Minden

Rechte Terrorzelle: 34-jähriger Mindener war in lokaler Neonaziszene aktiv

Stefan Koch

Auch in Porta Westfalica war die Polizei im Einsatz um die Wohnung eines Beschuldigten auf Waffen und Sprengstoff zu untersuchen. MT- - © Foto: Alex Lehn
Auch in Porta Westfalica war die Polizei im Einsatz um die Wohnung eines Beschuldigten auf Waffen und Sprengstoff zu untersuchen. MT- (© Foto: Alex Lehn)

Minden. Unauffällig und politisch aktiv: So lassen sich die Beschuldigten aus der Mindener Region charakterisieren, denen die Bundesanwaltschaft die Beteiligung an einem rechtsextremen Terrornetzwerk zur Last legt. Zurzeit befinden sich die drei unter den insgesamt zwölf in Untersuchungshaft Einsitzenden, denen Ermittler die Planung von Anschlägen auf Moscheen, Flüchtlingsunterkünften und Politiker zur Last legen.

So hat ein 34-Jähriger, der bislang mit seiner Familie in der Innenstadt wohnte, eine polizeibekannte Vorgeschichte. Nach MT-Informationen zog der Rechtsradikale vor neun Jahren von Rinteln nach Minden. Im Jahr 2008 soll er bereits als junger Nationaldemokrat in Hameln aufgefallen sein und dem Organisationsteam Bad Nenndorf angehört haben – jener Gruppierung, die jährlich am 6. August einen Trauermarsch für angebliche Opfer der britischen Besatzung inszenierte, was mittlerweile aufgrund von Bürgerprotesten gescheitert ist. Der Rechtsradikale galt in der Szene des Landkreises Hameln-Pyrmont viele Jahre als gut vernetzt. Am 1. Mai 2009 war er an einem Überfall auf eine DGB-Kundgebung in Dortmund zusammen mit einem weiteren bekannten Mindener Altneonazi beteiligt. 17 Personen allein aus Ostwestfalen-Lippe hatte die Polizei damals erfasst. Insgesamt 400 Rechtsradikale wurden aktenkundig.

Rechte Terrorzelle in Minden und Porta Westfalica (Plus-Inhalt)

Vor allem in den Jahren 2013 und 2014 soll der 34-Jährige sehr aktiv gewesen sein. Beobachter der Szene registrierten ihn bei Kameradschaften. Er übernahm Ordnerfunktionen bei Neonaziaufmärschen in mehreren deutschen Städten. Und er war in dem ehemaligen Netzwerk „Westfalen Nord", das sich um einen stadtbekannten Mindener Neonazi gebildet hatte, aktiv. Das Klingelschild des schmucklosen Hauses an einer stark befahrenen Mindener Straße weist den Beschuldigten aufgrund entsprechender Formulierungen als der Reichsbürgerszene Nahestehenden aus.

Der 35-jährige aus dem Minden Norden, der zum harten Kern des Terrornetzwerkes gehören soll, hat dagegen eine kürzere Vorgeschichte und trat erst vor drei Jahren als Reichsbürger in Erscheinung. Bislang ließen sich bei dem Handwerker, der mit entsprechenden Aufklebern an seinem Firmenfahrzeug aus seiner Einstellung keinen Hehl machte, keine klassischen Verbindung zu einschlägig agierenden Neonazis nachweisen. Auf seiner mehr als 4.600 Freunde zählenden Facebookseite ist auch der verhaftete 47-Jährige aus Porta zu finden, ein bislang ein unbeschriebenes Blatt war. Ihn nahm die Polizei an seiner Arbeitsstelle fest.

Die Internetpräsenz des 35-jährigen Terrordrahtziehers strotzt vor kruden Darstellungen und endet mit dem Bekenntnis zur altgermanischen Mythologie. Etliche Fans des 35-Jährigen äußern sich in ähnlicher Weise – einige stammen aus der Mitte der Mindener Gesellschaft.

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MindenRechte Terrorzelle: 34-jähriger Mindener war in lokaler Neonaziszene aktivStefan KochMinden. Unauffällig und politisch aktiv: So lassen sich die Beschuldigten aus der Mindener Region charakterisieren, denen die Bundesanwaltschaft die Beteiligung an einem rechtsextremen Terrornetzwerk zur Last legt. Zurzeit befinden sich die drei unter den insgesamt zwölf in Untersuchungshaft Einsitzenden, denen Ermittler die Planung von Anschlägen auf Moscheen, Flüchtlingsunterkünften und Politiker zur Last legen. So hat ein 34-Jähriger, der bislang mit seiner Familie in der Innenstadt wohnte, eine polizeibekannte Vorgeschichte. Nach MT-Informationen zog der Rechtsradikale vor neun Jahren von Rinteln nach Minden. Im Jahr 2008 soll er bereits als junger Nationaldemokrat in Hameln aufgefallen sein und dem Organisationsteam Bad Nenndorf angehört haben – jener Gruppierung, die jährlich am 6. August einen Trauermarsch für angebliche Opfer der britischen Besatzung inszenierte, was mittlerweile aufgrund von Bürgerprotesten gescheitert ist. Der Rechtsradikale galt in der Szene des Landkreises Hameln-Pyrmont viele Jahre als gut vernetzt. Am 1. Mai 2009 war er an einem Überfall auf eine DGB-Kundgebung in Dortmund zusammen mit einem weiteren bekannten Mindener Altneonazi beteiligt. 17 Personen allein aus Ostwestfalen-Lippe hatte die Polizei damals erfasst. Insgesamt 400 Rechtsradikale wurden aktenkundig. Vor allem in den Jahren 2013 und 2014 soll der 34-Jährige sehr aktiv gewesen sein. Beobachter der Szene registrierten ihn bei Kameradschaften. Er übernahm Ordnerfunktionen bei Neonaziaufmärschen in mehreren deutschen Städten. Und er war in dem ehemaligen Netzwerk „Westfalen Nord", das sich um einen stadtbekannten Mindener Neonazi gebildet hatte, aktiv. Das Klingelschild des schmucklosen Hauses an einer stark befahrenen Mindener Straße weist den Beschuldigten aufgrund entsprechender Formulierungen als der Reichsbürgerszene Nahestehenden aus. Der 35-jährige aus dem Minden Norden, der zum harten Kern des Terrornetzwerkes gehören soll, hat dagegen eine kürzere Vorgeschichte und trat erst vor drei Jahren als Reichsbürger in Erscheinung. Bislang ließen sich bei dem Handwerker, der mit entsprechenden Aufklebern an seinem Firmenfahrzeug aus seiner Einstellung keinen Hehl machte, keine klassischen Verbindung zu einschlägig agierenden Neonazis nachweisen. Auf seiner mehr als 4.600 Freunde zählenden Facebookseite ist auch der verhaftete 47-Jährige aus Porta zu finden, ein bislang ein unbeschriebenes Blatt war. Ihn nahm die Polizei an seiner Arbeitsstelle fest. Die Internetpräsenz des 35-jährigen Terrordrahtziehers strotzt vor kruden Darstellungen und endet mit dem Bekenntnis zur altgermanischen Mythologie. Etliche Fans des 35-Jährigen äußern sich in ähnlicher Weise – einige stammen aus der Mitte der Mindener Gesellschaft.