Held des Alltags: So arbeitet ein Mindener Paketbote in der Corona-Krise Patrick Schwemling Minden. Sortieren, einladen, die Route planen, ausliefern – und natürlich Pakete schleppen. Mehr als 200 Stück am Tag. Das sind etwa 25 in der Stunde. So sieht der Arbeitsalltag von Michael Noweski aus. Der 48-Jährige ist beim Paketdienst DHL der Deutschen Post angestellt und hat jetzt besonders viel zu tun. Das ohnehin florierende Geschäft boomt in Zeiten der Corona-Krise noch mehr als sonst. „Es ist wie zu Weihnachten“, sagt der Mindener. Dennoch – oder vielleicht gerade deswegen – macht ihm die Arbeit jetzt besonders viel Spaß: „Die Menschen freuen sich gerade sehr, wenn der Paketbote klingelt.“ Dabei hat sich die Arbeit im Gegensatz zu der Zeit vor der Pandemie stark geändert. Für Noweski und dessen Kollegen gelten derzeit nämlich besondere Schutzmaßnahmen. „Wir achten sehr stark darauf, dass wir den Kundenkontakt minimieren, um möglichen Infektionen vorzubeugen“, erklärt der Mindener. So halten er und seine Kollegen sich strikt an die Maßnahmen, die von der Deutschen Post ergriffen worden sind. „Bei den Paketen ist jetzt zum Beispiel nicht mehr die Unterschrift des Kunden nötig, sondern von uns. Wir klingeln aber noch immer und bestätigen dann erst die Sendung“, sagt Noweski. Dabei werde der persönliche Kontakt schon deutlich minimiert. In diesem Zusammenhang weist Rainer Ernzer, Pressesprecher der Deutsche Post DHL Group, auf die Möglichkeit des kontaktlosen Empfangs hin. „Man kann im Internet einen dauerhaften Ablageort auf dem Grundstück festlegen oder die Pakete direkt an eine Packstation adressieren“, sagt Ernzer. Dabei würde aktuell jeder Empfänger eine E-Mail von DHL bekommen, um dies auch für einzelne Sendungen vorzunehmen. „Das ist ein hilfreiches Instrument, um die Gefahr einer Infektion noch geringer zu halten, als es durch unsere Maßnahmen ohnehin schon ist.“ Für Noweski ist das alles selbstverständlich, aber dennoch eine komische Zeit – zumal er an seinem Job gerade den Kundenkontakt so liebt. „Das macht mir unheimlich Spaß, viele Menschen freuen sich auch auf den kurzen Plausch mit dem Paketboten“, sagt der Mindener, der bei DHL eigentlich nur übergangsweise arbeiten wollte – und nun schon fast drei Jahre Sendungen ausliefert. „Ich habe als Dachdecker gearbeitet und dann eine kaufmännische Ausbildung gemacht. Als ich auf Jobsuche war, war es für mich eigentlich nur ein Lückenfüller“, sagt der Paketbote. Doch dann kam alles anders. Die Arbeit an der Mindener DHL-Zustellbasis machte ihm so viel Spaß, dann winkte eine Festanstellung – und Noweski ergriff diese Chance. „Damit habe ich 2017 ehrlich gesagt nie gerechnet. Aber jetzt kann ich mir nichts anderes mehr vorstellen und würde den Job gerne bis zur Rente ausüben“, sagt der 48-Jährige. Vor allem die Bewegung, die Abwechslung und natürlich der Kundenkontakt seien die großen Pluspunkte, wie er betont – auch wenn die Arbeit alles andere als leicht sei. „Im wahrsten Sinne des Wortes.“ Denn pro Tag liefert Noweski im Mindener Stadtgebiet durchschnittlich 200 Pakete aus. „Im Moment sind es auf jeden Fall mehr. Aber wir versuchen natürlich, alle am selben Tag noch zu schaffen“, sagt er und hat in der Corona-Zeit einen noch größeren Ehrgeiz entwickelt: „Die Menschen freuen sich schließlich auf die Dinge, die sie bestellt haben.“ Dennoch sei das nicht immer möglich, wie Pressesprecher Ernzer betont. „Das ohnehin hohe Aufkommen an Bestellungen hat noch einmal zugenommen. Und die Zusteller arbeiten auch in dieser Zeit nur acht Stunden pro Tag.“ Dennoch würden mehr als 80 Prozent der Pakete binnen eines Tages zugestellt. Dass an der Mindener Zustellbasis derzeit mehr los ist als normalerweise bestätigt auch deren Leiter Michael Schwemling. „An einem durchschnittlichen Tag haben wir ungefähr 3.000 Sendungen, aktuell sind es ungefähr 4.500 Stück“, erklärt er. Diese Zahl gelte übrigens nur für die Mindener Kernstadt: „Für die anderen Mindener Stadtteile, Petershagen, Hille und Porta Westfalica sind wir nicht zuständig.“ Derzeit arbeiten in Minden ungefähr 30 Zusteller, die die Pakete Tag für Tag an Privatpersonen und Firmen ausliefern. „Die brauchen kein zusätzliches Fitnessprogramm“, sagt Ernzer und verweist darauf, dass Pakete bis 31,5 Kilogramm versandt werden. „Meine Mitarbeiter machen alle einen großartigen Job – derzeit ganz besonders“, lobt Schwemling sein Team und findet vor allem eine Sache wichtig: „Wir sorgen in einer Zeit, in der es alles andere als normal ist, für Normalität.“ Mit einer Auslieferung mit Abstand. Helden des Alltags Verkäuferinnen, Pfleger, Postbotinnen, Müllwerker: Sie sorgen in diesen Tagen für Normalität im Ausnahmezustand. Während viele andere im Homeoffice sitzen und Fremde problemlos meiden können, müssen die Angehörigen dieser und anderer Berufsgruppen in diesen Zeiten ständig draußen sein. Das Mindener Tageblatt widmet ihnen darum eine aktuelle Serie und stellt einzelne Männer und Frauen vor, die den Alltag am Laufen halten.

Held des Alltags: So arbeitet ein Mindener Paketbote in der Corona-Krise

Minden. Sortieren, einladen, die Route planen, ausliefern – und natürlich Pakete schleppen. Mehr als 200 Stück am Tag. Das sind etwa 25 in der Stunde. So sieht der Arbeitsalltag von Michael Noweski aus. Der 48-Jährige ist beim Paketdienst DHL der Deutschen Post angestellt und hat jetzt besonders viel zu tun. Das ohnehin florierende Geschäft boomt in Zeiten der Corona-Krise noch mehr als sonst. „Es ist wie zu Weihnachten“, sagt der Mindener. Dennoch – oder vielleicht gerade deswegen – macht ihm die Arbeit jetzt besonders viel Spaß: „Die Menschen freuen sich gerade sehr, wenn der Paketbote klingelt.“ Dabei hat sich die Arbeit im Gegensatz zu der Zeit vor der Pandemie stark geändert.

Eins von mehr als 200: Michael Noweski arbeitet an der DHL-Zustellbasis Minden und liefert täglich Pakete aus – aktuell mehr als sonst. - © Foto: privat
Eins von mehr als 200: Michael Noweski arbeitet an der DHL-Zustellbasis Minden und liefert täglich Pakete aus – aktuell mehr als sonst. - © Foto: privat

Für Noweski und dessen Kollegen gelten derzeit nämlich besondere Schutzmaßnahmen. „Wir achten sehr stark darauf, dass wir den Kundenkontakt minimieren, um möglichen Infektionen vorzubeugen“, erklärt der Mindener. So halten er und seine Kollegen sich strikt an die Maßnahmen, die von der Deutschen Post ergriffen worden sind. „Bei den Paketen ist jetzt zum Beispiel nicht mehr die Unterschrift des Kunden nötig, sondern von uns. Wir klingeln aber noch immer und bestätigen dann erst die Sendung“, sagt Noweski. Dabei werde der persönliche Kontakt schon deutlich minimiert.

In diesem Zusammenhang weist Rainer Ernzer, Pressesprecher der Deutsche Post DHL Group, auf die Möglichkeit des kontaktlosen Empfangs hin. „Man kann im Internet einen dauerhaften Ablageort auf dem Grundstück festlegen oder die Pakete direkt an eine Packstation adressieren“, sagt Ernzer. Dabei würde aktuell jeder Empfänger eine E-Mail von DHL bekommen, um dies auch für einzelne Sendungen vorzunehmen. „Das ist ein hilfreiches Instrument, um die Gefahr einer Infektion noch geringer zu halten, als es durch unsere Maßnahmen ohnehin schon ist.“

Für Noweski ist das alles selbstverständlich, aber dennoch eine komische Zeit – zumal er an seinem Job gerade den Kundenkontakt so liebt. „Das macht mir unheimlich Spaß, viele Menschen freuen sich auch auf den kurzen Plausch mit dem Paketboten“, sagt der Mindener, der bei DHL eigentlich nur übergangsweise arbeiten wollte – und nun schon fast drei Jahre Sendungen ausliefert.

„Ich habe als Dachdecker gearbeitet und dann eine kaufmännische Ausbildung gemacht. Als ich auf Jobsuche war, war es für mich eigentlich nur ein Lückenfüller“, sagt der Paketbote. Doch dann kam alles anders. Die Arbeit an der Mindener DHL-Zustellbasis machte ihm so viel Spaß, dann winkte eine Festanstellung – und Noweski ergriff diese Chance.

„Damit habe ich 2017 ehrlich gesagt nie gerechnet. Aber jetzt kann ich mir nichts anderes mehr vorstellen und würde den Job gerne bis zur Rente ausüben“, sagt der 48-Jährige. Vor allem die Bewegung, die Abwechslung und natürlich der Kundenkontakt seien die großen Pluspunkte, wie er betont – auch wenn die Arbeit alles andere als leicht sei. „Im wahrsten Sinne des Wortes.“

Denn pro Tag liefert Noweski im Mindener Stadtgebiet durchschnittlich 200 Pakete aus. „Im Moment sind es auf jeden Fall mehr. Aber wir versuchen natürlich, alle am selben Tag noch zu schaffen“, sagt er und hat in der Corona-Zeit einen noch größeren Ehrgeiz entwickelt: „Die Menschen freuen sich schließlich auf die Dinge, die sie bestellt haben.“ Dennoch sei das nicht immer möglich, wie Pressesprecher Ernzer betont. „Das ohnehin hohe Aufkommen an Bestellungen hat noch einmal zugenommen. Und die Zusteller arbeiten auch in dieser Zeit nur acht Stunden pro Tag.“ Dennoch würden mehr als 80 Prozent der Pakete binnen eines Tages zugestellt.

Dass an der Mindener Zustellbasis derzeit mehr los ist als normalerweise bestätigt auch deren Leiter Michael Schwemling. „An einem durchschnittlichen Tag haben wir ungefähr 3.000 Sendungen, aktuell sind es ungefähr 4.500 Stück“, erklärt er. Diese Zahl gelte übrigens nur für die Mindener Kernstadt: „Für die anderen Mindener Stadtteile, Petershagen, Hille und Porta Westfalica sind wir nicht zuständig.“ Derzeit arbeiten in Minden ungefähr 30 Zusteller, die die Pakete Tag für Tag an Privatpersonen und Firmen ausliefern. „Die brauchen kein zusätzliches Fitnessprogramm“, sagt Ernzer und verweist darauf, dass Pakete bis 31,5 Kilogramm versandt werden.

„Meine Mitarbeiter machen alle einen großartigen Job – derzeit ganz besonders“, lobt Schwemling sein Team und findet vor allem eine Sache wichtig: „Wir sorgen in einer Zeit, in der es alles andere als normal ist, für Normalität.“ Mit einer Auslieferung mit Abstand.

Helden des Alltags

Verkäuferinnen, Pfleger, Postbotinnen, Müllwerker: Sie sorgen in diesen Tagen für Normalität im Ausnahmezustand. Während viele andere im Homeoffice sitzen und Fremde problemlos meiden können, müssen die Angehörigen dieser und anderer Berufsgruppen in diesen Zeiten ständig draußen sein. Das Mindener Tageblatt widmet ihnen darum eine aktuelle Serie und stellt einzelne Männer und Frauen vor, die den Alltag am Laufen halten.

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