Minden

Pegel an der Weser rapide angestiegen - Schlagde teils unter Wasser

Sebastian Radermacher und Kassandra Rockstroh

Zu viel Wasser: Ein Besuch der Schiffmühle ist ab einem Pegelstand der Weser von vier Metern nicht mehr möglich. Der Vereinsvorstand macht sich deshalb aber keine Sorgen. MT- - © Foto: Kassandra Rockstroh
Zu viel Wasser: Ein Besuch der Schiffmühle ist ab einem Pegelstand der Weser von vier Metern nicht mehr möglich. Der Vereinsvorstand macht sich deshalb aber keine Sorgen. MT- (© Foto: Kassandra Rockstroh)

Minden. Statt Fahrradfahrern und Spaziergängern ziehen nun die Enten über die überflutete Weserpromenade. Dafür gesorgt hat das Sturmtief „Yulia“, das am vergangenen Wochenende über NRW hinwegzog. Es sorgte nicht nur für kräftigen Gegenwind bei den zahlreichen Karnevalsumzügen, sondern hat auch in Minden seine Spuren hinterlassen: Die Weser hat nun Teile der Schlagde und der Promenade eingenommen und reißt Äste und Zweige mit sich.

Einen rasanten Anstieg verzeichnete der Weserpegel vor allem in der Nacht zu Montag. Während der Wasserstand am Sonntagmittag noch 3,50 Meter betrug, nahm dieser bis Montagmorgen um einen Meter zu und erreichte bisher ein Maximum von 4,57 Meter. Maßstab hierfür ist der Weserpegel in Porta Westfalica.

Susann Lewerenz, Pressesprecherin der Stadt Minden, sieht allerdings noch keinen Grund zur Sorge: „So dramatisch ist es noch nicht.“ Dennoch hat die Stadt bereits Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Als erste Maßnahme hat sie den Radweg in der Fischerstadt gesperrt. Eine weitere Absperrung steht außerdem auf dem Parkplatz Schlagde. Auch hier fließt die Weser nur noch wenige Zentimeter von den Stellplätzen entfernt. Der Schiffsanleger an der Weserpromenade steht bereits komplett unter Wasser. Eine komplette Sperrung der Schlagde sei nicht ausgeschlossen, ergänzt Lewerenz. Dennoch parkten am Montagmittag immer noch einige Mindener ihre Autos dort.

Jiri Cemus vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Weser verfolgt den Pegel des Flusses permanent. Anhand der Wasserstände in unterschiedlichen Weserstädten versucht er eine mögliche Prognose für die nächsten Tage zu erarbeiten. Dennoch kann er nur mit einer „groben Unschärfe“ eine Entwarnung für die kommenden ein bis zwei Tage geben. „Der Pegel in Porta ist wieder ein wenig am Sinken“, teilte Cemus am Montag mit. Doch während der Wasserstand hier bereits falle, steige er in Hameln noch an. Aktuell könne von Hochwasser noch keine Rede sein, sagt er. Erhöhtes Wasser sei der korrekte Begriff für den jetzigen Weser-Pegel.

Hochwasser wäre erst beim höchsten Schifffahrts-Wasserstand (HSW) erreicht, erklärt der Experte. Der HSW liegt in Porta Westfalica bei 4,80 Meter. Allgemein sei ein Pegel von rund 4,60 Meter keine Ausnahme. Von 1994 bis heute wird dieser Stand fast jährlich erreicht, sagt Cemus. Das letzte Mal sei das im Januar 2018 der Fall gewesen. Zurzeit geht er noch nicht davon aus, dass etwas Gravierendes passieren werde. Abhängig sind die weiteren Entwicklungen von der Niederschlagsmenge in den nächsten Tagen. Ein Blick auf die Wetterprognosen verspricht für Minden erst einmal nichts Gutes, denn es soll mitunter kräftig regnen.

Ein Besuch der Schiffmühle ist nur bis zu einem Pegelstand von vier Metern möglich. Aktuell hat die Weser zu viel Wasser – das bereitet den Ehrenamtlichen des Schiffmühlenvereins aber keine Sorgen. „Die Mühle ist doppelt gesichert, aus unserer Sicht kann nichts passieren. Bis zu einem Pegel von fünf Metern machen wir uns keine Gedanken“, sagt Horst Grüner, Geschäftsführer des Vereins.

Früher hätten die Ehrenamtlichen die Mühle ab einem Weserpegel von 3,50 Metern aus dem Strom nehmen müssen, erzählt Grüner. Mittlerweile sei sie aber nicht nur über drei Holzbalken mit dem Ufer verbunden, sondern zusätzlich auch noch über eine Kette gesichert, die an einem Betonklotz befestigt ist. „Die Sicherung ist von den Behören genehmigt. Die Mühle kann bei Hochwasser liegen bleiben“, sagt Grüner. Die Aktiven des Schiffmühlenvereins haben den Weserpegel stets im Blick. „Wenn er wieder sinkt, schauen wir vor Ort nach und machen wieder klar Schiff“, sagt Grüner.

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MindenPegel an der Weser rapide angestiegen - Schlagde teils unter WasserKassandra Rockstroh,Sebastian RadermacherMinden. Statt Fahrradfahrern und Spaziergängern ziehen nun die Enten über die überflutete Weserpromenade. Dafür gesorgt hat das Sturmtief „Yulia“, das am vergangenen Wochenende über NRW hinwegzog. Es sorgte nicht nur für kräftigen Gegenwind bei den zahlreichen Karnevalsumzügen, sondern hat auch in Minden seine Spuren hinterlassen: Die Weser hat nun Teile der Schlagde und der Promenade eingenommen und reißt Äste und Zweige mit sich. Einen rasanten Anstieg verzeichnete der Weserpegel vor allem in der Nacht zu Montag. Während der Wasserstand am Sonntagmittag noch 3,50 Meter betrug, nahm dieser bis Montagmorgen um einen Meter zu und erreichte bisher ein Maximum von 4,57 Meter. Maßstab hierfür ist der Weserpegel in Porta Westfalica. Susann Lewerenz, Pressesprecherin der Stadt Minden, sieht allerdings noch keinen Grund zur Sorge: „So dramatisch ist es noch nicht.“ Dennoch hat die Stadt bereits Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Als erste Maßnahme hat sie den Radweg in der Fischerstadt gesperrt. Eine weitere Absperrung steht außerdem auf dem Parkplatz Schlagde. Auch hier fließt die Weser nur noch wenige Zentimeter von den Stellplätzen entfernt. Der Schiffsanleger an der Weserpromenade steht bereits komplett unter Wasser. Eine komplette Sperrung der Schlagde sei nicht ausgeschlossen, ergänzt Lewerenz. Dennoch parkten am Montagmittag immer noch einige Mindener ihre Autos dort. Jiri Cemus vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Weser verfolgt den Pegel des Flusses permanent. Anhand der Wasserstände in unterschiedlichen Weserstädten versucht er eine mögliche Prognose für die nächsten Tage zu erarbeiten. Dennoch kann er nur mit einer „groben Unschärfe“ eine Entwarnung für die kommenden ein bis zwei Tage geben. „Der Pegel in Porta ist wieder ein wenig am Sinken“, teilte Cemus am Montag mit. Doch während der Wasserstand hier bereits falle, steige er in Hameln noch an. Aktuell könne von Hochwasser noch keine Rede sein, sagt er. Erhöhtes Wasser sei der korrekte Begriff für den jetzigen Weser-Pegel. Hochwasser wäre erst beim höchsten Schifffahrts-Wasserstand (HSW) erreicht, erklärt der Experte. Der HSW liegt in Porta Westfalica bei 4,80 Meter. Allgemein sei ein Pegel von rund 4,60 Meter keine Ausnahme. Von 1994 bis heute wird dieser Stand fast jährlich erreicht, sagt Cemus. Das letzte Mal sei das im Januar 2018 der Fall gewesen. Zurzeit geht er noch nicht davon aus, dass etwas Gravierendes passieren werde. Abhängig sind die weiteren Entwicklungen von der Niederschlagsmenge in den nächsten Tagen. Ein Blick auf die Wetterprognosen verspricht für Minden erst einmal nichts Gutes, denn es soll mitunter kräftig regnen. Ein Besuch der Schiffmühle ist nur bis zu einem Pegelstand von vier Metern möglich. Aktuell hat die Weser zu viel Wasser – das bereitet den Ehrenamtlichen des Schiffmühlenvereins aber keine Sorgen. „Die Mühle ist doppelt gesichert, aus unserer Sicht kann nichts passieren. Bis zu einem Pegel von fünf Metern machen wir uns keine Gedanken“, sagt Horst Grüner, Geschäftsführer des Vereins. Früher hätten die Ehrenamtlichen die Mühle ab einem Weserpegel von 3,50 Metern aus dem Strom nehmen müssen, erzählt Grüner. Mittlerweile sei sie aber nicht nur über drei Holzbalken mit dem Ufer verbunden, sondern zusätzlich auch noch über eine Kette gesichert, die an einem Betonklotz befestigt ist. „Die Sicherung ist von den Behören genehmigt. Die Mühle kann bei Hochwasser liegen bleiben“, sagt Grüner. Die Aktiven des Schiffmühlenvereins haben den Weserpegel stets im Blick. „Wenn er wieder sinkt, schauen wir vor Ort nach und machen wieder klar Schiff“, sagt Grüner.