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Weltneuheit: Mindener Firma Sitex bringt erste funktionierende Mehrwegmaske auf den Markt

Christine Riechmann

Getestet und als gut befunden: Moritz Schäpsmeier (links), bei Sitex für die Unternehmenskommunikation zuständig, und Geschäftsführer Stephan Richtzenhain präsentieren den textilen Mundschutz. MT- - © Foto: Christine Riechmann
Getestet und als gut befunden: Moritz Schäpsmeier (links), bei Sitex für die Unternehmenskommunikation zuständig, und Geschäftsführer Stephan Richtzenhain präsentieren den textilen Mundschutz. MT- (© Foto: Christine Riechmann)

Minden. Oft entstehen die besten Ideen in der Krise: Dass Schutzbekleidung im Gesundheitswesen und vor allem medizinischer Mund-Nasen-Schutz in der Corona-Pandemie Mangelware werden würde, war Stephan Richtzenhain schnell klar. Und so trieb der Sitex-Geschäftsführer die Entwicklung einer wiederverwertbaren Atemschutzmaske voran. Denn qualitativ hochwertiger Mundschutz würde nicht nur in der Corona-Krise gebraucht, sagt der Sitex-Chef. Ohne Atemschutzmasken könne keine einzige Operation durchgeführt werden.

Binnen weniger Wochen entwickelte der Mindener Textildienstleister eine Hybrid-Gesichtsmaske, die jetzt „als erste funktionierende Mehrwegmaske weltweit auf den Markt kommt“, wie Richtzenhain im MT-Gespräch berichtet.

Dabei sei der Anspruch gewesen, alle Schutzkriterien zu erfüllen und einen Standard bis hin zum OP-Bereich zu erfüllen. Die erste Charge sei gerade von einer der größten Unikliniken Deutschlands bestellt worden. „Wir sind unglaublich froh, in einer solchen Notsituation in dieser kurzen Zeit unseren Kunden in den Krankenhäusern Hilfe zu leisten“, so der Sitex-Chef. Der Aspekt der Wiederverwendbarkeit erhöhe die Nutzenkapazitäten der Masken gegenüber Einwegprodukten deutlich.

Dabei bestand die größte Herausforderung darin, den Mundschutz aus Textil herzustellen. „Die Träger der Maske müssen atmen können, trotzdem dürfen aber keine Keime durch das Material“, erklärt Stephan Richtzenhain die Problematik. Mit einer durch Labortests bestätigten Keimrückhaltung des Filtermaterials von mehr als 99 Prozent erfülle die Sitex Hybrid-Gesichtsmaske die erforderliche Norm. Noch fehlt die Zertifizierung als Medizinprodukt, das sei aber nur der mangelnden Zeit geschuldet. „Dafür bedarf es längerer Prozesse, die aber bereits angestoßen sind“, so Moritz Schäpsmeier, bei Sitex für die Unternehmenskommunikation zuständig.

Bei der Hybrid-Gesichtsmaske handelt es sich um eine kombinatorische Lösung aus textiler Maske und Einlagefilter. „Um jetzt Hilfe zu leisten, müssen wir schnell auf eine große Menge kommen. Darum ist das Design so einfach wie möglich gehalten“, so Schäpsmeier. Die Maske besteht aus 50 Prozent Tencelgewebe und 50 Prozent Polyester. Der Vorteil von Tencel gegenüber Baumwolle bestehe darin, dass es angenehmer und glatter auf der Haut zu tragen sei und viel mehr Flüssigkeit aufnehmen könne. Außerdem sei die Partikellabgabe wesentlich geringer, was gerade im OP-Bereich immens wichtig sei.

Der Einlagefilter besteht aus Micropor und wird von der Firma Wolf PVG aus Spenge, Tochter der Melitta-Group, hergestellt. „Auf der Suche nach einem keimrückhaltenden Filtermaterial sind wir bei Melitta fündig geworden“, berichtet Stephan Richtzenhain und hebt in Sachen schnelle Umsetzung die „OWL-Connection“ hervor.

Entwickelt hat Sitex zwei Prototypen, wobei das Produktdesign die Vorgaben einer der wichtigsten Universitätskliniken Deutschlands für den Einsatz in den Operationsbereichen berücksichtige. Da die Masken im OP über dem Kopfschutz getragen werden, sei es wichtig, dass sie mit Bändern am Hinterkopf verknotet werden können. Der zweite Prototyp wird mit Gummibändern hinterm Ohr befestigt. Richtzenhain rechnet damit, dass die Hybrid-Gesichtsmaske bei dem derzeitigen Bedarf sehr schnell einen Absatz in sechsstelliger Höhe erreichen wird.

Bei aller Freude über die neu entwickelte Maske, sieht Richtzenhain in der jetzigen Situation kritisch, dass den textilen Dienstleistern seitens der Politik bislang die Einstufung als systemrelevanter Versorger verwehrt wurde. „Wir fordern die Politik auf, diesen Zustand zu ändern, damit wir die Versorgungssicherheit weiter gewährleisten können“, so Stephan Richtzenhain. Die Textilservice-Betriebe seien für die Aufrechterhaltung des Gesundheitssystems essenziell und leisten durch ihre ständig überwachten Hygieneprozesse einen entscheidenden Beitrag zur Unterbrechung von Infektionsketten. „Ohne Wäsche kann kein Krankenhaus auch nur einen Tag arbeiten“, so der Sitex-Chef. Es sei davon auszugehen, dass in den kommenden Monaten der Bedarf an desinfizierend aufbereiteten Textilien für Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheimen signifikant steigen werde.

Die Autorin ist erreichbar unter (0571) 882 169 oder Christine.Riechmann@MT.de

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