Wochenende: Corona ist überall Hartmut Nolte Sie sind vereinzelt, aber schon da: Die „Ich kann das Wort Corona nicht mehr hören”-Stoßseufzer. Zeitungen, Radio, Fernsehen – nur noch Corona, Corona und noch mal Corona. Hat ja Tausende Facetten, von Autohändler-Sorgen bis Zucker-Nachschub gibt es eine unendliche Menge an Berichtsmöglichkeiten. Jeder ist betroffen. Wer hätte gedacht, dass sich die Medien seiten- bzw. stundenlang mit dem Mangel an Klopapier beschäftigen würden? Wobei ich auf den Artikel warte, in dem ein Psychologe erklärt, warum dieser Gegenstand, der einem sonst wortwörtlich am A. vorbeigeht, plötzlich zum zentralen Begriff einer weltweiten Angstepidemie wurde. Wenn man schon beim „Tagesgeschäft" in der Toilette nicht um den Corona-Gedanken herumkommt, muss es doch irgendetwas Alltägliches geben, wo Covid-19 keine Rolle spielt, wo nicht sofort Assoziationen zur unsichtbaren Gefahr in den Gedanken auftauchen. Man muss es nur suchen. Der Morgenkaffee hat mit der Seuche nichts zu tun. Allerdings – sollte man vorsichtshalber ein paar Pakete beiseitelegen? Der Brief von Tante Emmi im Postkasten hat mit Corona garantiert nichts zu tun. Tante Emmi ist immun gegen unsichtbare Gefahren. Schon nach Tschernobyl hat sie gesagt „Den Salat aus meinem Garten kannst du essen, der schmeckt nicht nach Radioaktivität." Was schreibt sie heute? „Liebe Verwandte und Freunde, leider muss ich die Feier zum 85. Geburtstag wegen Corona absagen." Recht hat sie. Da kommen ja nur Höchst-Risikokandidaten zusammen. Von der Seuche unbeleckt scheinen Reiseveranstalter zu sein, die mich per Postwurfsendung auf die Kreuzfahrt im Mai aufmerksam machen. Im Mai! Wer weiß, ob wir dann reisen können oder nicht mal mehr vor die Haustür dürfen? Wirklich alles Corona – oder was? Wie kriegt man das künftige Unwort dieses Jahres für kurze Zeit aus dem Kopf? Durch körperliche Anstrengung. Das Holz hinter dem Haus wartet darauf, gesägt zu werden. Gesagt, getan. Aber stopp, das Öl für die Kettensäge ist alle. Der Nachbar hat sicher noch was. Mal anrufen. „Ja, ich habe was. Ich stelle es vor die Tür. Da kannst du es wieder hinstellen, wir sind zu Hause. Dann brauchen wir uns nicht zu nahe zu kommen." Verdammt und zugenäht, Corona, wo bist du blöder Virus nicht? Aufsteigende Wut bekämpft man am besten mit einem Radausflug. Die Natur mag Milliarden Viren aller Art beherbergen, aber am Wiehengebirge bestimmt keins, dessen Vorfahren im Januar aus China eingewandert sind. Überall frische Luft ohne Corona. Okay, dafür mit vielen Güllepartikeln. Ein Radler kommt mir entgegen. Mein Freund Fritz. „Wo kommst du denn her?" Er zeigt auf seinen Gepäckträger: „Aus Hille, da haben sie noch Klopapier." Mehr habe ich nicht mitbekommen. Ich war schneller weg, als er gucken konnte. In dem Sinne: bleibt gesund.

Wochenende: Corona ist überall

Sie sind vereinzelt, aber schon da: Die „Ich kann das Wort Corona nicht mehr hören”-Stoßseufzer. Zeitungen, Radio, Fernsehen – nur noch Corona, Corona und noch mal Corona. Hat ja Tausende Facetten, von Autohändler-Sorgen bis Zucker-Nachschub gibt es eine unendliche Menge an Berichtsmöglichkeiten. Jeder ist betroffen. Wer hätte gedacht, dass sich die Medien seiten- bzw. stundenlang mit dem Mangel an Klopapier beschäftigen würden? Wobei ich auf den Artikel warte, in dem ein Psychologe erklärt, warum dieser Gegenstand, der einem sonst wortwörtlich am A. vorbeigeht, plötzlich zum zentralen Begriff einer weltweiten Angstepidemie wurde.

Wenn man schon beim „Tagesgeschäft" in der Toilette nicht um den Corona-Gedanken herumkommt, muss es doch irgendetwas Alltägliches geben, wo Covid-19 keine Rolle spielt, wo nicht sofort Assoziationen zur unsichtbaren Gefahr in den Gedanken auftauchen. Man muss es nur suchen.

Der Morgenkaffee hat mit der Seuche nichts zu tun. Allerdings – sollte man vorsichtshalber ein paar Pakete beiseitelegen? Der Brief von Tante Emmi im Postkasten hat mit Corona garantiert nichts zu tun. Tante Emmi ist immun gegen unsichtbare Gefahren. Schon nach Tschernobyl hat sie gesagt „Den Salat aus meinem Garten kannst du essen, der schmeckt nicht nach Radioaktivität." Was schreibt sie heute? „Liebe Verwandte und Freunde, leider muss ich die Feier zum 85. Geburtstag wegen Corona absagen." Recht hat sie. Da kommen ja nur Höchst-Risikokandidaten zusammen.

Von der Seuche unbeleckt scheinen Reiseveranstalter zu sein, die mich per Postwurfsendung auf die Kreuzfahrt im Mai aufmerksam machen. Im Mai! Wer weiß, ob wir dann reisen können oder nicht mal mehr vor die Haustür dürfen?

Wirklich alles Corona – oder was? Wie kriegt man das künftige Unwort dieses Jahres für kurze Zeit aus dem Kopf? Durch körperliche Anstrengung. Das Holz hinter dem Haus wartet darauf, gesägt zu werden. Gesagt, getan. Aber stopp, das Öl für die Kettensäge ist alle. Der Nachbar hat sicher noch was. Mal anrufen. „Ja, ich habe was. Ich stelle es vor die Tür. Da kannst du es wieder hinstellen, wir sind zu Hause. Dann brauchen wir uns nicht zu nahe zu kommen." Verdammt und zugenäht, Corona, wo bist du blöder Virus nicht?

Aufsteigende Wut bekämpft man am besten mit einem Radausflug. Die Natur mag Milliarden Viren aller Art beherbergen, aber am Wiehengebirge bestimmt keins, dessen Vorfahren im Januar aus China eingewandert sind. Überall frische Luft ohne Corona. Okay, dafür mit vielen Güllepartikeln. Ein Radler kommt mir entgegen. Mein Freund Fritz. „Wo kommst du denn her?" Er zeigt auf seinen Gepäckträger: „Aus Hille, da haben sie noch Klopapier." Mehr habe ich nicht mitbekommen. Ich war schneller weg, als er gucken konnte.

In dem Sinne: bleibt gesund.

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