Minden

Ja, nein, vielleicht: Viele Hochzeitspaare brauchen in Corona-Krise einen Plan B

Christine Riechmann

Das eine oder andere Hochzeits-Outfit wird wohl in diesem Jahr im Schrank hängen bleiben und erst im nächsten Jahr wieder rausgeholt. Viele Paare werden ihre Hochzeit verschieben müssen. Symbolfoto: Pixabay
Das eine oder andere Hochzeits-Outfit wird wohl in diesem Jahr im Schrank hängen bleiben und erst im nächsten Jahr wieder rausgeholt. Viele Paare werden ihre Hochzeit verschieben müssen. Symbolfoto: Pixabay

Minden. Noch vor wenigen Wochen hat Nadine Müller (Name von der Redaktion geändert) geglaubt, dass ihr größtes Problem rund um ihre bevorstehende Hochzeit die Sitzordnung ist. Heute weiß die 31-jährige Mindenerin nicht einmal, ob die Feier wie geplant statt finden kann. „Seit Corona sind solch banale Probleme nicht mehr wichtig.“

Seit fast zwei Jahren laufen die Planungen für den Tag, der der schönste in ihrem Leben werden sollte. Im Oktober 2018 hat das Paar, dass 2019 bereits standesamtlich geheiratet und in kleinster Runde gefeiert hat, die Location gebucht – die Feier mit etwa 90 Gästen soll am 1. Mai auf Hof Frien im niedersächsischen Höfen bei Uchte steigen. Eigentlich. Denn seit der Ausbreitung des Corona-Virus steht auch die Hochzeits-Branche Kopf. In der Gastronomie geht in Nordrhein-Westfalen bis zum 30. April gar nichts, in Niedersachsen gilt der Beschluss bis zum 18. April. Das bedeutet, dass auch Hochzeiten nicht statt finden dürfen. „Wir gehen davon aus, dass wir unsere Feier verschieben müssen“, berichtet Nadine Müller traurig. Denn selbst, wenn im Mai wieder gefeiert werden dürfte, vermuten sie und ihr Mann, dass viele Gäste aus Angst vor einer Ansteckung nicht kommen würden.

Mit dem Hof Frien und allen Dienstleistern, die in die Feier involviert sind, hat das Paar schon mal einen Ausweichtermin vereinbart. Wenn im Mai nicht gefeiert werden kann, soll die Hochzeit im Oktober stattfinden. Die Ungewissheit bereitet Nadine Müller allerdings Bauchschmerzen, sie hätte die Situation gern geklärt – muss aber auf weitere Beschlüsse der Landesregierung warten.

Genauso wie Frank Mayland-Quellhorst, Geschäftsführer auf Hof Frien. Dort finden im Jahr mehr als 100 Hochzeiten statt, mindestens eine am Wochenende, sogar am Sonntag wird dort geheiratet. Dem Gastronom fehlen verlässliche Infos von der Politik. „Wir haben überhaupt keine Planungssicherheit, das ist katastrophal“, schimpft er. Dass bis zum 18. April alles abgesagt werden muss, das wisse er. „Aber was kommt danach, was soll ich meinen Brautpaaren denn sagen?“

Für die aktuelle Saison musste Frank Mayland-Quellhorst bisher 13 Feiern absagen, beziehungsweise verschieben. Wobei das Verschieben gar nicht so einfach ist, denn auch im Jahr 2021 ist der Hof Frien an den Wochenenden ausgebucht. „Wir müssen den Paaren Sonntage und Wochentage anbieten“, erklärt er.

Seit Tagen befasst er sich mit nichts anderem, beruhigt aufgelöste Bräute, plant und koordiniert. „Wir sprechen uns mit allen Dienstleistern ab, das klappt sehr gut, alle ziehen an einem Strang.“

Zu den Dienstleistern neben Fotografen, DJs, Musikern, Konditoren und Floristen gehört auch Kristina Krug, die unter ihrem Label „Hochzeitsglück“ für Dekoration rund um die Feier sorgt. Die Mindenerin betreut im Jahr etwa 40 Feiern. Der Corona-Krise sind bisher zwei Termine zum Opfer gefallen. „Die werden aber nachgeholt.“ Die Branche stünde Kopf, alles sei durcheinander und müsse bei großer Planungsunsicherheit trotzdem koordiniert werden.

In der Krise beherzigt sie einen Leitsatz: „Es kommt nicht darauf an, wann du heiratest, sondern wen du heiratest.“

Wie schlimm die Situation für die Hochzeitsbranche ist, weiß auch Olga Geist. Mit „Wunschwerk7“ sorgt auch sie für Deko und Floristik rund um die Hochzeit und ist mit vielen anderen Dienstleistern vernetzt. „Es wird zu vielen Dienstausfällen kommen“, prognostiziert sie. Sie selbst und ihre Partnerin betreiben ihr Gewerbe nebenberuflich als Hobby und sind deshalb von abgesagten Feiern wirtschaftlich nicht so hart getroffen. Olga Geist vermutet, dass sich die Hochzeitssaison in den Herbst und Winter verschieben wird. „Viele Blogger im Netz versuchen schon Winterhochzeiten schmackhaft zu machen“, hat sie beobachtet.

Von Verschiebungen und Absagen ist auch Philipp Pudenz als Geschäftsführer vom Hotel Bad Minden und Cateringservice „Essence“ betroffen. Etwa 70 Hochzeiten richtet er im Jahr aus, 15 Feiern sind bereits abgesagt oder verschoben – viele davon ins nächste Jahr. Er fragt sich, wer den Bedarf dann decken kann. Die Gastronomie müsse dann das doppelte Geschäft in einem einzigen Jahr umsetzen.

Überhaupt kämen auf die Branche sehr unsichere Zeiten zu. Umso positiver bewertet er seine Beobachtungen, dass die Gastronomen an einem Strang ziehen würden. Und auch um die Brautpaare würde man sich kümmern. „Wir tun alles, um denen in in dieser schwierigen Zeit zu helfen.“

Trotz aller Turbulenzen rund um die Hochzeit haben Nadine Müller und ihr Mann die Lust aufs Heiraten noch nicht verloren. „Im Nachhinein werden wir wahrscheinlich darüber lachen“, meint die Braut. Und auch an ein schlechtes Omen für ihre Ehe glaubt sie nicht. „Es gibt weitaus schlimmere Dinge, die einem passieren können.“

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MindenJa, nein, vielleicht: Viele Hochzeitspaare brauchen in Corona-Krise einen Plan BChristine RiechmannMinden. Noch vor wenigen Wochen hat Nadine Müller (Name von der Redaktion geändert) geglaubt, dass ihr größtes Problem rund um ihre bevorstehende Hochzeit die Sitzordnung ist. Heute weiß die 31-jährige Mindenerin nicht einmal, ob die Feier wie geplant statt finden kann. „Seit Corona sind solch banale Probleme nicht mehr wichtig.“ Seit fast zwei Jahren laufen die Planungen für den Tag, der der schönste in ihrem Leben werden sollte. Im Oktober 2018 hat das Paar, dass 2019 bereits standesamtlich geheiratet und in kleinster Runde gefeiert hat, die Location gebucht – die Feier mit etwa 90 Gästen soll am 1. Mai auf Hof Frien im niedersächsischen Höfen bei Uchte steigen. Eigentlich. Denn seit der Ausbreitung des Corona-Virus steht auch die Hochzeits-Branche Kopf. In der Gastronomie geht in Nordrhein-Westfalen bis zum 30. April gar nichts, in Niedersachsen gilt der Beschluss bis zum 18. April. Das bedeutet, dass auch Hochzeiten nicht statt finden dürfen. „Wir gehen davon aus, dass wir unsere Feier verschieben müssen“, berichtet Nadine Müller traurig. Denn selbst, wenn im Mai wieder gefeiert werden dürfte, vermuten sie und ihr Mann, dass viele Gäste aus Angst vor einer Ansteckung nicht kommen würden. Mit dem Hof Frien und allen Dienstleistern, die in die Feier involviert sind, hat das Paar schon mal einen Ausweichtermin vereinbart. Wenn im Mai nicht gefeiert werden kann, soll die Hochzeit im Oktober stattfinden. Die Ungewissheit bereitet Nadine Müller allerdings Bauchschmerzen, sie hätte die Situation gern geklärt – muss aber auf weitere Beschlüsse der Landesregierung warten. Genauso wie Frank Mayland-Quellhorst, Geschäftsführer auf Hof Frien. Dort finden im Jahr mehr als 100 Hochzeiten statt, mindestens eine am Wochenende, sogar am Sonntag wird dort geheiratet. Dem Gastronom fehlen verlässliche Infos von der Politik. „Wir haben überhaupt keine Planungssicherheit, das ist katastrophal“, schimpft er. Dass bis zum 18. April alles abgesagt werden muss, das wisse er. „Aber was kommt danach, was soll ich meinen Brautpaaren denn sagen?“ Für die aktuelle Saison musste Frank Mayland-Quellhorst bisher 13 Feiern absagen, beziehungsweise verschieben. Wobei das Verschieben gar nicht so einfach ist, denn auch im Jahr 2021 ist der Hof Frien an den Wochenenden ausgebucht. „Wir müssen den Paaren Sonntage und Wochentage anbieten“, erklärt er. Seit Tagen befasst er sich mit nichts anderem, beruhigt aufgelöste Bräute, plant und koordiniert. „Wir sprechen uns mit allen Dienstleistern ab, das klappt sehr gut, alle ziehen an einem Strang.“ Zu den Dienstleistern neben Fotografen, DJs, Musikern, Konditoren und Floristen gehört auch Kristina Krug, die unter ihrem Label „Hochzeitsglück“ für Dekoration rund um die Feier sorgt. Die Mindenerin betreut im Jahr etwa 40 Feiern. Der Corona-Krise sind bisher zwei Termine zum Opfer gefallen. „Die werden aber nachgeholt.“ Die Branche stünde Kopf, alles sei durcheinander und müsse bei großer Planungsunsicherheit trotzdem koordiniert werden. In der Krise beherzigt sie einen Leitsatz: „Es kommt nicht darauf an, wann du heiratest, sondern wen du heiratest.“ Wie schlimm die Situation für die Hochzeitsbranche ist, weiß auch Olga Geist. Mit „Wunschwerk7“ sorgt auch sie für Deko und Floristik rund um die Hochzeit und ist mit vielen anderen Dienstleistern vernetzt. „Es wird zu vielen Dienstausfällen kommen“, prognostiziert sie. Sie selbst und ihre Partnerin betreiben ihr Gewerbe nebenberuflich als Hobby und sind deshalb von abgesagten Feiern wirtschaftlich nicht so hart getroffen. Olga Geist vermutet, dass sich die Hochzeitssaison in den Herbst und Winter verschieben wird. „Viele Blogger im Netz versuchen schon Winterhochzeiten schmackhaft zu machen“, hat sie beobachtet. Von Verschiebungen und Absagen ist auch Philipp Pudenz als Geschäftsführer vom Hotel Bad Minden und Cateringservice „Essence“ betroffen. Etwa 70 Hochzeiten richtet er im Jahr aus, 15 Feiern sind bereits abgesagt oder verschoben – viele davon ins nächste Jahr. Er fragt sich, wer den Bedarf dann decken kann. Die Gastronomie müsse dann das doppelte Geschäft in einem einzigen Jahr umsetzen. Überhaupt kämen auf die Branche sehr unsichere Zeiten zu. Umso positiver bewertet er seine Beobachtungen, dass die Gastronomen an einem Strang ziehen würden. Und auch um die Brautpaare würde man sich kümmern. „Wir tun alles, um denen in in dieser schwierigen Zeit zu helfen.“ Trotz aller Turbulenzen rund um die Hochzeit haben Nadine Müller und ihr Mann die Lust aufs Heiraten noch nicht verloren. „Im Nachhinein werden wir wahrscheinlich darüber lachen“, meint die Braut. Und auch an ein schlechtes Omen für ihre Ehe glaubt sie nicht. „Es gibt weitaus schlimmere Dinge, die einem passieren können.“