Großbrand in der Altstadt: Nicht das erste Feuer in der Wohnung - 100.000 Euro Schaden

Sebastian Radermacher, Doris Christoph und Patrick Schwemling

Die Feuerwehr musste gestern kurz vor Mitternacht zu einem Großbrand in die Mindener Altstadt ausrücken. - © Feuerwehr Minden
Die Feuerwehr musste gestern kurz vor Mitternacht zu einem Großbrand in die Mindener Altstadt ausrücken. (© Feuerwehr Minden)

Minden. In einem Mehrfamilienhaus an der Königstraße 24 ist in der Nacht zu Mittwoch eine Wohnung komplett ausgebrannt. Mehr als 30 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden, sagt Heino Nordmeyer, Einsatzleiter der Feuerwehr Minden, im MT-Gespräch. Eine Wohnung ist derzeit unbewohnbar, verletzt wurde bei dem Brand niemand. Wie die Polizei mitteilt, hatte die dort allein lebende Bewohnerin den Brand mutmaßlich durch den unsachgemäßen Umgang mit Kerzen ausgelöst. Die GSW als Eigentümer bestätigte darüber hinaus, dass es nicht der erste Einsatz dieser Art in der Wohnung war. 

Der Alarm ging gegen 23.30 Uhr bei der Leitstelle ein. In einer Wohnung im ersten Obergeschoss war ein Feuer ausgebrochen. Als die Einsatzkräfte vor Ort eintrafen, war aus der Wohnung weißer Rauch zu sehen. Kurz bevor der erste Angriffstrupp mit dem Löschen beginnen wollte, stand die Wohnung im Vollbrand. "Die Flammen schlugen dann massiv aus den Fenstern. Es war eine kritische Situation", sagt Nordmeyer. Denn das Feuer drohte auf das Nachbarhaus überzugreifen.

Das Ausmaß des Brandes wird auf diesem Foto - aufgenommen aus einer Nachbarswohnung - sichtbar.  - © Foto: pr
Das Ausmaß des Brandes wird auf diesem Foto - aufgenommen aus einer Nachbarswohnung - sichtbar.  (© Foto: pr)

In Abstimmung mit der Polizei entschied die Feuerwehr, beide Häuser kurzfristig zu evakuieren. Insgesamt 36 Bewohner wurden in Sicherheit gebracht. Die Frau, die in der betroffenen Wohnung lebt, wurde zunächst vermisst. Wie sich dann aber schnell herausstellte, hatte sie den Brand rechtzeitig bemerkt und sich selbst ins Freie retten können. „Es gab zum Glück keine Verletzten", sagt Nordmeyer. Die Evakuierung der beiden Häuser war nicht unkompliziert, betont der Einsatzleiter. Denn es mussten zum Beispiel auch fünf kleine Kinder und eine ältere Frau, deren Mobilität eingeschränkt war, in Sicherheit gebracht werden.

Der Einsatz war erst nach fast drei Stunden beendet, besonders die Evakuierung der Häuser war laut Einsatzleiter Heino Nordmeyer nicht unproblematisch.
Der Einsatz war erst nach fast drei Stunden beendet, besonders die Evakuierung der Häuser war laut Einsatzleiter Heino Nordmeyer nicht unproblematisch.

Die Bewohner wurden in der nahegelegenen Simeonsherberge untergebracht und versorgt. „Das hat hervorragend funktioniert", berichtet der Einsatzleiter und lobt die Hilfsbereitschaft. Organisiert hatten dies Bernhard Speller, Pfarrer der Petrigemeinde, und Superintendent Jürgen Tiemann. Beide wohnen in direkter Nachbarschaft zum Brandort. Dort fanden sich Kindergartenkinder aber auch ältere Senioren ein, wie der Pfarrer am Mittwochmorgen im MT-Gespräch mitteilt. In der Herberge, in der normalerweise Pilger, Gruppen und Urlauber Unterschlupf finden können, waren schnell Schlafplätze für die betroffenen Bewohner hergerichtet worden. Das Team der Herberge sowie ein Notarzt und der Rettungsdienst kümmerten sich um die Bewohner.

Sechs Zweier-Trupps der Feuerwehr bekämpften den Brand in der Wohnung von außen über den Balkon. Zudem verschafften sie sich durch die Wohnungstür Zutritt. Die Feuerwehrleute konnten das Feuer recht schnell mit einem C-Hohlstrahlrohr löschen. Sie schafften es, ohne dass die Flammen auf das Nachbarhaus übergriffen. Es schlossen sich umfangreiche Belüftungs- und Kontrollmaßnahmen an, teilt Nordmeyer mit. Eine Vielzahl der Wohnungen musste auf Brandrauch kontrolliert werden.

Insgesamt waren 85 Kräfte vor Ort. Im Einsatz waren der Löschzug der Berufsfeuerwehr sowie die Freiwillige Feuerwehr mit den Einheiten Stadtmitte, Hahlen, Bölhorst, Häverstädt, Dützen, Haddenhausen, Stemmer, Kutenhausen, sowie der Rettungsdienst und die Pressegruppe. Gegen 2.30 Uhr war der Einsatz beendet – und die meisten Bewohner konnten zurück in ihre Wohnungen. Sechs Menschen übernachteten in der Herberge.

In dem Haus Königstraße 24 gibt es laut MT-Informationen vor allem circa 50 Quadratmeter große Singlewohnungen, in denen Einzelpersonen leben. Das Haus ist im Besitz der Genossenschaft für Siedlungsbau und Wohnen Mindne (GSW). Geschäftsführer Bernd Hausmann konnte den Schaden am Vormittag zunächst noch nicht beziffern. "Ich muss mir erstmal einen Überblick verschaffen." Am Nachmittag hatte der Geschäftsführer die ersten Zahlen parat. "Wir gehen davon aus, dass der Schaden rund 100.000 Euro beträgt."

Außerdem bestätigte er entsprechende MT-Informationen, nach denen es in der Vergangenheit in der Wohnung der Frau bereits zweimal gebrannt habe: "Vor elf und 13 Jahren." Der Schaden sei damals aber nicht so groß gewesen. Ob es noch kleinere Brände gegeben hat, die der GSW nicht gemeldet wurden, wusste er nicht. Auch Heino Nordmeyer von der Feuerwehr bestätigte, dass es in der Vergangenheit mehrere Einsätze in dem Gebäude gegeben habe.

Die Ursache des jüngsten Brands war laut Nordmeyer zunächst  noch völlig unklar. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei ergaben dann jedoch Folgendes: Die Bewohnerin hatte mutmaßlich durch den unsachgemäßen Umgang mit Kerzen den Brand ausgelöst. Die Untersuchungen der Brandermittler vor Ort sind seit dem Mittag abgeschlossen, die noch in der Nacht beschlagnahmte Brandstelle wurde wieder frei gegeben. 

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

Großbrand in der Altstadt: Nicht das erste Feuer in der Wohnung - 100.000 Euro SchadenSebastian Radermacher,Doris Christoph,Patrick SchwemlingMinden. In einem Mehrfamilienhaus an der Königstraße 24 ist in der Nacht zu Mittwoch eine Wohnung komplett ausgebrannt. Mehr als 30 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden, sagt Heino Nordmeyer, Einsatzleiter der Feuerwehr Minden, im MT-Gespräch. Eine Wohnung ist derzeit unbewohnbar, verletzt wurde bei dem Brand niemand. Wie die Polizei mitteilt, hatte die dort allein lebende Bewohnerin den Brand mutmaßlich durch den unsachgemäßen Umgang mit Kerzen ausgelöst. Die GSW als Eigentümer bestätigte darüber hinaus, dass es nicht der erste Einsatz dieser Art in der Wohnung war.  Der Alarm ging gegen 23.30 Uhr bei der Leitstelle ein. In einer Wohnung im ersten Obergeschoss war ein Feuer ausgebrochen. Als die Einsatzkräfte vor Ort eintrafen, war aus der Wohnung weißer Rauch zu sehen. Kurz bevor der erste Angriffstrupp mit dem Löschen beginnen wollte, stand die Wohnung im Vollbrand. "Die Flammen schlugen dann massiv aus den Fenstern. Es war eine kritische Situation", sagt Nordmeyer. Denn das Feuer drohte auf das Nachbarhaus überzugreifen. In Abstimmung mit der Polizei entschied die Feuerwehr, beide Häuser kurzfristig zu evakuieren. Insgesamt 36 Bewohner wurden in Sicherheit gebracht. Die Frau, die in der betroffenen Wohnung lebt, wurde zunächst vermisst. Wie sich dann aber schnell herausstellte, hatte sie den Brand rechtzeitig bemerkt und sich selbst ins Freie retten können. „Es gab zum Glück keine Verletzten", sagt Nordmeyer. Die Evakuierung der beiden Häuser war nicht unkompliziert, betont der Einsatzleiter. Denn es mussten zum Beispiel auch fünf kleine Kinder und eine ältere Frau, deren Mobilität eingeschränkt war, in Sicherheit gebracht werden. Die Bewohner wurden in der nahegelegenen Simeonsherberge untergebracht und versorgt. „Das hat hervorragend funktioniert", berichtet der Einsatzleiter und lobt die Hilfsbereitschaft. Organisiert hatten dies Bernhard Speller, Pfarrer der Petrigemeinde, und Superintendent Jürgen Tiemann. Beide wohnen in direkter Nachbarschaft zum Brandort. Dort fanden sich Kindergartenkinder aber auch ältere Senioren ein, wie der Pfarrer am Mittwochmorgen im MT-Gespräch mitteilt. In der Herberge, in der normalerweise Pilger, Gruppen und Urlauber Unterschlupf finden können, waren schnell Schlafplätze für die betroffenen Bewohner hergerichtet worden. Das Team der Herberge sowie ein Notarzt und der Rettungsdienst kümmerten sich um die Bewohner. Sechs Zweier-Trupps der Feuerwehr bekämpften den Brand in der Wohnung von außen über den Balkon. Zudem verschafften sie sich durch die Wohnungstür Zutritt. Die Feuerwehrleute konnten das Feuer recht schnell mit einem C-Hohlstrahlrohr löschen. Sie schafften es, ohne dass die Flammen auf das Nachbarhaus übergriffen. Es schlossen sich umfangreiche Belüftungs- und Kontrollmaßnahmen an, teilt Nordmeyer mit. Eine Vielzahl der Wohnungen musste auf Brandrauch kontrolliert werden. Insgesamt waren 85 Kräfte vor Ort. Im Einsatz waren der Löschzug der Berufsfeuerwehr sowie die Freiwillige Feuerwehr mit den Einheiten Stadtmitte, Hahlen, Bölhorst, Häverstädt, Dützen, Haddenhausen, Stemmer, Kutenhausen, sowie der Rettungsdienst und die Pressegruppe. Gegen 2.30 Uhr war der Einsatz beendet – und die meisten Bewohner konnten zurück in ihre Wohnungen. Sechs Menschen übernachteten in der Herberge. In dem Haus Königstraße 24 gibt es laut MT-Informationen vor allem circa 50 Quadratmeter große Singlewohnungen, in denen Einzelpersonen leben. Das Haus ist im Besitz der Genossenschaft für Siedlungsbau und Wohnen Mindne (GSW). Geschäftsführer Bernd Hausmann konnte den Schaden am Vormittag zunächst noch nicht beziffern. "Ich muss mir erstmal einen Überblick verschaffen." Am Nachmittag hatte der Geschäftsführer die ersten Zahlen parat. "Wir gehen davon aus, dass der Schaden rund 100.000 Euro beträgt." Außerdem bestätigte er entsprechende MT-Informationen, nach denen es in der Vergangenheit in der Wohnung der Frau bereits zweimal gebrannt habe: "Vor elf und 13 Jahren." Der Schaden sei damals aber nicht so groß gewesen. Ob es noch kleinere Brände gegeben hat, die der GSW nicht gemeldet wurden, wusste er nicht. Auch Heino Nordmeyer von der Feuerwehr bestätigte, dass es in der Vergangenheit mehrere Einsätze in dem Gebäude gegeben habe. Die Ursache des jüngsten Brands war laut Nordmeyer zunächst  noch völlig unklar. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei ergaben dann jedoch Folgendes: Die Bewohnerin hatte mutmaßlich durch den unsachgemäßen Umgang mit Kerzen den Brand ausgelöst. Die Untersuchungen der Brandermittler vor Ort sind seit dem Mittag abgeschlossen, die noch in der Nacht beschlagnahmte Brandstelle wurde wieder frei gegeben.