sich bei schönem Wetter aber gut, sodass es zu keinen größeren Gruppenbildungen kam. Einschreiten mussten Polizei und Ordnungsamt hier nicht. MT- (© Foto: Thomas Lieske)

Minden/Porta Westfalica. Die Musik schallt unüberhörbar unter der Weserbrücke durch. „Hey, das geht ab. Wir feiern die ganze Nacht...“ Doch wo ist die dazugehörige Bollerwagengruppe, wo sind die zehn betrunkenen Männer, die mitgrölen? Fehlanzeige. Zwei junge Leute ziehen einen Lautsprecher auf Rädern hinter sich her. Gut gelaunt, bahnen sie sich ihren Weg über die ziemlich volle Weserpromenade am Innenstadtufer in Minden. Hätten sie nicht ihre Musik dabei, sie würden nicht auffallen.

Dieser Himmelfahrtstag, dieser Vatertag, er ist anders als in den letzten Jahren. Kanzlers Weide und der Weserstrand sind abgesperrt. Dort wo sich letztes Jahr hunderte Menschen versammelten, wo es zu Messerstichen und Schlägereien kam, wo viel Müll in den Wiesen liegen blieb, patroullieren nun Ordnungsamt und Sicherheitsdienst. Die Zufahrten: streng bewacht. Die Glacisbrücke: gesperrt. Wirklich wegschicken müssen sie nur wenige. Die meisten kapieren: Hier wird dieses Jahr nicht gefeiert. Nur die Camper dürfen bleiben.

Pierre Khazaka und seine Familie haben wie viele andere auch eine Tour mit dem Rad gemacht. - © Foto: privat
Pierre Khazaka und seine Familie haben wie viele andere auch eine Tour mit dem Rad gemacht. (© Foto: privat)

Auf der anderen Weserseite haben Polizei und Ordnungsamt einen Beobachtungsposten aufgebaut. Vier Streifenwagen, ein Caddy vom Amt. Ein mit dem Rad vorbeikommendes Ehepaar findet das „übertrieben“. Die Behörden setzen dagegen auf Präsenz und Prävention. Und ihr Konzept geht auf. Gerade einmal fünf Anzeigen müssen die Beamten in Minden an diesem Tag schreiben, weil sich Ausflügler nicht an die Corona-Regeln halten – auch nicht nach mehrmaligen Aufforderungen. 200 Euro kostet das pro Person, erzählt Polizeisprecher Thomas Bensch. Das schreckt ab und hat auch im Vorfeld offenbar abgeschreckt. Die Hotspots, sie sind voll. Aber von wildem Trinkgelage fehlt jede Spur. Viele haben sich mit Freunden zum Beispiel in die Kleingartenanlagen im Schwarzen Weg zurückgezogen. Das ist der Polizei ganz recht.

Kein Durchkommen: Kanzlers Weide und der Weserstrand waren am Donnerstag gesperrt.
Kein Durchkommen: Kanzlers Weide und der Weserstrand waren am Donnerstag gesperrt.

Wenige Kilometer weiter am Fähranleger in Barkhausen schallt wieder Musik über den Platz. Viele haben es sich am Weserufer gemütlich gemacht. Mit Abstand, versteht sich. Gleich drei Eiswagen haben sich aufgestellt. Sie wittern ein gutes Geschäft. Zurecht: Gegen 13 Uhr tummeln sich mehr als 100 Leute zwischen Spielplatz und Wasser. Sportboote ziehen ihre Bahnen, Kanuten paddeln Richtung Minden. Viele schauen vom Ufer aus zu.

An einem Tisch hat es sich Pierre Khazaka mit seiner Frau und den vier Kindern gemütlich gemacht. Sie haben gerade den ersten Teil ihrer Radtour am Weserradweg hinter sich. „Wir sind in Bad Oeynhausen gestartet und wollen weiter nach Minden“, erzählt der Familienvater. Ihnen gefällt besonders die entspannte Stimmung an den Rastplätzen, sagt Pierre Khazaka. Trotz der hohen Frequenz unterwegs sei alles friedlich, freut sich der Mindener. Mit dieser Freude ist er an diesem Tag nicht allein.

Gegenüber am Wittekindsberg sind die Parkplätze unterhalb des Kaiser-Wilhelm-Denkmals rappelvoll. Gut 500 Ausflügler schauen sich am späten Mittag das Denkmal und die Ringterrasse – angelockt von der schönen Aussicht und dem Imbisswagen mitten auf dem Platz. Keine Alkoholexzesse, keine Party. Familientag statt Feierlaune, das gilt auch für den Hotspot in Barkhausen.

In Porta Westfalica muss die Polizei nur einmal eingreifen: Im Bereich des Wedingstein-Sees haben vermutlich vier Männer mutwillig ein Auto beschädigt. Sie flüchten mit einem orangenen Mountainbike und einem weißen Damenrad mit Korb. Platzverweise wegen nicht eingehaltener Corona-Regeln gibt es hier nicht.

Auch in den anderen Städten wie Bad Oeynhausen und Lübbecke muss die Polizei nur selten aktiv werden. 23 Platzverweise und neun Anzeigen wegen Verstoßes gegen Corona-Regeln sind es am Ende in den Berichten der Beamten für den gesamten Mühlenkreis. 30-mal wird der Polizei eine Ruhestörung gemeldet. Nur einmal beschlagnahmt sie eine Musikanlage. Sonst bleibt es weitgehend ruhig und bei Familienausflügen ohne „die sonst an Vatertag das Bild prägenden Bollerwagen“, heißt es von der Polizei.

Und so bleibt ihr am Ende des Tages ein großes Lob an die Ausflügler „für das vorbildliche Verhalten am Vatertag“.

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Minden/Porta WestfalicaFamilientag statt Feierlaune: So war der Vatertag 2020 im MühlenkreisThomas LieskeMinden/Porta Westfalica. Die Musik schallt unüberhörbar unter der Weserbrücke durch. „Hey, das geht ab. Wir feiern die ganze Nacht...“ Doch wo ist die dazugehörige Bollerwagengruppe, wo sind die zehn betrunkenen Männer, die mitgrölen? Fehlanzeige. Zwei junge Leute ziehen einen Lautsprecher auf Rädern hinter sich her. Gut gelaunt, bahnen sie sich ihren Weg über die ziemlich volle Weserpromenade am Innenstadtufer in Minden. Hätten sie nicht ihre Musik dabei, sie würden nicht auffallen. Dieser Himmelfahrtstag, dieser Vatertag, er ist anders als in den letzten Jahren. Kanzlers Weide und der Weserstrand sind abgesperrt. Dort wo sich letztes Jahr hunderte Menschen versammelten, wo es zu Messerstichen und Schlägereien kam, wo viel Müll in den Wiesen liegen blieb, patroullieren nun Ordnungsamt und Sicherheitsdienst. Die Zufahrten: streng bewacht. Die Glacisbrücke: gesperrt. Wirklich wegschicken müssen sie nur wenige. Die meisten kapieren: Hier wird dieses Jahr nicht gefeiert. Nur die Camper dürfen bleiben. Auf der anderen Weserseite haben Polizei und Ordnungsamt einen Beobachtungsposten aufgebaut. Vier Streifenwagen, ein Caddy vom Amt. Ein mit dem Rad vorbeikommendes Ehepaar findet das „übertrieben“. Die Behörden setzen dagegen auf Präsenz und Prävention. Und ihr Konzept geht auf. Gerade einmal fünf Anzeigen müssen die Beamten in Minden an diesem Tag schreiben, weil sich Ausflügler nicht an die Corona-Regeln halten – auch nicht nach mehrmaligen Aufforderungen. 200 Euro kostet das pro Person, erzählt Polizeisprecher Thomas Bensch. Das schreckt ab und hat auch im Vorfeld offenbar abgeschreckt. Die Hotspots, sie sind voll. Aber von wildem Trinkgelage fehlt jede Spur. Viele haben sich mit Freunden zum Beispiel in die Kleingartenanlagen im Schwarzen Weg zurückgezogen. Das ist der Polizei ganz recht. Wenige Kilometer weiter am Fähranleger in Barkhausen schallt wieder Musik über den Platz. Viele haben es sich am Weserufer gemütlich gemacht. Mit Abstand, versteht sich. Gleich drei Eiswagen haben sich aufgestellt. Sie wittern ein gutes Geschäft. Zurecht: Gegen 13 Uhr tummeln sich mehr als 100 Leute zwischen Spielplatz und Wasser. Sportboote ziehen ihre Bahnen, Kanuten paddeln Richtung Minden. Viele schauen vom Ufer aus zu. An einem Tisch hat es sich Pierre Khazaka mit seiner Frau und den vier Kindern gemütlich gemacht. Sie haben gerade den ersten Teil ihrer Radtour am Weserradweg hinter sich. „Wir sind in Bad Oeynhausen gestartet und wollen weiter nach Minden“, erzählt der Familienvater. Ihnen gefällt besonders die entspannte Stimmung an den Rastplätzen, sagt Pierre Khazaka. Trotz der hohen Frequenz unterwegs sei alles friedlich, freut sich der Mindener. Mit dieser Freude ist er an diesem Tag nicht allein. Gegenüber am Wittekindsberg sind die Parkplätze unterhalb des Kaiser-Wilhelm-Denkmals rappelvoll. Gut 500 Ausflügler schauen sich am späten Mittag das Denkmal und die Ringterrasse – angelockt von der schönen Aussicht und dem Imbisswagen mitten auf dem Platz. Keine Alkoholexzesse, keine Party. Familientag statt Feierlaune, das gilt auch für den Hotspot in Barkhausen. In Porta Westfalica muss die Polizei nur einmal eingreifen: Im Bereich des Wedingstein-Sees haben vermutlich vier Männer mutwillig ein Auto beschädigt. Sie flüchten mit einem orangenen Mountainbike und einem weißen Damenrad mit Korb. Platzverweise wegen nicht eingehaltener Corona-Regeln gibt es hier nicht. Auch in den anderen Städten wie Bad Oeynhausen und Lübbecke muss die Polizei nur selten aktiv werden. 23 Platzverweise und neun Anzeigen wegen Verstoßes gegen Corona-Regeln sind es am Ende in den Berichten der Beamten für den gesamten Mühlenkreis. 30-mal wird der Polizei eine Ruhestörung gemeldet. Nur einmal beschlagnahmt sie eine Musikanlage. Sonst bleibt es weitgehend ruhig und bei Familienausflügen ohne „die sonst an Vatertag das Bild prägenden Bollerwagen“, heißt es von der Polizei. Und so bleibt ihr am Ende des Tages ein großes Lob an die Ausflügler „für das vorbildliche Verhalten am Vatertag“.