Minden

Das Ziel bleibt - Mindens Katholische Frauen sagen geplante Aktionen vorerst ab

Monika Jäger

150 Frauen und Männer hatten hatten im Januar mit einer Menschenkette um den Dom für mehr Gleichberechtigung in der Katholischen Kirche demonstriert. MT-Foto: (Archiv) Thomas Lieske - © Lieske Thomas
150 Frauen und Männer hatten hatten im Januar mit einer Menschenkette um den Dom für mehr Gleichberechtigung in der Katholischen Kirche demonstriert. MT-Foto: (Archiv) Thomas Lieske (© Lieske Thomas)

Minden. Protestaktionen, eine Menschenkette um den Dom, weiße Schals in Gottesdiensten: Mindener Katholikinnen wollen nicht mehr still sein, sondern in der Kirche mitreden dürfen. Gemeinsam mit vielen anderen katholischen Frauen fordern sie einen in allen Dingen gleichberechtigten Platz in der katholischen Kirche – eine Haltung, die nicht alle Gläubigen teilen, und schon gar nicht kirchliche Amtsinhaber und Würdenträger.

Und jetzt auch noch „sozial distancing“, die Distanz im Alltag. „Wir haben nun erst einmal alles stillgelegt“, sagt Bettina Vogler, die Sprecherin der aktiven Mindenerinnen. Eigentlich sollte am 4. April ein Stand auf dem Markt vor der Martinikirche sein. Die Frauen hatten sich überlegt, dort mit einer alten Schreibmaschine Aufmerksamkeit zu erregen, unter dem Motto „Legt ein gutes Wort für uns ein“. Die Ergebnisse hätten sie dann rund um ein Purpurkreuz – das ist das bundesweite Symbol der neuen katholischen Frauenbewegung – als Collage sichtbar gemacht. Auch eine Veranstaltung mit dem Autor Stefan Jürgens für Ende April ist abgesagt.

Seit dem Streit um das Fronleichnamsbild im vergangenen Frühsommer – da hatten die Frauen im Dom „Maria 2.0“ als Symbol ihres Aufbruchswillens gelegt und das Bild war ins Harmlose verändert worden – haben sie sich organisiert. Vogler: „Wir haben Gebetsstunden an unterschiedlichen Orten abgehalten, die auch für Leute gedacht waren, die sonst nicht in die Kirche gehen, etwa in einer Kneipe, im Café oder an der Weser.“ Gedacht ist auch ein Frauenkino mit Filmen zu Frauen, die vorangeschritten sind – Maria Magdalena zum Beispiel. „Das ist aber eine langfristige Idee.“

Noch nicht wirklich etabliert habe sich das Tragen des weißen Schals als stille Erinnerung daran, dass auch Frauen ihren Platz vorne in der Kirche fordern. „Man merkt daran, dass manche Hemmungen haben“, so Vogler. „Eine Meinung zu haben, ist eine Sache, das nach außen kenntlich zu machen, was ganz anderes. Und das im Gottesdienst zu tun, ist dann noch mal ein Schritt weiter.“ Auch die Zahl der aktiven Frauen habe sich nicht nennenswert verändert, sagt Vogler in diesem Frühjahr. „Es ist schade, dass die Frauen nicht breit genug aufstehen.“ Das sei auch entmutigend. „Wenn wir keine gemeinsame Solidarität schaffen, erreichen wir gar nichts.“ Die jetzige Gruppe aus Mindenerinnen ist aus verschiedenen Gruppierungen zusammengewachsen. Das, so Vogler, hätten auch die Menschenketten bewirkt. „Das war total schön, auch dass viele evangelische Christen – Männer und Frauen – gekommen sind.“

Wird der aktuelle gesellschaftliche Stillstand auch die Bewegung zum Stillstand bringen? „Nein. Dies ist eine Pause. Aber dann geht es weiter.“

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

MindenDas Ziel bleibt - Mindens Katholische Frauen sagen geplante Aktionen vorerst abMonika JägerMinden. Protestaktionen, eine Menschenkette um den Dom, weiße Schals in Gottesdiensten: Mindener Katholikinnen wollen nicht mehr still sein, sondern in der Kirche mitreden dürfen. Gemeinsam mit vielen anderen katholischen Frauen fordern sie einen in allen Dingen gleichberechtigten Platz in der katholischen Kirche – eine Haltung, die nicht alle Gläubigen teilen, und schon gar nicht kirchliche Amtsinhaber und Würdenträger. Und jetzt auch noch „sozial distancing“, die Distanz im Alltag. „Wir haben nun erst einmal alles stillgelegt“, sagt Bettina Vogler, die Sprecherin der aktiven Mindenerinnen. Eigentlich sollte am 4. April ein Stand auf dem Markt vor der Martinikirche sein. Die Frauen hatten sich überlegt, dort mit einer alten Schreibmaschine Aufmerksamkeit zu erregen, unter dem Motto „Legt ein gutes Wort für uns ein“. Die Ergebnisse hätten sie dann rund um ein Purpurkreuz – das ist das bundesweite Symbol der neuen katholischen Frauenbewegung – als Collage sichtbar gemacht. Auch eine Veranstaltung mit dem Autor Stefan Jürgens für Ende April ist abgesagt. Seit dem Streit um das Fronleichnamsbild im vergangenen Frühsommer – da hatten die Frauen im Dom „Maria 2.0“ als Symbol ihres Aufbruchswillens gelegt und das Bild war ins Harmlose verändert worden – haben sie sich organisiert. Vogler: „Wir haben Gebetsstunden an unterschiedlichen Orten abgehalten, die auch für Leute gedacht waren, die sonst nicht in die Kirche gehen, etwa in einer Kneipe, im Café oder an der Weser.“ Gedacht ist auch ein Frauenkino mit Filmen zu Frauen, die vorangeschritten sind – Maria Magdalena zum Beispiel. „Das ist aber eine langfristige Idee.“ Noch nicht wirklich etabliert habe sich das Tragen des weißen Schals als stille Erinnerung daran, dass auch Frauen ihren Platz vorne in der Kirche fordern. „Man merkt daran, dass manche Hemmungen haben“, so Vogler. „Eine Meinung zu haben, ist eine Sache, das nach außen kenntlich zu machen, was ganz anderes. Und das im Gottesdienst zu tun, ist dann noch mal ein Schritt weiter.“ Auch die Zahl der aktiven Frauen habe sich nicht nennenswert verändert, sagt Vogler in diesem Frühjahr. „Es ist schade, dass die Frauen nicht breit genug aufstehen.“ Das sei auch entmutigend. „Wenn wir keine gemeinsame Solidarität schaffen, erreichen wir gar nichts.“ Die jetzige Gruppe aus Mindenerinnen ist aus verschiedenen Gruppierungen zusammengewachsen. Das, so Vogler, hätten auch die Menschenketten bewirkt. „Das war total schön, auch dass viele evangelische Christen – Männer und Frauen – gekommen sind.“ Wird der aktuelle gesellschaftliche Stillstand auch die Bewegung zum Stillstand bringen? „Nein. Dies ist eine Pause. Aber dann geht es weiter.“