Minden

Atemschutz in Form einer Filtertüte: Melitta produziert Millionen Masken

Henning Wandel

Der Atemschutz sieht aus wie eine Filtertüte, das Material erfüllt aber medizinische Anforderungen. - © Privat
Der Atemschutz sieht aus wie eine Filtertüte, das Material erfüllt aber medizinische Anforderungen. (© Privat)

Minden. Mit der Filtertüte revolutionierte Melitta vor mittlerweile 111 Jahren die Kaffeezubereitung. Jetzt könnte das Kernprodukt des Mindener Familienunternehmens eine zweite Karriere starten: als massentauglicher Atemschutz.

„Wir haben unsere unterschiedlichen Kompetenzen zusammengelegt“, sagt Jero Bentz, Mitglied der Unternehmensleitung und Melitta-Gesellschafter, gegenüber dem MT. Gemeint sind die Massenfertigung und Filtersysteme, wobei es sich in diesem Fall nicht um Papier, sondern um ein dreilagiges Kunststoffvlies handelt, das von der Melittatochter Wolf PVG in Spenge produziert wird – und das in Minden in Form einer Filtertüte verarbeitet werden kann. „Das ist sensationell“, sagt Jero Bentz. Das Material erfülle den OP-Standard Typ 2, das heißt: Die Bakterienfiltrationseffizienz liegt bei über 98 Prozent – ein selbstgenähter Baumwollstoffschutz bei unter 10 Prozent.

Melitta sei bereits seit Jahrzehnten darauf spezialisiert, neben der Filtertüte auch andere Filtermaterialien auch für den medizinischen Sektor zu entwickeln und zu produzieren, heißt es in einer Pressemitteilung. Um die Maske zu tragen, fehlt nur noch eine Befestigung, zunächst liegt ein Gummiband bei. Erste Rückmeldungen auch von Ärzten seien durchweg positiv. Die Weiterentwicklung der Masken ist in weiteren Ausbauschritten geplant – auch die Herstellung von FFP2 und FFP3 Masken ist in der Entwicklung.

In dieser Woche seien bereits eine Million Mundschutze produziert worden. Die erste Charge gehe an die Mitarbeiter, so Bentz, weitere sollen an Einrichtungen in Minden und im Kreis verteilt werden. „Wir haben bereits Kontakt zum Gesundheitsministerium aufgenommen, die erste Million wird gespendet“, sagt der Melitta-Chef. Die bestehenden Kapazitäten ließen in Kürze eine Herstellung von bis zu einer Million Masken pro Tag erwarten. Diese Stückzahlen können sukzessive um ein Vielfaches erhöht werden, sofern die Vormaterialien ausreichend zur Verfügung stehen. Zum Vergleich: In Minden entstehen derzeit pro Tag etwa 40 Millionen Filtertüten.

Da das Material die hohen Krankenhausanforderungen erfüllt, könne der Bedarf im Gesundheitssektor bedient werden. Doch darum geht es Bentz nicht nur: Wichtig sei, möglichst schnell auch hohe Stückzahlen für die Bevölkerung zu produzieren. So könnten eventuell mit einer Maskenpflicht die Auflagen schneller gelockert werden, so Bentz. In diesem Fall könne Melitta einen wichtigen Beitrag leisten.

Das Material sei in nur zehn Tagen entwickelt worden, sagt Bentz. Die Anforderungen seien komplex, weil einerseits die Filterleistung hoch sein muss, aber gleichzeitig die Atmung nicht beeinträchtigt werden darf. Diese Anforderungen verbindet Wolf schon bei der Herstellung von Staubsaugerbeuteln. Damit sei die Maske vollständig „Made in Germany“. Das gemeinsame Projekt für wiederverwertbare Masken mit dem Mindener Textilunternehmen Sitex unterstützt Melitta weiterhin: „Das tun wir natürlich, auch das ist ja eine sehr gute Sache.“

Ein Preis für die neue Maske stehe noch nicht fest, sagt Bentz: „Darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht.“ Sicher ist aber, dass damit keine Einschränkungen für die Filtertüten verbunden sind, die in den Supermärkten zuletzt auch immer wieder einmal knapp waren. Die neuen Masken werden zunächst auf einer kleineren Filtertüten-Maschine hergestellt. Die Umstellung auf weitere High-Speed Maschinen ist in Arbeit. Solche Maschinen, die das Unternehmen in Eigenkonstruktion ständig weiterentwickelt hat, können über 4000 Filtertüten die Minute herstellen.

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MindenAtemschutz in Form einer Filtertüte: Melitta produziert Millionen MaskenHenning WandelMinden. Mit der Filtertüte revolutionierte Melitta vor mittlerweile 111 Jahren die Kaffeezubereitung. Jetzt könnte das Kernprodukt des Mindener Familienunternehmens eine zweite Karriere starten: als massentauglicher Atemschutz. „Wir haben unsere unterschiedlichen Kompetenzen zusammengelegt“, sagt Jero Bentz, Mitglied der Unternehmensleitung und Melitta-Gesellschafter, gegenüber dem MT. Gemeint sind die Massenfertigung und Filtersysteme, wobei es sich in diesem Fall nicht um Papier, sondern um ein dreilagiges Kunststoffvlies handelt, das von der Melittatochter Wolf PVG in Spenge produziert wird – und das in Minden in Form einer Filtertüte verarbeitet werden kann. „Das ist sensationell“, sagt Jero Bentz. Das Material erfülle den OP-Standard Typ 2, das heißt: Die Bakterienfiltrationseffizienz liegt bei über 98 Prozent – ein selbstgenähter Baumwollstoffschutz bei unter 10 Prozent. Melitta sei bereits seit Jahrzehnten darauf spezialisiert, neben der Filtertüte auch andere Filtermaterialien auch für den medizinischen Sektor zu entwickeln und zu produzieren, heißt es in einer Pressemitteilung. Um die Maske zu tragen, fehlt nur noch eine Befestigung, zunächst liegt ein Gummiband bei. Erste Rückmeldungen auch von Ärzten seien durchweg positiv. Die Weiterentwicklung der Masken ist in weiteren Ausbauschritten geplant – auch die Herstellung von FFP2 und FFP3 Masken ist in der Entwicklung. In dieser Woche seien bereits eine Million Mundschutze produziert worden. Die erste Charge gehe an die Mitarbeiter, so Bentz, weitere sollen an Einrichtungen in Minden und im Kreis verteilt werden. „Wir haben bereits Kontakt zum Gesundheitsministerium aufgenommen, die erste Million wird gespendet“, sagt der Melitta-Chef. Die bestehenden Kapazitäten ließen in Kürze eine Herstellung von bis zu einer Million Masken pro Tag erwarten. Diese Stückzahlen können sukzessive um ein Vielfaches erhöht werden, sofern die Vormaterialien ausreichend zur Verfügung stehen. Zum Vergleich: In Minden entstehen derzeit pro Tag etwa 40 Millionen Filtertüten. Da das Material die hohen Krankenhausanforderungen erfüllt, könne der Bedarf im Gesundheitssektor bedient werden. Doch darum geht es Bentz nicht nur: Wichtig sei, möglichst schnell auch hohe Stückzahlen für die Bevölkerung zu produzieren. So könnten eventuell mit einer Maskenpflicht die Auflagen schneller gelockert werden, so Bentz. In diesem Fall könne Melitta einen wichtigen Beitrag leisten. Das Material sei in nur zehn Tagen entwickelt worden, sagt Bentz. Die Anforderungen seien komplex, weil einerseits die Filterleistung hoch sein muss, aber gleichzeitig die Atmung nicht beeinträchtigt werden darf. Diese Anforderungen verbindet Wolf schon bei der Herstellung von Staubsaugerbeuteln. Damit sei die Maske vollständig „Made in Germany“. Das gemeinsame Projekt für wiederverwertbare Masken mit dem Mindener Textilunternehmen Sitex unterstützt Melitta weiterhin: „Das tun wir natürlich, auch das ist ja eine sehr gute Sache.“ Ein Preis für die neue Maske stehe noch nicht fest, sagt Bentz: „Darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht.“ Sicher ist aber, dass damit keine Einschränkungen für die Filtertüten verbunden sind, die in den Supermärkten zuletzt auch immer wieder einmal knapp waren. Die neuen Masken werden zunächst auf einer kleineren Filtertüten-Maschine hergestellt. Die Umstellung auf weitere High-Speed Maschinen ist in Arbeit. Solche Maschinen, die das Unternehmen in Eigenkonstruktion ständig weiterentwickelt hat, können über 4000 Filtertüten die Minute herstellen.