Wer seinen Garten naturnah gestaltet, kann sich über viele Vögel und andere Tiere freuen Stefan Koch Minden. Wer jetzt im Garten sitzt, ist nicht allein. Eine Vielzahl von Vögeln besiedelt Büsche und Hecken, baut Nester oder zieht bereits die Jungen auf. Mehr als 40 Gartenvogelarten listet der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) auf, für die auch in diesem Jahr in der Zeit vom 8. bis 10. Mai eine große Zählaktion beginnt. Jeder kann sich daran beteiligen, indem er eine Liste über die von ihm beobachteten Exemplare führt und dies an den Nabu meldet. Manche Gartengäste waren schon den ganzen Winter über da und ließen sich am Futterhäuschen beobachten. Andere sind jetzt erst aus dem Süden zurückgekehrt. „Die Nachtigallen sind in der 17. Kalenderwoche wieder angekommen", berichtet Jutta Niemann, Leiterin der Biologischen Station Minden-Lübbecke, die in Raddestorf ihren Garten hat. Es habe schon Jahre gegeben, in denen es dort bis zu drei Brutpaare gab. Zurückgekehrt seien vor mehreren Wochen auch schon die Mönchsgrasmücken und viele andere Arten. Sie besiedeln nun im Garten Naturräume, die bislang den Meisen, Rotkehlchen, Amseln und anderen überwinternden Arten vorbehalten waren. Was ein Garten braucht, um möglichst vielen Vögeln Platz zu bieten? „Es ist unter ökologischen Gesichtspunkten optimal, wenn er naturnah gestaltet wird", sagt Niemeier. In einem solchen Garten ist die Bepflanzung und Ausstattung an die Bedürfnisse der Tierwelt angepasst. Es gibt Wildstauden und Wildkräuter. Totholz- und Komposthaufen sowie unbehandelte Streifen bieten Tieren Rückzugsmöglichkeiten. Wichtig sind auch Büsche und Gestrüpp. Alte Baumbestände, die Laub abwerfen gehören ebenfalls dazu. „Wer im innerstädtischen Bereich einen Garten hat, sollte wenigstens eine kleine Brennnesselecke stehen lassen, damit Insekten, die auch für Vögel eine Nahrungsquelle sind, einen Platz zum Leben haben", sagt Niemann. Auch das Anpflanzen heimischer Gehölze sei hier hilfreich. Im vergangenen Jahr hatte die Biologische Station für Gärtner mehrere Vorträge zur naturnahen Gestaltung organisiert. Ein Seminar zu diesem Thema, das in diesem Jahr stattfinden sollte, wurde nun wegen der Coronakrise auf Eis gelegt. Was Vögel sonst noch brauchen, sind Nistkästen. Bauanleitungen für Modelle für Kohl- und Blaumeisen, Kleiber, Spatzen, Gartenrotschwänze und andere Arten lassen sich in der Biologischen Station bekommen. Niemann meint, dass auch der Handel geeignete Nistkästen zu bieten hat. „Man sollte aber bei der Vielzahl der Angebote darauf achten, dass sie wirklich für Vögel gedacht sind und nicht nur als Gartenschmuck mit schönem Design verkauft werden", sagt die Biologin. In Baumärkten gebe es nämlich für das Brutgeschäft ungeeignete Modelle. Wer Vögel im eigenen Garten haben will, kann ihnen auch eine Tränke zur Verfügung stellen. „Gerade bei der derzeitigen Trockenheit ist das besonders wichtig", sagt Niemann. Dabei sei auf die Hygiene zu achten. Verunreinigungen durch Kot können gefährlich werden. „Das erhöht die Infektionsgefahr und die Tiere stecken sich mit tödlichen Erregern gegenseitig an." Eine weitere Gefahr für Singvögel sind Räuber, die ihre Nester plündern. Wenn Elstern oder Krähen in der Nähe sind, werden die Gelege der kleinere Arten nicht selten zur Beute. „Es ist normal, wenn so etwas passiert", sagt Niemann. In einem vielfältig gestalteten Garten werde dadurch die Vogelwelt nicht beeinträchtigt. In grünen Monokulturen oder Steingärten sei das aber nicht mehr gegeben. Überhaupt, meint Niemann, seien Steingärten ökologisch der „Supergau". Hier gebe es für Tiere keinen Lebensraum. Die Eigentümer erhofften sich, durch die toten Materialien lästige Pflegearbeiten zu umgehen. Doch nach einigen Jahren zeige sich, dass das Unkraut doch wieder aus den Ritzen sprieße. Nicht selten werde dann Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt. Ob Gartenbesitzer jetzt auch Vögel füttern sollten? „Ich habe das früher nicht gemacht", sagt Niemann. Aber mittlerweile sei durch den Rückgang von Insekten das Angebot für Vögel so schlecht geworden, dass sie ganzjährig füttere. Auf jeden Fall lohne es sich, den Garten nicht nur mit Pflanzen, sondern auch mit Tieren zu besiedeln. „Früher hatten wir sogar in einem Heft verzeichnet, was in unserem Garten lebt – das macht einfach Spaß." Gartenzeit Ein eigener Garten ist gerade in Zeiten von Corona und Kontaktsperre ein wertvoller Rückzugsraum. Und während viele Freizeitbeschäftigungen derzeit nicht möglich sind, rückt der Garten zunehmend in den Blick. Das MT beschäftigt sich in einer Serie mit Fragen, die Hobby-Gärtner derzeit beschäftigen.

Wer seinen Garten naturnah gestaltet, kann sich über viele Vögel und andere Tiere freuen

Die Mönchsgrasmücken – hier ein weibliches Exemplar – sind vor einigen Wochen aus den Süden zurückgekehrt. Jetzt besiedeln sich auch die Gärten in Minden. MT- © Foto: Stefan Koch

Minden. Wer jetzt im Garten sitzt, ist nicht allein. Eine Vielzahl von Vögeln besiedelt Büsche und Hecken, baut Nester oder zieht bereits die Jungen auf. Mehr als 40 Gartenvogelarten listet der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) auf, für die auch in diesem Jahr in der Zeit vom 8. bis 10. Mai eine große Zählaktion beginnt. Jeder kann sich daran beteiligen, indem er eine Liste über die von ihm beobachteten Exemplare führt und dies an den Nabu meldet. Manche Gartengäste waren schon den ganzen Winter über da und ließen sich am Futterhäuschen beobachten. Andere sind jetzt erst aus dem Süden zurückgekehrt.

„Die Nachtigallen sind in der 17. Kalenderwoche wieder angekommen", berichtet Jutta Niemann, Leiterin der Biologischen Station Minden-Lübbecke, die in Raddestorf ihren Garten hat. Es habe schon Jahre gegeben, in denen es dort bis zu drei Brutpaare gab. Zurückgekehrt seien vor mehreren Wochen auch schon die Mönchsgrasmücken und viele andere Arten. Sie besiedeln nun im Garten Naturräume, die bislang den Meisen, Rotkehlchen, Amseln und anderen überwinternden Arten vorbehalten waren.

Was ein Garten braucht, um möglichst vielen Vögeln Platz zu bieten? „Es ist unter ökologischen Gesichtspunkten optimal, wenn er naturnah gestaltet wird", sagt Niemeier. In einem solchen Garten ist die Bepflanzung und Ausstattung an die Bedürfnisse der Tierwelt angepasst. Es gibt Wildstauden und Wildkräuter. Totholz- und Komposthaufen sowie unbehandelte Streifen bieten Tieren Rückzugsmöglichkeiten. Wichtig sind auch Büsche und Gestrüpp. Alte Baumbestände, die Laub abwerfen gehören ebenfalls dazu. „Wer im innerstädtischen Bereich einen Garten hat, sollte wenigstens eine kleine Brennnesselecke stehen lassen, damit Insekten, die auch für Vögel eine Nahrungsquelle sind, einen Platz zum Leben haben", sagt Niemann. Auch das Anpflanzen heimischer Gehölze sei hier hilfreich. Im vergangenen Jahr hatte die Biologische Station für Gärtner mehrere Vorträge zur naturnahen Gestaltung organisiert. Ein Seminar zu diesem Thema, das in diesem Jahr stattfinden sollte, wurde nun wegen der Coronakrise auf Eis gelegt.

Was Vögel sonst noch brauchen, sind Nistkästen. Bauanleitungen für Modelle für Kohl- und Blaumeisen, Kleiber, Spatzen, Gartenrotschwänze und andere Arten lassen sich in der Biologischen Station bekommen. Niemann meint, dass auch der Handel geeignete Nistkästen zu bieten hat. „Man sollte aber bei der Vielzahl der Angebote darauf achten, dass sie wirklich für Vögel gedacht sind und nicht nur als Gartenschmuck mit schönem Design verkauft werden", sagt die Biologin. In Baumärkten gebe es nämlich für das Brutgeschäft ungeeignete Modelle.

Wer Vögel im eigenen Garten haben will, kann ihnen auch eine Tränke zur Verfügung stellen. „Gerade bei der derzeitigen Trockenheit ist das besonders wichtig", sagt Niemann. Dabei sei auf die Hygiene zu achten. Verunreinigungen durch Kot können gefährlich werden. „Das erhöht die Infektionsgefahr und die Tiere stecken sich mit tödlichen Erregern gegenseitig an."

Eine weitere Gefahr für Singvögel sind Räuber, die ihre Nester plündern. Wenn Elstern oder Krähen in der Nähe sind, werden die Gelege der kleinere Arten nicht selten zur Beute. „Es ist normal, wenn so etwas passiert", sagt Niemann. In einem vielfältig gestalteten Garten werde dadurch die Vogelwelt nicht beeinträchtigt. In grünen Monokulturen oder Steingärten sei das aber nicht mehr gegeben.

Überhaupt, meint Niemann, seien Steingärten ökologisch der „Supergau". Hier gebe es für Tiere keinen Lebensraum. Die Eigentümer erhofften sich, durch die toten Materialien lästige Pflegearbeiten zu umgehen. Doch nach einigen Jahren zeige sich, dass das Unkraut doch wieder aus den Ritzen sprieße. Nicht selten werde dann Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt.

Ob Gartenbesitzer jetzt auch Vögel füttern sollten? „Ich habe das früher nicht gemacht", sagt Niemann. Aber mittlerweile sei durch den Rückgang von Insekten das Angebot für Vögel so schlecht geworden, dass sie ganzjährig füttere. Auf jeden Fall lohne es sich, den Garten nicht nur mit Pflanzen, sondern auch mit Tieren zu besiedeln. „Früher hatten wir sogar in einem Heft verzeichnet, was in unserem Garten lebt – das macht einfach Spaß."

Gartenzeit

Ein eigener Garten ist gerade in Zeiten von Corona und Kontaktsperre ein wertvoller Rückzugsraum. Und während viele Freizeitbeschäftigungen derzeit nicht möglich sind, rückt der Garten zunehmend in den Blick. Das MT beschäftigt sich in einer Serie mit Fragen, die Hobby-Gärtner derzeit beschäftigen.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Minden