Minden

Große finanzielle Probleme: Die Messe-Branche ist komplett lahmgelegt

Henning Wandel

Eine große Leere bestimmt im Moment das Messe-Geschäft. Veranstalter von Gewerbe-Ausstellungen waren schon unmittelbar zu Beginn der Krise von deren Auswirkungen betroffen. MT-Archivfoto: Patrick Schwemling - © Patrick Schwemling
Eine große Leere bestimmt im Moment das Messe-Geschäft. Veranstalter von Gewerbe-Ausstellungen waren schon unmittelbar zu Beginn der Krise von deren Auswirkungen betroffen. MT-Archivfoto: Patrick Schwemling (© Patrick Schwemling)

Minden. Gerade einmal drei Wochen ist es her, als die Messe „Haus und Energie“ kurz vor der geplanten Eröffnung doch noch abgesagt wurde. Oder besser: untersagt. Aus heutiger Sicht erscheint es kaum noch vorstellbar, dass Veranstalter Rainer Timpe die Messe gerne durchgezogen hätte – doch die Welt hat sich seit dem 12. März dramatisch verändert. Inzwischen liegt die Messe-Branche komplett am Boden, auch die zunächst verschobene Hannover-Messe ist für dieses Jahr komplett abgesagt. Der Bundesverband der Messewirtschaft Auma schätzt die durch Absagen und Verschiebungen entstandenen Kosten auf etwa drei Milliarden Euro.

Für Messe-Veranstalter wie Rainer Timpe bedeutet die Corona-Krise große finanzielle Probleme, dasselbe gilt für Messebauer und Aussteller. Den Sofortzuschuss in Höhe von 12.000 Euro habe er bereits beantragt, sagt der Hamelner Unternehmer Timpe, doch damit könne er seine Mitarbeiter nicht mehrere Monate lang finanzieren, sagt er laut einer schriftlichen Stellungnahme. Für die Festangestellten habe er daher Kurzarbeit beantragt, doch wann das Geld ausgezahlt werde, sei unklar. Schließlich werde die Bundesagentur für Arbeit regelrecht überflutet. „Ich kann meine Leute ja nicht im Regen stehen lassen“, so Timpe. Außerdem ist er auf ein eingespieltes Team angewiesen, sobald die Auflagen gelockert und Messen wieder möglich sind. Neben zwei Baumessen in Minden und Hameln veranstaltet Timpe nach eigenen Aussagen noch mindestens sechs Gartenmessen als Landpartien. Den finanziellen Ausfall werde ihm weder die Bundesregierung noch das Land Niedersachsen ersetzen.

Vor diesem Hintergrund wird klar, warum Rainer Timpe Anfang März lange an einer Eröffnung der Messe auf Kanzlers Weide festgehalten hat, obwohl auch einige Aussteller der Druck erhöht und auf eine Absage gedrängt hatten. „Vier Tage vor Messebeginn am 13. März hatten wir noch eine schriftliche Genehmigung der Messe auf Kanzlers Weide von der Stadt Minden erhalten“, so Timpe. Zwei Tage später habe das Ordnungsamt dann auf telefonische Nachfrage mitgeteilt, dass diese Genehmigung entzogen worden sei. Mit einem Eilantrag dagegen vor dem Verwaltungsgericht Minden ist Timpe gescheitert.

Die Stadt verweist auf Nachfrage auf die dynamische Entwicklung in diesen März-Tagen. Deutlich wird das bei einem Blick auf den zeitlichen Ablauf: Nachdem der Veranstalter auf einen entsprechenden Erlass des NRW-Gesundheitsministeriums am Dienstag vor der Messe eine Begrenzung der Besucherzahl und weitere hygienische Maßnahmen vorgestellt hatte, sah das Gesundheitsamt am Mittwoch dennoch gewichtige Gründe, die gegen eine Genehmigung sprächen. Am Abend ist dann nach Angaben der Stadt die Messe telefonisch untersagt worden. Schriftlich aber lag die Verfügung erst am Donnerstagmittag vor – einen Tag vor der geplanten Eröffnung. Rainer Timpe zieht eine entsprechend bittere Bilanz: „Das Messegeschäft ist derzeit bis auf Weiteres nicht mehr durchführbar,“ sagt er.

Wie sein Unternehmen die Krise finanziell übersteht, ist offen. Natürlich könne er das Angebot des Bundes annehmen, bei seiner Hausbank einen Kredit zu beantragen, für den der Bund zu 90 Prozent bürge. Ob aber seine Hausbank das Risiko für die restlichen 10 Prozent angesichts der ungewissen Zukunft seiner Messeveranstaltungen tragen werde, wisse er noch nicht. „Um Unternehmen wie dieses durch die Krise zu bringen, muss der Bund unbedingt noch nachbessern“, fordert der Messeveranstalter. „Sonst müssen ich und andere vergleichbare Veranstalter ihre Unternehmen dichtmachen.“

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MindenGroße finanzielle Probleme: Die Messe-Branche ist komplett lahmgelegtHenning WandelMinden. Gerade einmal drei Wochen ist es her, als die Messe „Haus und Energie“ kurz vor der geplanten Eröffnung doch noch abgesagt wurde. Oder besser: untersagt. Aus heutiger Sicht erscheint es kaum noch vorstellbar, dass Veranstalter Rainer Timpe die Messe gerne durchgezogen hätte – doch die Welt hat sich seit dem 12. März dramatisch verändert. Inzwischen liegt die Messe-Branche komplett am Boden, auch die zunächst verschobene Hannover-Messe ist für dieses Jahr komplett abgesagt. Der Bundesverband der Messewirtschaft Auma schätzt die durch Absagen und Verschiebungen entstandenen Kosten auf etwa drei Milliarden Euro. Für Messe-Veranstalter wie Rainer Timpe bedeutet die Corona-Krise große finanzielle Probleme, dasselbe gilt für Messebauer und Aussteller. Den Sofortzuschuss in Höhe von 12.000 Euro habe er bereits beantragt, sagt der Hamelner Unternehmer Timpe, doch damit könne er seine Mitarbeiter nicht mehrere Monate lang finanzieren, sagt er laut einer schriftlichen Stellungnahme. Für die Festangestellten habe er daher Kurzarbeit beantragt, doch wann das Geld ausgezahlt werde, sei unklar. Schließlich werde die Bundesagentur für Arbeit regelrecht überflutet. „Ich kann meine Leute ja nicht im Regen stehen lassen“, so Timpe. Außerdem ist er auf ein eingespieltes Team angewiesen, sobald die Auflagen gelockert und Messen wieder möglich sind. Neben zwei Baumessen in Minden und Hameln veranstaltet Timpe nach eigenen Aussagen noch mindestens sechs Gartenmessen als Landpartien. Den finanziellen Ausfall werde ihm weder die Bundesregierung noch das Land Niedersachsen ersetzen. Vor diesem Hintergrund wird klar, warum Rainer Timpe Anfang März lange an einer Eröffnung der Messe auf Kanzlers Weide festgehalten hat, obwohl auch einige Aussteller der Druck erhöht und auf eine Absage gedrängt hatten. „Vier Tage vor Messebeginn am 13. März hatten wir noch eine schriftliche Genehmigung der Messe auf Kanzlers Weide von der Stadt Minden erhalten“, so Timpe. Zwei Tage später habe das Ordnungsamt dann auf telefonische Nachfrage mitgeteilt, dass diese Genehmigung entzogen worden sei. Mit einem Eilantrag dagegen vor dem Verwaltungsgericht Minden ist Timpe gescheitert. Die Stadt verweist auf Nachfrage auf die dynamische Entwicklung in diesen März-Tagen. Deutlich wird das bei einem Blick auf den zeitlichen Ablauf: Nachdem der Veranstalter auf einen entsprechenden Erlass des NRW-Gesundheitsministeriums am Dienstag vor der Messe eine Begrenzung der Besucherzahl und weitere hygienische Maßnahmen vorgestellt hatte, sah das Gesundheitsamt am Mittwoch dennoch gewichtige Gründe, die gegen eine Genehmigung sprächen. Am Abend ist dann nach Angaben der Stadt die Messe telefonisch untersagt worden. Schriftlich aber lag die Verfügung erst am Donnerstagmittag vor – einen Tag vor der geplanten Eröffnung. Rainer Timpe zieht eine entsprechend bittere Bilanz: „Das Messegeschäft ist derzeit bis auf Weiteres nicht mehr durchführbar,“ sagt er. Wie sein Unternehmen die Krise finanziell übersteht, ist offen. Natürlich könne er das Angebot des Bundes annehmen, bei seiner Hausbank einen Kredit zu beantragen, für den der Bund zu 90 Prozent bürge. Ob aber seine Hausbank das Risiko für die restlichen 10 Prozent angesichts der ungewissen Zukunft seiner Messeveranstaltungen tragen werde, wisse er noch nicht. „Um Unternehmen wie dieses durch die Krise zu bringen, muss der Bund unbedingt noch nachbessern“, fordert der Messeveranstalter. „Sonst müssen ich und andere vergleichbare Veranstalter ihre Unternehmen dichtmachen.“