Nachruf: Friedrich-Wilhelm Steffen hat sich um Versöhnung mit ehemaligen Mindener Juden verdient gemacht Der frühere Kulturamtsleiter Friedrich-Wilhelm Steffen ist im Alter von 75 Jahren verstorben. 49 Jahren war er für die Stadt Minden tätig. Besondere Verdienste erwarb er sich um die Versöhnung mit den ehemaligen Mindener Juden. Kurz vor Kriegsende, am 31. März 1945, in Kutenhausen geboren, absolvierte Friedrich-Wilhelm Steffen nach dem Besuch von Heide-, Bierpohl- und Handelsschule eine dreijährige Lehre zum Verwaltungsangestellten bei der Stadt Minden. Im Laufe seiner langen Dienstzeit durchlief er fast alle Stationen im Rathaus. Nach weiteren Studien wurde er 1972 verbeamtet und war 20 Jahre lang im Hauptamt tätig. Dort baute er ab Mitte der 80er Jahre den Kontakt zu überlebenden Mindener Juden in aller Welt auf und organisierte 1989 zusammen mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit die erste Woche der Begegnung. Auch der Partnerschaft mit den Köslinern fühlte er sich zeitlebens sehr verbunden. Nach einem kurzen Intermezzo schon 1966 als kommissarischer Theaterleiter wurde die Kultur 1991 zu seinem Hauptbetätigungsfeld. Zunächst als stellvertretender Amtsleiter, ab 1997 als Kulturamtsleiter organisierte er zunächst den Mindener Sommer mit einer bunten Mischung aus Theater, Kabarett und Musik unter freiem Himmel und die Kammerkonzerte. Gleichzeitig setzte sich Steffen aber für die Etablierung des Kabarett-Förderpreises Mindener Stichling ein. Mit dem Wechsel ins Kulturamt wurde er Geschäftsführer der europäischen Autorenvereinigung „Die Kogge“ und organisierte deren jährliche Tagung in Minden. Den Posten bekleidete er über seine Pensionierung hinaus bis 2012. Eine Herzensangelegenheit war Friedrich-Wilhelm Steffen die Aussöhnung mit jüdischen Menschen, die Minden in den 1930er Jahren verlassen mussten. Seinem außergewöhnlichen Engagement war es zu verdanken, dass es 1994, 1998, 2000 und 2002 zu weiteren Begegnungen und danach auch zu Einzelbesuchen kommen konnte. Vielen ehemaligen Mindener Juden blieb er bis in ihre letzten Tage in Freundschaft verbunden und stand bis zuletzt in Kontakt zu deren Nachkommen. Durch sein persönliches Wirken leistete er einen unschätzbaren Beitrag für das Ansehen der Stadt Minden. Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Dienst blieb Friedrich-Wilhelm Steffen, der seine neu gewonnene Freizeit für ein breit gefächertes Seniorenstudium an der Universität Bielefeld nutzte, ein aufmerksamer Beobachter der Geschehnisse in der Stadt, ob auf seinen Spaziergängen oder als Besucher von Ausstellungen oder Vorträgen des Geschichtsvereins und der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Friedrich-Wilhelm Steffen entschlief nach kurzer schwerer Krankheit am 25. April im Kreise seiner Familie. Er hinterlässt seine Frau Margret, mit der er 48 Jahre verheiratet war, acht Kinder mit Partnern und sechs Enkelkinder. (lkp/och)

Nachruf: Friedrich-Wilhelm Steffen hat sich um Versöhnung mit ehemaligen Mindener Juden verdient gemacht

Der frühere Kulturamtsleiter Friedrich-Wilhelm Steffen ist im Alter von 75 Jahren verstorben. 49 Jahren war er für die Stadt Minden tätig. Besondere Verdienste erwarb er sich um die Versöhnung mit den ehemaligen Mindener Juden.

Friedrich-Wilhelm Steffen (1945-2020).
Friedrich-Wilhelm Steffen (1945-2020).

Kurz vor Kriegsende, am 31. März 1945, in Kutenhausen geboren, absolvierte Friedrich-Wilhelm Steffen nach dem Besuch von Heide-, Bierpohl- und Handelsschule eine dreijährige Lehre zum Verwaltungsangestellten bei der Stadt Minden. Im Laufe seiner langen Dienstzeit durchlief er fast alle Stationen im Rathaus. Nach weiteren Studien wurde er 1972 verbeamtet und war 20 Jahre lang im Hauptamt tätig. Dort baute er ab Mitte der 80er Jahre den Kontakt zu überlebenden Mindener Juden in aller Welt auf und organisierte 1989 zusammen mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit die erste Woche der Begegnung. Auch der Partnerschaft mit den Köslinern fühlte er sich zeitlebens sehr verbunden.

Nach einem kurzen Intermezzo schon 1966 als kommissarischer Theaterleiter wurde die Kultur 1991 zu seinem Hauptbetätigungsfeld. Zunächst als stellvertretender Amtsleiter, ab 1997 als Kulturamtsleiter organisierte er zunächst den Mindener Sommer mit einer bunten Mischung aus Theater, Kabarett und Musik unter freiem Himmel und die Kammerkonzerte.

Gleichzeitig setzte sich Steffen aber für die Etablierung des Kabarett-Förderpreises Mindener Stichling ein. Mit dem Wechsel ins Kulturamt wurde er Geschäftsführer der europäischen Autorenvereinigung „Die Kogge“ und organisierte deren jährliche Tagung in Minden. Den Posten bekleidete er über seine Pensionierung hinaus bis 2012.

Eine Herzensangelegenheit war Friedrich-Wilhelm Steffen die Aussöhnung mit jüdischen Menschen, die Minden in den 1930er Jahren verlassen mussten. Seinem außergewöhnlichen Engagement war es zu verdanken, dass es 1994, 1998, 2000 und 2002 zu weiteren Begegnungen und danach auch zu Einzelbesuchen kommen konnte. Vielen ehemaligen Mindener Juden blieb er bis in ihre letzten Tage in Freundschaft verbunden und stand bis zuletzt in Kontakt zu deren Nachkommen. Durch sein persönliches Wirken leistete er einen unschätzbaren Beitrag für das Ansehen der Stadt Minden.

Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Dienst blieb Friedrich-Wilhelm Steffen, der seine neu gewonnene Freizeit für ein breit gefächertes Seniorenstudium an der Universität Bielefeld nutzte, ein aufmerksamer Beobachter der Geschehnisse in der Stadt, ob auf seinen Spaziergängen oder als Besucher von Ausstellungen oder Vorträgen des Geschichtsvereins und der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit.

Friedrich-Wilhelm Steffen entschlief nach kurzer schwerer Krankheit am 25. April im Kreise seiner Familie. Er hinterlässt seine Frau Margret, mit der er 48 Jahre verheiratet war, acht Kinder mit Partnern und sechs Enkelkinder. (lkp/och)

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