Minden

Ausgebuchte Hebammen - was Schwangere tun können

veröffentlicht

In Minden hat die Zahl der Geburten 2019 einen neuen Höchststand erreicht. Symbolfoto: Felix Heyder/dpa - © Felix Heyder
In Minden hat die Zahl der Geburten 2019 einen neuen Höchststand erreicht. Symbolfoto: Felix Heyder/dpa (© Felix Heyder)

Minden (dc). Früher wartete frau drei Monate ab, bis sie sich eine Hebamme suchen musste. „Heute sollte sie sich darum kümmern, sobald der Schwangerschaftstest positiv ist“, rät Simone Könemann, Vorsitzende des Hebammenverbands im Kreis.

40 bis 50 Kolleginnen gibt es ihrer Schätzung nach im Kreisgebiet, zu wenig für den Bedarf. Denn die Geburtenzahlen steigen: Allein in Minden hat die Zahl der Neugeborenen 2019 einen Höchststand erreicht. Nach Auskunft der Stadt beurkundete das Standesamt 2.001 Geburten bis zum Stichtag 31. Dezember 2019. „Viele Kolleginnen besprechen mittlerweile ihren Anrufbeantworter, dass sie bis Oktober ausgebucht sind“, so Könemann weiter.

Information
Lesen Sie dazu auch: Ende der Mindener Hebammenschule könnte Fachkräftemangel verschärfen

Zur hohen Geburtenzahl kommt, dass in den vergangenen Jahren viele Hebammen ihre Freiberuflichkeit wegen der hohen Prämien für die Berufs-Haftpflichtversicherung aufgaben. Hier gab es laut Könemann mittlerweile Entlastung: Seit 2015 können Hebammen, die freiberuflich eine Geburt betreut haben, finanzielle Unterstützung beim Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen beantragen. „Deswegen haben sich jetzt aber nicht mehr Hebammen selbstständig gemacht“, weiß Könemann. Denn auch die ständige Rufbereitschaft setze den Frauen zu.

Stattdessen hätten sich viele Hebammen ein neues Arbeitsmodell überlegt, so Könemann: Um die Kosten für die Versicherung weiter abzufedern, würden sie sich zu Praxisgemeinschaften zusammenschließen. Dann biete eine Kollegin ein halbes Jahr Geburtshilfe an, während die andere sich zum Beispiel auf Kurse spezialisiere. Nach einem halben Jahr werde gewechselt.

Was können Frauen denn tun, die eine Hebamme suchen? „Es gibt die Möglichkeit beim Spitzenverband der Krankenkassen eine Liste von Hebammen anzufordern“, sagt Simone Könemann. Frauen müssen dann alle Namen auf der Liste abtelefonieren.

Eine Hebammenzentrale wie etwa in Hannover gibt es für die heimische Region nicht. Für so eine Zusammenstellung setzt sich derzeit die Arbeitsgemeinschaft Frauen Minden-Lübbecke ein. Sie schlägt eine Informationsstelle beim Kreis vor (das MT berichtete). Allerdings gebe es von diesem noch keine Rückmeldung, so AG-Frauen-Vorsitzende Marlis Klocke. Der Hebammenverband NRW arbeitet zudem an einer App, die Kapazitäten meldet. Aber zurzeit hapert es noch an der Umsetzung: „Es ist unklar, wer die Kosten übernimmt“, so Könemann.

Als letzte Möglichkeit schlägt Könemann die Babysprechstunden der Frühen Hilfen in Rodenbeck, Bärenkämpfen und auf der Rechten Weserseite vor. Hier beantworten eine Hebamme und eine Kinderkrankenschwester ohne Termin Fragen. Eine konstante Begleitung durch Schwangerschaft und Wochenbett ist dies aber nicht.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

MindenAusgebuchte Hebammen - was Schwangere tun könnenMinden (dc). Früher wartete frau drei Monate ab, bis sie sich eine Hebamme suchen musste. „Heute sollte sie sich darum kümmern, sobald der Schwangerschaftstest positiv ist“, rät Simone Könemann, Vorsitzende des Hebammenverbands im Kreis. 40 bis 50 Kolleginnen gibt es ihrer Schätzung nach im Kreisgebiet, zu wenig für den Bedarf. Denn die Geburtenzahlen steigen: Allein in Minden hat die Zahl der Neugeborenen 2019 einen Höchststand erreicht. Nach Auskunft der Stadt beurkundete das Standesamt 2.001 Geburten bis zum Stichtag 31. Dezember 2019. „Viele Kolleginnen besprechen mittlerweile ihren Anrufbeantworter, dass sie bis Oktober ausgebucht sind“, so Könemann weiter. Zur hohen Geburtenzahl kommt, dass in den vergangenen Jahren viele Hebammen ihre Freiberuflichkeit wegen der hohen Prämien für die Berufs-Haftpflichtversicherung aufgaben. Hier gab es laut Könemann mittlerweile Entlastung: Seit 2015 können Hebammen, die freiberuflich eine Geburt betreut haben, finanzielle Unterstützung beim Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen beantragen. „Deswegen haben sich jetzt aber nicht mehr Hebammen selbstständig gemacht“, weiß Könemann. Denn auch die ständige Rufbereitschaft setze den Frauen zu. Stattdessen hätten sich viele Hebammen ein neues Arbeitsmodell überlegt, so Könemann: Um die Kosten für die Versicherung weiter abzufedern, würden sie sich zu Praxisgemeinschaften zusammenschließen. Dann biete eine Kollegin ein halbes Jahr Geburtshilfe an, während die andere sich zum Beispiel auf Kurse spezialisiere. Nach einem halben Jahr werde gewechselt. Was können Frauen denn tun, die eine Hebamme suchen? „Es gibt die Möglichkeit beim Spitzenverband der Krankenkassen eine Liste von Hebammen anzufordern“, sagt Simone Könemann. Frauen müssen dann alle Namen auf der Liste abtelefonieren. Eine Hebammenzentrale wie etwa in Hannover gibt es für die heimische Region nicht. Für so eine Zusammenstellung setzt sich derzeit die Arbeitsgemeinschaft Frauen Minden-Lübbecke ein. Sie schlägt eine Informationsstelle beim Kreis vor (das MT berichtete). Allerdings gebe es von diesem noch keine Rückmeldung, so AG-Frauen-Vorsitzende Marlis Klocke. Der Hebammenverband NRW arbeitet zudem an einer App, die Kapazitäten meldet. Aber zurzeit hapert es noch an der Umsetzung: „Es ist unklar, wer die Kosten übernimmt“, so Könemann. Als letzte Möglichkeit schlägt Könemann die Babysprechstunden der Frühen Hilfen in Rodenbeck, Bärenkämpfen und auf der Rechten Weserseite vor. Hier beantworten eine Hebamme und eine Kinderkrankenschwester ohne Termin Fragen. Eine konstante Begleitung durch Schwangerschaft und Wochenbett ist dies aber nicht.