Minden

Burkhard Brauns verlässt die AfD - Das sind die Gründe

Henning Wandel

Burkhard Brauns wurde im Dezember 2018 AfD-Kreissprecher, jetzt ist er aus der Partei ausgetreten. - © Foto: pr
Burkhard Brauns wurde im Dezember 2018 AfD-Kreissprecher, jetzt ist er aus der Partei ausgetreten. (© Foto: pr)

Minden. Die AfD im Kreis Minnen-Lübbecke verliert eines ihrer bekanntesten Gesichter: Der frühere Kreissprecher Burkhard Brauns ist mit sofortiger Wirkung aus der Partei ausgetreten. Diesen Schritt hatte er am frühen Freitagnachmittag auf Facebook verkündet und anschließend gegenüber dem MT bestätigt. Damit verbunden ist auch ein Rückzug aus der Mindener Ratsfraktion, der Brauns als Sachkundiger Bürger angehörte. Schon zum Jahreswechsel war Brauns als Vorsitzender des Kreisverbandes zurückgetreten, aus privaten Gründen, wie es damals hieß.

Den Parteiaustritt begründet Brauns jetzt mit persönlichen Differenzen und einer zunehmenden Radikalisierung des Kreisverbandes. Ohne einen Namen zu nennen zielt er damit auf den Mindener AfD-Landtagsabgeordneten Thomas Röckemann. Auf Facebook schreibt Brauns: „Nachdem ich vor einigen Monaten erleben musste, was das Wirken eines an sich selbst gescheiterten ehemaligen Landessprechers zunächst auf Bezirksebene und jetzt auch hier vor Ort anrichtet, kann ich diesen Weg nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren.“

Inhaltlich bekennt sich Brauns allerdings nach wie vor uneingeschränkt zu den Zielen der Partei. Das wird auch anhand seiner Wortwahl auf Facebook deutlich. Dort schreibt Brauns etwa von „fortschreitender illegaler Zuwanderung“ und der „Aushebelung des Grundgesetzes durch eine Frau Merkel und deren Willkommensklatschern in den Altparteien und den Kirchen.“

Die Razzien gegen eine rechtsextremistische Terrorzelle auch in Minden und der Terrorakt von Hanau nennt Brauns auf Facebook nicht. Auf Nachfrage geht er jedoch auf Distanz: Eine Relativierung der Tat von Hanau lehne er ab. Zwar teile er die Ansicht der AfD-Spitze, dass es sich bei dem Täter um einen „verwirrten Irren“ handele, dennoch habe er eine rechtsextreme Agenda gehabt. Mit Blick auf die Razzien sagt Brauns, dass er in seiner zeit als Sprecher Neonazis, Reichsbürger oder auch Republikaner als Mitglieder abgelehnt habe.

Er stehe nach wie vor zu den Inhalten der Partei, „aber extreme Ausprägungen lehnen ich ab – und eine davon haben wir hier im Kreis.“ Rückblickend bezeichnet Brauns es als Fehler, im August 2018 in Chemnitz gemeinsam mit Pegida-Gründer Lutz Bachmann und AfD-Rechtsaußen Björn Höcke demonstriert zu haben: „Man muss schon sehen, mit wem man das macht.“ Thomas Röckemann stand bei dem sogenannten Trauermarsch in der ersten Reihe. Ob der Kreisverband sich jetzt in Richtung des Flügels um Höcke zu entwickeln drohe, beantwortet Brauns deutlich: „Er ist schon auf dem Weg.“

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MindenBurkhard Brauns verlässt die AfD - Das sind die GründeHenning WandelMinden. Die AfD im Kreis Minnen-Lübbecke verliert eines ihrer bekanntesten Gesichter: Der frühere Kreissprecher Burkhard Brauns ist mit sofortiger Wirkung aus der Partei ausgetreten. Diesen Schritt hatte er am frühen Freitagnachmittag auf Facebook verkündet und anschließend gegenüber dem MT bestätigt. Damit verbunden ist auch ein Rückzug aus der Mindener Ratsfraktion, der Brauns als Sachkundiger Bürger angehörte. Schon zum Jahreswechsel war Brauns als Vorsitzender des Kreisverbandes zurückgetreten, aus privaten Gründen, wie es damals hieß. Den Parteiaustritt begründet Brauns jetzt mit persönlichen Differenzen und einer zunehmenden Radikalisierung des Kreisverbandes. Ohne einen Namen zu nennen zielt er damit auf den Mindener AfD-Landtagsabgeordneten Thomas Röckemann. Auf Facebook schreibt Brauns: „Nachdem ich vor einigen Monaten erleben musste, was das Wirken eines an sich selbst gescheiterten ehemaligen Landessprechers zunächst auf Bezirksebene und jetzt auch hier vor Ort anrichtet, kann ich diesen Weg nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren.“ Inhaltlich bekennt sich Brauns allerdings nach wie vor uneingeschränkt zu den Zielen der Partei. Das wird auch anhand seiner Wortwahl auf Facebook deutlich. Dort schreibt Brauns etwa von „fortschreitender illegaler Zuwanderung“ und der „Aushebelung des Grundgesetzes durch eine Frau Merkel und deren Willkommensklatschern in den Altparteien und den Kirchen.“ Die Razzien gegen eine rechtsextremistische Terrorzelle auch in Minden und der Terrorakt von Hanau nennt Brauns auf Facebook nicht. Auf Nachfrage geht er jedoch auf Distanz: Eine Relativierung der Tat von Hanau lehne er ab. Zwar teile er die Ansicht der AfD-Spitze, dass es sich bei dem Täter um einen „verwirrten Irren“ handele, dennoch habe er eine rechtsextreme Agenda gehabt. Mit Blick auf die Razzien sagt Brauns, dass er in seiner zeit als Sprecher Neonazis, Reichsbürger oder auch Republikaner als Mitglieder abgelehnt habe. Er stehe nach wie vor zu den Inhalten der Partei, „aber extreme Ausprägungen lehnen ich ab – und eine davon haben wir hier im Kreis.“ Rückblickend bezeichnet Brauns es als Fehler, im August 2018 in Chemnitz gemeinsam mit Pegida-Gründer Lutz Bachmann und AfD-Rechtsaußen Björn Höcke demonstriert zu haben: „Man muss schon sehen, mit wem man das macht.“ Thomas Röckemann stand bei dem sogenannten Trauermarsch in der ersten Reihe. Ob der Kreisverband sich jetzt in Richtung des Flügels um Höcke zu entwickeln drohe, beantwortet Brauns deutlich: „Er ist schon auf dem Weg.“