Minden/Bad Oeynhausen

Ansturm, Auflagen und Preise: Der Friseurbesuch nach der Corona-Zwangspause

Doris Christoph

Beim Friseurbesuch müssen Kunden und Dienstleister Masken tragen. Selber waschen und föhnen sind nicht erlaubt. Die Kunden scheint es nicht zu stören: Termine sind auf Wochen ausgebucht. Symbolfoto: Jens Büttner - © Arne Dedert
Beim Friseurbesuch müssen Kunden und Dienstleister Masken tragen. Selber waschen und föhnen sind nicht erlaubt. Die Kunden scheint es nicht zu stören: Termine sind auf Wochen ausgebucht. Symbolfoto: Jens Büttner (© Arne Dedert)

Minden/Bad Oeynhausen. Traditionell haben Friseure montags geschlossen – so war das jedenfalls noch vor ein paar Wochen. Doch am ersten Tag nach der Corona-Zwangspause hält kaum ein Salon daran fest. Mehrere Versuche mit Mindener Geschäftsinhabern über den Start zu sprechen, scheitern: „Keine Zeit“, so immer wieder der Tenor am Telefon, im Hintergrund sind Föhne und Stimmen zu hören. Das haarige Geschäft brummt, endlich kommt wieder Ordnung auf den Kopf.

Ansturm nach der Pause

„Ich kenne keinen im Kreisgebiet, der am Montag geschlossen hat“, sagt auch Hartmut Vahle. Er ist Obermeister der Friseurinnung Minden-Lübbecke mit Salon in Bad Oeynhausen. Als das Datum der Wiederöffnung bekannt wurde, gingen bei ihm und den Kollegen zahlreiche Terminanfragen ein. Viele der 260 Friseurgeschäfte im Kreisgebiet seien die nächsten drei Wochen ausgebucht und öffneten nun sechs statt fünf Tage die Woche.

Bei Vahle kamen die ersten Kunden vor der Arbeit vorbei, um 7.15 Uhr, Feierabend plant er für 19 Uhr. Bei den Frauen sei vor allem Farbe gefragt, Männer wollen meist nur einen neuen Schnitt. Einen sogenannten Corona-Unfall, weil zu Hause selber jemand zur Schere gegriffen hat, hatte er noch nicht an diesem Tag.

Auflagen

Mit der Wiedereröffnung sind Auflagen verbunden: Die Sitzplätze müssen mindestens 1,5 Meter Abstand zueinander haben. Das führt dazu, dass weniger Kunden als früher gleichzeitig frisiert werden können. Wartebereiche sind geschlossen. Kunden und Friseure müssen einen Mund-Naseschutz tragen. Mitarbeiter tragen bei der Begrüßung und dem Haarewaschen Handschuhe, zum Schneiden dürfen diese ausgezogen werden, so der Friseur-Meister. „Alles was mit dem Kunden in Berührung gekommen ist, also zum Beispiel Handtücher und Umhänge, muss anschließend in die Wäsche.“ Utensilien wie Stuhl, Kamm und Schere werden desinfiziert.

Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamtes kontrollierten gestern stichprobenartig die Einhaltung der Auflagen. Dabei stellten sie nur sehr wenige Verstöße fest. Aufklärungsbedarf habe es bei den vorgeschriebenen Anwesenheitsliste gegeben, teilt die Pressestelle mit. In der müssen Name, Adresse und Telefonnummer des Kunden notiert werden, um bei einer Infizierung mit dem Corona-Virus die Infektionskette nachvollziehen zu können.

Dienstleistungen

Bevor die Friseure zur Schere greifen, müssen sie den Kunden die Haare waschen. Das ist vorgeschrieben. Auch selber föhnen geht nicht mehr. Kosmetische Behandlungen wie Augenbrauen- und Wimpernfärben sind derzeit untersagt. „Da müsste man ja ans Gesicht“, erklärt Vahle. Ponyschneiden geht aber. „Dabei kann man den Abstand wahren.“

Auch Bärte schneiden oder rasieren ist derzeit nicht erlaubt. Darauf sind vor allem sogenannte Barbershops spezialisiert, die laut Stadt ebenfalls unter das Friseurhandwerk fallen: Denn auch hier muss es einen Meister geben, der Betrieb muss als Gewerbe angemeldet und bei der Handwerkskammer eingetragen sein. Auch in diesen Geschäften sind nur Friseurtätigkeiten erlaubt.

Preise

Mit der Zwangspause sind den Friseuren Einnahmen weggebrochen. Müssen Kunden nun mehr für Dienstleistungen zahlen? „Es sollte keine überdimensionalen Preiserhöhungen geben“, sagt Hartmut Vahle. Mit zwei bis drei Euro mehr pro Friseurbesuch rechnet er trotzdem. Das habe dann aber mit den Anschaffungen wie Desinfektionsmittel oder Masken zu tun. Immerhin hätten die Hersteller dieser Produkte die Preise in den vergangenen Wochen teilweise verdoppelt. Eine 50er-Packung Mundschutz koste nun zwischen 80 bis 100 Euro.

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Minden/Bad OeynhausenAnsturm, Auflagen und Preise: Der Friseurbesuch nach der Corona-ZwangspauseDoris ChristophMinden/Bad Oeynhausen. Traditionell haben Friseure montags geschlossen – so war das jedenfalls noch vor ein paar Wochen. Doch am ersten Tag nach der Corona-Zwangspause hält kaum ein Salon daran fest. Mehrere Versuche mit Mindener Geschäftsinhabern über den Start zu sprechen, scheitern: „Keine Zeit“, so immer wieder der Tenor am Telefon, im Hintergrund sind Föhne und Stimmen zu hören. Das haarige Geschäft brummt, endlich kommt wieder Ordnung auf den Kopf. Ansturm nach der Pause „Ich kenne keinen im Kreisgebiet, der am Montag geschlossen hat“, sagt auch Hartmut Vahle. Er ist Obermeister der Friseurinnung Minden-Lübbecke mit Salon in Bad Oeynhausen. Als das Datum der Wiederöffnung bekannt wurde, gingen bei ihm und den Kollegen zahlreiche Terminanfragen ein. Viele der 260 Friseurgeschäfte im Kreisgebiet seien die nächsten drei Wochen ausgebucht und öffneten nun sechs statt fünf Tage die Woche. Bei Vahle kamen die ersten Kunden vor der Arbeit vorbei, um 7.15 Uhr, Feierabend plant er für 19 Uhr. Bei den Frauen sei vor allem Farbe gefragt, Männer wollen meist nur einen neuen Schnitt. Einen sogenannten Corona-Unfall, weil zu Hause selber jemand zur Schere gegriffen hat, hatte er noch nicht an diesem Tag. Auflagen Mit der Wiedereröffnung sind Auflagen verbunden: Die Sitzplätze müssen mindestens 1,5 Meter Abstand zueinander haben. Das führt dazu, dass weniger Kunden als früher gleichzeitig frisiert werden können. Wartebereiche sind geschlossen. Kunden und Friseure müssen einen Mund-Naseschutz tragen. Mitarbeiter tragen bei der Begrüßung und dem Haarewaschen Handschuhe, zum Schneiden dürfen diese ausgezogen werden, so der Friseur-Meister. „Alles was mit dem Kunden in Berührung gekommen ist, also zum Beispiel Handtücher und Umhänge, muss anschließend in die Wäsche.“ Utensilien wie Stuhl, Kamm und Schere werden desinfiziert. Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamtes kontrollierten gestern stichprobenartig die Einhaltung der Auflagen. Dabei stellten sie nur sehr wenige Verstöße fest. Aufklärungsbedarf habe es bei den vorgeschriebenen Anwesenheitsliste gegeben, teilt die Pressestelle mit. In der müssen Name, Adresse und Telefonnummer des Kunden notiert werden, um bei einer Infizierung mit dem Corona-Virus die Infektionskette nachvollziehen zu können. Dienstleistungen Bevor die Friseure zur Schere greifen, müssen sie den Kunden die Haare waschen. Das ist vorgeschrieben. Auch selber föhnen geht nicht mehr. Kosmetische Behandlungen wie Augenbrauen- und Wimpernfärben sind derzeit untersagt. „Da müsste man ja ans Gesicht“, erklärt Vahle. Ponyschneiden geht aber. „Dabei kann man den Abstand wahren.“ Auch Bärte schneiden oder rasieren ist derzeit nicht erlaubt. Darauf sind vor allem sogenannte Barbershops spezialisiert, die laut Stadt ebenfalls unter das Friseurhandwerk fallen: Denn auch hier muss es einen Meister geben, der Betrieb muss als Gewerbe angemeldet und bei der Handwerkskammer eingetragen sein. Auch in diesen Geschäften sind nur Friseurtätigkeiten erlaubt. Preise Mit der Zwangspause sind den Friseuren Einnahmen weggebrochen. Müssen Kunden nun mehr für Dienstleistungen zahlen? „Es sollte keine überdimensionalen Preiserhöhungen geben“, sagt Hartmut Vahle. Mit zwei bis drei Euro mehr pro Friseurbesuch rechnet er trotzdem. Das habe dann aber mit den Anschaffungen wie Desinfektionsmittel oder Masken zu tun. Immerhin hätten die Hersteller dieser Produkte die Preise in den vergangenen Wochen teilweise verdoppelt. Eine 50er-Packung Mundschutz koste nun zwischen 80 bis 100 Euro.