Minden

Erste Mission erfüllt: "Minden hilft" auf Lesbos angekommen

Thomas Lieske

Peter Koch (von rechts), Jörg Klein und Andreas Schöneberg (links) haben die Spenden nach Lesbos gebracht. Dort ist ein Großteil bereits von heimischen Helfern verteilt worden. - © Foto: privat
Peter Koch (von rechts), Jörg Klein und Andreas Schöneberg (links) haben die Spenden nach Lesbos gebracht. Dort ist ein Großteil bereits von heimischen Helfern verteilt worden. (© Foto: privat)

Minden. Der erste Tag auf Lesbos endete mit einem leeren Bulli. Damit ist Teil eins der Mission bereits erfüllt: Die 100 voll bepackten Rucksäcke der Initiative „Minden hilft" sind auf Lesbos angekommen, abgeladen und zum Teil auch schon an Geflüchtete in den Lagern auf der Insel verteilt.

Für Andreas Schöneberg – in der Kulturszene besser bekannt als Herr Schoen –, Peter Koch und Jörg Klein ist die Reise nach Lesbos heikel. „Viel Unsicherheit war mit auf Reisen, daraus wollen wir keinen Hehl machen", sagen die drei. Immer wieder ist von Attacken auf Helfer, Geflüchtete und Journalisten an der Grenze die Rede. „Die Berichte der letzten zwei Wochen waren verstörend." Deshalb halten die drei Männer ihre genaue Fahrtroute und den Plan, wirklich bis nach Lesbos zu fahren, zunächst auch geheim. „Letztendlich ließ sich die Frage, ob es hier sicher für uns ist, nicht zu 100 Prozent beantworten", erzählen die Helfer aus Minden.

"Minden hilft" auf Lesbos (Plus-Inhalt)

Die ersten Meter auf der griechischen Insel beginnen mit einer ausgiebigen Kontrolle durch Sicherheitskräfte, „was völlig okay ist, denn immerhin waren wir mit einem randvollen Bulli unterwegs". Die drei müssen zwar kein Gepäck da lassen. Doch das kostet viel Überredung. „Es ist zu spüren: Die Nerven liegen blank", schildern die Mindener. Nach mehreren Tagen aufregender Reise ist es dann am Dienstag endlich so weit. Die Initiative trifft in Moria auf Helfer der Organisation „Wave of Hope", das Ziel ist erreicht. Neugierige Kinder laufen dem Bulli hinterher, „verdammt viel Freundlichkeit für einen Ort wie diesen", sind die drei erstaunt.

Jörg Klein von "Minden hilft" vor den gepackten Rucksäcken. - © Foto: pr
Jörg Klein von "Minden hilft" vor den gepackten Rucksäcken. (© Foto: pr)

Viele Zelte, provisorische Gebäude aus Paletten, Holzlatten und Plane prägen das Bild des Lagers. „Wave of Hope" hat dort eine Schule gebaut, um den Kindern ein wenig Bildung zu ermöglichen. Englisch, Griechisch, Musik und Kunst – zumindest ein bisschen Unterricht lässt den Alltag im Zeltlager nicht ganz so trist erscheinen.

„Ein tolles Projekt. Hier haben sich Geflüchtete selbst organisiert", loben die Mindener. Längst ist die provisorische Schule Anlaufpunkt für viele Menschen und damit für ihren eigentlichen Zweck zu klein geworden. Eine neue Schule ist im bau, die Mindener haben sich spontan bereit erklärt, mit anzupacken.

Doch jetzt ist erstmal Zeit, den vollgepackten Bulli endlich zu entladen. Schnell sind zehn Helfer gefunden, die nun bei ihnen mit anpacken. Ein paar Kindersachen gehen sofort an die Kleinen. Die restlichen Rucksäcke packen die Helfer in eines der Planengebäude. „Die Hauptreaktion: Verblüffung. Unglauben. Die Rucksäcke wurden aufgesetzt nicht durchwühlt", erzählen die Mindener. „Ein gleichzeitig guter aber auch beklemmender Moment." Doch viele lachen, „und das ist so unfassbar wichtig". Die Rucksäcke begeistern. Grün, rot, blau – die Farben kommen gut an.

Die restlichen Rucksäcke wollen die Helfer von „Wave of Hope" selbst in den kommenden Tagen verteilen. Schlafsäcke und Schuhe sollen nach Bedarf ausgegeben werden. „Und irgendwann in den nächsten Tagen werden reichlich Bälle durch das Camp rollen." Denn von denen sind reichlich in den Rucksäcken verteilt. „Wir hatten von der ersten Begegnung das Gefühl, dass die Spenden genau an der richtigen Stelle ankommen", freuen sich Peter Koch, Jörg Klein und Andreas Schöneberg. „Wir werden in den nächsten Tagen sicher noch mehr Kontakt haben."

Doch nicht alle Begegnungen sind wohltuend. Noch am gleichen Tag besuchen die drei die Einrichtung „One happy family" der Organisation „Medical Volunteers International". Dieser Ort ist vor ein paar Tagen zu trauriger Berühmtheit gelangt, als ein Feuer die auf dem Gelände befindliche Schule zerstört hat. Viele andere Gebäude auf dem Gelände haben das Feuer überstanden, etwa die medizinische Versorgungsstation. „Die gespendeten Medikamente kommen also bald zum Einsatz! Und hoffentlich hört man auch dort bald wieder ein Kinderlachen", wünschen sich die drei Mindener.

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MindenErste Mission erfüllt: "Minden hilft" auf Lesbos angekommenThomas LieskeMinden. Der erste Tag auf Lesbos endete mit einem leeren Bulli. Damit ist Teil eins der Mission bereits erfüllt: Die 100 voll bepackten Rucksäcke der Initiative „Minden hilft" sind auf Lesbos angekommen, abgeladen und zum Teil auch schon an Geflüchtete in den Lagern auf der Insel verteilt. Für Andreas Schöneberg – in der Kulturszene besser bekannt als Herr Schoen –, Peter Koch und Jörg Klein ist die Reise nach Lesbos heikel. „Viel Unsicherheit war mit auf Reisen, daraus wollen wir keinen Hehl machen", sagen die drei. Immer wieder ist von Attacken auf Helfer, Geflüchtete und Journalisten an der Grenze die Rede. „Die Berichte der letzten zwei Wochen waren verstörend." Deshalb halten die drei Männer ihre genaue Fahrtroute und den Plan, wirklich bis nach Lesbos zu fahren, zunächst auch geheim. „Letztendlich ließ sich die Frage, ob es hier sicher für uns ist, nicht zu 100 Prozent beantworten", erzählen die Helfer aus Minden. Die ersten Meter auf der griechischen Insel beginnen mit einer ausgiebigen Kontrolle durch Sicherheitskräfte, „was völlig okay ist, denn immerhin waren wir mit einem randvollen Bulli unterwegs". Die drei müssen zwar kein Gepäck da lassen. Doch das kostet viel Überredung. „Es ist zu spüren: Die Nerven liegen blank", schildern die Mindener. Nach mehreren Tagen aufregender Reise ist es dann am Dienstag endlich so weit. Die Initiative trifft in Moria auf Helfer der Organisation „Wave of Hope", das Ziel ist erreicht. Neugierige Kinder laufen dem Bulli hinterher, „verdammt viel Freundlichkeit für einen Ort wie diesen", sind die drei erstaunt. Viele Zelte, provisorische Gebäude aus Paletten, Holzlatten und Plane prägen das Bild des Lagers. „Wave of Hope" hat dort eine Schule gebaut, um den Kindern ein wenig Bildung zu ermöglichen. Englisch, Griechisch, Musik und Kunst – zumindest ein bisschen Unterricht lässt den Alltag im Zeltlager nicht ganz so trist erscheinen. „Ein tolles Projekt. Hier haben sich Geflüchtete selbst organisiert", loben die Mindener. Längst ist die provisorische Schule Anlaufpunkt für viele Menschen und damit für ihren eigentlichen Zweck zu klein geworden. Eine neue Schule ist im bau, die Mindener haben sich spontan bereit erklärt, mit anzupacken. Doch jetzt ist erstmal Zeit, den vollgepackten Bulli endlich zu entladen. Schnell sind zehn Helfer gefunden, die nun bei ihnen mit anpacken. Ein paar Kindersachen gehen sofort an die Kleinen. Die restlichen Rucksäcke packen die Helfer in eines der Planengebäude. „Die Hauptreaktion: Verblüffung. Unglauben. Die Rucksäcke wurden aufgesetzt nicht durchwühlt", erzählen die Mindener. „Ein gleichzeitig guter aber auch beklemmender Moment." Doch viele lachen, „und das ist so unfassbar wichtig". Die Rucksäcke begeistern. Grün, rot, blau – die Farben kommen gut an. Die restlichen Rucksäcke wollen die Helfer von „Wave of Hope" selbst in den kommenden Tagen verteilen. Schlafsäcke und Schuhe sollen nach Bedarf ausgegeben werden. „Und irgendwann in den nächsten Tagen werden reichlich Bälle durch das Camp rollen." Denn von denen sind reichlich in den Rucksäcken verteilt. „Wir hatten von der ersten Begegnung das Gefühl, dass die Spenden genau an der richtigen Stelle ankommen", freuen sich Peter Koch, Jörg Klein und Andreas Schöneberg. „Wir werden in den nächsten Tagen sicher noch mehr Kontakt haben." Doch nicht alle Begegnungen sind wohltuend. Noch am gleichen Tag besuchen die drei die Einrichtung „One happy family" der Organisation „Medical Volunteers International". Dieser Ort ist vor ein paar Tagen zu trauriger Berühmtheit gelangt, als ein Feuer die auf dem Gelände befindliche Schule zerstört hat. Viele andere Gebäude auf dem Gelände haben das Feuer überstanden, etwa die medizinische Versorgungsstation. „Die gespendeten Medikamente kommen also bald zum Einsatz! Und hoffentlich hört man auch dort bald wieder ein Kinderlachen", wünschen sich die drei Mindener.