Minden

Am Mindener Bahnhof herrscht Leere, aber ein Wachdienst kommt vorbei

Stefan Koch

Gelegentlich rast ein Güterzug durch den Mindener Bahnhof und wirbelt Staub auf. Ansonsten bleibt es ruhig an den Gleisen. MT- - © Foto: Stefan Koch
Gelegentlich rast ein Güterzug durch den Mindener Bahnhof und wirbelt Staub auf. Ansonsten bleibt es ruhig an den Gleisen. MT- (© Foto: Stefan Koch)

Minden. Mehr als ein Drittel der sonst von Berufspendlern komplett belegten Parkplätze an der Bahnstraße ist frei. Wo früher Gruppen an Gleis 13 standen, halten sich jetzt nur wenige auf. Und im schmutzigen Wartesaal rücken die Reisenden auf ihren Bänken weit voneinander ab. Nur noch die Bäckereifiliale ist dort über eine Lücke in der Vollverglasung zu erreichen – die restlichen Geschäfte sind schon lange dicht.

Doch manchmal es gibt ungewohntes Leben am Mindener Bahnhof. „Seit Tagen beobachte ich ein Fahrzeug der Firma GS Sicherheitsdienst aus Osnabrück“, berichtete ein Zeuge aus der Fischerstadt. „In dem SUV sitzen zwei bis drei Männer rauchend bei laufendem Motor und herunter gekurbelten Seitenscheiben.“ Nun fragt er sich, welche Bewandtnis es mit diesem mysteriösen Besuch auf dem sonst ziemlich menschenleeren Bahnhof haben könnte. Und einem Angestellten der Deutschen Bahn teilte der Fischerstädter mit, dass die Sicherheitskräfte in ihrem Standby-Modus auch den Motor ihres Wagens abstellen könnten. Was vorübergehend dann auch geschehen war.

Wie ein Bahnsprecher aus Düsseldorf erklärt, dient der derzeit in Minden zu beobachtende Wachdienst der Baustellensicherung und habe mit Sicherheitsproblemen in Verbindung mit der Coronakrise nichts zu tun. „Dies ist keine ungewöhnliche Maßnahme und wird von uns an vielen anderen Bahnhöfen durchgeführt, wo Bauarbeiten laufen.“

Derzeit hat das mit den Arbeiten an den Bahnsteigen beauftragte Unternehmen vor dem Eingangsportal des Hauptgebäudes einen Lagerplatz für Baumaterialien eingerichtet. Bis in den Herbst sollen die Arbeiten dauern. Sie begannen vor mehr als einem Jahr und ziehen sich deshalb in die Länge, weil Höhenanpassung und Sanierung der Bahnsteige auf den gleichzeitig laufenden Fahrbetrieb abgestimmt werden mussten. Doch der ist nun reduziert, denn die Bahngesellschaften haben wegen der Coronakrise Sonderfahrpläne eingerichtet. Sie gelten vorerst bis zum 19. April.

So fährt unter anderem der Porta-Express der Eurobahn nicht mehr von Minden nach Nienburg. Im Internet teilt das Unternehmen mit, dass die Leistungen um die Hälfte reduziert sind.

Auf MT-Anfrage erklärt die Westfalenbahn mit, dass sie im Zeitraum des Sonderfahrplans rund 70.000 Zugkilometer weniger im Mittellandnetz fahre. Es fallen damit unter anderem alle Verstärkerzüge zwischen Minden und Hannover aus und es gibt weitere Einschränkungen zwischen Hannover und Braunschweig. Zusätzlich zur nächtlichen Reinigung desinfiziert das Unternehmen zum Schutz des Personals und der Fahrgäste Haltetaster, Handgriffe, Sitz- und Tischoberflächen sowie andere Teile des Zuginneren. Außerdem führen die Kundenbetreuer Fahrkartenkontrollen nur noch auf Sicht durch.

Auch die Deutsche Bahn weist im Internet auf ihre Schutzmaßnahmen in der Coronakrise hin. Mit dem seit anderthalb Wochen geltenden Sonderfahrplan hat das Unternehmen ebenfalls in Nordrhein-Westfalen seien Leistungen auf die Hälfte reduziert. Eigenes Personal ist zudem von Krankheitsfällen und Quarantäne betroffen.

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MindenAm Mindener Bahnhof herrscht Leere, aber ein Wachdienst kommt vorbeiStefan KochMinden. Mehr als ein Drittel der sonst von Berufspendlern komplett belegten Parkplätze an der Bahnstraße ist frei. Wo früher Gruppen an Gleis 13 standen, halten sich jetzt nur wenige auf. Und im schmutzigen Wartesaal rücken die Reisenden auf ihren Bänken weit voneinander ab. Nur noch die Bäckereifiliale ist dort über eine Lücke in der Vollverglasung zu erreichen – die restlichen Geschäfte sind schon lange dicht. Doch manchmal es gibt ungewohntes Leben am Mindener Bahnhof. „Seit Tagen beobachte ich ein Fahrzeug der Firma GS Sicherheitsdienst aus Osnabrück“, berichtete ein Zeuge aus der Fischerstadt. „In dem SUV sitzen zwei bis drei Männer rauchend bei laufendem Motor und herunter gekurbelten Seitenscheiben.“ Nun fragt er sich, welche Bewandtnis es mit diesem mysteriösen Besuch auf dem sonst ziemlich menschenleeren Bahnhof haben könnte. Und einem Angestellten der Deutschen Bahn teilte der Fischerstädter mit, dass die Sicherheitskräfte in ihrem Standby-Modus auch den Motor ihres Wagens abstellen könnten. Was vorübergehend dann auch geschehen war. Wie ein Bahnsprecher aus Düsseldorf erklärt, dient der derzeit in Minden zu beobachtende Wachdienst der Baustellensicherung und habe mit Sicherheitsproblemen in Verbindung mit der Coronakrise nichts zu tun. „Dies ist keine ungewöhnliche Maßnahme und wird von uns an vielen anderen Bahnhöfen durchgeführt, wo Bauarbeiten laufen.“ Derzeit hat das mit den Arbeiten an den Bahnsteigen beauftragte Unternehmen vor dem Eingangsportal des Hauptgebäudes einen Lagerplatz für Baumaterialien eingerichtet. Bis in den Herbst sollen die Arbeiten dauern. Sie begannen vor mehr als einem Jahr und ziehen sich deshalb in die Länge, weil Höhenanpassung und Sanierung der Bahnsteige auf den gleichzeitig laufenden Fahrbetrieb abgestimmt werden mussten. Doch der ist nun reduziert, denn die Bahngesellschaften haben wegen der Coronakrise Sonderfahrpläne eingerichtet. Sie gelten vorerst bis zum 19. April. So fährt unter anderem der Porta-Express der Eurobahn nicht mehr von Minden nach Nienburg. Im Internet teilt das Unternehmen mit, dass die Leistungen um die Hälfte reduziert sind. Auf MT-Anfrage erklärt die Westfalenbahn mit, dass sie im Zeitraum des Sonderfahrplans rund 70.000 Zugkilometer weniger im Mittellandnetz fahre. Es fallen damit unter anderem alle Verstärkerzüge zwischen Minden und Hannover aus und es gibt weitere Einschränkungen zwischen Hannover und Braunschweig. Zusätzlich zur nächtlichen Reinigung desinfiziert das Unternehmen zum Schutz des Personals und der Fahrgäste Haltetaster, Handgriffe, Sitz- und Tischoberflächen sowie andere Teile des Zuginneren. Außerdem führen die Kundenbetreuer Fahrkartenkontrollen nur noch auf Sicht durch. Auch die Deutsche Bahn weist im Internet auf ihre Schutzmaßnahmen in der Coronakrise hin. Mit dem seit anderthalb Wochen geltenden Sonderfahrplan hat das Unternehmen ebenfalls in Nordrhein-Westfalen seien Leistungen auf die Hälfte reduziert. Eigenes Personal ist zudem von Krankheitsfällen und Quarantäne betroffen.