Minden

Ungewöhnliche Fracht: Mindener Unternehmen holt Toilettenpapier aus Italien

Henning Wandel

Mit einer Sonderlieferung Toilettenpapier greift der Mindener Weinhändler Stuppiello heimischen Supermärkten unter die Arme. MT-Foto: Alex Lehn - © Alex Lehn
Mit einer Sonderlieferung Toilettenpapier greift der Mindener Weinhändler Stuppiello heimischen Supermärkten unter die Arme. MT-Foto: Alex Lehn (© Alex Lehn)

Minden. Sein Geschäft ist eigentlich italienischer Wein. Doch jetzt sind vier Lastwagen mit ungewöhnlicher Fracht auf den Hof des Feinkosthändlers Stuppiello gefahren: Das Familienunternehmen hat fast 200.000 Rollen Toilettenpapier aus Apulien importiert, um sie an ihre regionalen Partner im Einzelhandel weiterzugeben – „praktisch zum Selbstkostenpreis", sagt Michele Berdicchia im Namen der Inhaber-Familie. Damit sollen mögliche Lieferengpässe aufgefangen werden. Zwei weitere Lastwagen mit zusätzlich 140.000 Rollen seien auf dem Weg nach Deutschland.

Stuppiello beliefert vor allem auch die Märkte aus dem Edeka-Verbund. Dort zählt Toilettenpapier seit Beginn der Corona-Krise zu den besonders begehrten Artikeln. Bei einem seiner Besuche in den Märkten habe schließlich jemand gefragt, ob er nicht Nachschub aus Italien holen könne, sagt Michele Berdicchia, „das war eigentlich nur geflachst." Einen Kontakt hatte er trotzdem. Und nachdem er mit seinen Handelspartnern über Bedarf und mögliche Preise gesprochen hatte, machten sich die vier Lkw auf den 2.000 Kilometer langen Weg nach Norden. Es soll ein Freundschaftsdienst sein: „Es geht uns nicht um Gewinn." Das gilt auch für den Reifenhändler Klaus Aumann, der sich um die Verteilung der mehr als 16.000 Pakete kümmert – „ehrenamtlich", wie er sagt.

Für Stuppiello dürfte es eine einmalige Sache sein. Denn das normale Geschäft mit den Lieferanten aus Italien laufe weiter, sagt Berdicchia, auch der Großhandel vor Ort. Das Unternehmen ist aber von der Schließung der Gastronomie betroffen. Schwierig sei mitunter auch die Logistik geworden: Weil Italien derzeit praktisch keine Waren importiert, müssen die Lastwagen leer wieder zurückfahren. Das werde sich dann auch auf die Frachtraten auswirken.

Jetzt geht es aber erstmal darum, das Toilettenpapier zu verteilen. Ein Blick in die Regale zeigt, dass die Nachfrage noch nicht nachgelassen hat.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

1 Kommentar

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

MindenUngewöhnliche Fracht: Mindener Unternehmen holt Toilettenpapier aus ItalienHenning WandelMinden. Sein Geschäft ist eigentlich italienischer Wein. Doch jetzt sind vier Lastwagen mit ungewöhnlicher Fracht auf den Hof des Feinkosthändlers Stuppiello gefahren: Das Familienunternehmen hat fast 200.000 Rollen Toilettenpapier aus Apulien importiert, um sie an ihre regionalen Partner im Einzelhandel weiterzugeben – „praktisch zum Selbstkostenpreis", sagt Michele Berdicchia im Namen der Inhaber-Familie. Damit sollen mögliche Lieferengpässe aufgefangen werden. Zwei weitere Lastwagen mit zusätzlich 140.000 Rollen seien auf dem Weg nach Deutschland. Stuppiello beliefert vor allem auch die Märkte aus dem Edeka-Verbund. Dort zählt Toilettenpapier seit Beginn der Corona-Krise zu den besonders begehrten Artikeln. Bei einem seiner Besuche in den Märkten habe schließlich jemand gefragt, ob er nicht Nachschub aus Italien holen könne, sagt Michele Berdicchia, „das war eigentlich nur geflachst." Einen Kontakt hatte er trotzdem. Und nachdem er mit seinen Handelspartnern über Bedarf und mögliche Preise gesprochen hatte, machten sich die vier Lkw auf den 2.000 Kilometer langen Weg nach Norden. Es soll ein Freundschaftsdienst sein: „Es geht uns nicht um Gewinn." Das gilt auch für den Reifenhändler Klaus Aumann, der sich um die Verteilung der mehr als 16.000 Pakete kümmert – „ehrenamtlich", wie er sagt. Für Stuppiello dürfte es eine einmalige Sache sein. Denn das normale Geschäft mit den Lieferanten aus Italien laufe weiter, sagt Berdicchia, auch der Großhandel vor Ort. Das Unternehmen ist aber von der Schließung der Gastronomie betroffen. Schwierig sei mitunter auch die Logistik geworden: Weil Italien derzeit praktisch keine Waren importiert, müssen die Lastwagen leer wieder zurückfahren. Das werde sich dann auch auf die Frachtraten auswirken. Jetzt geht es aber erstmal darum, das Toilettenpapier zu verteilen. Ein Blick in die Regale zeigt, dass die Nachfrage noch nicht nachgelassen hat.