Minden

Auf MT.de starten die „Corona Concerts“

Ursula Koch

Minden. Seit fast zwei Wochen liegt das kulturelle Leben brach. Alle Konzerte, Theateraufführungen und Auftritte vor Publikum sind abgesagt. Das Publikum kann streamen, fernsehen oder lesen. Aber den Künstlern brechen nicht nur die Einnahmen weg, sondern auch die Möglichkeit, mit dem Publikum in Kontakt zu treten.

Rapper Panorama (Juri Kreuz) und DJ Cut Spencer (Sven Niemann) treten seit vergangenem Jahr gemeinsam auf. - © Foto: Marc Klimpke/pr
Rapper Panorama (Juri Kreuz) und DJ Cut Spencer (Sven Niemann) treten seit vergangenem Jahr gemeinsam auf. (© Foto: Marc Klimpke/pr)

Der Schriftsteller Andreas Mand, der für das Kulturforum alle zwei Jahre die Lange Nacht der Kultur organisiert, hatte sich mit der Idee an das MT gewandt, den Künstlern eine virtuelle Bühne zu bieten. Das macht die Redaktion gerne. Von heute an veröffentlichen wir auf MT.de die Videos, die Künstler uns zugesandt haben. Von der Stadt Minden wird die Aktion mit einem kleinen Föderbetrag unterstützt, der an die Künstler gehen wird.

Mit ihrem Song „Autumn Rain“ eröffnet das Duo „Katie & Richfield“ diese Serie. Kathrin Braun & Richard Veld treten seit 2017 gemeinsam auf, waren schon in der Ameise, im Café Nordholz, in der Petrikirche und an der Wintersaison der Tucholsky-Bühne im Theater am Campus beteiligt. Der Song ist das Titelstück der gleichnamigen CD und passt mit seiner melancholischen Stimmung, die der zweistimmige Gesang zu Ukulele und Kontrabass erzeugt, gut in die Gemütslage im Angesicht der Pandemie.

Mit einem Liebeslied ist Noemi Haugk aus Frille vertreten. Die 39-Jährige tritt erst seit 2019 als Musikerin auf, ist aber auch als bildende Künstlerin aktiv, beteiligte sich an dem Künstlerinnen-Projekt „Schnittstellen“ des Vereins für aktuelle Kunst. „Ich mache seit meiner Kindheit Musik, habe als Teenager auch schon am Klavier selbst komponiert“, erzählt sie am Telefon. Das Spielen brachte sie sich selbst bei. „Ich hätte mir Klavierunterricht gewünscht“, sagt sie. Sie musizierte viel mit ihrem Bruder, sei aber nie auf die Idee gekommen, aufzutreten.

Das änderte sich mit einer schweren Erkrankung. Vor zwei Jahren lernte sie ihren Nachbarn kennen, der ebenfalls schwer krank war. Sie hatten sich zufällig zur gleichen Zeit Gitarren gekauft und musizierten unterm Kirschbaum. „In seiner schwächsten Zeit hat er es noch geschafft, mir Mut zu machen“, sagt Noemi Haugk. Die Musiker, mit denen sie auftrete, habe sie auf seiner Beerdigung kennen gelernt. „Das ist sein Erbe“, sagt sie. In zwei Wochen soll ihre CD „Du bist schön“ herauskommen. Zu Noemi Haugk and friends gehört auch ihr Bruder. Der Titel „Und schon wieder“ ist gerade erst entstanden.

Morgen folgt der Song „Kranke Zeiten“ von Rapper Panorama und DJ Cut Spencer. Der Mindener Juri Kreuz und der Paderborner Sven Niemann erinnern mit ihrem Song an die Menschen, die an der Grenze zwischen der Türkei und Griechenland vergessen werden. „Feindbilder hinterfragen, statt sie einzurahmen“, fordert der Rapper. Seit 2007 tritt Juri Kreuz als Panorama auf. Mit „Blick in die Sterne“ hatte er Anfang 2018 sein erstes Album herausgebracht.

Die beiden Musiker haben sich vor etwa acht Jahren bei einem HipHop-Abend im Papagei kennen gelernt. Seit Anfang des vergangenen Jahres machen sie gemeinsam Musik mit politischer Dimension. Sie sind beim Asta-Festival der Uni Paderborn, beim Leineweber-Fest in Bielefeld und bei einer Papagei-Party aufgetreten. Der Song „Kranke Zeiten“ soll auf Cut Spencers Album „Nonstop digging“ (im übertragenen Sinn: die pausenlose Suche des DJs nach neuen Platten) erscheinen, das noch in diesem Jahr herauskommen soll. Ein neues Panorama-Album mit vielen Freunden soll spätestens 2021 erscheinen.

Die Reihe der „Corona Concerts“ wird in den kommenden Tagen erweitert um das Genre Literatur, Andreas Mand trägt einen Text vor und Gisela Krohne erzählt zwei Märchen, die in die Zeit passen. Musikalisch geht es weiter mit Beckdotblue und Cowhouse-Project. Damit sind die „Corona Concerts“ eröffnet und können jederzeit erweitert werden. Video, Foto und Info an online@mt.de

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MindenAuf MT.de starten die „Corona Concerts“Ursula KochMinden. Seit fast zwei Wochen liegt das kulturelle Leben brach. Alle Konzerte, Theateraufführungen und Auftritte vor Publikum sind abgesagt. Das Publikum kann streamen, fernsehen oder lesen. Aber den Künstlern brechen nicht nur die Einnahmen weg, sondern auch die Möglichkeit, mit dem Publikum in Kontakt zu treten. Der Schriftsteller Andreas Mand, der für das Kulturforum alle zwei Jahre die Lange Nacht der Kultur organisiert, hatte sich mit der Idee an das MT gewandt, den Künstlern eine virtuelle Bühne zu bieten. Das macht die Redaktion gerne. Von heute an veröffentlichen wir auf MT.de die Videos, die Künstler uns zugesandt haben. Von der Stadt Minden wird die Aktion mit einem kleinen Föderbetrag unterstützt, der an die Künstler gehen wird. Mit ihrem Song „Autumn Rain“ eröffnet das Duo „Katie & Richfield“ diese Serie. Kathrin Braun & Richard Veld treten seit 2017 gemeinsam auf, waren schon in der Ameise, im Café Nordholz, in der Petrikirche und an der Wintersaison der Tucholsky-Bühne im Theater am Campus beteiligt. Der Song ist das Titelstück der gleichnamigen CD und passt mit seiner melancholischen Stimmung, die der zweistimmige Gesang zu Ukulele und Kontrabass erzeugt, gut in die Gemütslage im Angesicht der Pandemie. Mit einem Liebeslied ist Noemi Haugk aus Frille vertreten. Die 39-Jährige tritt erst seit 2019 als Musikerin auf, ist aber auch als bildende Künstlerin aktiv, beteiligte sich an dem Künstlerinnen-Projekt „Schnittstellen“ des Vereins für aktuelle Kunst. „Ich mache seit meiner Kindheit Musik, habe als Teenager auch schon am Klavier selbst komponiert“, erzählt sie am Telefon. Das Spielen brachte sie sich selbst bei. „Ich hätte mir Klavierunterricht gewünscht“, sagt sie. Sie musizierte viel mit ihrem Bruder, sei aber nie auf die Idee gekommen, aufzutreten. Das änderte sich mit einer schweren Erkrankung. Vor zwei Jahren lernte sie ihren Nachbarn kennen, der ebenfalls schwer krank war. Sie hatten sich zufällig zur gleichen Zeit Gitarren gekauft und musizierten unterm Kirschbaum. „In seiner schwächsten Zeit hat er es noch geschafft, mir Mut zu machen“, sagt Noemi Haugk. Die Musiker, mit denen sie auftrete, habe sie auf seiner Beerdigung kennen gelernt. „Das ist sein Erbe“, sagt sie. In zwei Wochen soll ihre CD „Du bist schön“ herauskommen. Zu Noemi Haugk and friends gehört auch ihr Bruder. Der Titel „Und schon wieder“ ist gerade erst entstanden. Morgen folgt der Song „Kranke Zeiten“ von Rapper Panorama und DJ Cut Spencer. Der Mindener Juri Kreuz und der Paderborner Sven Niemann erinnern mit ihrem Song an die Menschen, die an der Grenze zwischen der Türkei und Griechenland vergessen werden. „Feindbilder hinterfragen, statt sie einzurahmen“, fordert der Rapper. Seit 2007 tritt Juri Kreuz als Panorama auf. Mit „Blick in die Sterne“ hatte er Anfang 2018 sein erstes Album herausgebracht. Die beiden Musiker haben sich vor etwa acht Jahren bei einem HipHop-Abend im Papagei kennen gelernt. Seit Anfang des vergangenen Jahres machen sie gemeinsam Musik mit politischer Dimension. Sie sind beim Asta-Festival der Uni Paderborn, beim Leineweber-Fest in Bielefeld und bei einer Papagei-Party aufgetreten. Der Song „Kranke Zeiten“ soll auf Cut Spencers Album „Nonstop digging“ (im übertragenen Sinn: die pausenlose Suche des DJs nach neuen Platten) erscheinen, das noch in diesem Jahr herauskommen soll. Ein neues Panorama-Album mit vielen Freunden soll spätestens 2021 erscheinen. Die Reihe der „Corona Concerts“ wird in den kommenden Tagen erweitert um das Genre Literatur, Andreas Mand trägt einen Text vor und Gisela Krohne erzählt zwei Märchen, die in die Zeit passen. Musikalisch geht es weiter mit Beckdotblue und Cowhouse-Project. Damit sind die „Corona Concerts“ eröffnet und können jederzeit erweitert werden. Video, Foto und Info an online@mt.de