Nackt im Netz!? Neue Kursreihe zur digitalen Selbstverteidigung Anja Peper Minden. Nein, „Schalke04“ ist kein sicheres Passwort. Auch die denkbaren Varianten von „hallo“ oder der weltweite Klassiker „123456“ fallen aus. Wer sich ernsthaft Gedanken macht über Sicherheit im Internet, sollte sich mehr Mühe geben. Eine Kombination aus Sonderzeichen, Ziffern sowie Groß- und Kleinschreibung sind ein Anfang, aber es gibt beispielsweise auch die Möglichkeit, zu würfeln. Tipps und Tricks gibt es bei einer kostenlosen Workshop-Reihe mit dem Titel „Digitale Selbstverteidigung“. Referenten sind Lukas Opheiden (Medienpädagoge bei der Stadtbibliothek Minden) sowie Webentwickler Björn Hase. Er hat Medieninformatik in Emden studiert und arbeitet seit zehn Jahren für verschiedene Agenturen und Unternehmen. Die Inhalte ihrer Workshops sollen den Bedürfnissen der Nutzer angepasst werden. Grob geplant ist ein Abend pro Monat. Nächster Termin ist Donnerstag, 26. März, von 19 bis 21 Uhr. Die Teilnehmer bringen dafür eigene Geräte mit, um sich praktisch mit der Installation von Plugins im Firefox sowie mit der Passwortverwaltung zu beschäftigen. Lukas Opheiden freut sich über Anregungen (siehe Kontakt am Textende). Treffpunkt ist das neue Medienlabor der Stadtbibliothek im gegenüberliegenden Haus der Bildung, Königswall 14. Das Medienlabor hat den Namen „Collabs“. Der Begriff setzt sich zusammen aus „Collaboration“ (Zusammenarbeit) und Labor. Ein Logo existiert bereits, die StaBi wird das Medienlabor bald bekannter machen. Was die Konzeption der neuen Kursreihe erschwert: Die Zielgruppe ist noch etwas diffus. Für wen ist digitale Selbstverteidigung interessant? Auf welchem Stand sind die Leute, welche Erfahrungen mit Smartphone oder Tablet bringen sie mit? Welche Geräte benutzen sie? – Da gibt es derzeit noch viele Fragezeichen. Ursprünglich sollte die abendliche Veranstaltung im Mindener Medienlabor „Kryptoparty“ heißen. Das sind Treffen von Menschen mit dem Ziel, sich gegenseitig Verschlüsselungstechniken beizubringen. Aber mit dem Begriff kann nicht jeder etwas anfangen. „Kryptoparty“ klingt für viele Otto-Normal-Surfer tatsächlich zu kryptisch. Überhaupt: Das Verschlüsseln von E-Mails ist eher eine Übung für Fortgeschrittene: „Dafür gibt es nach wie vor keine wirklich gute Technologie“, sagt Björn Hase, der auch Mitglied im Chaos Computer Club Berlin ist. Jede versendete E-Mail erreicht nie auf direktem Weg den Empfänger, sondern passiert zahlreiche Server überall auf der Welt. Darum können auch Dritte sie lesen. Nur wer das Verschlüsseln regelmäßig übt, bleibt am Ball. Vorher geht es um die Grundlagen für sicheres Surfen Für Passwörter gilt die Faustregel: Je komplexer, desto besser. Sonderzeichen, Zahlen, Groß- und Kleinschreibung sowie ein anderes Passwort für jedes Konto. Wer schnell den Überblick verliert, kann sich zum Beispiel ein Verwaltungsprogramm wie „KeePass“ anschaffen. Eine Möglichkeit ist, sich ein gutes Passwort mithilfe einer Wortliste zu würfeln. Das geht sowohl mit einem echten Würfel von Hand oder auch mit einem so genannte „Diceware-Generator“ aus dem Netz. Was wir im Internet tun, wird protokolliert. Warum der Schutz von Daten so wichtig ist, zeigte die Fernseh-Reporterin und Autorin Svea Eckert (NDR/ARD). Sie hat gezeigt, wie leicht sich Browser-Verläufe von Nutzern nachvollziehen lassen, darunter auch sensible Daten von Polizisten, Richtern und Politikern. Wenn beispielsweise ein bestimmtes Medikament in der Liste eines Politikers auftaucht, kann das im Wahlkampf zum Problem werden. Die Ergebnisse der großen Recherche von Svea Eckert erschien 2016 unter dem Hashtag #nacktimnetz. Ein Recht auf Privatsphäre hat jeder, stellt Björn Hase klar. Denn wer beispielsweise nur einzelne Suchbegriffe eines anderen Users kennt, kann schnell auf eine falsche Fährte geraten, was dessen Absichten angeht. Griffiges Beispiel: Die vier Stichworte Verwesung, Enthauptung, Ehefrau und Axt wurden von einem Mann bei Google eingegeben. Daraus kann schnell ein falscher Verdacht entstehen. Wenn der Mann allerdings Krimiautor von Beruf ist, sieht die Sache schon wieder anders aus. Wer seine eigene Medienkompetenz kritisch überprüfen möchte, kann das ab sofort auf der Seite www.digitalcheck.nrw tun. Jeder Nutzer kann dort kostenfrei testen, wie kompetent er oder sie im Umgang mit digitalen Medien ist. Zugleich finden sich auf dem Portal passende Weiterbildungsmöglichkeiten in ganz Nordrhein-Westfalen, wie zum Beispiel Programmierkurse, Datenschutzberatungen oder Schulungen für Eltern zum Umgang ihrer Kinder mit digitalen Medien. Wer Fragen oder Anregungen für weitere Themen hat, kann sich bei Lukas Opheiden melden: E-Mail: l.opheiden@minden.de oder per Telefon (05 71) 8 37 91 16. Tipps: Sicher im Netz Hundertprozentige Sicherheit im Netz gibt es nicht. Aber ein paar Empfehlungen für geeignete Browser, Einstellungen und sichere Passwörter sowie für einen Online-Selbstcheck: Empfehlenswerte Programme zum Aufruf von Internetseiten (sog. Browser) sind u.a. Mozilla Firefox, der das Blockieren von Aktivitätenverfolgung / Speicherung von Daten (sog. Cookies) ermöglicht sowie der „TOR-Browser“, bei dem sämtliche Verbindungsdaten vollständig anonymisiert werden. Als nützliche Erweiterungen für die Browser werden allgemein „uBlock“ zum Blockieren von Werbebannern sowie NoScript zum Ein- und Ausschalten bzw. zum vollständigen Deaktivieren von Skripten auf Internetseiten empfohlen. Viele Internetseiten werden allerdings ohne Skripte nicht korrekt dargestellt. Mit der Erweiterung „Cookie AutoDelete“ werden nicht mehr verwendete Cookies automatisch nach Schließung des Tabs bzw. der Internetseite gelöscht.“ Passwort-Management: KeePass und KeePassXC (Generator und Suchfunktion). Damit braucht der Nutzer nur noch ein einziges Passwort, um eine größere Liste an Zugangsdaten im Blick zu behalten. Die Programme sind kostenlos und einfach zu bedienen. Weiterbildung: Wie digital bin ich? Der neue #DigitalCheckNRW der Landesregierung bietet einen Selbsttest an. Dort lässt sich herausfinden, wo man Nachholbedarf hat und die Nutzer finden digitale Weiterbildungen. Mehr als 500 Kurse zur Medienkompetenzförderung sind in der Datenbank aufrufbar. Hilfe bei Smartphone und Tablet: Für Neueinsteiger gibt es auch die Lehrgänge „Lerne Smart“ in Minden. Das generationsübergreifende Konzept bringt Schüler mit Erwachsenen der vor-digitalen Generation im kleinen Kreis zusammen. Die Lehrgänge finden im Verlagsgebäude J.C.C. Bruns statt. Kontakt: Telefon (05 71) 882 571 oder www.lernesmart.de Empfohlene Links: www.Digitalcourage.de, , www.Netzpolitik.org, www.Media.ccc.de Tipps: Sicher im Netz

Nackt im Netz!? Neue Kursreihe zur digitalen Selbstverteidigung

Einen 100-prozentigen Schutz vor Hackern im Internet gibt es nicht. Ziel der Kurse ist es daher, der Gegenseite das Ausspähen so schwer wie möglich zu machen. Außerdem lohnt es sich, die eigene Medienkompetenz zu überprüfen und gegebenenfalls mit passenden Weiterbildungsangeboten zu verbessern. © Foto: MT-Archiv/pixabay

Minden. Nein, „Schalke04“ ist kein sicheres Passwort. Auch die denkbaren Varianten von „hallo“ oder der weltweite Klassiker „123456“ fallen aus. Wer sich ernsthaft Gedanken macht über Sicherheit im Internet, sollte sich mehr Mühe geben. Eine Kombination aus Sonderzeichen, Ziffern sowie Groß- und Kleinschreibung sind ein Anfang, aber es gibt beispielsweise auch die Möglichkeit, zu würfeln. Tipps und Tricks gibt es bei einer kostenlosen Workshop-Reihe mit dem Titel „Digitale Selbstverteidigung“. Referenten sind Lukas Opheiden (Medienpädagoge bei der Stadtbibliothek Minden) sowie Webentwickler Björn Hase. Er hat Medieninformatik in Emden studiert und arbeitet seit zehn Jahren für verschiedene Agenturen und Unternehmen.

Die Inhalte ihrer Workshops sollen den Bedürfnissen der Nutzer angepasst werden. Grob geplant ist ein Abend pro Monat. Nächster Termin ist Donnerstag, 26. März, von 19 bis 21 Uhr. Die Teilnehmer bringen dafür eigene Geräte mit, um sich praktisch mit der Installation von Plugins im Firefox sowie mit der Passwortverwaltung zu beschäftigen. Lukas Opheiden freut sich über Anregungen (siehe Kontakt am Textende). Treffpunkt ist das neue Medienlabor der Stadtbibliothek im gegenüberliegenden Haus der Bildung, Königswall 14. Das Medienlabor hat den Namen „Collabs“. Der Begriff setzt sich zusammen aus „Collaboration“ (Zusammenarbeit) und Labor. Ein Logo existiert bereits, die StaBi wird das Medienlabor bald bekannter machen.

Aufgabe zum Aufwärmen: Ein sicheres Passwort finden. Björn Hase (links) und Lukas Opheiden leiten die Kursreihe zur digitalen Selbstverteidigung im Medienlabor „Collabs“. MT-Foto: Anja Peper - © Anja Peper
Aufgabe zum Aufwärmen: Ein sicheres Passwort finden. Björn Hase (links) und Lukas Opheiden leiten die Kursreihe zur digitalen Selbstverteidigung im Medienlabor „Collabs“. MT-Foto: Anja Peper - © Anja Peper

Was die Konzeption der neuen Kursreihe erschwert: Die Zielgruppe ist noch etwas diffus. Für wen ist digitale Selbstverteidigung interessant? Auf welchem Stand sind die Leute, welche Erfahrungen mit Smartphone oder Tablet bringen sie mit? Welche Geräte benutzen sie? – Da gibt es derzeit noch viele Fragezeichen. Ursprünglich sollte die abendliche Veranstaltung im Mindener Medienlabor „Kryptoparty“ heißen. Das sind Treffen von Menschen mit dem Ziel, sich gegenseitig Verschlüsselungstechniken beizubringen. Aber mit dem Begriff kann nicht jeder etwas anfangen. „Kryptoparty“ klingt für viele Otto-Normal-Surfer tatsächlich zu kryptisch.

Überhaupt: Das Verschlüsseln von E-Mails ist eher eine Übung für Fortgeschrittene: „Dafür gibt es nach wie vor keine wirklich gute Technologie“, sagt Björn Hase, der auch Mitglied im Chaos Computer Club Berlin ist. Jede versendete E-Mail erreicht nie auf direktem Weg den Empfänger, sondern passiert zahlreiche Server überall auf der Welt. Darum können auch Dritte sie lesen. Nur wer das Verschlüsseln regelmäßig übt, bleibt am Ball.

Vorher geht es um die Grundlagen für sicheres Surfen Für Passwörter gilt die Faustregel: Je komplexer, desto besser. Sonderzeichen, Zahlen, Groß- und Kleinschreibung sowie ein anderes Passwort für jedes Konto. Wer schnell den Überblick verliert, kann sich zum Beispiel ein Verwaltungsprogramm wie „KeePass“ anschaffen. Eine Möglichkeit ist, sich ein gutes Passwort mithilfe einer Wortliste zu würfeln. Das geht sowohl mit einem echten Würfel von Hand oder auch mit einem so genannte „Diceware-Generator“ aus dem Netz.

Was wir im Internet tun, wird protokolliert. Warum der Schutz von Daten so wichtig ist, zeigte die Fernseh-Reporterin und Autorin Svea Eckert (NDR/ARD). Sie hat gezeigt, wie leicht sich Browser-Verläufe von Nutzern nachvollziehen lassen, darunter auch sensible Daten von Polizisten, Richtern und Politikern. Wenn beispielsweise ein bestimmtes Medikament in der Liste eines Politikers auftaucht, kann das im Wahlkampf zum Problem werden. Die Ergebnisse der großen Recherche von Svea Eckert erschien 2016 unter dem Hashtag #nacktimnetz.

Ein Recht auf Privatsphäre hat jeder, stellt Björn Hase klar. Denn wer beispielsweise nur einzelne Suchbegriffe eines anderen Users kennt, kann schnell auf eine falsche Fährte geraten, was dessen Absichten angeht. Griffiges Beispiel: Die vier Stichworte Verwesung, Enthauptung, Ehefrau und Axt wurden von einem Mann bei Google eingegeben. Daraus kann schnell ein falscher Verdacht entstehen. Wenn der Mann allerdings Krimiautor von Beruf ist, sieht die Sache schon wieder anders aus.

Wer seine eigene Medienkompetenz kritisch überprüfen möchte, kann das ab sofort auf der Seite www.digitalcheck.nrw tun. Jeder Nutzer kann dort kostenfrei testen, wie kompetent er oder sie im Umgang mit digitalen Medien ist. Zugleich finden sich auf dem Portal passende Weiterbildungsmöglichkeiten in ganz Nordrhein-Westfalen, wie zum Beispiel Programmierkurse, Datenschutzberatungen oder Schulungen für Eltern zum Umgang ihrer Kinder mit digitalen Medien.

Wer Fragen oder Anregungen für weitere Themen hat, kann sich bei Lukas Opheiden melden: E-Mail: l.opheiden@minden.de oder per Telefon (05 71) 8 37 91 16.

Tipps: Sicher im Netz

Hundertprozentige Sicherheit im Netz gibt es nicht. Aber ein paar Empfehlungen für geeignete Browser, Einstellungen und sichere Passwörter sowie für einen Online-Selbstcheck:

  • Empfehlenswerte Programme zum Aufruf von Internetseiten (sog. Browser) sind u.a. Mozilla Firefox, der das Blockieren von Aktivitätenverfolgung / Speicherung von Daten (sog. Cookies) ermöglicht sowie der „TOR-Browser“, bei dem sämtliche Verbindungsdaten vollständig anonymisiert werden.
  • Als nützliche Erweiterungen für die Browser werden allgemein „uBlock“ zum Blockieren von Werbebannern sowie NoScript zum Ein- und Ausschalten bzw. zum vollständigen Deaktivieren von Skripten auf Internetseiten empfohlen. Viele Internetseiten werden allerdings ohne Skripte nicht korrekt dargestellt. Mit der Erweiterung „Cookie AutoDelete“ werden nicht mehr verwendete Cookies automatisch nach Schließung des Tabs bzw. der Internetseite gelöscht.“
  • Passwort-Management: KeePass und KeePassXC (Generator und Suchfunktion). Damit braucht der Nutzer nur noch ein einziges Passwort, um eine größere Liste an Zugangsdaten im Blick zu behalten. Die Programme sind kostenlos und einfach zu bedienen.
  • Weiterbildung: Wie digital bin ich? Der neue #DigitalCheckNRW der Landesregierung bietet einen Selbsttest an. Dort lässt sich herausfinden, wo man Nachholbedarf hat und die Nutzer finden digitale Weiterbildungen. Mehr als 500 Kurse zur Medienkompetenzförderung sind in der Datenbank aufrufbar.
  • Hilfe bei Smartphone und Tablet: Für Neueinsteiger gibt es auch die Lehrgänge „Lerne Smart“ in Minden. Das generationsübergreifende Konzept bringt Schüler mit Erwachsenen der vor-digitalen Generation im kleinen Kreis zusammen. Die Lehrgänge finden im Verlagsgebäude J.C.C. Bruns statt. Kontakt: Telefon (05 71) 882 571 oder www.lernesmart.de

Empfohlene Links: www.Digitalcourage.de, , www.Netzpolitik.org, www.Media.ccc.de

Tipps: Sicher im Netz

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

Weiterlesen in Minden
Wählen Sie ein Thema