Mindener Paul Klassen zeigt seine neuesten Luxusautos - und dann fällt der Genfer Auto-Salon aus Henning Wandel Minden. Sein Geschäft mit dem Luxus begann vor acht Jahren in Genf, seitdem ist der Mindener Paul Klassen Dauergast auf dem renommierten Auto-Salon, eine der wichtigsten Fachmessen der Branche. Kommende Woche sollte dort der nächste Mindener Paukenschlag präsentiert werden. Doch Freitagmittag wird der Plan jäh gestoppt: Wegen der Corona-Epidemie müssen in der Schweiz alle Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen abgesagt werden. Auch der Auto-Salon. Für Klassen bedeutet das statt neuer Aufträge einen Verlust in mittlerer sechsstelliger Höhe. Ein herber Rückschlag. Zu diesem Zeitpunkt ist schon alles bis ins Detail vorbereitet: Klassen verbindet seine extravaganten Innenausbauten mit einer gepanzerten Karosserie – und das in Form eines verlängerten Range Rovers und der gerade frisch überarbeiteten Mercedes G-Klasse. Der Unterschied zwischen der Firmenzentrale am Schwarzen Weg und der Glitzerwelt der schwarzen Luxuslimousinen könnte größer kaum sein. Trotzdem steht Klassen zu den Wurzeln, die in einer Garage in der Pionierstraße liegen. Das Top-Modell von Range Rover ist schon in der Serienausführung eine beeindruckende Erscheinung, umso mehr in der Werkstatt gleich neben den Bahngleisen. Klassen hat den Edel-SUV auseinandergeschnitten und noch einmal einen Meter verlängert. Im Inneren verbergen sich zwei mehr als nur langstreckentaugliche Einzelsitze mit Massagefunktion und freiem Blick auf den großen Bildschirm. Zwei gegenüberliegende, versteckte Klappsitze gibt es auch – für müde Beine oder zur Not für zusätzliche Mitfahrer. In der Praxis dürfte das Letztere eher selten der Fall sein: Das Auto geht als Präsidentenfahrzeug nach Afrika. Paul Klassens Geschäft lebt von Diskretion, zufriedenen Kunden und dem Neid in deren Umfeld. So auch in diesem Fall: Was der eine Staatschef hat, weckt andernorts Interesse. Ein von Klassen verlängerter Range Rover ist in Kamerun schon eine Weile als Staatskarosse im Einsatz, auf Youtube kursieren dazu auch Videos. Dort ist zu sehen, wie Präsident Paul Biya sich durch eine großzügige Öffnung im Dach auch während der Fahrt den Menschen zeigen kann. Von diesen Vorzügen kann sich demnächst ein weiteres Staatsoberhaupt überzeugen. „Das ist schon unser siebtes Präsidentenfahrzeug", sagt Paul Klassen. Namen werden in diesem Geschäft nicht genannt. Bei offiziellen Staats-Auftritten wird aber auch so schnell klar, wer mit den Mindener Sonderschutzfahrzeugen unterwegs ist. Anders sieht das bei privaten Kunden aus. Darunter seien auch Milliardäre, die sich auf der Forbes-Liste weit vorne wiederfänden, so Klassen. Das Magazin stellt jährlich einen Überblick über die reichsten Menschen der Welt auf. Der wohl wichtigste Markt für den 42 Jahre alten Mindener, der vor 17 Jahren in einer Garage begann, nachdem er seinen Job bei den Städtischen Betrieben gekündigt hatte, ist Russland. Klassen kennt seine Klientel, spricht die Sprache. Als 13-jähriger Junge kam er aus Tadschikistan nach Minden. Doch mit Beginn der Krimkrise 2014 wurde es dort schwierig, sagt er im Rückblick. Neue Kundenkreise mussten her: es kamen exzentrische Fußball-Profis, reiche PS-Freunde und eben Staatschefs. Doch auch auf diese neuen Standbeine mag er sich nicht ausschließlich stützen – die Krim-Erfahrung hallt nach. Inzwischen baut er auch Häuser unter der geschützten Marke Klassen. Der nächste Schritt soll im September folgen: Auf der Monaco Yacht Show will Klassen gemeinsam mit dem Schiffbauer Dynamiq in das Jacht-Geschäft einsteigen. Den optisch passenden Van wollte er als „Geneva Edition" in Genf präsentieren, nebst einem Modell der Schiffes. Über diese Verbindung soll es auch schon Kontakt zu einem Kunden geben, mit dem Paul Klassen endlich sein Traumprojekt umsetzen kann: den verlängerten Rolls Royce Cullinan, der allein schon mindestens 1,3 Millionen Euro kosten wird, derzeit aber nur auf dem Papier existiert. Während der Rolls Royce noch ein wenig auf sich warten lässt, hat Klassen einen wichtigen bürokratischen Schritt gemacht: Seit knapp einem Jahr ist das Mindener Unternehmen vom Kraftfahrt-Bundesamt als Hersteller zugelassen. Bisher blieb ein Mercedes auch nach der Klassen-Kur ein Mercedes – zumindest auf dem Papier. Mit dem Hersteller-Zertifikat, das in der Firmenzentrale in einem Büro an der Wand hängt, schafft es die Mindener Marke auch in den Fahrzeugbrief. Der Mercedes ist dann ganz offiziell ein Klassen. Bis dahin war es ein langer Weg. Mindestens 500 Fahrzeuge müsste er produziert haben, um die begehrte Lizenz zu bekommen, 50 davon würden intensiv unter die Lupe genommen. Die finanzielle Situation des Unternehmens werde ebenso begutachtet wie die Geschäftsbeziehungen. Aktuell stürzt sich die Branche der Auto-Veredler auf die aktualisierte Mercedes G-Klasse. Nach dem letzten Facelift habe Daimler selbst auf eine gepanzerte „Guard"-Version verzichtet und den Manufakturen den Weg freigemacht. Auch bekanntere Namen versuchen sich jetzt an schusssicheren Varianten. „Die schaffen aber nur VR6", sagt Paul Klassen. Gemeint ist die Widerstandsklasse. VR6 bedeutet Schutz gegen Eisenkernmunition, abgefeuert aus einem Sturmgewehr. VR7 würde schon den üblichen Nato-Geschossen standhalten. Klassens Präsidentenlimousine erfüllt diese Vorgabe. Mit der G-Klasse geht der Mindener noch einen Schritt weiter auf Stufe 8, mehr geht im zivilen Bereich kaum. Zum Vergleich: Der Cadillac des US-Präsidenten soll etwa auf Stufe zehn liegen. Passend dazu gibt es auch gleich eine neue Marke: Gepanzerte Autos aus dem Hause Klassen heißen jetzt Bunker. Auch diesen Namen wollte Paul Klassen in Genf in die Autowelt tragen. Die Frage, wer ein solches Auto tatsächlich benötigt, scheint nicht wichtig zu sein. Klassen baut, was die Kunden wünschen und hat offensichtlich viel Freude daran, seine Grenzen immer wieder ein wenig zu verschieben. Gerade bei technischen Details kommt er schnell ins Plaudern. Er ist im Herzen ein Bastler geblieben, auch wenn seine Konstruktionen inzwischen längst von Mitarbeitern in der Türkei umgesetzt werden. Geld spielt in dieser Liga praktisch keine Rolle. Beispiel: Wer den Bunker-SUV haben möchte, muss schon für das Basisfahrzeug 150.000 Euro hinlegen. Wenn Klassen damit fertig ist, sind daraus etwa 500.000 Euro geworden. Mindestens. Dafür gibt es neben der Rundum-Panzerung – also auch Dach und Unterboden – im Fonds luxuriöse Maybach-Sitze: „Alle haben gesagt, das geht gar nicht. Aber wir haben die Sitze weiter nach hinten verlegt und es doch hinbekommen." Den besten Eindruck von den Dimensionen bekommt man bei geöffnetem Fenster. Erst jetzt sind die mehrere Zentimeter dicken und aus einzelnen Schichten zusammengesetzten Scheiben wirklich zu sehen. Wie mit Nut und Feder schließen sie oben im Türrahmen ab, so kann die Scheibe nicht nach innen gedrückt werden. Weil aber die beste Panzerung nicht hilft, wenn das Auto nicht mehr fahren kann, haben die Mindener eigene Räder entwickelt. Sie können sich bei Feuer automatisch löschen und sind wegen eines Gummiblocks um die Felge auch bei zerschossenen Reifen noch fahrtauglich. „Das Auto kann dann immer noch 80 Stundenkilometer schnell fahren. Das Wichtigste ist ja, die Gefahrensituation so schnell wie möglich zu verlassen." Gefährlich sollte es in Genf nicht werden – bis das Virus kam. Jetzt bleiben nur wenige Tage, um dort alles wieder abzubauen. Paul Klassen kann sich dann wieder auf die Baustelle am Schwarzen Weg konzentrieren, an dem es bald noch etwas diskreter zugehen soll. Man dürfe den Charakter der Garagenfirma zwar ruhig noch erkennen, sagt der Chef. „Da kommen wir schließlich her." Trotzdem wird der Showroom mit von außen blickdichten Scheiben ausgerüstet, damit sich auch Milliardäre von der Forbes-Liste ungesehen umsehen können. Das Geschäft mit dem Luxus läuft gut – schließlich werden die Superreichen auch in Krisen nur selten ärmer. Genfer Auto-Salon Der Genfer Autosalon zählt zu den weltweit wichtigsten Fachmessen der Automobilbranche. Die 90. Auflage sollte an diesem Montag starten, wurde aber am Freitag kurzfristig wegen des Corona-Virus' abgesagt. Der Messeveranstalter hatte bis zuletzt gehofft. Wegen der steigenden Infektionszahlen aber hatte Staat alle Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen verboten. (hwa)

Mindener Paul Klassen zeigt seine neuesten Luxusautos - und dann fällt der Genfer Auto-Salon aus

Staatstragend vor preußischer Kulisse: Der um einen Meter verlängerte Range Rover ist für Präsidenten gedacht (oben). Paul Klassen hat sich in den vergangenen Jahren eine exklusive Kundschaft aufgebaut, die sich die Arbeit des Mindeners einiges kosten lässt. Die Absage der Genfer Messe schmerzt trotzdem.

Minden. Sein Geschäft mit dem Luxus begann vor acht Jahren in Genf, seitdem ist der Mindener Paul Klassen Dauergast auf dem renommierten Auto-Salon, eine der wichtigsten Fachmessen der Branche. Kommende Woche sollte dort der nächste Mindener Paukenschlag präsentiert werden. Doch Freitagmittag wird der Plan jäh gestoppt: Wegen der Corona-Epidemie müssen in der Schweiz alle Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen abgesagt werden. Auch der Auto-Salon. Für Klassen bedeutet das statt neuer Aufträge einen Verlust in mittlerer sechsstelliger Höhe. Ein herber Rückschlag.

Zu diesem Zeitpunkt ist schon alles bis ins Detail vorbereitet: Klassen verbindet seine extravaganten Innenausbauten mit einer gepanzerten Karosserie – und das in Form eines verlängerten Range Rovers und der gerade frisch überarbeiteten Mercedes G-Klasse. Der Unterschied zwischen der Firmenzentrale am Schwarzen Weg und der Glitzerwelt der schwarzen Luxuslimousinen könnte größer kaum sein. Trotzdem steht Klassen zu den Wurzeln, die in einer Garage in der Pionierstraße liegen.

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Staatstragend vor preußischer Kulisse: Der um einen Meter verlängerte Range Rover ist für Präsidenten gedacht (oben). Paul Klassen hat sich in den vergangenen Jahren eine exklusive Kundschaft aufgebaut, die sich die Arbeit des Mindeners einiges kosten lässt. Die Absage der Genfer Messe schmerzt trotzdem.
Staatstragend vor preußischer Kulisse: Der um einen Meter verlängerte Range Rover ist für Präsidenten gedacht (oben). Paul Klassen hat sich in den vergangenen Jahren eine exklusive Kundschaft aufgebaut, die sich die Arbeit des Mindeners einiges kosten lässt. Die Absage der Genfer Messe schmerzt trotzdem.

Das Top-Modell von Range Rover ist schon in der Serienausführung eine beeindruckende Erscheinung, umso mehr in der Werkstatt gleich neben den Bahngleisen. Klassen hat den Edel-SUV auseinandergeschnitten und noch einmal einen Meter verlängert. Im Inneren verbergen sich zwei mehr als nur langstreckentaugliche Einzelsitze mit Massagefunktion und freiem Blick auf den großen Bildschirm. Zwei gegenüberliegende, versteckte Klappsitze gibt es auch – für müde Beine oder zur Not für zusätzliche Mitfahrer. In der Praxis dürfte das Letztere eher selten der Fall sein: Das Auto geht als Präsidentenfahrzeug nach Afrika.

Staatstragend vor preußischer Kulisse: Der um einen Meter verlängerte Range Rover ist für Präsidenten gedacht (oben). Paul Klassen hat sich in den vergangenen Jahren eine exklusive Kundschaft aufgebaut, die sich die Arbeit des Mindeners einiges kosten lässt. Die Absage der Genfer Messe schmerzt trotzdem. MT-Fotos: Alex Lehn
Staatstragend vor preußischer Kulisse: Der um einen Meter verlängerte Range Rover ist für Präsidenten gedacht (oben). Paul Klassen hat sich in den vergangenen Jahren eine exklusive Kundschaft aufgebaut, die sich die Arbeit des Mindeners einiges kosten lässt. Die Absage der Genfer Messe schmerzt trotzdem. MT-Fotos: Alex Lehn

Paul Klassens Geschäft lebt von Diskretion, zufriedenen Kunden und dem Neid in deren Umfeld. So auch in diesem Fall: Was der eine Staatschef hat, weckt andernorts Interesse. Ein von Klassen verlängerter Range Rover ist in Kamerun schon eine Weile als Staatskarosse im Einsatz, auf Youtube kursieren dazu auch Videos. Dort ist zu sehen, wie Präsident Paul Biya sich durch eine großzügige Öffnung im Dach auch während der Fahrt den Menschen zeigen kann. Von diesen Vorzügen kann sich demnächst ein weiteres Staatsoberhaupt überzeugen. „Das ist schon unser siebtes Präsidentenfahrzeug", sagt Paul Klassen.

Namen werden in diesem Geschäft nicht genannt. Bei offiziellen Staats-Auftritten wird aber auch so schnell klar, wer mit den Mindener Sonderschutzfahrzeugen unterwegs ist. Anders sieht das bei privaten Kunden aus. Darunter seien auch Milliardäre, die sich auf der Forbes-Liste weit vorne wiederfänden, so Klassen. Das Magazin stellt jährlich einen Überblick über die reichsten Menschen der Welt auf.

Der wohl wichtigste Markt für den 42 Jahre alten Mindener, der vor 17 Jahren in einer Garage begann, nachdem er seinen Job bei den Städtischen Betrieben gekündigt hatte, ist Russland. Klassen kennt seine Klientel, spricht die Sprache. Als 13-jähriger Junge kam er aus Tadschikistan nach Minden. Doch mit Beginn der Krimkrise 2014 wurde es dort schwierig, sagt er im Rückblick. Neue Kundenkreise mussten her: es kamen exzentrische Fußball-Profis, reiche PS-Freunde und eben Staatschefs. Doch auch auf diese neuen Standbeine mag er sich nicht ausschließlich stützen – die Krim-Erfahrung hallt nach. Inzwischen baut er auch Häuser unter der geschützten Marke Klassen.

Der nächste Schritt soll im September folgen: Auf der Monaco Yacht Show will Klassen gemeinsam mit dem Schiffbauer Dynamiq in das Jacht-Geschäft einsteigen. Den optisch passenden Van wollte er als „Geneva Edition" in Genf präsentieren, nebst einem Modell der Schiffes. Über diese Verbindung soll es auch schon Kontakt zu einem Kunden geben, mit dem Paul Klassen endlich sein Traumprojekt umsetzen kann: den verlängerten Rolls Royce Cullinan, der allein schon mindestens 1,3 Millionen Euro kosten wird, derzeit aber nur auf dem Papier existiert.

Während der Rolls Royce noch ein wenig auf sich warten lässt, hat Klassen einen wichtigen bürokratischen Schritt gemacht: Seit knapp einem Jahr ist das Mindener Unternehmen vom Kraftfahrt-Bundesamt als Hersteller zugelassen. Bisher blieb ein Mercedes auch nach der Klassen-Kur ein Mercedes – zumindest auf dem Papier. Mit dem Hersteller-Zertifikat, das in der Firmenzentrale in einem Büro an der Wand hängt, schafft es die Mindener Marke auch in den Fahrzeugbrief. Der Mercedes ist dann ganz offiziell ein Klassen.

Bis dahin war es ein langer Weg. Mindestens 500 Fahrzeuge müsste er produziert haben, um die begehrte Lizenz zu bekommen, 50 davon würden intensiv unter die Lupe genommen. Die finanzielle Situation des Unternehmens werde ebenso begutachtet wie die Geschäftsbeziehungen.

Aktuell stürzt sich die Branche der Auto-Veredler auf die aktualisierte Mercedes G-Klasse. Nach dem letzten Facelift habe Daimler selbst auf eine gepanzerte „Guard"-Version verzichtet und den Manufakturen den Weg freigemacht. Auch bekanntere Namen versuchen sich jetzt an schusssicheren Varianten. „Die schaffen aber nur VR6", sagt Paul Klassen. Gemeint ist die Widerstandsklasse. VR6 bedeutet Schutz gegen Eisenkernmunition, abgefeuert aus einem Sturmgewehr. VR7 würde schon den üblichen Nato-Geschossen standhalten. Klassens Präsidentenlimousine erfüllt diese Vorgabe. Mit der G-Klasse geht der Mindener noch einen Schritt weiter auf Stufe 8, mehr geht im zivilen Bereich kaum. Zum Vergleich: Der Cadillac des US-Präsidenten soll etwa auf Stufe zehn liegen. Passend dazu gibt es auch gleich eine neue Marke: Gepanzerte Autos aus dem Hause Klassen heißen jetzt Bunker. Auch diesen Namen wollte Paul Klassen in Genf in die Autowelt tragen.

Die Frage, wer ein solches Auto tatsächlich benötigt, scheint nicht wichtig zu sein. Klassen baut, was die Kunden wünschen und hat offensichtlich viel Freude daran, seine Grenzen immer wieder ein wenig zu verschieben. Gerade bei technischen Details kommt er schnell ins Plaudern. Er ist im Herzen ein Bastler geblieben, auch wenn seine Konstruktionen inzwischen längst von Mitarbeitern in der Türkei umgesetzt werden.

Geld spielt in dieser Liga praktisch keine Rolle. Beispiel: Wer den Bunker-SUV haben möchte, muss schon für das Basisfahrzeug 150.000 Euro hinlegen. Wenn Klassen damit fertig ist, sind daraus etwa 500.000 Euro geworden. Mindestens. Dafür gibt es neben der Rundum-Panzerung – also auch Dach und Unterboden – im Fonds luxuriöse Maybach-Sitze: „Alle haben gesagt, das geht gar nicht. Aber wir haben die Sitze weiter nach hinten verlegt und es doch hinbekommen." Den besten Eindruck von den Dimensionen bekommt man bei geöffnetem Fenster. Erst jetzt sind die mehrere Zentimeter dicken und aus einzelnen Schichten zusammengesetzten Scheiben wirklich zu sehen. Wie mit Nut und Feder schließen sie oben im Türrahmen ab, so kann die Scheibe nicht nach innen gedrückt werden. Weil aber die beste Panzerung nicht hilft, wenn das Auto nicht mehr fahren kann, haben die Mindener eigene Räder entwickelt. Sie können sich bei Feuer automatisch löschen und sind wegen eines Gummiblocks um die Felge auch bei zerschossenen Reifen noch fahrtauglich. „Das Auto kann dann immer noch 80 Stundenkilometer schnell fahren. Das Wichtigste ist ja, die Gefahrensituation so schnell wie möglich zu verlassen."

Gefährlich sollte es in Genf nicht werden – bis das Virus kam. Jetzt bleiben nur wenige Tage, um dort alles wieder abzubauen. Paul Klassen kann sich dann wieder auf die Baustelle am Schwarzen Weg konzentrieren, an dem es bald noch etwas diskreter zugehen soll. Man dürfe den Charakter der Garagenfirma zwar ruhig noch erkennen, sagt der Chef. „Da kommen wir schließlich her." Trotzdem wird der Showroom mit von außen blickdichten Scheiben ausgerüstet, damit sich auch Milliardäre von der Forbes-Liste ungesehen umsehen können. Das Geschäft mit dem Luxus läuft gut – schließlich werden die Superreichen auch in Krisen nur selten ärmer.

Genfer Auto-Salon

  • Der Genfer Autosalon zählt zu den weltweit wichtigsten Fachmessen der Automobilbranche. Die 90. Auflage sollte an diesem Montag starten, wurde aber am Freitag kurzfristig wegen des Corona-Virus' abgesagt.
  • Der Messeveranstalter hatte bis zuletzt gehofft. Wegen der steigenden Infektionszahlen aber hatte Staat alle Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen verboten. (hwa)
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