Minden

Rettungsversuch für die Kreisschwimmhalle: Nutzer gehen in die Offensive

Henning Wandel

Mit Hubboden und beheizter Bank am Fenster: Die Kreisschwimmhalle ist aus Sicht der Nutzer vor allem für die Ausbildung unverzichtbar. Foto: Victoria Derksen/Privat - © Victoria Derksen / Privat
Mit Hubboden und beheizter Bank am Fenster: Die Kreisschwimmhalle ist aus Sicht der Nutzer vor allem für die Ausbildung unverzichtbar. Foto: Victoria Derksen/Privat (© Victoria Derksen / Privat)

Minden. Der Beschluss zum Abriss der Kreisschwimmhalle hat die Nutzer kalt erwischt. Und auch zwei Monate nach der entscheidenden Sitzung des Kreistages wirken die Spitzen der betroffenen Vereine und Verbände konsterniert. „Am 16. Dezember wurde der Abriss mit einem Federstrich beschlossen“, sagt Helmut Schemmann. Als Geschäftsführer des Kreissportbundes Minden-Lübbecke vertritt er mehr als 470 Vereine mit insgesamt 115.000 Mitgliedern. Im Pressegespräch sitzt Schemmann gemeinsam mit Vertretern der DLRG, des SV 1860 und des Betriebssportverbandes an einem Tisch. Sie alle zählen zu den Unterzeichnern eines Offenen Briefes, in dem sie den Erhalt der Halle fordern.

Aus ihrer Sicht bietet die Kreisschwimmhalle einzigartige Möglichkeiten. Sie sei als Lehrbecken mit einer verstellbaren Wassertiefe und einer großen beheizten Bank am Beckenrand bestens geeignet für die Ausbildung, sagt der Mindener DLRG-Vorsitzende Peter Adam, zudem sei die Halle sehr gut gepflegt. Das unterstreicht auch Schemmann: Die Anlage sei augenscheinlich völlig intakt. Auch deswegen kam der Abrissbeschluss überraschend. Während der Debatte um die Kampa-Halle sei das benachbarte Bad nie ein Thema gewesen, über einen möglichen Abriss mit den Nutzern nie gesprochen worden, sagt Schemmann. „Es hieß immer: Das betrifft euch nicht.“ Jetzt betrifft es sie doch. Abschreiben wollen sie die Halle aber nicht. „Wir haben Hoffnung, dass es weitergeht“, sagt DLRG-Geschäftsführer Daniel Westermann. „Sonst würden wir hier nicht sitzen.“

Ob der Beschluss zumindest in diesem Detail noch einmal verändert werden kann, ist indes offen. Zuständig wäre zunächst die Kreispolitik, die dem Abriss im Paket mit der Kampa-Halle und einer Zuwendung für den Bau einer Multifunktionsarena mehrheitlich zugestimmt hatte. Darauf verweist gegenüber dem MT auch Landrat Dr. Ralf Niermann (SPD). Er habe großes Verständnis für das Anliegen der Vereine, sagt er. Auch habe er der Politik schon im November nahegelegt, das Thema Kreisschwimmhalle zu vertiefen, es habe aber „keine inhaltliche Befassung“ gegeben. Auch erinnert Niermann an die von der Verwaltung ursprünglich vorgeschlagene Sanierung des Komplexes. Der jetzt gefasste Beschluss hingegen sei in der Politik erarbeitet worden. „Wir sind gesprächsbereit, aber an den politischen Beschluss gebunden“, sagt Niermann. Soll heißen: Landrat und Kreisverwaltung sind nicht zuständig.

Bleibt also der Kreistag und damit vor allem die beiden großen Fraktionen von CDU und SPD. Auch sie zählen zu den Adressaten des Briefes, der seit gut einer Woche kursiert. Die SPD-Fraktion habe schon vor der Veröffentlichung des Briefes den Kreissportbund und den Stadtsportverband zu einem Gespräch eingeladen, sagt die Vorsitzende Birgit Härtel. Später habe die Fraktion vorgeschlagen, weitere Unterzeichner einzuladen. Anfang März soll es dafür einen Termin geben. Die Frage, ob sie eine Chance für den Erhalt der Kreisschwimmhalle sieht, lässt Härtel unbeantwortet. Ihr Gegenüber von der CDU, Detlef Beckschewe, sieht wenig Chancen, den Beschluss noch einmal zu ändern. Ziel sei es, möglichst schnell das neue Sportzentrum auf den Weg zu bringen.

Für Helmut Schemmann geht es um eine Wertedebatte. Mit dem Beschluss entziehe der Kreis dem allgemeinen Sport Geld, um es woanders zu investieren – in diesem Fall in eine Halle für Bundesliga-Handball und Veranstaltungen. „GWD und Sport wird zu oft gleichgesetzt“, sagt Schemmann. Zwar wird in dem Offenen Brief ausdrücklich der Neubau einer Heimarena für GWD unterstützt. Dass dieser Beschluss allerdings zulasten des allgemeinen Sports getroffen wurde, „sei „völlig inakzeptabel“.

Einen Kronzeugen haben die Vereine übrigens an höchster Stelle: Das nordrhein-westfälische Schulministerium hat noch im Juni 2019 einen Aktionsplan „Schwimmen lernen“ beschlossen. Darin geht es ausdrücklich auch um den Erhalt von Wasserflächen: Das Land werde mit den Badbetreibern einen Dialog führen, „wie vorhandene Wasserflächen dauerhaft erhalten und für das Schulschwimmen genutzt werden können“, heißt es auf der Internetseite des Ministeriums.

Zumindest eine gute Nachricht hatte Landrat Niermann schließlich doch: Bis Ende des Jahres kann die Kreisschwimmhalle mindestens genutzt werden. Wie es danach weitergeht, müssen die jetzt anstehenden Gespräche zeigen.

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MindenRettungsversuch für die Kreisschwimmhalle: Nutzer gehen in die OffensiveHenning WandelMinden. Der Beschluss zum Abriss der Kreisschwimmhalle hat die Nutzer kalt erwischt. Und auch zwei Monate nach der entscheidenden Sitzung des Kreistages wirken die Spitzen der betroffenen Vereine und Verbände konsterniert. „Am 16. Dezember wurde der Abriss mit einem Federstrich beschlossen“, sagt Helmut Schemmann. Als Geschäftsführer des Kreissportbundes Minden-Lübbecke vertritt er mehr als 470 Vereine mit insgesamt 115.000 Mitgliedern. Im Pressegespräch sitzt Schemmann gemeinsam mit Vertretern der DLRG, des SV 1860 und des Betriebssportverbandes an einem Tisch. Sie alle zählen zu den Unterzeichnern eines Offenen Briefes, in dem sie den Erhalt der Halle fordern. Aus ihrer Sicht bietet die Kreisschwimmhalle einzigartige Möglichkeiten. Sie sei als Lehrbecken mit einer verstellbaren Wassertiefe und einer großen beheizten Bank am Beckenrand bestens geeignet für die Ausbildung, sagt der Mindener DLRG-Vorsitzende Peter Adam, zudem sei die Halle sehr gut gepflegt. Das unterstreicht auch Schemmann: Die Anlage sei augenscheinlich völlig intakt. Auch deswegen kam der Abrissbeschluss überraschend. Während der Debatte um die Kampa-Halle sei das benachbarte Bad nie ein Thema gewesen, über einen möglichen Abriss mit den Nutzern nie gesprochen worden, sagt Schemmann. „Es hieß immer: Das betrifft euch nicht.“ Jetzt betrifft es sie doch. Abschreiben wollen sie die Halle aber nicht. „Wir haben Hoffnung, dass es weitergeht“, sagt DLRG-Geschäftsführer Daniel Westermann. „Sonst würden wir hier nicht sitzen.“ Ob der Beschluss zumindest in diesem Detail noch einmal verändert werden kann, ist indes offen. Zuständig wäre zunächst die Kreispolitik, die dem Abriss im Paket mit der Kampa-Halle und einer Zuwendung für den Bau einer Multifunktionsarena mehrheitlich zugestimmt hatte. Darauf verweist gegenüber dem MT auch Landrat Dr. Ralf Niermann (SPD). Er habe großes Verständnis für das Anliegen der Vereine, sagt er. Auch habe er der Politik schon im November nahegelegt, das Thema Kreisschwimmhalle zu vertiefen, es habe aber „keine inhaltliche Befassung“ gegeben. Auch erinnert Niermann an die von der Verwaltung ursprünglich vorgeschlagene Sanierung des Komplexes. Der jetzt gefasste Beschluss hingegen sei in der Politik erarbeitet worden. „Wir sind gesprächsbereit, aber an den politischen Beschluss gebunden“, sagt Niermann. Soll heißen: Landrat und Kreisverwaltung sind nicht zuständig. Bleibt also der Kreistag und damit vor allem die beiden großen Fraktionen von CDU und SPD. Auch sie zählen zu den Adressaten des Briefes, der seit gut einer Woche kursiert. Die SPD-Fraktion habe schon vor der Veröffentlichung des Briefes den Kreissportbund und den Stadtsportverband zu einem Gespräch eingeladen, sagt die Vorsitzende Birgit Härtel. Später habe die Fraktion vorgeschlagen, weitere Unterzeichner einzuladen. Anfang März soll es dafür einen Termin geben. Die Frage, ob sie eine Chance für den Erhalt der Kreisschwimmhalle sieht, lässt Härtel unbeantwortet. Ihr Gegenüber von der CDU, Detlef Beckschewe, sieht wenig Chancen, den Beschluss noch einmal zu ändern. Ziel sei es, möglichst schnell das neue Sportzentrum auf den Weg zu bringen. Für Helmut Schemmann geht es um eine Wertedebatte. Mit dem Beschluss entziehe der Kreis dem allgemeinen Sport Geld, um es woanders zu investieren – in diesem Fall in eine Halle für Bundesliga-Handball und Veranstaltungen. „GWD und Sport wird zu oft gleichgesetzt“, sagt Schemmann. Zwar wird in dem Offenen Brief ausdrücklich der Neubau einer Heimarena für GWD unterstützt. Dass dieser Beschluss allerdings zulasten des allgemeinen Sports getroffen wurde, „sei „völlig inakzeptabel“. Einen Kronzeugen haben die Vereine übrigens an höchster Stelle: Das nordrhein-westfälische Schulministerium hat noch im Juni 2019 einen Aktionsplan „Schwimmen lernen“ beschlossen. Darin geht es ausdrücklich auch um den Erhalt von Wasserflächen: Das Land werde mit den Badbetreibern einen Dialog führen, „wie vorhandene Wasserflächen dauerhaft erhalten und für das Schulschwimmen genutzt werden können“, heißt es auf der Internetseite des Ministeriums. Zumindest eine gute Nachricht hatte Landrat Niermann schließlich doch: Bis Ende des Jahres kann die Kreisschwimmhalle mindestens genutzt werden. Wie es danach weitergeht, müssen die jetzt anstehenden Gespräche zeigen.