2.000 Firmen in den Kreisen Minden-Lübbecke und Herford in Kurzarbeit

Jürgen Langenkämper

Rund 2.000 Firmen in den Kreisen Herford und Minden-Lübbecke beabsichtigen aufgrund der Corona-Krise Kurzarbeit zu machen. Foto: Jens Kalaene/dpa - © (c) dpa-Zentralbild
Rund 2.000 Firmen in den Kreisen Herford und Minden-Lübbecke beabsichtigen aufgrund der Corona-Krise Kurzarbeit zu machen. Foto: Jens Kalaene/dpa (© (c) dpa-Zentralbild)

Minden/Lübbecke. Rund 2.000 Firmen in den Kreisen Herford und Minden-Lübbecke beabsichtigen aufgrund der Corona-Krise Kurzarbeit zu machen. So viele Betriebe haben bis Ende März bei der Agentur für Arbeit angezeigt, ihre Beschäftigten zumindest teilweise kurzarbeiten zu lassen.

Diese in der Tendenz nicht unerwartete Nachricht rückte die aktuellen Arbeitsmarktzahlen in den Hintergrund. „Im März ist die Arbeitslosigkeit im Kreis Minden-Lübbecke leicht gesunken", verkündete die Leiterin der Agentur für Arbeit in Herford, Frauke Schwietert. Der Bestand sank im März gegenüber Februar um fünf von 8.780 Arbeitslose im Kreis Minden-Lübbecke bzw. um 54 auf 16.164 im gesamten Agenturbezirk. Dafür gab es eine logische Erklärung: „Der Stichtag für unsere Arbeitslosenzahlen liegt nicht am Ende des jeweiligen Monats. Vielmehr liegt er um die Monatsmitte", so Schwietert. „In diesem Fall war es der 12. März. Die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie traten erst einige Tage später in Kraft. Somit spiegelt die aktuelle Statistik auch nicht die Entwicklung des Marktes im Rahmen dieser Krise wider."

Üblicherweise liegen verlässliche Angaben zu Kurzarbeit erst nach ein paar Monaten vor. Die Statistik habe den Nachteil, dass sie um Monate hinterherhinke, sagt Janine Billerbeck, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit in Bielefeld, die für ganz Ostwestfalen-Lippe und die Agenturbezirke Soest und Meschede zuständig ist. „Bei den jetzt vorliegenden Zahlen handelt es sich um eine grobe Schätzung, runtergerechnet auf den Agenturbezirk Herford."

Die Agentursprecherin rechnet damit, dass „die größte Welle jetzt gekommen" ist. Zum Vergleich: In der Finanzkrise 2009 hätten 1.315 Betriebe in den beiden Kreisen Herford und Minden-Lübbecke Kurzarbeit angezeigt.

Der konkrete Umfang der Kurzarbeit und die Zahl der betroffenen Mitarbeiter lassen sich derzeit selbst für die Agenturmitarbeiter nicht abschätzen. „Während 2009 viele Großbetriebe mit hohen Mitarbeiterzahlen betroffen waren, haben jetzt auch sehr viele Kleinstbetriebe Anträge gestellt", sagte Billerbeck. Betroffen sind durch die Ausgangs- und Öffnungsbeschränkungen zur Bekämpfung der Pandemie auch die Gastronomie, Hotellerie und Teile des Einzelhandels.

Zur Bearbeitung der eingehenden Anträge sei „das Team extrem aufgestockt" worden, so die Sprecherin weiter. „Die Kapazitäten wurden verfünffacht." An den Standorten in Herford und Soest werden die Anträge auf Kurzarbeitergeld aus der gesamten Region zwischen Minden und Arnsberg bearbeitet.

 

Die ohnehin kaum spürbare Frühjahrsbelebung – Folge der schwachen Konjunktur und von Produktionsausfällen in China – vergrößert im Mühlenkreis den Anstieg der Arbeitslosenzahl gegenüber dem Vorjahr von 9,3 Prozent im Februar auf 11,6 Prozent. Die Arbeitslosenquote betrug im März 5,2 Prozent. Vor einem Jahr lag sie mit 4,7 Prozent deutlich niedriger.

Zum Stichtag gab es 1.690 offene Stellen. Das waren 511 weniger als vor einem Jahr (minus 23,2 Prozent).

Erste Aussagen zu den Einflüssen der Corona-Pandemie auf die Arbeitslosigkeit ließen sich frühestens Ende April treffen, blickte Frauke Schwietert voraus.

Kommentar: Erwartete Welle

Schon jetzt ist für jeden mit nur etwas Verstand klar: Corona sprengt alle bekannten Dimensionen. Dass 2.000 Betriebe rund um Minden, Herford und Lübbecke aufgrund der plötzlich herein gebrochenen Krise und der erforderlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie wirtschaftliche Einbußen erleiden oder zumindest erwarten, überrascht kaum. Das war die erwartete Welle. Gut, dass diese Betriebe zum Mittel der Kurzarbeit greifen und frühzeitig Unterstützungsbedarf erkennen und auch Hilfen beantragen, statt Mitarbeiter zu entlassen.

Wie viele Betriebe es nicht getan haben, werden wir spätestens am Ende des Monats wissen, wenn die nächste Monatsstatistik vorgelegt wird, auch diese dann wieder veraltet, weil mit Bezug auf einen Stichtag um Ostern herum.

Aber nicht auf jede statistische Spitzfindigkeit und selbst auch nicht eine angebliche Topaktualität kommt es in Zeiten wie diesen an. Die Handelnden und die Entscheider dürfen hinter den Zahlen nicht die menschlichen Belange der Betroffenen vergessen. Bislang geben sie sich große Mühe.

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2.000 Firmen in den Kreisen Minden-Lübbecke und Herford in KurzarbeitJürgen LangenkämperMinden/Lübbecke. Rund 2.000 Firmen in den Kreisen Herford und Minden-Lübbecke beabsichtigen aufgrund der Corona-Krise Kurzarbeit zu machen. So viele Betriebe haben bis Ende März bei der Agentur für Arbeit angezeigt, ihre Beschäftigten zumindest teilweise kurzarbeiten zu lassen. Diese in der Tendenz nicht unerwartete Nachricht rückte die aktuellen Arbeitsmarktzahlen in den Hintergrund. „Im März ist die Arbeitslosigkeit im Kreis Minden-Lübbecke leicht gesunken", verkündete die Leiterin der Agentur für Arbeit in Herford, Frauke Schwietert. Der Bestand sank im März gegenüber Februar um fünf von 8.780 Arbeitslose im Kreis Minden-Lübbecke bzw. um 54 auf 16.164 im gesamten Agenturbezirk. Dafür gab es eine logische Erklärung: „Der Stichtag für unsere Arbeitslosenzahlen liegt nicht am Ende des jeweiligen Monats. Vielmehr liegt er um die Monatsmitte", so Schwietert. „In diesem Fall war es der 12. März. Die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie traten erst einige Tage später in Kraft. Somit spiegelt die aktuelle Statistik auch nicht die Entwicklung des Marktes im Rahmen dieser Krise wider." Üblicherweise liegen verlässliche Angaben zu Kurzarbeit erst nach ein paar Monaten vor. Die Statistik habe den Nachteil, dass sie um Monate hinterherhinke, sagt Janine Billerbeck, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit in Bielefeld, die für ganz Ostwestfalen-Lippe und die Agenturbezirke Soest und Meschede zuständig ist. „Bei den jetzt vorliegenden Zahlen handelt es sich um eine grobe Schätzung, runtergerechnet auf den Agenturbezirk Herford." Die Agentursprecherin rechnet damit, dass „die größte Welle jetzt gekommen" ist. Zum Vergleich: In der Finanzkrise 2009 hätten 1.315 Betriebe in den beiden Kreisen Herford und Minden-Lübbecke Kurzarbeit angezeigt. Der konkrete Umfang der Kurzarbeit und die Zahl der betroffenen Mitarbeiter lassen sich derzeit selbst für die Agenturmitarbeiter nicht abschätzen. „Während 2009 viele Großbetriebe mit hohen Mitarbeiterzahlen betroffen waren, haben jetzt auch sehr viele Kleinstbetriebe Anträge gestellt", sagte Billerbeck. Betroffen sind durch die Ausgangs- und Öffnungsbeschränkungen zur Bekämpfung der Pandemie auch die Gastronomie, Hotellerie und Teile des Einzelhandels. Zur Bearbeitung der eingehenden Anträge sei „das Team extrem aufgestockt" worden, so die Sprecherin weiter. „Die Kapazitäten wurden verfünffacht." An den Standorten in Herford und Soest werden die Anträge auf Kurzarbeitergeld aus der gesamten Region zwischen Minden und Arnsberg bearbeitet.   Die ohnehin kaum spürbare Frühjahrsbelebung – Folge der schwachen Konjunktur und von Produktionsausfällen in China – vergrößert im Mühlenkreis den Anstieg der Arbeitslosenzahl gegenüber dem Vorjahr von 9,3 Prozent im Februar auf 11,6 Prozent. Die Arbeitslosenquote betrug im März 5,2 Prozent. Vor einem Jahr lag sie mit 4,7 Prozent deutlich niedriger. Zum Stichtag gab es 1.690 offene Stellen. Das waren 511 weniger als vor einem Jahr (minus 23,2 Prozent). Erste Aussagen zu den Einflüssen der Corona-Pandemie auf die Arbeitslosigkeit ließen sich frühestens Ende April treffen, blickte Frauke Schwietert voraus. Kommentar: Erwartete Welle Schon jetzt ist für jeden mit nur etwas Verstand klar: Corona sprengt alle bekannten Dimensionen. Dass 2.000 Betriebe rund um Minden, Herford und Lübbecke aufgrund der plötzlich herein gebrochenen Krise und der erforderlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie wirtschaftliche Einbußen erleiden oder zumindest erwarten, überrascht kaum. Das war die erwartete Welle. Gut, dass diese Betriebe zum Mittel der Kurzarbeit greifen und frühzeitig Unterstützungsbedarf erkennen und auch Hilfen beantragen, statt Mitarbeiter zu entlassen. Wie viele Betriebe es nicht getan haben, werden wir spätestens am Ende des Monats wissen, wenn die nächste Monatsstatistik vorgelegt wird, auch diese dann wieder veraltet, weil mit Bezug auf einen Stichtag um Ostern herum. Aber nicht auf jede statistische Spitzfindigkeit und selbst auch nicht eine angebliche Topaktualität kommt es in Zeiten wie diesen an. Die Handelnden und die Entscheider dürfen hinter den Zahlen nicht die menschlichen Belange der Betroffenen vergessen. Bislang geben sie sich große Mühe.