Zahlreiche Freiwillige wollen von der Corona-Krise Betroffenen im Alltag helfen Stefan Koch Minden. Lisa-Marie Fritsche hat sich Gedanken gemacht. „Als das Besselgymnasium in der vergangenen Woche geschlossen wurde, habe ich überlegt, wie man älteren Menschen und gesundheitlich Geschwächten mit Vorerkrankung in der Coronakrise helfen kann“, sagt die 17-Jährige. Für Minden und Umgebung will sie eine Nachbarschaftshilfe ins Leben rufen, die sich später verselbstständigen soll. Vor allem Schüler, für die der Unterricht jetzt ausfällt, haben genug freie Zeit, um für andere einzukaufen, den Hund auszuführen, die Post zum Briefkasten zu bringen oder andere Wege zu erledigen. Freiwillige über WhatsApp Und das geht so: Wer Hilfe benötigt, meldet sich unter Telefon (0571) 82 89 99 (montags bis freitags zwischen 8.30 und 12.30 Uhr sowie 14 bis 16 Uhr, am Wochenende läuft der Anrufbeantworter) oder per E-Mail unter nachbarschaftshilfe.minden@gmail.com bei der Young Caritas und teilt mit, welche Unterstützung er braucht. Die kümmert sich um einen Helfer für die gewünschte Versorgung. Natürlich, so Fritsche, werde darauf geachtet, dass bei den Besuchen kein direkter Kontakt besteht, um eine Ansteckung mit dem Coronavirus zu vermeiden. Bis zum Mittwoch hatte die 17-Jährige 60 Personen gefunden, die als Helfer mitmachen wollen. Über WhatsApp hatte sie zunächst eine Gruppe aus Mitschülern erstellt und dann Freunde aus anderen Schulen und Jugendorganisationen einbezogen. Geplant ist, dass sich zwischen den jungen Helfern und den Bedürftigen ein dauerhaftes Dienstleistungsverhältnis während der Coronakrise entwickelt. Auch an Supermärkten wollen die Aktiven der Young Caritas Flyer anbringen, in denen sie auf ihr Hilfsangebot hinweisen. Freiwillige über Facebook Einen anderen Weg geht seit einigen Tagen das Ehepaar Ivonne und Holger Siekmann aus Porta Westfalica-Lohfeld. Sie hatten in der vergangenen Woche zusammen mit weiteren Mitstreitern die Facebook-Gruppe „Coronavirus Minden und Umgebung Hilfe und Austausch“ ins Leben gerufen, deren Administratoren sie sind. „Meine Frau kommt aus der Krankenpflege und ich bin Handwerker und wir denken, dass wir helfen müssen“, sagt Holger Siekmann. Bis zum Mittwoch hatte schon 530 Personen ihre Hilfe angeboten. Neben allgemeinen Informationen finden sich auch bereits die ersten Hilfegesuche, beispielsweise von Kindern betagter Eltern, die Unterstützung benötigen. Im Menü Dateien auf Desktoprechnern oder im Kommentarfenster kann jeder sein Angebot oder die Nachfrage eintragen. Die Administratoren bearbeiten diese Meldungen dann. Name, Ortsteil und Hilfsangebot sollten eingetragen werden. Wie Siekmann bei all den Meldungen das Relevante herausfiltert? „Die Mitglieder sollten sich schon mit Klarnamen anmelden“, sagt er. Zudem sei in den Gruppenregeln darauf hingewiesen, dass Werbung, Spam oder Fake News ebenso untersagt seien, wie Hassreden oder Mobbing. In einigen Fällen seien Gruppenmitglieder auch schon entfernt worden. „Wir weisen darauf hin, dass beispielsweise Einkaufsdienste gegen Vorkasse nicht erfolgen sollen.“ Dass jeder, der sich melde, auch tatsächlich seriöse Absichten habe, könne auch er nicht garantieren. „Wer die Hilfe von einem Unbekannten in Anspruch nimmt, sollte das wissen.“ Kirchengemeinden aktiv Auch der Evangelische Kirchenkreis Minden dachte bereits über Nachbarschaftshilfe für Menschen in Quarantäne und Personen mit Vorerkrankungen und hohem Alter nach. Auf seiner Homepage weist er darauf hin, dass sich schon in vielen Gemeinden ehrenamtliche Teams gebildet haben, die schon jetzt ihre Hilfe anbieten, Besorgungen in Apotheken oder im Supermarkt erledigen. Die Kontaktaufnahme dazu erfolgt in den Gemeindebüros oder über deren Internetseiten. Spontane Unterstützung Auch spontane Hilfsangebote sind jetzt in den sozialen Netzwerken zu finden. So erklärte beispielsweise Stefanie Borgmann auf Facebook, dass sie Bedürftigen einen Einkauf im Wert von 50 Euro schenken möchte und dies auch bei ihnen abliefern werde – allerdings nur in Porta Westfalica. Bei dem Mindener Heinrich Traue meldeten über den Facebook-Messenger mehre Personen, die anboten, ihm Lebensmittel vorbeizubringen. Er ist Risikopatient und sollte auf Anraten von Ärzten seine Wohnung vorläufig nicht verlassen. Auch die Nachbarn wollen im helfen. Seine Zeit in Quarantäne verbringt er nun damit, die Krankenwagen auf der Ringstraße zu zählen. „Am Dienstag waren es bis 16 Uhr 35 Fahrzeuge – sonst sind es viel weniger.“ Tafel eingeschränkt „In Anbetracht der Schließung der Tafel und damit sicherlich der Zuspitzung der privaten Situation von alleinerziehenden Personen, Rentnern uns so weiter hatte ich die Idee ob man nicht zu Patenschaften aufrufen könnte“, sorgt sich Patricia Kalle Droste in einer E-Mail an das Mindener Tageblatt. Und auch die Stadtverordneten Frank Tomaschewski (Wir für Minden) und Stefan Schröder (Linke) sehen in der Schließung der Mindener Tafel eine Versorgungslücke, die sie durch Kräfte der Bundeswehr, dem Technischen Hilfswerk, dem Deutschen Roten Kreuz und andern Freiwilligen geschlossen sehen möchten. Auf MT-Nachfrage erklärte Wolfgang Reichel, Vorsitzender der Mindener Tafel, dass sein Verein weiterhin den Bringdienst für 23 Bedürftige aufrecht erhalten werde. „Es haben sich zudem Menschen gemeldet, die haltbare Lebensmittel spenden wollen.“ Die Abgabetermine am Standort Hohenzollernring 36 seien dienstags von 16 bis 18 Uhr und samstags von 11 bis 14 Uhr. „Unsere Kunden haben gegenüber der Schließung großes Verständnis entgegen gebracht“, sagt Reichel. 140 Ehrenamtliche hat der Verein, viele sind schon Rentenalter und müssen sich vor jetzt Infektionen schützen, was bei der Warenausgabe nicht mehr gewährleistet wäre. Caritas kauft ein Mit seinem Mobilen Einkaufswagen hatte der Mindener Caritasverein schon vor der Coronakrise Senioren beim Einkaufen geholfen. Ehrenamtliche holten die Betroffenen ab und begleiteten sie in den Supermärkten. Aufgrund des Infektionsschutzes ist das jetzt nicht mehr möglich. „Jetzt können die Leute nur noch telefonisch oder per E-Mail ihre Einkaufslisten bei uns abgeben und wir bringen die Waren vorbei“, sagt Susanne Leimbach, Hauptamtlicher Caritas-Vorstand.

Zahlreiche Freiwillige wollen von der Corona-Krise Betroffenen im Alltag helfen

Lisa-Marie Fritsche hängt auch an Verbrauchermärkten die Flyer der Nachbarschaftshilfe aus. Sie ist eine von vielen, die Menschen bei der Besorgung von lebensnotwendigen Dingen helfen wollen. © Foto: privat

Minden. Lisa-Marie Fritsche hat sich Gedanken gemacht. „Als das Besselgymnasium in der vergangenen Woche geschlossen wurde, habe ich überlegt, wie man älteren Menschen und gesundheitlich Geschwächten mit Vorerkrankung in der Coronakrise helfen kann“, sagt die 17-Jährige. Für Minden und Umgebung will sie eine Nachbarschaftshilfe ins Leben rufen, die sich später verselbstständigen soll. Vor allem Schüler, für die der Unterricht jetzt ausfällt, haben genug freie Zeit, um für andere einzukaufen, den Hund auszuführen, die Post zum Briefkasten zu bringen oder andere Wege zu erledigen.

Freiwillige über WhatsApp

Und das geht so: Wer Hilfe benötigt, meldet sich unter Telefon (0571) 82 89 99 (montags bis freitags zwischen 8.30 und 12.30 Uhr sowie 14 bis 16 Uhr, am Wochenende läuft der Anrufbeantworter) oder per E-Mail unter nachbarschaftshilfe.minden@gmail.com bei der Young Caritas und teilt mit, welche Unterstützung er braucht. Die kümmert sich um einen Helfer für die gewünschte Versorgung. Natürlich, so Fritsche, werde darauf geachtet, dass bei den Besuchen kein direkter Kontakt besteht, um eine Ansteckung mit dem Coronavirus zu vermeiden.

Bis zum Mittwoch hatte die 17-Jährige 60 Personen gefunden, die als Helfer mitmachen wollen. Über WhatsApp hatte sie zunächst eine Gruppe aus Mitschülern erstellt und dann Freunde aus anderen Schulen und Jugendorganisationen einbezogen. Geplant ist, dass sich zwischen den jungen Helfern und den Bedürftigen ein dauerhaftes Dienstleistungsverhältnis während der Coronakrise entwickelt. Auch an Supermärkten wollen die Aktiven der Young Caritas Flyer anbringen, in denen sie auf ihr Hilfsangebot hinweisen.

Freiwillige über Facebook

Einen anderen Weg geht seit einigen Tagen das Ehepaar Ivonne und Holger Siekmann aus Porta Westfalica-Lohfeld. Sie hatten in der vergangenen Woche zusammen mit weiteren Mitstreitern die Facebook-Gruppe „Coronavirus Minden und Umgebung Hilfe und Austausch“ ins Leben gerufen, deren Administratoren sie sind. „Meine Frau kommt aus der Krankenpflege und ich bin Handwerker und wir denken, dass wir helfen müssen“, sagt Holger Siekmann. Bis zum Mittwoch hatte schon 530 Personen ihre Hilfe angeboten. Neben allgemeinen Informationen finden sich auch bereits die ersten Hilfegesuche, beispielsweise von Kindern betagter Eltern, die Unterstützung benötigen. Im Menü Dateien auf Desktoprechnern oder im Kommentarfenster kann jeder sein Angebot oder die Nachfrage eintragen. Die Administratoren bearbeiten diese Meldungen dann. Name, Ortsteil und Hilfsangebot sollten eingetragen werden.

Wie Siekmann bei all den Meldungen das Relevante herausfiltert? „Die Mitglieder sollten sich schon mit Klarnamen anmelden“, sagt er. Zudem sei in den Gruppenregeln darauf hingewiesen, dass Werbung, Spam oder Fake News ebenso untersagt seien, wie Hassreden oder Mobbing. In einigen Fällen seien Gruppenmitglieder auch schon entfernt worden. „Wir weisen darauf hin, dass beispielsweise Einkaufsdienste gegen Vorkasse nicht erfolgen sollen.“ Dass jeder, der sich melde, auch tatsächlich seriöse Absichten habe, könne auch er nicht garantieren. „Wer die Hilfe von einem Unbekannten in Anspruch nimmt, sollte das wissen.“

Kirchengemeinden aktiv

Auch der Evangelische Kirchenkreis Minden dachte bereits über Nachbarschaftshilfe für Menschen in Quarantäne und Personen mit Vorerkrankungen und hohem Alter nach. Auf seiner Homepage weist er darauf hin, dass sich schon in vielen Gemeinden ehrenamtliche Teams gebildet haben, die schon jetzt ihre Hilfe anbieten, Besorgungen in Apotheken oder im Supermarkt erledigen. Die Kontaktaufnahme dazu erfolgt in den Gemeindebüros oder über deren Internetseiten.

Spontane Unterstützung

Auch spontane Hilfsangebote sind jetzt in den sozialen Netzwerken zu finden. So erklärte beispielsweise Stefanie Borgmann auf Facebook, dass sie Bedürftigen einen Einkauf im Wert von 50 Euro schenken möchte und dies auch bei ihnen abliefern werde – allerdings nur in Porta Westfalica. Bei dem Mindener Heinrich Traue meldeten über den Facebook-Messenger mehre Personen, die anboten, ihm Lebensmittel vorbeizubringen. Er ist Risikopatient und sollte auf Anraten von Ärzten seine Wohnung vorläufig nicht verlassen. Auch die Nachbarn wollen im helfen. Seine Zeit in Quarantäne verbringt er nun damit, die Krankenwagen auf der Ringstraße zu zählen. „Am Dienstag waren es bis 16 Uhr 35 Fahrzeuge – sonst sind es viel weniger.“

Tafel eingeschränkt

„In Anbetracht der Schließung der Tafel und damit sicherlich der Zuspitzung der privaten Situation von alleinerziehenden Personen, Rentnern uns so weiter hatte ich die Idee ob man nicht zu Patenschaften aufrufen könnte“, sorgt sich Patricia Kalle Droste in einer E-Mail an das Mindener Tageblatt. Und auch die Stadtverordneten Frank Tomaschewski (Wir für Minden) und Stefan Schröder (Linke) sehen in der Schließung der Mindener Tafel eine Versorgungslücke, die sie durch Kräfte der Bundeswehr, dem Technischen Hilfswerk, dem Deutschen Roten Kreuz und andern Freiwilligen geschlossen sehen möchten.

Auf MT-Nachfrage erklärte Wolfgang Reichel, Vorsitzender der Mindener Tafel, dass sein Verein weiterhin den Bringdienst für 23 Bedürftige aufrecht erhalten werde. „Es haben sich zudem Menschen gemeldet, die haltbare Lebensmittel spenden wollen.“ Die Abgabetermine am Standort Hohenzollernring 36 seien dienstags von 16 bis 18 Uhr und samstags von 11 bis 14 Uhr. „Unsere Kunden haben gegenüber der Schließung großes Verständnis entgegen gebracht“, sagt Reichel. 140 Ehrenamtliche hat der Verein, viele sind schon Rentenalter und müssen sich vor jetzt Infektionen schützen, was bei der Warenausgabe nicht mehr gewährleistet wäre.

Caritas kauft ein

Mit seinem Mobilen Einkaufswagen hatte der Mindener Caritasverein schon vor der Coronakrise Senioren beim Einkaufen geholfen. Ehrenamtliche holten die Betroffenen ab und begleiteten sie in den Supermärkten. Aufgrund des Infektionsschutzes ist das jetzt nicht mehr möglich. „Jetzt können die Leute nur noch telefonisch oder per E-Mail ihre Einkaufslisten bei uns abgeben und wir bringen die Waren vorbei“, sagt Susanne Leimbach, Hauptamtlicher Caritas-Vorstand.

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