Ein Hauch von Freiheit im Mindener Autokino Jürgen Langenkämper Minden. Kino unter freiem Himmel – das hat in Corona-Zeiten seinen ganz eigenen Charme. „Die Känguru-Chroniken“ ziehen Fans von weither an. Autokennzeichen aus Ravensburg, Nürnberg und Mainz mischen sich am Freitagabend unter die rund 200 Fahrzeuge auf dem Mindener Simeons-platz. Veranstalter Alexander Thye kann mit der ersten Woche Autokino in diesem Jahr zufrieden sein. „Die ersten fünf Abende sind ausgebucht“, sagt der Veranstalter. Nur für die beiden letzten Filme am Mittwoch und Donnerstag gibt es noch Plätze. Aber danach soll das Programm Woche um Woche fortgesetzt werden. Schon vor dem offiziellen „Einlass“ um 19.30 Uhr fahren die ersten Fahrzeuge auf den Simeonsplatz – offensichtlich Kenner. Denn beim Autokino sind anders als in traditionellen Kinosälen die vorderen Reihen beliebt. Wegen des freien Blicks. Denn wer steht schon gern hinter einem SUV oder einem Campingbulli. „Die größeren Fahrzeuge an den Rand oder nach hinten“, instruiert Thye die angeheuerten Platzanweiser. „Sonst haben wir Gastronomie gemacht und Getränke und einen Imbiss verkauft“, sagt Jürgen Sodeikat. Damit wird es diesmal für sein Team nichts. Untersagt. Stattdessen steht nur ein Toilettenwagen am Rande des Platzes. Wer während des mehrstündigen Einparkens und Filmanschauens Hunger oder Durst stillen möchte, muss sich selbst etwas zu essen oder trinken mitbringen. Kontakt zum Servicepersonals gibt es nicht. Schon bei der Zufahrt auf den Simeonsplatz wird das ausgedruckte oder auf dem Smartphone gespeicherte, im Internet gebuchte Ticket kontrolliert, ohne dass die Seitenscheibe heruntergekurbelt werden muss. Etwas größere Sicherheitsabstände müssen die Fahrzeuge auch beim Parken einhalten – nur für den Fall, dass mal zwei Personen aus zwei Fahrzeugen nebeneinander gleichzeitig aussteigen müssen. „Sonst hätten auch mehr Fahrzeuge kommen können“, sagt Wolfgang Hüsing, der vor zehn Jahren das erste Sommer-Autokino auf dem Simeonsplatz ins Leben gerufen hat und sich der Idee noch immer verbunden fühlt. Bis zu 350 Fahrzeuge seien dann vorgefahren. Jetzt sind gerade mal etwas mehr als die Hälfte erlaubt. Beobachter des Ordnungsamtes wachen darüber, dass auch alle Bestimmungen eingehalten werden. Dazu gehört auch, dass sich bei der Einlasskontrolle kein Rückstau bis auf die Portastraße bildet. Da die Kinobesucher aber so frühzeitig anrücken, läuft alles sehr flüssig und entspannt. Auch ein Streifenwagen der Polizei kommt vorbei, ohne dass die Beamten eingreifen müssten. Eigentlich sollte das Autokino in diesem Jahr wie üblich erst im September starten. Aber wegen Corona und wegen der Schließung der herkömmlichen Kinosäle ist alles anders. „Die Nachfrage ist riesig“, sagt Alexander Thye. Der Mann aus Vechta bekommt derzeit auch Anfragen aus Süddeutschland. Aber warum sollte er dorthin fahren, wo er schon in Norddeutschland alle Hände voll zu tun hat. „Wir haben hier sechs Setups draußen.“ Und Minden sitzt dabei in der allerersten Reihe. „Woanders muss er manchmal einen Trecker daneben stellen, um hinterher Autos wieder freizuschleppen“, weiß Wolfgang Hüsing, „aber hier ist der Platz gepflastert“. Ob das die Besucher bedacht haben? Die in ihren allradgetriebenen SUVs wohl am allerwenigsten. Es ist der Reiz, nach dem Winter und einer fünfwöchigen Pandemie-Zwangspause endlich mal wieder raus zu dürfen, ein Ziel zu haben, etwas mit anderen gemeinsam zu machen – auch wenn es nur heißt, mit anderen in einer Blechlawine zu stehen. Ein Hauch von Freiheit, ein befristeter Ausbruch aus den eigenen vier Wänden, dem Sonnenuntergang entgegen. Um 20.20 Uhr entfaltet sich die 200 Quadratmeter große Leinwand, auf 14 Meter Höhe aufgeblasen, so dass sie selbst das Preußenmuseum im Hintergrund überragt. Die UKW-Frequenz wird eingeblendet, über die das Autoradio den Ton empfangen kann. Nach nochmal einer Stunde ist es um 21.20 Uhr so weit und ausreichend dunkel. Veranstaltungstechniker Fritz Büntemeyer kann von seinem fahrbaren Vorführwagen aus den Film starten. Auch wenn es inzwischen recht frisch geworden ist auf dem Simeonsplatz, wird es für die Kinobesucher jetzt erst richtig gemütlich. „Wir haben bei den Käufern von Tickets im vergangenen Jahr eine kleine Umfrage gemacht, warum sie gern ins Autokino kommen“, sagt Alexander Thye und verrät: „Es sind viele Ältere darunter, die sonst eher nicht zum kinotypischen Publikum gehören, und meist schätzen sie das Angebot wegen der Privatsphäre im eigenen Auto.“ Geraucht werden darf übrigens auch – aber Fenster und Türen müssen geschlossen bleiben.

Ein Hauch von Freiheit im Mindener Autokino

Autokino vor der Defensionskaserne: In den „Känguru-Chroniken“ zieht ein Beuteltier in die Wohnung des anarchischen Kleinkünstlers Marc-Uwe Kling in Berlin und sorgt für Trubel. MT-Fotos: Jürgen Langenkämper

Minden. Kino unter freiem Himmel – das hat in Corona-Zeiten seinen ganz eigenen Charme. „Die Känguru-Chroniken“ ziehen Fans von weither an. Autokennzeichen aus Ravensburg, Nürnberg und Mainz mischen sich am Freitagabend unter die rund 200 Fahrzeuge auf dem Mindener Simeons-platz. Veranstalter Alexander Thye kann mit der ersten Woche Autokino in diesem Jahr zufrieden sein. „Die ersten fünf Abende sind ausgebucht“, sagt der Veranstalter. Nur für die beiden letzten Filme am Mittwoch und Donnerstag gibt es noch Plätze. Aber danach soll das Programm Woche um Woche fortgesetzt werden.

Schon vor dem offiziellen „Einlass“ um 19.30 Uhr fahren die ersten Fahrzeuge auf den Simeonsplatz – offensichtlich Kenner. Denn beim Autokino sind anders als in traditionellen Kinosälen die vorderen Reihen beliebt. Wegen des freien Blicks. Denn wer steht schon gern hinter einem SUV oder einem Campingbulli. „Die größeren Fahrzeuge an den Rand oder nach hinten“, instruiert Thye die angeheuerten Platzanweiser.

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„Sonst haben wir Gastronomie gemacht und Getränke und einen Imbiss verkauft“, sagt Jürgen Sodeikat. Damit wird es diesmal für sein Team nichts. Untersagt. Stattdessen steht nur ein Toilettenwagen am Rande des Platzes. Wer während des mehrstündigen Einparkens und Filmanschauens Hunger oder Durst stillen möchte, muss sich selbst etwas zu essen oder trinken mitbringen. Kontakt zum Servicepersonals gibt es nicht.

Schon bei der Zufahrt auf den Simeonsplatz wird das ausgedruckte oder auf dem Smartphone gespeicherte, im Internet gebuchte Ticket kontrolliert, ohne dass die Seitenscheibe heruntergekurbelt werden muss. Etwas größere Sicherheitsabstände müssen die Fahrzeuge auch beim Parken einhalten – nur für den Fall, dass mal zwei Personen aus zwei Fahrzeugen nebeneinander gleichzeitig aussteigen müssen. „Sonst hätten auch mehr Fahrzeuge kommen können“, sagt Wolfgang Hüsing, der vor zehn Jahren das erste Sommer-Autokino auf dem Simeonsplatz ins Leben gerufen hat und sich der Idee noch immer verbunden fühlt. Bis zu 350 Fahrzeuge seien dann vorgefahren. Jetzt sind gerade mal etwas mehr als die Hälfte erlaubt. Beobachter des Ordnungsamtes wachen darüber, dass auch alle Bestimmungen eingehalten werden.

Dazu gehört auch, dass sich bei der Einlasskontrolle kein Rückstau bis auf die Portastraße bildet. Da die Kinobesucher aber so frühzeitig anrücken, läuft alles sehr flüssig und entspannt. Auch ein Streifenwagen der Polizei kommt vorbei, ohne dass die Beamten eingreifen müssten.

Eigentlich sollte das Autokino in diesem Jahr wie üblich erst im September starten. Aber wegen Corona und wegen der Schließung der herkömmlichen Kinosäle ist alles anders. „Die Nachfrage ist riesig“, sagt Alexander Thye. Der Mann aus Vechta bekommt derzeit auch Anfragen aus Süddeutschland. Aber warum sollte er dorthin fahren, wo er schon in Norddeutschland alle Hände voll zu tun hat. „Wir haben hier sechs Setups draußen.“

Und Minden sitzt dabei in der allerersten Reihe. „Woanders muss er manchmal einen Trecker daneben stellen, um hinterher Autos wieder freizuschleppen“, weiß Wolfgang Hüsing, „aber hier ist der Platz gepflastert“.

Ob das die Besucher bedacht haben? Die in ihren allradgetriebenen SUVs wohl am allerwenigsten. Es ist der Reiz, nach dem Winter und einer fünfwöchigen Pandemie-Zwangspause endlich mal wieder raus zu dürfen, ein Ziel zu haben, etwas mit anderen gemeinsam zu machen – auch wenn es nur heißt, mit anderen in einer Blechlawine zu stehen. Ein Hauch von Freiheit, ein befristeter Ausbruch aus den eigenen vier Wänden, dem Sonnenuntergang entgegen.

Um 20.20 Uhr entfaltet sich die 200 Quadratmeter große Leinwand, auf 14 Meter Höhe aufgeblasen, so dass sie selbst das Preußenmuseum im Hintergrund überragt. Die UKW-Frequenz wird eingeblendet, über die das Autoradio den Ton empfangen kann.

Nach nochmal einer Stunde ist es um 21.20 Uhr so weit und ausreichend dunkel. Veranstaltungstechniker Fritz Büntemeyer kann von seinem fahrbaren Vorführwagen aus den Film starten.

Auch wenn es inzwischen recht frisch geworden ist auf dem Simeonsplatz, wird es für die Kinobesucher jetzt erst richtig gemütlich. „Wir haben bei den Käufern von Tickets im vergangenen Jahr eine kleine Umfrage gemacht, warum sie gern ins Autokino kommen“, sagt Alexander Thye und verrät: „Es sind viele Ältere darunter, die sonst eher nicht zum kinotypischen Publikum gehören, und meist schätzen sie das Angebot wegen der Privatsphäre im eigenen Auto.“

Geraucht werden darf übrigens auch – aber Fenster und Türen müssen geschlossen bleiben.

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