Minden

„Sicherheit geht vor Verkehrsfluss“: Stadt verteidigt geänderte Verkehrsführung auf Friedrich-Wilhelm-Straße

Sebastian Radermacher

Aus Leteln kommend ist das Rechtsabbiegen von der Friedrich-Wilhem-Straße auf die Nordbrücke nur noch einspurig erlaubt. MT- - © Foto: Alex Lehn
Aus Leteln kommend ist das Rechtsabbiegen von der Friedrich-Wilhem-Straße auf die Nordbrücke nur noch einspurig erlaubt. MT- (© Foto: Alex Lehn)

Minden. Wohl kaum eine Kreuzung in Minden sorgt für so viel Frust bei Auto- und Lkw-Fahrern wie die an der Ecke Friedrich-Wilhelm-Straße/Nordbrücke. Denn seitdem die Stadt Minden die Verkehrsführung im vergangenen Juli geändert hat und es für die Fahrzeuge aus Leteln kommend nur noch eine Rechtsabbiegespur gibt, kommt es immer wieder zu langen Staus und Wartezeiten an der Ampel. Das MT startete vor Kurzem (noch vor dem Kontaktverbot und den Ausgangsbeschränkungen im Zuge der Corona-Krise) zwei Testfahrten: An einem Mittwoch gegen 15 Uhr dauerte es 20 Minuten, um von Leteln kommend über die Ampelkreuzung auf die Nordbrücke zu gelangen. An einem Donnerstagmorgen gegen 7.30 Uhr stockte der Verkehr bereits ab der Bäckerei Bertermann an der Lahder Straße.

Immer wieder melden sich Leser beim MT und kritisieren die geänderte Verkehrsführung. Auch der SPD-Ortsverein Aminghausen/Leteln rückte das Thema zuletzt erneut in den Fokus. Es müsse weiterhin nach einer Lösung gesucht werden, um den häufigen Rückstau bis nach Leteln hinein zu verringern, lautete der Tenor auf der Mitgliederversammlung.

Auch auf der Bachstraße hat die Stadt 2017 die Verkehrsführung geändert: Für Rechtsabbieger auf die Viktoriastraße steht nur noch eine Fahrspur zur Verfügung. MT- - © Foto: Alex Lehn
Auch auf der Bachstraße hat die Stadt 2017 die Verkehrsführung geändert: Für Rechtsabbieger auf die Viktoriastraße steht nur noch eine Fahrspur zur Verfügung. MT- (© Foto: Alex Lehn)

Malte Wittbecker hingegen verteidigt die Änderung der Verkehrsführung. Der Leiter des Bereiches Stadtplanung bei der Stadt Minden gibt zu, dass es an dieser Stelle zu den Stoßzeiten morgens und nachmittags Staus geben könne. Aber: „Das haben wir auf vielen anderen Straßen in Minden auch." Und er stellt noch einmal klar: „Wir mussten handeln und die Verkehrsführung ändern."

Auch auf der Bachstraße hat die Stadt 2017 die Verkehrsführung geändert: Für Rechtsabbieger auf die Viktoriastraße steht nur noch eine Fahrspur zur Verfügung. MT- - © Foto: Alex Lehn
Auch auf der Bachstraße hat die Stadt 2017 die Verkehrsführung geändert: Für Rechtsabbieger auf die Viktoriastraße steht nur noch eine Fahrspur zur Verfügung. MT- (© Foto: Alex Lehn)

Der Grund: Das Rechtsabbiegen von der Friedrich-Wilhelm-Straße auf die Gustav-Heinemann-Brücke (Nordbrücke) auf zwei Fahrspuren ist bei gleichzeitiger Freigabe für den Fuß- und Radverkehr nicht mehr zulässig, erklärt Wittbecker. Das sei in den Richtlinien für Lichtsignalanlagen (RiLSA) festgeschrieben und bilde die gesetzliche Grundlage für die Neuerung. Bei der alten Verkehrsführung habe die Gefahr bestanden, dass die abbiegenden Autofahrer keine Sicht auf den vorfahrtsberechtigten Fuß- und Radverkehr gehabt hätten, verdeutlicht Sandra Neuhaus von der Verkehrsbehörde der Stadt Minden. Sie nennt ein Beispiel: Ein Lastwagen auf der rechten Spur und ein links neben ihm stehendes Auto fahren an der Ampel los und biegen beide nach rechts auf die Nordbrücke ab. Gleichzeitig ist ein Radfahrer aus Leteln kommend geradeaus in Richtung Bahnhof unterwegs. Der Autofahrer habe wegen des neben ihm stehenden Lastwagens keine Möglichkeit, beim Abbiegen den vorfahrtsberechtigten Radfahrer zu sehen, sagt Neuhaus: „Die Unfallgefahr war groß."

Zwar besteht für Ampelanlagen im Bestand kein unmittelbarer Handlungsbedarf. Werden solche Ampeln allerdings erneuert, ausgetauscht oder sollten Probleme bekannt sein, müsse die Stadt tätig werden. An der Friedrich-Wilhelm-Straße habe die Verwaltung im Zuge der Fahrbahnsanierung die Markierungen entsprechend der Richtlinie angepasst, erklärt Wittbecker.

Die Neugestaltung der Verkehrsführung sei in Absprache mit der Polizei beschlossen worden. Dies sei übrigens Vorgabe bei allen Änderungen dieser Art, stellt Neuhaus klar. Zum Beispiel auch im Stadtteil Rechtes Weserufer, wo im Jahr 2017 das Rechtsabbiegen von der Bachstraße auf die Viktoriastraße ebenfalls geändert wurde und seitdem nur noch über eine Fahrspur möglich ist. Auch dort sei es zuvor zu gefährlichen Situationen beim Rechtsabbiegen gekommen, unter anderem sei eine Rollstuhlfahrerin von einem Auto angefahren worden, berichtet Neuhaus. Doch auch dort sei der Änderung eine ausführliche Planung und Abwägung vorausgegangen. „Wir können nicht einfach schalten und walten, wie wir möchten", stellt sie klar.

Womöglich könnte in diesem Bereich aber bald eine zufriedenstellende Lösung gefunden werden, die auch ein Leser gegenüber dem MT vorschlägt: Seiner Meinung nach würde nichts dagegen sprechen, wenn die Phase der entgegenkommenden Linksabbieger (von der Viktoriastraße in die Bachstraße) schon zum Rechtsabbiegen von der Bach- auf die Viktoriastraße genutzt werden dürfte. Die Fußgänger hätten zu dem Zeitpunkt ja noch Rot. Durch diese simple Maßnahme – ein beleuchteter grüner Pfeil wäre zusätzlich anzubringen – könnte den unnötigen Rückstau, auch aus der Dankerser Straße, vermieden werden, schreibt der Leser. „Der Lösungsansatz ist interessant und wurde bereits von den Kollegen vorab verfolgt", teilt dazu Stadtsprecherin Katharina Heß mit. „Da das nicht die einzige Maßnahme ist, wird es mit der Umsetzung gegebenenfalls noch etwas dauern."

2009 sei in die Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung des Bundesverkehrsministeriums ein Punkt festgelegt worden, der deutlich mache, dass das Thema Sicherheit Priorität genieße. Der Satz „Die Flüssigkeit des Verkehrs ist mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu erhalten" war nämlich ergänzt worden durch folgenden Zusatz: „Dabei geht die Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmer der Flüssigkeit des Verkehrs vor." Es sei also eine klare Vorgabe, dass im Einzelfall Maßnahmen geboten sein könnten, die die Sicherheit erhöhen, den Verkehrsfluss aber verringern, sagt Neuhaus: „Sicherheit geht vor Verkehrsfluss. Die Friedrich-Wilhelm-Straße ist ein Beispiel dafür."

Sandra Neuhaus und Malte Wittbecker haben Verständnis für verärgerte Autofahrer. Sie weisen aber noch einmal auf zwei Dinge hin: Zum einen hätten es Autofahrer im Berufsverkehr auch früher – bei zwei Rechtsabbiegespuren – nicht unbedingt in der ersten Grünphase über die Kreuzung geschafft. Zum anderen habe die Verwaltung so handeln müssen, um vor allem die Sicherheit für Radfahrer zu verbessern. Die Städtischen Betriebe Minden (SBM) hätten bereits versucht, die Grünphasen der Ampeln in diesem stark befahrenen Knotenpunkt zu optimieren. Doch die Anlage aus den 1970er Jahren könne nicht bedarfsgerecht geschaltet werden. Hinzu komme der kreuzende Bahnverkehr, der die Steuerung technisch äußerst kompliziert mache, wie bei der Kreuzung an der Ringstraße/Marienstraße, erklärt Wittbecker.

Ist es für die Zukunft eine Option, durch eine komplette Erneuerung der Ampel an der Friedrich-Wilhelm-Straße die Situation zu verbessern und womöglich wieder eine zweite Abbiegespur freizugeben? Wittbecker äußert sich auf diese Frage nicht, sondern gibt lediglich eine allgemeine Einschätzung: „Im Zuge des Klimaschutz- und des Mobilitätskonzeptes der Stadt Minden sollen an 40 Knotenpunkten Optimierungen vorgenommen werden." Ob die besagte Kreuzung auf der Liste steht? Keine Aussage.

Wittbecker ist der Meinung, dass vor allem auch Autofahrer, die zum Beispiel aus Petershagen kommen und die kürzeste Route über die Friedrich-Wilhelm-Straße nehmen, für die langen Staus im Berufsverkehr sorgen: „Manchmal ist es besser, einen kleinen Umweg zu fahren. Und am Ende kommt man schneller ans Ziel."

Ran an den Knotenpunkt!

Ein Kommentar von Sebastian Radermacher

Niemand steht gerne im Stau. Erst recht nicht, wenn man morgens auf dem Weg zur Arbeit ist und womöglich einen dringenden Termin einzuhalten hat. Die Situation auf der Friedrich-Wilhlem-Straße ist nervig, denn immer wieder bildet sich eine lange Blechlawine.

Dabei ist die Entscheidung, das Abbiegen zur Nordbrücke zu begrenzen, aus Sicht der Verantwortlichen im Rathaus verständlich. Schließlich gibt es eine neue Richtlinie, die Stadt möchte den Radverkehr attraktiver machen – und niemand will sich vorstellen, dass ein Auto beim Abbiegen dort einen Radfahrer über den Haufen gefahren hat.

Aber gibt es zum aktuellen Problem wirklich keine alternative Lösung? Doch, die gibt es. Und zwar sogar zwei. Zum einen sollte die Stadt die gesamte Kreuzung erneuern und die 40 Jahre alte Ampelanlage durch eine neue ersetzen. Dann ließe sich die Ampel auch bedarfsgerecht schalten, mit optimal abgestimmten Grünphasen und damit einer besseren und sichereren Lösung für Autofahrer, Radler und Fußgänger.

Weil der Umbau allerdings aufwendig und kurzfristig nicht umsetzbar ist – das zeigt die sich schon sehr lange hinziehende Neuplanung der vergleichbaren Kreuzung Ringstraße/Marienstraße – kommt jetzt akut die zweite Lösung ins Spiel: Wer kann, sollte die viel befahrene Kreuzung einfach umfahren und dafür einen Umweg in Kauf nehmen.

Das kostet weniger Nerven, am Ende kommen die Autofahrer wahrscheinlich sogar schneller ans Ziel – und die Anwohner in Leteln haben endlich wieder mehr Ruhe vor ihrer Haustür.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

7 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

Minden„Sicherheit geht vor Verkehrsfluss“: Stadt verteidigt geänderte Verkehrsführung auf Friedrich-Wilhelm-StraßeSebastian RadermacherMinden. Wohl kaum eine Kreuzung in Minden sorgt für so viel Frust bei Auto- und Lkw-Fahrern wie die an der Ecke Friedrich-Wilhelm-Straße/Nordbrücke. Denn seitdem die Stadt Minden die Verkehrsführung im vergangenen Juli geändert hat und es für die Fahrzeuge aus Leteln kommend nur noch eine Rechtsabbiegespur gibt, kommt es immer wieder zu langen Staus und Wartezeiten an der Ampel. Das MT startete vor Kurzem (noch vor dem Kontaktverbot und den Ausgangsbeschränkungen im Zuge der Corona-Krise) zwei Testfahrten: An einem Mittwoch gegen 15 Uhr dauerte es 20 Minuten, um von Leteln kommend über die Ampelkreuzung auf die Nordbrücke zu gelangen. An einem Donnerstagmorgen gegen 7.30 Uhr stockte der Verkehr bereits ab der Bäckerei Bertermann an der Lahder Straße. Immer wieder melden sich Leser beim MT und kritisieren die geänderte Verkehrsführung. Auch der SPD-Ortsverein Aminghausen/Leteln rückte das Thema zuletzt erneut in den Fokus. Es müsse weiterhin nach einer Lösung gesucht werden, um den häufigen Rückstau bis nach Leteln hinein zu verringern, lautete der Tenor auf der Mitgliederversammlung. Malte Wittbecker hingegen verteidigt die Änderung der Verkehrsführung. Der Leiter des Bereiches Stadtplanung bei der Stadt Minden gibt zu, dass es an dieser Stelle zu den Stoßzeiten morgens und nachmittags Staus geben könne. Aber: „Das haben wir auf vielen anderen Straßen in Minden auch." Und er stellt noch einmal klar: „Wir mussten handeln und die Verkehrsführung ändern." Der Grund: Das Rechtsabbiegen von der Friedrich-Wilhelm-Straße auf die Gustav-Heinemann-Brücke (Nordbrücke) auf zwei Fahrspuren ist bei gleichzeitiger Freigabe für den Fuß- und Radverkehr nicht mehr zulässig, erklärt Wittbecker. Das sei in den Richtlinien für Lichtsignalanlagen (RiLSA) festgeschrieben und bilde die gesetzliche Grundlage für die Neuerung. Bei der alten Verkehrsführung habe die Gefahr bestanden, dass die abbiegenden Autofahrer keine Sicht auf den vorfahrtsberechtigten Fuß- und Radverkehr gehabt hätten, verdeutlicht Sandra Neuhaus von der Verkehrsbehörde der Stadt Minden. Sie nennt ein Beispiel: Ein Lastwagen auf der rechten Spur und ein links neben ihm stehendes Auto fahren an der Ampel los und biegen beide nach rechts auf die Nordbrücke ab. Gleichzeitig ist ein Radfahrer aus Leteln kommend geradeaus in Richtung Bahnhof unterwegs. Der Autofahrer habe wegen des neben ihm stehenden Lastwagens keine Möglichkeit, beim Abbiegen den vorfahrtsberechtigten Radfahrer zu sehen, sagt Neuhaus: „Die Unfallgefahr war groß." Zwar besteht für Ampelanlagen im Bestand kein unmittelbarer Handlungsbedarf. Werden solche Ampeln allerdings erneuert, ausgetauscht oder sollten Probleme bekannt sein, müsse die Stadt tätig werden. An der Friedrich-Wilhelm-Straße habe die Verwaltung im Zuge der Fahrbahnsanierung die Markierungen entsprechend der Richtlinie angepasst, erklärt Wittbecker. Die Neugestaltung der Verkehrsführung sei in Absprache mit der Polizei beschlossen worden. Dies sei übrigens Vorgabe bei allen Änderungen dieser Art, stellt Neuhaus klar. Zum Beispiel auch im Stadtteil Rechtes Weserufer, wo im Jahr 2017 das Rechtsabbiegen von der Bachstraße auf die Viktoriastraße ebenfalls geändert wurde und seitdem nur noch über eine Fahrspur möglich ist. Auch dort sei es zuvor zu gefährlichen Situationen beim Rechtsabbiegen gekommen, unter anderem sei eine Rollstuhlfahrerin von einem Auto angefahren worden, berichtet Neuhaus. Doch auch dort sei der Änderung eine ausführliche Planung und Abwägung vorausgegangen. „Wir können nicht einfach schalten und walten, wie wir möchten", stellt sie klar. Womöglich könnte in diesem Bereich aber bald eine zufriedenstellende Lösung gefunden werden, die auch ein Leser gegenüber dem MT vorschlägt: Seiner Meinung nach würde nichts dagegen sprechen, wenn die Phase der entgegenkommenden Linksabbieger (von der Viktoriastraße in die Bachstraße) schon zum Rechtsabbiegen von der Bach- auf die Viktoriastraße genutzt werden dürfte. Die Fußgänger hätten zu dem Zeitpunkt ja noch Rot. Durch diese simple Maßnahme – ein beleuchteter grüner Pfeil wäre zusätzlich anzubringen – könnte den unnötigen Rückstau, auch aus der Dankerser Straße, vermieden werden, schreibt der Leser. „Der Lösungsansatz ist interessant und wurde bereits von den Kollegen vorab verfolgt", teilt dazu Stadtsprecherin Katharina Heß mit. „Da das nicht die einzige Maßnahme ist, wird es mit der Umsetzung gegebenenfalls noch etwas dauern." 2009 sei in die Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung des Bundesverkehrsministeriums ein Punkt festgelegt worden, der deutlich mache, dass das Thema Sicherheit Priorität genieße. Der Satz „Die Flüssigkeit des Verkehrs ist mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu erhalten" war nämlich ergänzt worden durch folgenden Zusatz: „Dabei geht die Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmer der Flüssigkeit des Verkehrs vor." Es sei also eine klare Vorgabe, dass im Einzelfall Maßnahmen geboten sein könnten, die die Sicherheit erhöhen, den Verkehrsfluss aber verringern, sagt Neuhaus: „Sicherheit geht vor Verkehrsfluss. Die Friedrich-Wilhelm-Straße ist ein Beispiel dafür." Sandra Neuhaus und Malte Wittbecker haben Verständnis für verärgerte Autofahrer. Sie weisen aber noch einmal auf zwei Dinge hin: Zum einen hätten es Autofahrer im Berufsverkehr auch früher – bei zwei Rechtsabbiegespuren – nicht unbedingt in der ersten Grünphase über die Kreuzung geschafft. Zum anderen habe die Verwaltung so handeln müssen, um vor allem die Sicherheit für Radfahrer zu verbessern. Die Städtischen Betriebe Minden (SBM) hätten bereits versucht, die Grünphasen der Ampeln in diesem stark befahrenen Knotenpunkt zu optimieren. Doch die Anlage aus den 1970er Jahren könne nicht bedarfsgerecht geschaltet werden. Hinzu komme der kreuzende Bahnverkehr, der die Steuerung technisch äußerst kompliziert mache, wie bei der Kreuzung an der Ringstraße/Marienstraße, erklärt Wittbecker. Ist es für die Zukunft eine Option, durch eine komplette Erneuerung der Ampel an der Friedrich-Wilhelm-Straße die Situation zu verbessern und womöglich wieder eine zweite Abbiegespur freizugeben? Wittbecker äußert sich auf diese Frage nicht, sondern gibt lediglich eine allgemeine Einschätzung: „Im Zuge des Klimaschutz- und des Mobilitätskonzeptes der Stadt Minden sollen an 40 Knotenpunkten Optimierungen vorgenommen werden." Ob die besagte Kreuzung auf der Liste steht? Keine Aussage. Wittbecker ist der Meinung, dass vor allem auch Autofahrer, die zum Beispiel aus Petershagen kommen und die kürzeste Route über die Friedrich-Wilhelm-Straße nehmen, für die langen Staus im Berufsverkehr sorgen: „Manchmal ist es besser, einen kleinen Umweg zu fahren. Und am Ende kommt man schneller ans Ziel." Ran an den Knotenpunkt! Ein Kommentar von Sebastian Radermacher Niemand steht gerne im Stau. Erst recht nicht, wenn man morgens auf dem Weg zur Arbeit ist und womöglich einen dringenden Termin einzuhalten hat. Die Situation auf der Friedrich-Wilhlem-Straße ist nervig, denn immer wieder bildet sich eine lange Blechlawine. Dabei ist die Entscheidung, das Abbiegen zur Nordbrücke zu begrenzen, aus Sicht der Verantwortlichen im Rathaus verständlich. Schließlich gibt es eine neue Richtlinie, die Stadt möchte den Radverkehr attraktiver machen – und niemand will sich vorstellen, dass ein Auto beim Abbiegen dort einen Radfahrer über den Haufen gefahren hat. Aber gibt es zum aktuellen Problem wirklich keine alternative Lösung? Doch, die gibt es. Und zwar sogar zwei. Zum einen sollte die Stadt die gesamte Kreuzung erneuern und die 40 Jahre alte Ampelanlage durch eine neue ersetzen. Dann ließe sich die Ampel auch bedarfsgerecht schalten, mit optimal abgestimmten Grünphasen und damit einer besseren und sichereren Lösung für Autofahrer, Radler und Fußgänger. Weil der Umbau allerdings aufwendig und kurzfristig nicht umsetzbar ist – das zeigt die sich schon sehr lange hinziehende Neuplanung der vergleichbaren Kreuzung Ringstraße/Marienstraße – kommt jetzt akut die zweite Lösung ins Spiel: Wer kann, sollte die viel befahrene Kreuzung einfach umfahren und dafür einen Umweg in Kauf nehmen. Das kostet weniger Nerven, am Ende kommen die Autofahrer wahrscheinlich sogar schneller ans Ziel – und die Anwohner in Leteln haben endlich wieder mehr Ruhe vor ihrer Haustür.