Minden

Trendwende im Supermarkt: Was Kunden an der Kasse jetzt anders machen

Henning Wandel

Immer mehr Menschen zücken an der Kasse ihre Karte – auch aus hygienischen Gründen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa - © Karl-Josef Hildenbrand
Immer mehr Menschen zücken an der Kasse ihre Karte – auch aus hygienischen Gründen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa (© Karl-Josef Hildenbrand)

Minden. So sehr das Corona-Virus das öffentliche Leben bremst, so sehr wirkt es bei der Digitalisierung wie ein Katalysator. Das gilt auch für so alltägliche Dinge wie das Bezahlen im Supermarkt: für die bargeldlosen Möglichkeiten könnten diese Wochen den Durchbruch auch bei den in dieser Hinsicht ansonsten sehr konservativen deutschen Verbrauchern bedeuten.

In den Wez-Märkten ist diese Entwicklung schon an ersten Zahlen ablesbar. In der letzten Märzwoche sei knapp 64 Prozent des Umsatzes auf Kartenzahlung entfallen, sagt der Chef der Kette, Karl Stefan Preuß. Zum Vergleich: Der Jahresdurchschnitt 2019 lag bei weniger als 40 Prozent. Selbst bei den in den Märkten integrierten Bäckereien werde inzwischen überwiegend mit Karten bezahlt. Damit reagieren die Kunden vermehrt auf den Aufruf, aus hygienischen Gründen auf Bargeld zu verzichten.

Der Trend kommt auch bei den Banken an. So nehme das bargeldlose Zahlen deutlich zu, sagt Gerald Watermann, Sprecher der Sparkasse Minden-Lübbecke. Gleiches gelte für Nachfragen zu kontaktlosen Kartenzahlungen. Gleichzeitig beobachtet die Sparkasse einen leichten Anstieg bei den Bargeldabhebungen. An dieser Stelle ist das Bild allerdings diffus. Bei der Volksbank Mindener Land liege die Geldausgabe an den Automaten etwa 40 Prozent unter dem Jahresdurchschnitt, sagt der Leiter des Rechnungswesens, Andreas Tiemann. Ein gestiegenes Interesse an den kontaktlosen Funktionen der Karten gibt es auch hier. Ähnliche Erfahrung macht die Verbundvolksbank OWL: Digitale Lösungen würden verstärkt nachgefragt, Abhebungen am Automaten hingegen ließen nach, sagt Pressesprechering Sylvia Hackel. Konkrete Zahlen dazu lägen aber noch nicht vor.

Wie sehr sich die Gewohnheiten tatsächlich ändern, ist im Moment nur schwer abzuschätzen. Zwar berichtet auch die Edeka Minden-Hannover von einem starken Anstieg bei Kartenzahlungen. Innovative neue Verfahren wie Apps, wie sie zum Beispiel die Edeka anbietet, profitierten davon aber nur leicht, sagt Sprechering Alexandra Antonatus. Das Handy als Geldersatz scheint sich trotz Krise nur in kleinen Schritten zu etablieren. Auch die Banken berichten in dieser Hinsicht, wenn überhaupt, dann nur von einem leichten Anstieg bei den Nachfragen.

Karl-Stefan Preuß erwartet trotzdem eine nachhaltige Trendwende. Der Kartenanteil werde nicht mehr unter 50 Prozent fallen, sagt er. Doch während die Branche gerade jetzt für eine verstärkte Kartennutzung wirbt, wirft die plötzliche Veränderung auch neue Fragen auf. So zahlen die Händler bei jedem Karteneinsatz eine Gebühr im Bereich von 0,2 bis 0,3 Prozent. Gerade im eher margenarmen Lebensmitteleinzelhandel macht auch ein solcher, auf den ersten Blick eher geringer Anteil schon etwas aus. Auf der anderen Seite ist auch die Bargeldlogistik ein Kostenfaktor. „Ob die Kartenzahlung unter dem Strich wirtschaftlich ist, wissen wir noch nicht“, sagt Preuß. Dennoch animiert die Branche derzeit flächendeckend, eher die Karte zu zücken – vor allem aus hygienischen Gründen: „Es ist unsere Verantwortung, das Risiko zu minimieren“, sagt Preuß, „doch irgendwann müssen wir auch rechnen.“

Damit die Kartenzahlung auch für den Handel noch attraktiver wird, prüft die EU-Kommission weiterre Gebührensenkungen, wie die Lebensmittelzeitung berichtet. Zuletzt waren die Gebühren 2015 gedeckelt worden, was zu spürbaren Einsparungen beim Handel geführt habe, der wiederum fast drei Viertel davon an die Verbraucher weitergegeben habe. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Akzeptanzstellen erhöht. Aktuell wird über eine Obergrenze von sieben Cent je Transaktion diskutiert, um die Kartennutzung weiter zu erhöhen.

Für Karl Stefan Preuß ist das nur ein weiterer Zwischenschritt. Nachdem zum Beispiel in seinen Märkten, aber auch bei der Edeka insgesamt Systeme zum mobilen Scannen etabliert wurden, gehe es als nächstes um mobiles Bezahlen, möglicherweise irgendwann auch ganz ohne Kassenbereich. Zunächst aber gilt es, als Gesellschaft die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen der Krise als zu meistern. „Das wird eine große Aufgabe,“ sagt Preuß, „aber wir werden sie bewältigen.“

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MindenTrendwende im Supermarkt: Was Kunden an der Kasse jetzt anders machenHenning WandelMinden. So sehr das Corona-Virus das öffentliche Leben bremst, so sehr wirkt es bei der Digitalisierung wie ein Katalysator. Das gilt auch für so alltägliche Dinge wie das Bezahlen im Supermarkt: für die bargeldlosen Möglichkeiten könnten diese Wochen den Durchbruch auch bei den in dieser Hinsicht ansonsten sehr konservativen deutschen Verbrauchern bedeuten. In den Wez-Märkten ist diese Entwicklung schon an ersten Zahlen ablesbar. In der letzten Märzwoche sei knapp 64 Prozent des Umsatzes auf Kartenzahlung entfallen, sagt der Chef der Kette, Karl Stefan Preuß. Zum Vergleich: Der Jahresdurchschnitt 2019 lag bei weniger als 40 Prozent. Selbst bei den in den Märkten integrierten Bäckereien werde inzwischen überwiegend mit Karten bezahlt. Damit reagieren die Kunden vermehrt auf den Aufruf, aus hygienischen Gründen auf Bargeld zu verzichten. Der Trend kommt auch bei den Banken an. So nehme das bargeldlose Zahlen deutlich zu, sagt Gerald Watermann, Sprecher der Sparkasse Minden-Lübbecke. Gleiches gelte für Nachfragen zu kontaktlosen Kartenzahlungen. Gleichzeitig beobachtet die Sparkasse einen leichten Anstieg bei den Bargeldabhebungen. An dieser Stelle ist das Bild allerdings diffus. Bei der Volksbank Mindener Land liege die Geldausgabe an den Automaten etwa 40 Prozent unter dem Jahresdurchschnitt, sagt der Leiter des Rechnungswesens, Andreas Tiemann. Ein gestiegenes Interesse an den kontaktlosen Funktionen der Karten gibt es auch hier. Ähnliche Erfahrung macht die Verbundvolksbank OWL: Digitale Lösungen würden verstärkt nachgefragt, Abhebungen am Automaten hingegen ließen nach, sagt Pressesprechering Sylvia Hackel. Konkrete Zahlen dazu lägen aber noch nicht vor. Wie sehr sich die Gewohnheiten tatsächlich ändern, ist im Moment nur schwer abzuschätzen. Zwar berichtet auch die Edeka Minden-Hannover von einem starken Anstieg bei Kartenzahlungen. Innovative neue Verfahren wie Apps, wie sie zum Beispiel die Edeka anbietet, profitierten davon aber nur leicht, sagt Sprechering Alexandra Antonatus. Das Handy als Geldersatz scheint sich trotz Krise nur in kleinen Schritten zu etablieren. Auch die Banken berichten in dieser Hinsicht, wenn überhaupt, dann nur von einem leichten Anstieg bei den Nachfragen. Karl-Stefan Preuß erwartet trotzdem eine nachhaltige Trendwende. Der Kartenanteil werde nicht mehr unter 50 Prozent fallen, sagt er. Doch während die Branche gerade jetzt für eine verstärkte Kartennutzung wirbt, wirft die plötzliche Veränderung auch neue Fragen auf. So zahlen die Händler bei jedem Karteneinsatz eine Gebühr im Bereich von 0,2 bis 0,3 Prozent. Gerade im eher margenarmen Lebensmitteleinzelhandel macht auch ein solcher, auf den ersten Blick eher geringer Anteil schon etwas aus. Auf der anderen Seite ist auch die Bargeldlogistik ein Kostenfaktor. „Ob die Kartenzahlung unter dem Strich wirtschaftlich ist, wissen wir noch nicht“, sagt Preuß. Dennoch animiert die Branche derzeit flächendeckend, eher die Karte zu zücken – vor allem aus hygienischen Gründen: „Es ist unsere Verantwortung, das Risiko zu minimieren“, sagt Preuß, „doch irgendwann müssen wir auch rechnen.“ Damit die Kartenzahlung auch für den Handel noch attraktiver wird, prüft die EU-Kommission weiterre Gebührensenkungen, wie die Lebensmittelzeitung berichtet. Zuletzt waren die Gebühren 2015 gedeckelt worden, was zu spürbaren Einsparungen beim Handel geführt habe, der wiederum fast drei Viertel davon an die Verbraucher weitergegeben habe. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Akzeptanzstellen erhöht. Aktuell wird über eine Obergrenze von sieben Cent je Transaktion diskutiert, um die Kartennutzung weiter zu erhöhen. Für Karl Stefan Preuß ist das nur ein weiterer Zwischenschritt. Nachdem zum Beispiel in seinen Märkten, aber auch bei der Edeka insgesamt Systeme zum mobilen Scannen etabliert wurden, gehe es als nächstes um mobiles Bezahlen, möglicherweise irgendwann auch ganz ohne Kassenbereich. Zunächst aber gilt es, als Gesellschaft die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen der Krise als zu meistern. „Das wird eine große Aufgabe,“ sagt Preuß, „aber wir werden sie bewältigen.“