Die Corona-Concerts werden immer facettenreicher Ursula Koch Minden. Das kulturelle Leben liegt nach wie vor brach. Darum hatte der Schriftsteller Andreas Mand, der für das Kulturforum alle zwei Jahre die Lange Nacht der Kultur organisiert, heimischen Künstlern eine virtuelle Bühne zu bieten. Dafür stellt das MT seit einer Woche die Plattform auf mt.de zur Verfügung. Von der Stadt Minden wird die Aktion mit einem kleinen Föderbetrag unterstützt, der an die Künstler gehen wird. Die Zahl der Beiträge steigt kontinuierlich, inzwischen sind es nicht nur Musikvideos, sondern auch Wortbeiträge und ein Video über eine Kunstaktion. Mit ihrem Song „Autum Rain" waren „Katie & Richfield" die ersten Teilnehmer, gefolgt von Noemi Haugk mit „Und schon wieder" sowie Panorama und DJ Cut Spencer mit „Kranke Zeiten". Darüber berichtete das MT bereits. Neu hinzugekommen sind Beiträge von Beckdotblue, Andreas Mand, der Band Cowhouse Project, Märchenerzählerin Gisela Krohne, der Flötistin Susanne Burgschweiger und Mail-Artist Peter Küstermann. Beckdotblue ist ein Duo, das aus Sänger und Gitarrist Simon Snyder und Marco Schepers (Bassist und Drumcomputer) besteht. Schepers hat gerade zwei Wochen Corona-Quarantäne hinter sich gebracht, daher haben die beiden Musiker den Song getrennt in ihren jeweiligen Wohnzimmern aufgenommen. Die beiden Musiker kennen sich aus der Blues-Cover-Band „Lass es krachen". Dort hatte Simon Snyder erwähnt, dass er eigene Songs schreibt. Das fand Schepers interessant und so haben sich beide 2015 zusammengetan. Sie kombinieren in ihren Titeln Rock mit Blues oder Metal-Riffs mit Grunge. Snyder ist der kreative Kopf, der die Titel schreibt und singt. Der Text, den der Schriftsteller Andreas Mand vorträgt, hört sich brandaktuell an, als wären es Eindrücke aus einer Corona-Station. Dabei entstand er bereits in den 80er Jahren als „Sprechgesang" zu einer Walzermelodie für seine Band „Die falschen Freunde", erzählt der Wahl-Mindener, der in Duisburg aufwuchs. Wegen der schlechten Luft im Ruhrgebiet landete er als Vierjähriger im Krankenhaus. Ein Lungenflügel arbeitete nicht. „Warum weiß ich nicht mehr, aber ich weiß noch genau, wie schrecklich sich das angefühlt hat, wochenlang isoliert zu sein", sagt der heute 60-Jährige. Für die aktuelle Aufnahme verzichtete er allerdings auf die Gitarrenbegleitung, weil er sich dafür nicht mehr gut genug in Übung empfindet. Mand hat bislang 13 Romane veröffentlicht. Zuletzt erschien 2016 „Der zweite Garten", eine Art Tagebuch aus dem Alltag einer Familie in Minden. Die Mindenerin Gisela Krohne ist Mitglied im Erzählerkreis des Deutschen Märchen- und Wesersagenmuseums in Bad Oeynhausen. Im MT hatte sie vor acht Jahren davon erfahren. Seitdem gehört sie zu den Erzählerinnen im Märchenmuseum, tritt aber auch seit sie nach 47 Jahren als Bankkauffrau bei der Sparkasse in Rente ging, in Kirchengemeinden, bei privaten Feiern und öffentlichen Veranstaltungen auf. Krohne findet Märchen wichtig, weil „sie uns durch alle Menschenängste führen", sie erzählen vom Leben und all seinen Gefahren, aber auch dem Glück. Die Gruppe Cowhouse Project ist streng genommen zugereist. Das Ehepaar Bettina und Matthias Wenthe lebt in Bückeburg. 2011 entdeckte Matthias Wenthe auf dem Dachboden seiner Eltern seine alte Konzertgitarre wieder und begann seine Kenntnisse aufzufrischen. Nach gut 20 Jahren Partnerschaft stellte er außerdem fest, dass seine Frau sehr gut singen kann. Seitdem machen die beiden zusammen Musik. Gemeinsam mit Schulfreundin Felicita Kopka (Gitarre und Gesang) und Dirk Flieger (Percussion) formierten sie das „Cowhouse Project". Mit weiteren Gastmusikern waren sie bereits häufiger in Minden zu hören, unter anderem bei der Langen Nacht der Kultur, im Fort A und bei Martini um 12. Den Beitrag „In a mirror, darkly" zu den Corona-Concerts haben, den Kontaktbeschränkungen folgend, allerdings nur Bettina und Matthias Wenthe in ihrem Wohnzimmer aufgenommen. Die Inspiration dazu war der Kinofilm „Das perfekte Geheimnis", während der Titel auf eine Folge aus „Star Trek" verweist, die in einem Paralleluniversum spielt. Die Flötistin Susanne Burgschweiger hat für die Corona-Concerts zwei Menuette aus den Cello-Suiten von Johann Sebastian Bach ausgewählt, die für Flöte arrangiert wurden. Die gebürtige Koblenzerin hat mit fünf Blockflöte gelernt und wechselte nach vielen Jahren Privatunterricht bei Prof. Rainer Lehmbruck mit 19 zur Querflöte, erweitere ihr Repertoire auf das Genre Jazz. Seit drei Jahren tritt sie bei Ausstellungseröffnungen im BÜZ, in der Reihe Musik und Text (MuT) in St. Simeonis, zu der sie auch Improvisationen vorträgt, oder bei der Langen Nacht der Kultur auf. Der Mindener Peter Küstermann beschäftigt sich bereits seit vier Jahrzehnten mit Mail-Art, präsentierte 1983 zur Eröffnung des BÜZ seine erste Ausstellung. Für das Projekte „Grandpa and me" hat er geflüchtete Jugendliche mit den Senioren im Treffpunkt Johanniskirchhof zusammengebracht. Die Aufforderung an Künstler in aller Welt, zu dem Thema eine Postkarte zu gestalten, ist bereits losgeschickt. Was bislang noch fehlt, sind die Mindener Großväter und ihre Enkel. Die Corona Concerts werden ständig erweitert. Jeder kann mitmachen: Video, Foto, Info und Kontakt an online@MT.de. Die Videos und ausführlichere Texte über die einzelnen Beiträge sind auf MT.de zu finden.

Die Corona-Concerts werden immer facettenreicher

Bettina und Matthias Wenthe von der Gruppe Cowhouse Project haben in ihrem Wohnzimmer den Titel „In the mirror, darkly“ aufgenommen. © Foto: pr

Minden. Das kulturelle Leben liegt nach wie vor brach. Darum hatte der Schriftsteller Andreas Mand, der für das Kulturforum alle zwei Jahre die Lange Nacht der Kultur organisiert, heimischen Künstlern eine virtuelle Bühne zu bieten. Dafür stellt das MT seit einer Woche die Plattform auf mt.de zur Verfügung. Von der Stadt Minden wird die Aktion mit einem kleinen Föderbetrag unterstützt, der an die Künstler gehen wird.

Die Zahl der Beiträge steigt kontinuierlich, inzwischen sind es nicht nur Musikvideos, sondern auch Wortbeiträge und ein Video über eine Kunstaktion.

Mit ihrem Song „Autum Rain" waren „Katie & Richfield" die ersten Teilnehmer, gefolgt von Noemi Haugk mit „Und schon wieder" sowie Panorama und DJ Cut Spencer mit „Kranke Zeiten". Darüber berichtete das MT bereits. Neu hinzugekommen sind Beiträge von Beckdotblue, Andreas Mand, der Band Cowhouse Project, Märchenerzählerin Gisela Krohne, der Flötistin Susanne Burgschweiger und Mail-Artist Peter Küstermann.

Beckdotblue ist ein Duo, das aus Sänger und Gitarrist Simon Snyder und Marco Schepers (Bassist und Drumcomputer) besteht. Schepers hat gerade zwei Wochen Corona-Quarantäne hinter sich gebracht, daher haben die beiden Musiker den Song getrennt in ihren jeweiligen Wohnzimmern aufgenommen. Die beiden Musiker kennen sich aus der Blues-Cover-Band „Lass es krachen". Dort hatte Simon Snyder erwähnt, dass er eigene Songs schreibt. Das fand Schepers interessant und so haben sich beide 2015 zusammengetan. Sie kombinieren in ihren Titeln Rock mit Blues oder Metal-Riffs mit Grunge. Snyder ist der kreative Kopf, der die Titel schreibt und singt.

Der Text, den der Schriftsteller Andreas Mand vorträgt, hört sich brandaktuell an, als wären es Eindrücke aus einer Corona-Station. Dabei entstand er bereits in den 80er Jahren als „Sprechgesang" zu einer Walzermelodie für seine Band „Die falschen Freunde", erzählt der Wahl-Mindener, der in Duisburg aufwuchs. Wegen der schlechten Luft im Ruhrgebiet landete er als Vierjähriger im Krankenhaus. Ein Lungenflügel arbeitete nicht. „Warum weiß ich nicht mehr, aber ich weiß noch genau, wie schrecklich sich das angefühlt hat, wochenlang isoliert zu sein", sagt der heute 60-Jährige. Für die aktuelle Aufnahme verzichtete er allerdings auf die Gitarrenbegleitung, weil er sich dafür nicht mehr gut genug in Übung empfindet. Mand hat bislang 13 Romane veröffentlicht. Zuletzt erschien 2016 „Der zweite Garten", eine Art Tagebuch aus dem Alltag einer Familie in Minden.

Die Mindenerin Gisela Krohne ist Mitglied im Erzählerkreis des Deutschen Märchen- und Wesersagenmuseums in Bad Oeynhausen. Im MT hatte sie vor acht Jahren davon erfahren. Seitdem gehört sie zu den Erzählerinnen im Märchenmuseum, tritt aber auch seit sie nach 47 Jahren als Bankkauffrau bei der Sparkasse in Rente ging, in Kirchengemeinden, bei privaten Feiern und öffentlichen Veranstaltungen auf. Krohne findet Märchen wichtig, weil „sie uns durch alle Menschenängste führen", sie erzählen vom Leben und all seinen Gefahren, aber auch dem Glück.

Die Gruppe Cowhouse Project ist streng genommen zugereist. Das Ehepaar Bettina und Matthias Wenthe lebt in Bückeburg. 2011 entdeckte Matthias Wenthe auf dem Dachboden seiner Eltern seine alte Konzertgitarre wieder und begann seine Kenntnisse aufzufrischen. Nach gut 20 Jahren Partnerschaft stellte er außerdem fest, dass seine Frau sehr gut singen kann. Seitdem machen die beiden zusammen Musik. Gemeinsam mit Schulfreundin Felicita Kopka (Gitarre und Gesang) und Dirk Flieger (Percussion) formierten sie das „Cowhouse Project". Mit weiteren Gastmusikern waren sie bereits häufiger in Minden zu hören, unter anderem bei der Langen Nacht der Kultur, im Fort A und bei Martini um 12. Den Beitrag „In a mirror, darkly" zu den Corona-Concerts haben, den Kontaktbeschränkungen folgend, allerdings nur Bettina und Matthias Wenthe in ihrem Wohnzimmer aufgenommen. Die Inspiration dazu war der Kinofilm „Das perfekte Geheimnis", während der Titel auf eine Folge aus „Star Trek" verweist, die in einem Paralleluniversum spielt.

Die Flötistin Susanne Burgschweiger hat für die Corona-Concerts zwei Menuette aus den Cello-Suiten von Johann Sebastian Bach ausgewählt, die für Flöte arrangiert wurden. Die gebürtige Koblenzerin hat mit fünf Blockflöte gelernt und wechselte nach vielen Jahren Privatunterricht bei Prof. Rainer Lehmbruck mit 19 zur Querflöte, erweitere ihr Repertoire auf das Genre Jazz. Seit drei Jahren tritt sie bei Ausstellungseröffnungen im BÜZ, in der Reihe Musik und Text (MuT) in St. Simeonis, zu der sie auch Improvisationen vorträgt, oder bei der Langen Nacht der Kultur auf.

Der Mindener Peter Küstermann beschäftigt sich bereits seit vier Jahrzehnten mit Mail-Art, präsentierte 1983 zur Eröffnung des BÜZ seine erste Ausstellung. Für das Projekte „Grandpa and me" hat er geflüchtete Jugendliche mit den Senioren im Treffpunkt Johanniskirchhof zusammengebracht. Die Aufforderung an Künstler in aller Welt, zu dem Thema eine Postkarte zu gestalten, ist bereits losgeschickt. Was bislang noch fehlt, sind die Mindener Großväter und ihre Enkel.

Die Corona Concerts werden ständig erweitert. Jeder kann mitmachen: Video, Foto, Info und Kontakt an online@MT.de. Die Videos und ausführlichere Texte über die einzelnen Beiträge sind auf MT.de zu finden.

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