Am rechten Weserufer: Wohnhaus Minden verkauft 20 Gebäude Dirk Haunhorst Minden/Wiesbaden. Die Wohnhaus Minden GmbH hat 20 Gebäude im Stadtteil Rechtes Weserufer an die Deutsche Invest Immobilen-Gruppe (kurz d.i.i.) verkauft. Das Wohnungsunternehmen mit Sitz in Wiesbaden hatte Ende 2019 bereits 260 Wohnungen in Bärenkämpen von der Wohnhaus erworben. Diesmal sind es 231 Wohneinheiten mit rund 13.500 Quadratmetern Mietfläche, berichten beide Unternehmen in einer gemeinsamen Mitteilung. Die Grundstücke befinden sich in der Bruchstraße, Josefa-Metz-Straße, Breitenbachstraße, Windmühlenstraße und Kleine Dombrede. Die 20 Gebäude seien in den 1960er Jahren errichtet und zwischen 2012 bis 2020 modernisiert worden. Zwar habe es im Laufe der Jahre in allen Gebäuden Verbesserungen gegeben, allerdings seien die Wohnungen nicht komplett durchsaniert worden, sagte Eugen Pankratz gegenüber dem MT. Ungefähr die Hälfte der Wohnungen sei energetisch saniert, so der Geschäftsführer der Wohnhaus Minden GmbH. Dort habe man sich mit Blick auf die zahlreichen Baustellen und die knappen Ressourcen auf dem Handwerkermarkt die Frage gestellt, wie viele Wohnungen man halten wolle, und sich zu dem Verkauf an die d.i.i.-Gruppe entschlossen, nachdem diese auf die Wohnhaus zugekommen sei. Das Augenmerk der Wohnhaus, so Pankratz, liege aktuell auf der Sanierung von 60 bis 70 Wohneinheiten in der Goebenstraße. Geplant sei außerdem, etwa 700 Wohnungen mit Balkonen auszustatten. Die Wohnhaus Minden GmbH ist mit mehr als 2.500 Wohnungen größter Vermieter in Minden. Nach dem zweiten großen Geschäft mit der d.i.i soll es keine weiteren Verkäufe in nennenswertem Umfang geben, so Pankratz auf Nachfrage. Die Mieter seien schriftlich informiert worden, an den Mietverhältnissen ändere sich nichts", steht in der Pressemitteilung. „Wie die Wohnhaus legen wir Wert auf gute Nachbarschaften und wollen diese erhalten", wird ein d.i.i-Mitarbeiter zitiert. Eine Umwandlung in Eigentumswohnungen oder ähnliches werde es nicht geben. „In Abstimmung mit den Mietern werden wir weiter in die Gebäude und in die Nachbarschaften investieren." Auf MT-Nachfrage bezeichnete Frank Wojtalewicz, geschäftsführender Gesellschafter der d.i.i.-Gruppe, den Kauf als „vernünftige Erweiterung" in Minden. Es folgten nun Begehungen der Wohnanlagen, um zu überlegen, was insbesondere in Sachen energetischer Sanierung, mit der man sich auch in Bärenkämpen befasse, geschehen solle. Mögliche Sorgen der Mieter wegen des Eigentümerwechsels möchte Wojtalewicz zerstreuen. „In den nächsten zwei Jahren wird es keine Mieterhöhung aufgrund von Modernisierungsumlagen geben." Ohnehin sei in den betroffenen Gebäuden ja keine Luxussanierung geplant. Thorsten Bornemann, Geschäftsführer des Mietervereins Minden, betrachtet den Immobilienverkauf mit Skepsis und verweist auf veröffentlichte Renditeerwartungen des Käufers von nahezu zehn Prozent. Dies müssten am Ende die Mieter bezahlen. Bornemann hatte bereits nach dem Verkauf der Bärenkämpen-Immobilien die Befürchtung geäußert, dass es mittelfristig zu einer Umwandlung von Eigentumswohnungen oder einem Weiterkauf der Häuser kommen könnte, um die Renditen für Anleger zu erwirtschaften. Das größte Problem sei aber der große Instandhaltungsstau bei vielen Objekten, sagt Bornemann. Er müsse regelmäßig im Namen von Mietern auf Instandsetzung klagen, weil es lange dauere, bis die Unternehmen dafür Geld in die Hand nähmen – auch in Bärenkämpen. Die 2006 gegründete d.i.i.-Gruppe hat 160 Mitarbeiter und investiert nach eigenen Angaben in rund 30 Standorte. Das Recherchezentrum Correctiv teilte Ende 2019 auf MT-Anfrage mit, dass d.i.i. auf dem Immobiliensektor bislang nicht negativ in Erscheinung getreten sei. Randfigur im Monopoly Kommentar von Stefan Koch Wieder einmal ging ein großer Immobiliendeal in Minden geräuschlos vonstatten und wieder einmal waren die Investoren doch so freundlich, die Presse darüber zu informieren. Und die Stadt?Als im November 260 Wohnungen in Bärenkämpen aus dem Bestand der Wohnhaus in den der Deutschen Invest Immobilien wanderte, erfuhr die Stadt spät und fast zeitgleich mit den Mietern davon. Jetzt lehnt sie es ab, sich überhaupt dazu zu äußern. Da stellt sich die Frage, was das Bündnis für Wohnen überhaupt noch darstellt, wo es doch darum gehen sollte, Minden mit unterschiedlichen Akteuren der Wohnungswirtschaft zu entwickeln. Vielleicht ist es mittlerweile zum Popanz kommunaler Selbstbestimmung verkommen.Denn die öffentliche Hand ist längst nur eine Randfigur im Monopoly-Spiel der Immobilienfonds. Ihren Einfluss hat sie mit der Privatisierung öffentlichen Eigentums längst aus der Hand gegeben.

Am rechten Weserufer: Wohnhaus Minden verkauft 20 Gebäude

Auch in der Bruchstraße nahm die Wohnhaus Minden Geld in die Hand, um Immobilien zu sanieren. Jetzt verkaufte das Unternehmen die vermieteten Renditeobjekte. MT-Foto: Alex Lehn © Lehn

Minden/Wiesbaden. Die Wohnhaus Minden GmbH hat 20 Gebäude im Stadtteil Rechtes Weserufer an die Deutsche Invest Immobilen-Gruppe (kurz d.i.i.) verkauft. Das Wohnungsunternehmen mit Sitz in Wiesbaden hatte Ende 2019 bereits 260 Wohnungen in Bärenkämpen von der Wohnhaus erworben. Diesmal sind es 231 Wohneinheiten mit rund 13.500 Quadratmetern Mietfläche, berichten beide Unternehmen in einer gemeinsamen Mitteilung. Die Grundstücke befinden sich in der Bruchstraße, Josefa-Metz-Straße, Breitenbachstraße, Windmühlenstraße und Kleine Dombrede.

Die 20 Gebäude seien in den 1960er Jahren errichtet und zwischen 2012 bis 2020 modernisiert worden. Zwar habe es im Laufe der Jahre in allen Gebäuden Verbesserungen gegeben, allerdings seien die Wohnungen nicht komplett durchsaniert worden, sagte Eugen Pankratz gegenüber dem MT. Ungefähr die Hälfte der Wohnungen sei energetisch saniert, so der Geschäftsführer der Wohnhaus Minden GmbH. Dort habe man sich mit Blick auf die zahlreichen Baustellen und die knappen Ressourcen auf dem Handwerkermarkt die Frage gestellt, wie viele Wohnungen man halten wolle, und sich zu dem Verkauf an die d.i.i.-Gruppe entschlossen, nachdem diese auf die Wohnhaus zugekommen sei. Das Augenmerk der Wohnhaus, so Pankratz, liege aktuell auf der Sanierung von 60 bis 70 Wohneinheiten in der Goebenstraße. Geplant sei außerdem, etwa 700 Wohnungen mit Balkonen auszustatten.

Die Wohnhaus Minden GmbH ist mit mehr als 2.500 Wohnungen größter Vermieter in Minden. Nach dem zweiten großen Geschäft mit der d.i.i soll es keine weiteren Verkäufe in nennenswertem Umfang geben, so Pankratz auf Nachfrage.

Die Mieter seien schriftlich informiert worden, an den Mietverhältnissen ändere sich nichts", steht in der Pressemitteilung. „Wie die Wohnhaus legen wir Wert auf gute Nachbarschaften und wollen diese erhalten", wird ein d.i.i-Mitarbeiter zitiert. Eine Umwandlung in Eigentumswohnungen oder ähnliches werde es nicht geben. „In Abstimmung mit den Mietern werden wir weiter in die Gebäude und in die Nachbarschaften investieren."

Auf MT-Nachfrage bezeichnete Frank Wojtalewicz, geschäftsführender Gesellschafter der d.i.i.-Gruppe, den Kauf als „vernünftige Erweiterung" in Minden. Es folgten nun Begehungen der Wohnanlagen, um zu überlegen, was insbesondere in Sachen energetischer Sanierung, mit der man sich auch in Bärenkämpen befasse, geschehen solle. Mögliche Sorgen der Mieter wegen des Eigentümerwechsels möchte Wojtalewicz zerstreuen. „In den nächsten zwei Jahren wird es keine Mieterhöhung aufgrund von Modernisierungsumlagen geben." Ohnehin sei in den betroffenen Gebäuden ja keine Luxussanierung geplant.

Thorsten Bornemann, Geschäftsführer des Mietervereins Minden, betrachtet den Immobilienverkauf mit Skepsis und verweist auf veröffentlichte Renditeerwartungen des Käufers von nahezu zehn Prozent. Dies müssten am Ende die Mieter bezahlen. Bornemann hatte bereits nach dem Verkauf der Bärenkämpen-Immobilien die Befürchtung geäußert, dass es mittelfristig zu einer Umwandlung von Eigentumswohnungen oder einem Weiterkauf der Häuser kommen könnte, um die Renditen für Anleger zu erwirtschaften. Das größte Problem sei aber der große Instandhaltungsstau bei vielen Objekten, sagt Bornemann. Er müsse regelmäßig im Namen von Mietern auf Instandsetzung klagen, weil es lange dauere, bis die Unternehmen dafür Geld in die Hand nähmen – auch in Bärenkämpen.

Die 2006 gegründete d.i.i.-Gruppe hat 160 Mitarbeiter und investiert nach eigenen Angaben in rund 30 Standorte. Das Recherchezentrum Correctiv teilte Ende 2019 auf MT-Anfrage mit, dass d.i.i. auf dem Immobiliensektor bislang nicht negativ in Erscheinung getreten sei.

Randfigur im Monopoly

Kommentar von Stefan Koch

Wieder einmal ging ein großer Immobiliendeal in Minden geräuschlos vonstatten und wieder einmal waren die Investoren doch so freundlich, die Presse darüber zu informieren. Und die Stadt?

Als im November 260 Wohnungen in Bärenkämpen aus dem Bestand der Wohnhaus in den der Deutschen Invest Immobilien wanderte, erfuhr die Stadt spät und fast zeitgleich mit den Mietern davon. Jetzt lehnt sie es ab, sich überhaupt dazu zu äußern. Da stellt sich die Frage, was das Bündnis für Wohnen überhaupt noch darstellt, wo es doch darum gehen sollte, Minden mit unterschiedlichen Akteuren der Wohnungswirtschaft zu entwickeln. Vielleicht ist es mittlerweile zum Popanz kommunaler Selbstbestimmung verkommen.

Denn die öffentliche Hand ist längst nur eine Randfigur im Monopoly-Spiel der Immobilienfonds. Ihren Einfluss hat sie mit der Privatisierung öffentlichen Eigentums längst aus der Hand gegeben.

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