Minden

Die letzte Bastion: Während alles andere schließt, bleiben die Baumärkte geöffnet

Julika Bergermann

Gartenwerkzeug, Spaten und Gabeln in einem Baumarkt – in den aktuellen Frühlingstagen begehrte Utensilienb für die Gartenarbeit. Die Baumärkte sind noch geöffnet und haben Hochkonjunktur. - © www.imago-images.de
Gartenwerkzeug, Spaten und Gabeln in einem Baumarkt – in den aktuellen Frühlingstagen begehrte Utensilienb für die Gartenarbeit. Die Baumärkte sind noch geöffnet und haben Hochkonjunktur. (© www.imago-images.de)

Minden. Die meisten Läden haben dieser Tage längst geschlossen, doch sie sind weiterhin geöffnet: Baumärkte. In den meisten Bundesländern sind sie nicht nur für Gewerbetreibende, sondern auch für Privatpersonen weiter zugänglich – so auch in Nordrhein-Westfalen. Und zumindest in Minden wird das Angebot eifrig genutzt. Aber warum eigentlich?

Das fragt sich zumindest Michael P., der seinen Augen kaum trauen mag. „Es ist unfassbar, wie viel da drinnen gerade los ist", sagt er und deutet auf den Obi-Baumarkt, den er gerade verlassen hat. „Und es sind vor allem alte Leute, die dort einkaufen. Blumen zum Beispiel." Er schüttelt verständnislos den Kopf. „Die kaufen sie wohl für ihr eigenes Begräbnis."

Auf den Parkplätzen der Mindener Baumärkte herrscht an diesem Mittag tatsächlich reges Treiben. Es ist kein Problem, eine Parklücke zu finden, aber ununterbrochen eilen Kunden zum Markteingang oder kommen mit bepackten Einkaufswagen heraus. Michael P. hat seinen Aufenthalt im Gebäude kurz gehalten. „Ich bin gerade in der Mittagspause und hab mir nur rasch was vom Bäcker geholt", erzählt er und wedelt mit einer Brötchentüte. „Aber generell finde ich, dass die Baumärkte nur noch für Gewerbetreibende geöffnet bleiben sollten. Für Privatkunden sollten sie geschlossen werden. Das ist meine Meinung."

Ähnlich sieht das auch ein anderer Arbeitnehmer, der ebenfalls beim Bäcker am Baumarkt Brötchen für die Pause kauft. „Alles andere hat doch schon dicht", findet er. „Und einen Schraubendreher braucht man glaub ich nicht zum Überleben."

Doch es gibt auch Kunden, die heilfroh über den geöffneten Baumarkt sind. Michael H. zum Beispiel, der dringend Motoröl für sein Auto braucht: „Sonst komme ich morgen nicht nach Herford zur Arbeit." Oder die Frau, deren Zündkerze für den Rasenmäher gerade kaputt gegangen ist. Sie arbeite im Service, könne dieser Tätigkeit wegen Corona derzeit aber nicht nachgehen. „Ich will nicht die ganze Zeit drinnen den Frühjahrsputz machen, bei dem schönen Wetter", sagt sie. Und dann ist da noch Stephan K., der Kabel und weiteres Material holt, um im Betrieb die Distanz zwischen den Arbeitsplätzen zu vergrößern. „Ein Teil unserer Mitarbeiter ist schon im Homeoffice", erzählt der Software-Entwickler. „Aber die Sicherheit der Mitarbeiter im Büro muss natürlich auch gewährleistet sein." Etwas beschämt deutet er auf ein wenig Blumenerde im Einkaufswagen: „Den Privateinkauf habe ich direkt mit erledigt", erklärt er.

Die Mindener Baumärkte unternehmen derweil einiges, um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter und Kunden sicherzustellen. Bei Obi und Toom wird das Personal beispielsweise mittels Plexiglasscheiben weitgehend von den Kunden abgeschirmt. In den Eingangsbereichen sind beiderorts Angestellte postiert, die die Eintretenden zählen – und darauf achten, dass sich nicht zu viele Personen gleichzeitig im Markt aufhalten. Mitarbeiter und Schilder weisen die Kunden auf die Abstandsregelungen hin. Wie Obi-Pressesprecherin Elena Ottaviano mitteilt, finden Beratungsgespräche vor Ort nicht mehr statt – die Kunden können stattdessen auf eine App zurückgreifen.

Was aber sagen die Baumärkte zu dem Vorschlag, ihre Filialen für Privatkunden zu schließen? In etwa dasselbe. „Wir richten uns nach den jeweiligen Regelungen der einzelnen Bundesländer", erklärt Toom-Pressesprecherin Daniela Rissinger. Und auch Ottaviano verweist lediglich auf die Vorgaben der Bundesländer und die Empfehlungen der Bundesregierung.

Auf ihren Internetseiten veröffentlichen Obi und Toom ihrerseits Empfehlungen und Regeln für ihre Kunden. Möglichst mit EC-Karte zahlen, steht dort, am besten allein einkaufen gehen oder auch: Den Einkauf auf das Nötigste beschränken. Auf dem Parkplatz steuert derweil die nächste Kundin mit einem Einkaufswagen voller Blumenerde auf ihr Auto zu.

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MindenDie letzte Bastion: Während alles andere schließt, bleiben die Baumärkte geöffnetJulika BergermannMinden. Die meisten Läden haben dieser Tage längst geschlossen, doch sie sind weiterhin geöffnet: Baumärkte. In den meisten Bundesländern sind sie nicht nur für Gewerbetreibende, sondern auch für Privatpersonen weiter zugänglich – so auch in Nordrhein-Westfalen. Und zumindest in Minden wird das Angebot eifrig genutzt. Aber warum eigentlich? Das fragt sich zumindest Michael P., der seinen Augen kaum trauen mag. „Es ist unfassbar, wie viel da drinnen gerade los ist", sagt er und deutet auf den Obi-Baumarkt, den er gerade verlassen hat. „Und es sind vor allem alte Leute, die dort einkaufen. Blumen zum Beispiel." Er schüttelt verständnislos den Kopf. „Die kaufen sie wohl für ihr eigenes Begräbnis." Auf den Parkplätzen der Mindener Baumärkte herrscht an diesem Mittag tatsächlich reges Treiben. Es ist kein Problem, eine Parklücke zu finden, aber ununterbrochen eilen Kunden zum Markteingang oder kommen mit bepackten Einkaufswagen heraus. Michael P. hat seinen Aufenthalt im Gebäude kurz gehalten. „Ich bin gerade in der Mittagspause und hab mir nur rasch was vom Bäcker geholt", erzählt er und wedelt mit einer Brötchentüte. „Aber generell finde ich, dass die Baumärkte nur noch für Gewerbetreibende geöffnet bleiben sollten. Für Privatkunden sollten sie geschlossen werden. Das ist meine Meinung." Ähnlich sieht das auch ein anderer Arbeitnehmer, der ebenfalls beim Bäcker am Baumarkt Brötchen für die Pause kauft. „Alles andere hat doch schon dicht", findet er. „Und einen Schraubendreher braucht man glaub ich nicht zum Überleben." Doch es gibt auch Kunden, die heilfroh über den geöffneten Baumarkt sind. Michael H. zum Beispiel, der dringend Motoröl für sein Auto braucht: „Sonst komme ich morgen nicht nach Herford zur Arbeit." Oder die Frau, deren Zündkerze für den Rasenmäher gerade kaputt gegangen ist. Sie arbeite im Service, könne dieser Tätigkeit wegen Corona derzeit aber nicht nachgehen. „Ich will nicht die ganze Zeit drinnen den Frühjahrsputz machen, bei dem schönen Wetter", sagt sie. Und dann ist da noch Stephan K., der Kabel und weiteres Material holt, um im Betrieb die Distanz zwischen den Arbeitsplätzen zu vergrößern. „Ein Teil unserer Mitarbeiter ist schon im Homeoffice", erzählt der Software-Entwickler. „Aber die Sicherheit der Mitarbeiter im Büro muss natürlich auch gewährleistet sein." Etwas beschämt deutet er auf ein wenig Blumenerde im Einkaufswagen: „Den Privateinkauf habe ich direkt mit erledigt", erklärt er. Die Mindener Baumärkte unternehmen derweil einiges, um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter und Kunden sicherzustellen. Bei Obi und Toom wird das Personal beispielsweise mittels Plexiglasscheiben weitgehend von den Kunden abgeschirmt. In den Eingangsbereichen sind beiderorts Angestellte postiert, die die Eintretenden zählen – und darauf achten, dass sich nicht zu viele Personen gleichzeitig im Markt aufhalten. Mitarbeiter und Schilder weisen die Kunden auf die Abstandsregelungen hin. Wie Obi-Pressesprecherin Elena Ottaviano mitteilt, finden Beratungsgespräche vor Ort nicht mehr statt – die Kunden können stattdessen auf eine App zurückgreifen. Was aber sagen die Baumärkte zu dem Vorschlag, ihre Filialen für Privatkunden zu schließen? In etwa dasselbe. „Wir richten uns nach den jeweiligen Regelungen der einzelnen Bundesländer", erklärt Toom-Pressesprecherin Daniela Rissinger. Und auch Ottaviano verweist lediglich auf die Vorgaben der Bundesländer und die Empfehlungen der Bundesregierung. Auf ihren Internetseiten veröffentlichen Obi und Toom ihrerseits Empfehlungen und Regeln für ihre Kunden. Möglichst mit EC-Karte zahlen, steht dort, am besten allein einkaufen gehen oder auch: Den Einkauf auf das Nötigste beschränken. Auf dem Parkplatz steuert derweil die nächste Kundin mit einem Einkaufswagen voller Blumenerde auf ihr Auto zu.