Minden/Berlin

„Man kommt sich einsam vor“: Achim Post eröffnet denkwürdige Bundestags-Debatte

Henning Wandel

Minden/Berlin. Als der Bundestag über das milliardenschwere Hilfspaket berät, ist nur jeder dritte Platz besetzt. Dazwischen liegen weiße Zettel mit dem Hinweis, die Sitze freizulassen. Mit diesem Ausblick eröffnet der heimische Abgeordnete Achim Post (SPD) die Debatte, der er im Anschluss von der ersten Reihe aus folgt – allein. „Das fühlt sich komisch an“, sagt Post im Anschluss an die Abstimmung am Telefon. „Man kommt sich schon etwas einsam vor.“

Sonst drängen sich die Abgeordneten um die Wahlurne, jetzt gelten auch hier Abstandsreglen. Foto: Privat - © Privat
Sonst drängen sich die Abgeordneten um die Wahlurne, jetzt gelten auch hier Abstandsreglen. Foto: Privat (© Privat)

Für Politiker gehört der persönliche Kontakt mit Menschen zum Alltag. Nicht nur zu denen im Wahlkreis, sondern auch zu Kollegen aus dem Parlament. Auch an diesem Mittwoch feilt Post noch bis unmittelbar vor Beginn der Sitzung mit Kollegen von CDU und CSU an dem Entwurf. Was früher gemeinsam am Tisch oder auf den Parlamentsfluren geschehen wäre, muss jetzt in einer Telefonkonferenz geregelt werden.

Auch die Kontakte zu den Wählern finden nur noch digital statt. Er versuche, zurückzurufen oder per Mail zu antworten, sagt Post: „Mit ganz vielen habe ich schon geredet.“

Ob der jetzt beschlossene Rettungsschirm ausreicht, hänge davon ab, wie sich die Situation um das Corona-Virus entwickele. „Anders als in früheren Krisen kommt man sich bei einem Virus immer etwas ausgeliefert vor“, sagt Post. Gerade, weil es sich um eine gesundheitliche, wirtschaftliche und soziale Krise handelt, sei der Zeitdruck enorm. Im Anschluss gehe es jetzt darum, dass die Betroffenen das Geld auch schnell bekämen.

Die Krise zeige aber auch, dass die demokratischen Parteien, der Staat und vor allem auch die Bürger an einem Strang ziehen, wenn es drauf ankomme. „Diese Solidarität würde ich für die Zeit nach der Krise gerne erhalten.“ Und auch technisch zeige sich jetzt, dass mit Videokonferenzen künftig vielleicht auf so manche überflüssige Dienstreise verzichtet werden könne. Und dennoch: „Für mich bleibt es dabei: Ein richtiges Treffen, ein echtes Gespräch ist eigentlich nicht zu ersetzen“, sagt Post.

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Minden/Berlin„Man kommt sich einsam vor“: Achim Post eröffnet denkwürdige Bundestags-DebatteHenning WandelMinden/Berlin. Als der Bundestag über das milliardenschwere Hilfspaket berät, ist nur jeder dritte Platz besetzt. Dazwischen liegen weiße Zettel mit dem Hinweis, die Sitze freizulassen. Mit diesem Ausblick eröffnet der heimische Abgeordnete Achim Post (SPD) die Debatte, der er im Anschluss von der ersten Reihe aus folgt – allein. „Das fühlt sich komisch an“, sagt Post im Anschluss an die Abstimmung am Telefon. „Man kommt sich schon etwas einsam vor.“ Für Politiker gehört der persönliche Kontakt mit Menschen zum Alltag. Nicht nur zu denen im Wahlkreis, sondern auch zu Kollegen aus dem Parlament. Auch an diesem Mittwoch feilt Post noch bis unmittelbar vor Beginn der Sitzung mit Kollegen von CDU und CSU an dem Entwurf. Was früher gemeinsam am Tisch oder auf den Parlamentsfluren geschehen wäre, muss jetzt in einer Telefonkonferenz geregelt werden. Auch die Kontakte zu den Wählern finden nur noch digital statt. Er versuche, zurückzurufen oder per Mail zu antworten, sagt Post: „Mit ganz vielen habe ich schon geredet.“ Ob der jetzt beschlossene Rettungsschirm ausreicht, hänge davon ab, wie sich die Situation um das Corona-Virus entwickele. „Anders als in früheren Krisen kommt man sich bei einem Virus immer etwas ausgeliefert vor“, sagt Post. Gerade, weil es sich um eine gesundheitliche, wirtschaftliche und soziale Krise handelt, sei der Zeitdruck enorm. Im Anschluss gehe es jetzt darum, dass die Betroffenen das Geld auch schnell bekämen. Die Krise zeige aber auch, dass die demokratischen Parteien, der Staat und vor allem auch die Bürger an einem Strang ziehen, wenn es drauf ankomme. „Diese Solidarität würde ich für die Zeit nach der Krise gerne erhalten.“ Und auch technisch zeige sich jetzt, dass mit Videokonferenzen künftig vielleicht auf so manche überflüssige Dienstreise verzichtet werden könne. Und dennoch: „Für mich bleibt es dabei: Ein richtiges Treffen, ein echtes Gespräch ist eigentlich nicht zu ersetzen“, sagt Post.