Vier Pfoten in der Krise: Tierheim wegen Corona geschlossen Christine Riechmann Minden. Nicht nur Menschen macht Corona einsam, auch Tiere im Tierheim bekommen weniger Besuch und müssen auf die eine oder andere Streicheleinheit verzichten. Seit Mitte März ist das Mindener Tierheim aufgrund der aktuellen Corona-Situation für Besucher geschlossen. „Alle öffentlichen Türen sind dicht“, so Petra Yarwood, zweite Vorsitzende vom Tierschutzverein Minden. Nur die Mitarbeiter haben noch Zugang zu den Tieren um diese zu versorgen. „Dabei halten sie untereinander den größtmöglichen Abstand“, versichert Petra Yarwood. Tiere würden aktuell nur in Ausnahmesituationen in ein neues Zuhause vermittelt. „Wenn eine Vermittlung bereits vor der Krise in Angriff genommen wurde, wird sie jetzt zu Ende gebracht“, erklärt die zweite Vorsitzende. Und auch Gassi-Runden mit den Hunden würden nur in Einzelfällen stattfinden. Neben den fehlenden Einnahmen durch die Vermittlungen, merken die Mitarbeiter auch, dass weniger Spenden im Tierheim ankommen – die aber weiterhin dringend benötigt werden. Denn trotz der Corona-Krise nehmen die Tierschützer Tiere im Heim auf. „Das sind allerdings nicht mehr geworden“, berichtet Petra Yarwood. Die eingekehrte Ruhe im Tierheim, die die ausbleibenden Besuche mit sich bringen, nutzen die Mitarbeiter für Aufräumarbeiten. „Wir versuchen all das zu schaffen, was im Alltag sonst liegen bleibt.“ Absagen mussten die Tierschützer leider auch ihr Frühlingsfest, das eigentlich am kommenden Sonntag stattfinden sollte. Wo im Tierheim die Besucher fehlen, fehlen in den Tierpensionen aktuell die Tiere. „Bei uns ist alles leer“, berichtet Inge Lang, die in Minden eine solche Einrichtung betreibt. Zu ihr bringen Tierbesitzer ihre Haustiere vor allem dann, wenn sie verreisen. Durch die Krise sei ihr das Geschäft völlig weggebrochen. Lediglich eine Katze betreut sie zur Zeit in ihrer Pension. „Deren Besitzerin arbeitet im medizinischen Bereich und kann sich selbst im Moment nicht kümmern“, erzählt sie. Tageweise würde sie noch vereinzelt Hunde betreuen, aber auch das sei so gut wie gar nichts. Inge Lang betreut seit zwölf Jahren insgesamt etwa 600 Tiere. Ihr Hauptgeschäft macht sie in der Ferienzeit. Für Ostern sei zwar noch nicht alles storniert, aber sie ist sich sicher, dass das wohl noch kommt. Ihre Hoffnungen setzt sie in die Sommerferien. „Vielleicht können die Leute ja dann wenigstens wieder in Deutschland reisen.“ Dagmar Wiese-Cummerwie ist da weniger optimistisch. Sie betreibt mit ihrem Mann in Eickhorst die „Hunde-Wiese“ und glaubt nicht, dass die Leute, auch wenn sie dürfen, gleich wieder so reiselustig sind. Die Betreiberin der Hundepension hofft auf die Herbstferien. Denn auch bei ihr ist aktuell alles leer. Ab und zu käme noch ein Tagesgast – wenn der Besitzer arbeiten müsse – , aber das sei die Ausnahme, denn niemand würde zur Zeit in den Urlaub fahren oder kurze Wochenendtrips machen. Auch die Hundefreiläufe, wo Hundebesitzer die Möglichkeit haben, ihre Tiere auf dem großen, parkähnlichen, eingezäunten Grundstück von Dagmar Wiese-Cummerwie ohne Leine laufen und spielen zu lassen, sind aktuell geschlossen. Zu groß sei die Ansteckungsgefahr, wenn sich dort 30 bis 40 Hundebesitzer tummelten. Auch wenn die gelernte Tierpflegerin überzeugt ist, dass die Gesundheit vorgeht, hofft sie, dass die Krise bald überwunden ist und ihre Pension wieder voll. „Auf längere Zeit ist das nicht durchzuhalten.“ Tiere und das Corona-Virus Insbesondere Katzen erkranken relativ häufig an einem Corona-Virus. Das sei aber nicht das Virus, das aktuell grassiert, erklärt Dr. Alexander Usselmann, Tierarzt in Minden. Es gebe verschiedene Formen des Virus. Dafür, dass Tiere an SARS-CoV-2 erkranken, gebe es bisher keine nennenswerten Hinweise, so der Tiermediziner. Es gebe daher auch keinen Nachweis, dass Tiere das Coronavirus auf Menschen übertragen können. Letztlich könne diese Frage zum jetzigen Zeitpunkt aber niemand wirklich beantworten. „Es fehlen ausreichende Erkenntnisse.“ Große Sorgen darüber mache sich in seiner Praxis niemand, so Usselmann. „Die Patienten sind da sehr entspannt.“ (cs)

Vier Pfoten in der Krise: Tierheim wegen Corona geschlossen

Auch die Tiere im Tierheim müssen derzeit auf Streicheleinheiten verzichten. MT-Foto: Archiv/Alex Lehn © Alex Lehn

Minden. Nicht nur Menschen macht Corona einsam, auch Tiere im Tierheim bekommen weniger Besuch und müssen auf die eine oder andere Streicheleinheit verzichten. Seit Mitte März ist das Mindener Tierheim aufgrund der aktuellen Corona-Situation für Besucher geschlossen. „Alle öffentlichen Türen sind dicht“, so Petra Yarwood, zweite Vorsitzende vom Tierschutzverein Minden. Nur die Mitarbeiter haben noch Zugang zu den Tieren um diese zu versorgen. „Dabei halten sie untereinander den größtmöglichen Abstand“, versichert Petra Yarwood.

Tiere würden aktuell nur in Ausnahmesituationen in ein neues Zuhause vermittelt. „Wenn eine Vermittlung bereits vor der Krise in Angriff genommen wurde, wird sie jetzt zu Ende gebracht“, erklärt die zweite Vorsitzende. Und auch Gassi-Runden mit den Hunden würden nur in Einzelfällen stattfinden.

Neben den fehlenden Einnahmen durch die Vermittlungen, merken die Mitarbeiter auch, dass weniger Spenden im Tierheim ankommen – die aber weiterhin dringend benötigt werden. Denn trotz der Corona-Krise nehmen die Tierschützer Tiere im Heim auf. „Das sind allerdings nicht mehr geworden“, berichtet Petra Yarwood.

Die eingekehrte Ruhe im Tierheim, die die ausbleibenden Besuche mit sich bringen, nutzen die Mitarbeiter für Aufräumarbeiten. „Wir versuchen all das zu schaffen, was im Alltag sonst liegen bleibt.“

Absagen mussten die Tierschützer leider auch ihr Frühlingsfest, das eigentlich am kommenden Sonntag stattfinden sollte.

Wo im Tierheim die Besucher fehlen, fehlen in den Tierpensionen aktuell die Tiere. „Bei uns ist alles leer“, berichtet Inge Lang, die in Minden eine solche Einrichtung betreibt. Zu ihr bringen Tierbesitzer ihre Haustiere vor allem dann, wenn sie verreisen. Durch die Krise sei ihr das Geschäft völlig weggebrochen. Lediglich eine Katze betreut sie zur Zeit in ihrer Pension. „Deren Besitzerin arbeitet im medizinischen Bereich und kann sich selbst im Moment nicht kümmern“, erzählt sie. Tageweise würde sie noch vereinzelt Hunde betreuen, aber auch das sei so gut wie gar nichts.

Inge Lang betreut seit zwölf Jahren insgesamt etwa 600 Tiere. Ihr Hauptgeschäft macht sie in der Ferienzeit. Für Ostern sei zwar noch nicht alles storniert, aber sie ist sich sicher, dass das wohl noch kommt. Ihre Hoffnungen setzt sie in die Sommerferien. „Vielleicht können die Leute ja dann wenigstens wieder in Deutschland reisen.“

Dagmar Wiese-Cummerwie ist da weniger optimistisch. Sie betreibt mit ihrem Mann in Eickhorst die „Hunde-Wiese“ und glaubt nicht, dass die Leute, auch wenn sie dürfen, gleich wieder so reiselustig sind. Die Betreiberin der Hundepension hofft auf die Herbstferien.

Denn auch bei ihr ist aktuell alles leer. Ab und zu käme noch ein Tagesgast – wenn der Besitzer arbeiten müsse – , aber das sei die Ausnahme, denn niemand würde zur Zeit in den Urlaub fahren oder kurze Wochenendtrips machen.

Auch die Hundefreiläufe, wo Hundebesitzer die Möglichkeit haben, ihre Tiere auf dem großen, parkähnlichen, eingezäunten Grundstück von Dagmar Wiese-Cummerwie ohne Leine laufen und spielen zu lassen, sind aktuell geschlossen. Zu groß sei die Ansteckungsgefahr, wenn sich dort 30 bis 40 Hundebesitzer tummelten. Auch wenn die gelernte Tierpflegerin überzeugt ist, dass die Gesundheit vorgeht, hofft sie, dass die Krise bald überwunden ist und ihre Pension wieder voll. „Auf längere Zeit ist das nicht durchzuhalten.“

Tiere und das Corona-Virus

Insbesondere Katzen erkranken relativ häufig an einem Corona-Virus. Das sei aber nicht das Virus, das aktuell grassiert, erklärt Dr. Alexander Usselmann, Tierarzt in Minden. Es gebe verschiedene Formen des Virus. Dafür, dass Tiere an SARS-CoV-2 erkranken, gebe es bisher keine nennenswerten Hinweise, so der Tiermediziner.

Es gebe daher auch keinen Nachweis, dass Tiere das Coronavirus auf Menschen übertragen können. Letztlich könne diese Frage zum jetzigen Zeitpunkt aber niemand wirklich beantworten. „Es fehlen ausreichende Erkenntnisse.“

Große Sorgen darüber mache sich in seiner Praxis niemand, so Usselmann. „Die Patienten sind da sehr entspannt.“ (cs)

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