Minden

Der TKKG-Kinderkrimi erzählt auf leichte Art schwere Themen

Kassandra Rockstroh

Minden. Gespannte Blicke richten sich auf Jan. Der Jugendliche schwächelt beim Judotraining, obwohl er doch eigentlich der Beste ist. Auf einmal fällt er zu Boden. Und steht nicht mehr auf. Als Tim (Anton Schaefer) und seine Freunde Karl, Klößchen und Gaby seine Tasche durchsuchen, stoßen sie auf ein Tütchen mit Drogen. Und der nächste Fall des Quartetts TKKG beginnt.

Seit 1979 begeistern die Fälle von TKKG nun schon Jugendliche. Mehr als 14 Millionen verkaufte Bücher und doppelt so viele Tonträger sprechen für den Erfolg der Kinderkrimiserie. Das Schauspiel „TKKG-Freundschaft in Gefahr“ ist eine im selben Stil entwickelte Geschichte aus der Feder des Intendanten Moritz Seibert vom Jungen Theater Bonn (JTB). Das 2018 uraufgeführte Stück gastierte am Donnerstag im Mindener Stadttheater.

Die Inszenierung spielt dabei mit aktuellen Themen. Der 12-Jährige Jonathan (Ilkay Pfaff)hält sich seit der Abschiebung seiner Eltern als illegaler Einwanderer in Deutschland auf. Ein Dach über dem Kopf und Verpflegung erhält er von einem Drogendealer-Ring. Als Gegenzug muss er gepanschte Drogen verkaufen, denen auch Jan zum Opfer gefallen ist. Tim erkennt, dass Jonathan dem kriminellen Sog nicht aus eigener Kraft entkommen kann. Und so beginnt für die beiden ein packendes Versteckspiel vor den Drogendealern, aber auch vor der Polizei. Nur vereint können die Detektive von TKKG dem Drogengeschäft ein Ende machen.

Zwischenzeitlich lässt das Stück den Zuschauer vergessen, dass es sich um einen Krimi für Kinder ab acht Jahren handelt. Dramatische Musik tönt, als Jonathan im Schatten der Kulisse von den Drogendealern geschlagen wird. Und auch der schulische Leistungsdruck wird Thema, als Jan gesteht, das Ritalin für bessere Schulnoten konsumiert zu haben. Drogenmissbrauch, Asyl und Diebstahl stellen den Zusammenhalt der vier Freunde auf die Probe. Thematisch dürfte das Stück für einige Zuschauer eine Herausforderung sein. Das Flüstern der Eltern, die ihren Kindern die Bedeutung von Jonathans Herkunftsland Eritrea erklären müssen, ist nicht zu überhören.

Auswege aus der angespannten Atmosphäre bietet vor allem Hund Oskar, der bei jedem seiner Auftritte mit Begeisterung begrüßt wird. Auch die innige Beziehung zwischen Tim und Jonathan erreicht die Zuschauer. Publikumsliebling ist jedoch eindeutig Klößchen (Jonathan Bücheler), der auch nach dem 20. Schokoladenwitz noch Lacher erntet. Karl spielt in diesem Fall kaum eine Rolle.

Seiberts Stück serviert harte Kost vor dem Hintergrund schnell wechselnder Szenen, die Raum für aufgeregtes Getuschel bieten. Viele Fragen bleiben unbeantwortet. Seibert möchte den Zuschauern laut Programmheft damit die Möglichkeit bieten, „auch nach dem Ende der Vorstellung noch nachzudenken“.

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MindenDer TKKG-Kinderkrimi erzählt auf leichte Art schwere ThemenKassandra RockstrohMinden. Gespannte Blicke richten sich auf Jan. Der Jugendliche schwächelt beim Judotraining, obwohl er doch eigentlich der Beste ist. Auf einmal fällt er zu Boden. Und steht nicht mehr auf. Als Tim (Anton Schaefer) und seine Freunde Karl, Klößchen und Gaby seine Tasche durchsuchen, stoßen sie auf ein Tütchen mit Drogen. Und der nächste Fall des Quartetts TKKG beginnt. Seit 1979 begeistern die Fälle von TKKG nun schon Jugendliche. Mehr als 14 Millionen verkaufte Bücher und doppelt so viele Tonträger sprechen für den Erfolg der Kinderkrimiserie. Das Schauspiel „TKKG-Freundschaft in Gefahr“ ist eine im selben Stil entwickelte Geschichte aus der Feder des Intendanten Moritz Seibert vom Jungen Theater Bonn (JTB). Das 2018 uraufgeführte Stück gastierte am Donnerstag im Mindener Stadttheater. Die Inszenierung spielt dabei mit aktuellen Themen. Der 12-Jährige Jonathan (Ilkay Pfaff)hält sich seit der Abschiebung seiner Eltern als illegaler Einwanderer in Deutschland auf. Ein Dach über dem Kopf und Verpflegung erhält er von einem Drogendealer-Ring. Als Gegenzug muss er gepanschte Drogen verkaufen, denen auch Jan zum Opfer gefallen ist. Tim erkennt, dass Jonathan dem kriminellen Sog nicht aus eigener Kraft entkommen kann. Und so beginnt für die beiden ein packendes Versteckspiel vor den Drogendealern, aber auch vor der Polizei. Nur vereint können die Detektive von TKKG dem Drogengeschäft ein Ende machen. Zwischenzeitlich lässt das Stück den Zuschauer vergessen, dass es sich um einen Krimi für Kinder ab acht Jahren handelt. Dramatische Musik tönt, als Jonathan im Schatten der Kulisse von den Drogendealern geschlagen wird. Und auch der schulische Leistungsdruck wird Thema, als Jan gesteht, das Ritalin für bessere Schulnoten konsumiert zu haben. Drogenmissbrauch, Asyl und Diebstahl stellen den Zusammenhalt der vier Freunde auf die Probe. Thematisch dürfte das Stück für einige Zuschauer eine Herausforderung sein. Das Flüstern der Eltern, die ihren Kindern die Bedeutung von Jonathans Herkunftsland Eritrea erklären müssen, ist nicht zu überhören. Auswege aus der angespannten Atmosphäre bietet vor allem Hund Oskar, der bei jedem seiner Auftritte mit Begeisterung begrüßt wird. Auch die innige Beziehung zwischen Tim und Jonathan erreicht die Zuschauer. Publikumsliebling ist jedoch eindeutig Klößchen (Jonathan Bücheler), der auch nach dem 20. Schokoladenwitz noch Lacher erntet. Karl spielt in diesem Fall kaum eine Rolle. Seiberts Stück serviert harte Kost vor dem Hintergrund schnell wechselnder Szenen, die Raum für aufgeregtes Getuschel bieten. Viele Fragen bleiben unbeantwortet. Seibert möchte den Zuschauern laut Programmheft damit die Möglichkeit bieten, „auch nach dem Ende der Vorstellung noch nachzudenken“.