Abhilfe aus dem Internet? Fehlende Erntehelfer stellen Landwirte vor neue Herausforderungen Thomas Lieske,Stefan Koch Minden. Noch ist die Lage „ganz gut“, sagt Karin Hüneke. Sei betreibt zusammen mit ihrem Mann Friedhelm das Rittergut Schlüsselburg in Petershagen. Zu dem Anwesen gehören große Spargelfelder, für deren Ernte der Hof normalerweise auf einen festen Stamm von Erntehelfern zurückgreifen kann. Doch aufgrund verschärfter Einreiseregelungen wegen des Corona-Virus dürfen derzeit Erntehelfer aus osteuropäischen Ländern nicht nach Deutschland – und das kurz vor Beginn der Spargelsaison. Mit Blick auf die möglichen weiteren Auswirkungen der Corona-Krise „haben wir nicht die gesamte Fläche für die Ernte bestellt“, erklärt Hüneke. Weil das Rittergut im Gegensatz zu anderen Betrieben aus der Region den Spargel erst nach Ostern anbietet, sei der Hof derzeit noch nicht so stark vom Mangel an Erntehelfern betroffen. „Wir haben zwar noch nicht von allen Stammhelfern eine Rückmeldung bekommen, ob sie dieses Jahr mithelfen können“, sagt Karin Hüneke. Dafür hätten sich aber schon Freiwillige aus der Nachbarschaft und der näheren Umgebung von sich aus auf dem Rittergut gemeldet. „Ob wir am Ende alle beschäftigen können, müssen wir sehen. Bei Leuten, die normalerweise einer anderen Tätigkeit nachgehen, müssen wir schauen, wie die rechtliche Lage beim Verdienst ist.“ Bei Studenten, die derzeit durch geschlossene Unis vorlesungsfreie Zeit haben, sei das einfacher. Wie die Lage nach Ostern ist, kann Karin Hüneke heute noch nicht abschätzen. „Wir hangeln uns derzeit von Woche zu Woche. Wir wissen ja heute nicht mal, ob wir den geernteten Spargel überhaupt vermarkten können.“ Hinzu komme, dass die Ferienwohnungen auf dem Hof wie anderswo auch stillgelegt sind. Unruhige Zeiten also, und das pünktlich zum nahenden Saisonstart. Helfende Hände für die Ernte scheinen aber da zu sein. Wie Rainer Meyer, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden-Lübbecke erklärt, hätten sich in den vergangenen Tagen zunehmend Interessierte gemeldet, die als Erntehelfer arbeiten wollen. Sie kommen aus Branchen, die von den derzeitigen Betriebsschließungen betroffen sind. „In der schwierigen Situation kommt der Sicherung der Ernährung eine besondere Bedeutung zu, um die Bevölkerung mit hochwertigen und lebensnotwendigen Lebensmitteln zu versorgen“, sagt Meyer. Obst- und Gemüseproduzenten stünden aufgrund der Einreisebeschränkungen für osteuropäische Erntehelfer vor besonderen Herausforderungen. „Wir möchten Bewerber, zunehmend deutsche Arbeitskräfte aus anderen Branchen und Landwirte, denen Arbeitskräfte fehlen, zusammenbringen.“ Für diesen Service hat der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband am 20. März eine Jobbörse ins Leben gerufen. Sie ist unter www.wlv.de/erntehelfer/ erreichbar. Wer Interesse an einer Arbeit in einem sogenannten Sonderkulturbetrieb hat, kann dort seine Kontaktdaten eingeben. Laut Hinweistext informiert dann der jeweilige Betrieb den Betreffenden über die anfallenden Arbeiten. Laut Westfälisch-Lippischem Landwirtschaftsverband sind Tätigkeiten auf den Spargel-, Erdbeer-, Gemüse- und Kartoffelfeldern möglich. Dazu gehören das Pflanzen, Pflegen, Ernten, Wiegen, Sortieren und Verpacken der Feldfrüchte. Infrage kommen auch logistische Arbeiten, der Transport und das Beschicken von Verkaufsständen und Verbrauchermärkten. „Über die genau anfallenden Arbeiten informieren die Betriebe“, so Meyer. Als Helfer kämen Studenten, Selbstständige oder Kleinunternehmer infrage. Alle können kurzfristig ohne Sozialabgaben bis zu drei Monaten beschäftigt werden. Zudem bietet sich für Minijobber (450-Euro-Kräfte) die Arbeit in der Landwirtschaft an. Derartige Plattformen für Erntehelfer sind nicht neu. Wie Till Pagels, Geschäftsführer der Landwirtschaftskammer Minden-Lübbecke, erklärt, gibt es auch ein Angebot unter www.daslandhilft.de. Es wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft vorgehalten, das darauf hinweist, dass derzeit 300.000 Kräfte auf Deutschlands Äckern fehlen. „Auch bei uns fragen Leute auf der Suche nach einer neuen Beschäftigung nach“, erklärt Pagels. Viele seien von Kurzarbeit betroffen. „Dennoch sind wir als Kammer nicht für die Vermittlung dieser Arbeitskräfte zuständig, sondern für die Förderung der Betriebe durch EU-Gelder.“ Und da kann Pagels angesichts der Coronakrise beruhigen: „Niemand muss Angst haben, dass er ein Geld bekommt.“

Abhilfe aus dem Internet? Fehlende Erntehelfer stellen Landwirte vor neue Herausforderungen

Jedes Jahr sind auf dem Spargelhof Winkelmann zahlreiche fleißige Helferinnen und Helfer im Einsatz. Vielen von ihnen stammen aus Osteuropa und kommen schon seit Jahren als Saisonkräfte. © Foto: MT-Archiv

Minden. Noch ist die Lage „ganz gut“, sagt Karin Hüneke. Sei betreibt zusammen mit ihrem Mann Friedhelm das Rittergut Schlüsselburg in Petershagen. Zu dem Anwesen gehören große Spargelfelder, für deren Ernte der Hof normalerweise auf einen festen Stamm von Erntehelfern zurückgreifen kann. Doch aufgrund verschärfter Einreiseregelungen wegen des Corona-Virus dürfen derzeit Erntehelfer aus osteuropäischen Ländern nicht nach Deutschland – und das kurz vor Beginn der Spargelsaison.

Mit Blick auf die möglichen weiteren Auswirkungen der Corona-Krise „haben wir nicht die gesamte Fläche für die Ernte bestellt“, erklärt Hüneke. Weil das Rittergut im Gegensatz zu anderen Betrieben aus der Region den Spargel erst nach Ostern anbietet, sei der Hof derzeit noch nicht so stark vom Mangel an Erntehelfern betroffen. „Wir haben zwar noch nicht von allen Stammhelfern eine Rückmeldung bekommen, ob sie dieses Jahr mithelfen können“, sagt Karin Hüneke. Dafür hätten sich aber schon Freiwillige aus der Nachbarschaft und der näheren Umgebung von sich aus auf dem Rittergut gemeldet. „Ob wir am Ende alle beschäftigen können, müssen wir sehen. Bei Leuten, die normalerweise einer anderen Tätigkeit nachgehen, müssen wir schauen, wie die rechtliche Lage beim Verdienst ist.“ Bei Studenten, die derzeit durch geschlossene Unis vorlesungsfreie Zeit haben, sei das einfacher.

Wie die Lage nach Ostern ist, kann Karin Hüneke heute noch nicht abschätzen. „Wir hangeln uns derzeit von Woche zu Woche. Wir wissen ja heute nicht mal, ob wir den geernteten Spargel überhaupt vermarkten können.“ Hinzu komme, dass die Ferienwohnungen auf dem Hof wie anderswo auch stillgelegt sind. Unruhige Zeiten also, und das pünktlich zum nahenden Saisonstart.

Helfende Hände für die Ernte scheinen aber da zu sein. Wie Rainer Meyer, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden-Lübbecke erklärt, hätten sich in den vergangenen Tagen zunehmend Interessierte gemeldet, die als Erntehelfer arbeiten wollen. Sie kommen aus Branchen, die von den derzeitigen Betriebsschließungen betroffen sind.

„In der schwierigen Situation kommt der Sicherung der Ernährung eine besondere Bedeutung zu, um die Bevölkerung mit hochwertigen und lebensnotwendigen Lebensmitteln zu versorgen“, sagt Meyer. Obst- und Gemüseproduzenten stünden aufgrund der Einreisebeschränkungen für osteuropäische Erntehelfer vor besonderen Herausforderungen. „Wir möchten Bewerber, zunehmend deutsche Arbeitskräfte aus anderen Branchen und Landwirte, denen Arbeitskräfte fehlen, zusammenbringen.“

Für diesen Service hat der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband am 20. März eine Jobbörse ins Leben gerufen. Sie ist unter www.wlv.de/erntehelfer/ erreichbar. Wer Interesse an einer Arbeit in einem sogenannten Sonderkulturbetrieb hat, kann dort seine Kontaktdaten eingeben. Laut Hinweistext informiert dann der jeweilige Betrieb den Betreffenden über die anfallenden Arbeiten.

Laut Westfälisch-Lippischem Landwirtschaftsverband sind Tätigkeiten auf den Spargel-, Erdbeer-, Gemüse- und Kartoffelfeldern möglich. Dazu gehören das Pflanzen, Pflegen, Ernten, Wiegen, Sortieren und Verpacken der Feldfrüchte. Infrage kommen auch logistische Arbeiten, der Transport und das Beschicken von Verkaufsständen und Verbrauchermärkten. „Über die genau anfallenden Arbeiten informieren die Betriebe“, so Meyer. Als Helfer kämen Studenten, Selbstständige oder Kleinunternehmer infrage. Alle können kurzfristig ohne Sozialabgaben bis zu drei Monaten beschäftigt werden. Zudem bietet sich für Minijobber (450-Euro-Kräfte) die Arbeit in der Landwirtschaft an.

Derartige Plattformen für Erntehelfer sind nicht neu. Wie Till Pagels, Geschäftsführer der Landwirtschaftskammer Minden-Lübbecke, erklärt, gibt es auch ein Angebot unter www.daslandhilft.de. Es wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft vorgehalten, das darauf hinweist, dass derzeit 300.000 Kräfte auf Deutschlands Äckern fehlen.

„Auch bei uns fragen Leute auf der Suche nach einer neuen Beschäftigung nach“, erklärt Pagels. Viele seien von Kurzarbeit betroffen. „Dennoch sind wir als Kammer nicht für die Vermittlung dieser Arbeitskräfte zuständig, sondern für die Förderung der Betriebe durch EU-Gelder.“ Und da kann Pagels angesichts der Coronakrise beruhigen: „Niemand muss Angst haben, dass er ein Geld bekommt.“

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