"Helden des Alltags": Mindener Erzieherin zu den neuen Anforderungen in der Corona-Krise Carsten Korfesmeyer Minden. So viel Normalität wie möglich will Manuela Loddewig den wenigen Kindern in der Notbetreuung vorleben. „Die Kleinen merken ja auch, dass momentan was nicht stimmt“, sagt die Erzieherin aus dem DJK-Kindergarten St. Michael. Ruhig ist es dort geworden. Toben normalerweise 63 Mädchen und Jungen durch die Räume und auf dem Spielplatz, sind es momentan pro Tag nur noch zwischen zwei und sechs. Die Eltern gehen den sogenannten systemrelevanten Berufen nach. Sie sind in der Corona-Krise am Arbeitsplatz unverzichtbar und deshalb gehen ihre Kinder in die Notbetreuung. Angst, Unsicherheit und Fragen ohne Ende: Wie die Großen machen sich auch die Kleinen ihre Gedanken über das, was gerade in der Welt passiert. Manuela Loddewig und ihre Kolleginnen müssen dann altersgerecht eine Situation erklären, die sie auch selbst schwer belastet. Die Kinder können beispielsweise nicht verstehen, warum sie sich ständig die Hände waschen müssen oder ihre Freunde nicht in die Kita gehen dürfen. „Oder sie sind traurig, weil sie ihre Geburtstage nicht miteinander feiern dürfen“, sagt sie. Sehr bewegt haben sie auch die Videos mit den netten Grüßen, die sie von den Kleinen zuhause schon bekommen hat. Auffällig sei, dass die Kinder über die aktuelle Lage reden wollen. Und die Erzieherin rät dringend dazu, solchen Gesprächen nicht auszuweichen. Weniger Kinder bedeutet für den Kindergarten nicht automatisch, dass weniger zu tun ist. Und im Gespräch mit Manuela Loddewig zeigt sich schnell, was in einer Kita abseits der reinen Betreuung noch so alles anfällt. „Und diese Dinge müssen auch in Coronazeiten weiterlaufen“, sagt sie. Dazu zählen beispielsweise die Ausarbeitung neuer Konzeptionen oder die reine Verwaltungsarbeit. Mehrere Kolleginnen, die aktuell im Homeoffice arbeiten, sitzen unter anderem an den Online-Fortbildungen zum „Haus der kleinen Forscher“. Außerdem darf und soll der Kontakt zu den Eltern nicht unterbrochen sein. Die von den Erzieherinnen intensiv vorbereiteten Entwicklungsgespräche laufen im Moment allerdings nur noch telefonisch. „Und wir bekommen auch jeden Morgen neue Nachrichten aus dem Ministerium“, sagt die Frau aus der Kita-Leitung. Was die Menge der Arbeit betrifft, habe sich durch Corona nichts verändert. Anders ist es im Kindergarten. Dort müssen alle am Eingang zunächst durch die Desinfektionsschleuse gehen. Bei den Eltern, die sich laut Manuela Loddewig durchweg sehr anerkennend über die Arbeit der Erzieherinnen äußern, halte man sich streng an die Abstandsregel. Die Kleinen dürfen allerdings miteinander spielen. „Mit den Eltern stehen wir natürlich weiter in Kontakt“, sagt Loddewig. Und sie verschweigt nicht, dass die Kinder durch die Coronazeiten auch Verhaltensstörungen bekommen könnten. Alarmsignale seien beispielsweise, wenn sie sich zurückziehen, in sich gekehrt sind oder sich plötzlich wieder einnässen. Das alles seien Signale dafür, dass die Kleinen mit der Situation seelisch überfordert sind. Von ihren elf Kolleginnen sind derzeit nur vier vor Ort. Eine gewöhnungsbedürftige Situation sei das – und Manuela Loddewig sagt offen, dass ihr der unmittelbare tägliche Kontakt zu den Menschen sehr fehlt: „Persönliche Gespräche können nicht durch Unterhaltungen per Video ersetzt werden.“

"Helden des Alltags": Mindener Erzieherin zu den neuen Anforderungen in der Corona-Krise

Marlene (3) wird zurzeit von Manuela Loddewig und Team im DJK-Kindergarten St. Michael betreut. MT- © Foto: Carsten Korfesmeyer

Minden. So viel Normalität wie möglich will Manuela Loddewig den wenigen Kindern in der Notbetreuung vorleben. „Die Kleinen merken ja auch, dass momentan was nicht stimmt“, sagt die Erzieherin aus dem DJK-Kindergarten St. Michael. Ruhig ist es dort geworden. Toben normalerweise 63 Mädchen und Jungen durch die Räume und auf dem Spielplatz, sind es momentan pro Tag nur noch zwischen zwei und sechs. Die Eltern gehen den sogenannten systemrelevanten Berufen nach. Sie sind in der Corona-Krise am Arbeitsplatz unverzichtbar und deshalb gehen ihre Kinder in die Notbetreuung.

Angst, Unsicherheit und Fragen ohne Ende: Wie die Großen machen sich auch die Kleinen ihre Gedanken über das, was gerade in der Welt passiert. Manuela Loddewig und ihre Kolleginnen müssen dann altersgerecht eine Situation erklären, die sie auch selbst schwer belastet. Die Kinder können beispielsweise nicht verstehen, warum sie sich ständig die Hände waschen müssen oder ihre Freunde nicht in die Kita gehen dürfen. „Oder sie sind traurig, weil sie ihre Geburtstage nicht miteinander feiern dürfen“, sagt sie. Sehr bewegt haben sie auch die Videos mit den netten Grüßen, die sie von den Kleinen zuhause schon bekommen hat. Auffällig sei, dass die Kinder über die aktuelle Lage reden wollen. Und die Erzieherin rät dringend dazu, solchen Gesprächen nicht auszuweichen.

Weniger Kinder bedeutet für den Kindergarten nicht automatisch, dass weniger zu tun ist. Und im Gespräch mit Manuela Loddewig zeigt sich schnell, was in einer Kita abseits der reinen Betreuung noch so alles anfällt. „Und diese Dinge müssen auch in Coronazeiten weiterlaufen“, sagt sie. Dazu zählen beispielsweise die Ausarbeitung neuer Konzeptionen oder die reine Verwaltungsarbeit. Mehrere Kolleginnen, die aktuell im Homeoffice arbeiten, sitzen unter anderem an den Online-Fortbildungen zum „Haus der kleinen Forscher“. Außerdem darf und soll der Kontakt zu den Eltern nicht unterbrochen sein. Die von den Erzieherinnen intensiv vorbereiteten Entwicklungsgespräche laufen im Moment allerdings nur noch telefonisch. „Und wir bekommen auch jeden Morgen neue Nachrichten aus dem Ministerium“, sagt die Frau aus der Kita-Leitung. Was die Menge der Arbeit betrifft, habe sich durch Corona nichts verändert.

Anders ist es im Kindergarten. Dort müssen alle am Eingang zunächst durch die Desinfektionsschleuse gehen. Bei den Eltern, die sich laut Manuela Loddewig durchweg sehr anerkennend über die Arbeit der Erzieherinnen äußern, halte man sich streng an die Abstandsregel. Die Kleinen dürfen allerdings miteinander spielen. „Mit den Eltern stehen wir natürlich weiter in Kontakt“, sagt Loddewig. Und sie verschweigt nicht, dass die Kinder durch die Coronazeiten auch Verhaltensstörungen bekommen könnten. Alarmsignale seien beispielsweise, wenn sie sich zurückziehen, in sich gekehrt sind oder sich plötzlich wieder einnässen. Das alles seien Signale dafür, dass die Kleinen mit der Situation seelisch überfordert sind.

Von ihren elf Kolleginnen sind derzeit nur vier vor Ort. Eine gewöhnungsbedürftige Situation sei das – und Manuela Loddewig sagt offen, dass ihr der unmittelbare tägliche Kontakt zu den Menschen sehr fehlt: „Persönliche Gespräche können nicht durch Unterhaltungen per Video ersetzt werden.“

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