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„Keine Station für Sterbende“: Einblicke in die Palliativstation

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Besucher schauten sich auch einen Teil der Patientenräume an. - © Foto: pr
Besucher schauten sich auch einen Teil der Patientenräume an. (© Foto: pr)

Minden (mt/lies). „Eine Palliativstation ist keine Station für sterbende Patienten“, macht Dr. Sadjadian deutlich. „Es ist eine Station, in der aktive Therapie betrieben wird.“

Zum zweiten Mal seit der Eröffnung der Palliativstation des Johannes Wesling Klinikums im Jahr 2012 waren Interessierte zu einem „Tag der offenen Tür“ eingeladen. Zehn Betten gibt es dort, überwiegend für Patienten mit einer Krebserkrankung im Endstadium. Was die Station schon auf den ersten Blick als etwas Besonderes ausweise, sei ihre untypische Gestaltung. Dazu gehören ein einladender Eingangsbereich, ein Bodenbelag in Holz-Optik, der so gar nicht an einen Krankenhausflur denken lasse; kräftige, warme Farben an den Wänden – und ein gemütlicher Aufenthaltsraum. „Sogar eine Hochzeit hat in diesem Raum schon stattgefunden“, erinnert sich Alexandra Fischer, die damals an der Umsetzung des Projekts Palliativstation beteiligt war. Der Aufenthaltsraum sei „ein Platz zum Luftholen – auch für die Angehörigen“.

Von all dem konnten sich Besucher am Tag der offenen Tür selbst ein Bild machen. Sogar der Blick in eines der Patientenzimmer war möglich – auch hier freundliche Farbigkeit und an der Zimmerdecke über den Betten Bilder mit auswechselbaren Motiven, als Hingucker für die bettlägerigen Patienten. „Man versucht, es den Menschen so angenehm wie möglich zu machen“, bestätigt Pasquale Pusch, Angehöriger eines Patienten.

Begonnen hatte der Tag der offenen Tür mit Musik: Gospelgesang des Chors „Rehmissimo“ erfüllte die Station – „darauf hatten sich unsere Patienten besonders gefreut“, berichtet Ilona Kuhlmeier, pflegerische Leitung der Palliativstation. Die Akzeptanz der Patienten für die Veranstaltung sei sehr groß gewesen, zumal darauf geachtet wurde, die Beeinträchtigungen für den Stationsalltag so gering wie möglich zu halten.

Ebenfalls zufrieden mit dem Besuch der Veranstaltung war der medizinische Leiter der Palliativstation, Dr. Parvis Sadjadian. Aber: „Wenn man den großen Zuspruch der Vorträge betrachtet und die Fragen, die die Zuhörer im Anschluss stellen konnten, sieht man auch, dass der Informationsbedarf noch nicht gedeckt ist.“ Und nicht nur der Informationsbedarf, so der „OnkoPall“-Vorsitzende und ehemalige Ärztliche Direktor des Mindener Klinikums, Professor Dr. Heinrich Bodenstein. Sein Wunsch: eine deutlich erweiterte „interdisziplinäre Palliativstation, auf der mehr Patienten aus allen Bereichen – Onkologie, Neurologie, Lungen- oder Nierenerkrankungen – versorgt werden können.“

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Minden„Keine Station für Sterbende“: Einblicke in die PalliativstationMinden (mt/lies). „Eine Palliativstation ist keine Station für sterbende Patienten“, macht Dr. Sadjadian deutlich. „Es ist eine Station, in der aktive Therapie betrieben wird.“ Zum zweiten Mal seit der Eröffnung der Palliativstation des Johannes Wesling Klinikums im Jahr 2012 waren Interessierte zu einem „Tag der offenen Tür“ eingeladen. Zehn Betten gibt es dort, überwiegend für Patienten mit einer Krebserkrankung im Endstadium. Was die Station schon auf den ersten Blick als etwas Besonderes ausweise, sei ihre untypische Gestaltung. Dazu gehören ein einladender Eingangsbereich, ein Bodenbelag in Holz-Optik, der so gar nicht an einen Krankenhausflur denken lasse; kräftige, warme Farben an den Wänden – und ein gemütlicher Aufenthaltsraum. „Sogar eine Hochzeit hat in diesem Raum schon stattgefunden“, erinnert sich Alexandra Fischer, die damals an der Umsetzung des Projekts Palliativstation beteiligt war. Der Aufenthaltsraum sei „ein Platz zum Luftholen – auch für die Angehörigen“. Von all dem konnten sich Besucher am Tag der offenen Tür selbst ein Bild machen. Sogar der Blick in eines der Patientenzimmer war möglich – auch hier freundliche Farbigkeit und an der Zimmerdecke über den Betten Bilder mit auswechselbaren Motiven, als Hingucker für die bettlägerigen Patienten. „Man versucht, es den Menschen so angenehm wie möglich zu machen“, bestätigt Pasquale Pusch, Angehöriger eines Patienten. Begonnen hatte der Tag der offenen Tür mit Musik: Gospelgesang des Chors „Rehmissimo“ erfüllte die Station – „darauf hatten sich unsere Patienten besonders gefreut“, berichtet Ilona Kuhlmeier, pflegerische Leitung der Palliativstation. Die Akzeptanz der Patienten für die Veranstaltung sei sehr groß gewesen, zumal darauf geachtet wurde, die Beeinträchtigungen für den Stationsalltag so gering wie möglich zu halten. Ebenfalls zufrieden mit dem Besuch der Veranstaltung war der medizinische Leiter der Palliativstation, Dr. Parvis Sadjadian. Aber: „Wenn man den großen Zuspruch der Vorträge betrachtet und die Fragen, die die Zuhörer im Anschluss stellen konnten, sieht man auch, dass der Informationsbedarf noch nicht gedeckt ist.“ Und nicht nur der Informationsbedarf, so der „OnkoPall“-Vorsitzende und ehemalige Ärztliche Direktor des Mindener Klinikums, Professor Dr. Heinrich Bodenstein. Sein Wunsch: eine deutlich erweiterte „interdisziplinäre Palliativstation, auf der mehr Patienten aus allen Bereichen – Onkologie, Neurologie, Lungen- oder Nierenerkrankungen – versorgt werden können.“