Minden.

Herrscher über Minden: Der Große Kurfürst wurde vor 400 Jahren am 16. Februar 1620 geboren

Jürgen Langenkämper

Minden. Vor 400 Jahren wurde der erste Brandenburger geboren, der das bis dahin selbstständige Fürstbistum Minden in seinen Herrschaftsbereich eingliederte. 1620 kam Prinz Friedrich Wilhelm als Sohn des wenig bedeutenden Kurfürsten Georg Wilhelm (1619-1640) aus dem Haus Hohenzollern in Cölln an der Spree zur Welt. In den 48 Jahren seiner Herrschaft ab 1640 sollte er Brandenburg beträchtlich erweitern und die Grundlagen für den Aufstieg der einst belächelten „Streusandbüchse“ des Heiligen Römischen Reiches zum Königreich Preußen legen. Als Großer Kurfürst trug er sich in die Geschichtsbücher ein.

Der Große Kurfürst: Friedrich Wilhelm von Brandenburg wurde vor 400 Jahren geboren. MT-Repro: Langenkämper
Der Große Kurfürst: Friedrich Wilhelm von Brandenburg wurde vor 400 Jahren geboren. MT-Repro: Langenkämper

Eine Liebe von Anbeginn an war es keineswegs, als dem jungen Kurfürsten im Westfälischen Frieden 1648 das Fürstbistum Minden zugesprochen wurde. Er hätte lieber Pommern gehabt, das der Kaiser nach dem Tod Herzog Bogislaws XIV. (1606-1637) seinem Vater Georg Wilhelm zugesprochen hatte. Doch seit 1630 hielten die Schweden, die auch schon durch Brandenburg gezogen waren und das Land geplündert und verwüstet hatten, Pommern besetzt und dachten nicht daran, es freizugeben. Lediglich das ärmere Hinterpommern ging an den Brandenburger. Zum Ausgleich für den Verzicht auf Vorpommern erhielt er die Stifte Halberstadt und Minden sowie eine Anwartschaft auf das Erzbistum Magdeburg.

Für den Erwerb Mindens soll der brandenburgische Gesandte, Graf Johann zu Sayn-Wittgenstein, den Schweden bei den seit 1647 laufenden Verhandlungen hohe Bestechungsgelder gezahlt haben. Dafür wurde er hinterher erster Statthalter – bis zu seinem Tode 1657.

Die Brandenburger konnten das Stift und die Stadt Minden nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges jedoch nicht gleich in Besitz nehmen, weil die Schweden das Territorium erst am 2. November 1649 übergaben. Die Stadt blieb zunächst schwedische Festung, obwohl die Mindener mit den Landständen schon im Februar 1650 dem Kurfürsten bei einem Aufenthalt mit seiner Gemahlin Louise Henriette von Nassau-Oranien auf Schloss Petershagen gehuldigt hatten. Erst am 17. September 1650 zogen die Schweden ab und übergaben die Stadt an die brandenburgischen Garnisonstruppen. Erst 1669 zog die Regierung vom Schloss in Petershagen nach Minden um.

In den nächsten fast vier Jahrzehnten betrieb Friedrich Wilhelm eine protektionistische, merkantilistische Wirtschaftspolitik im Stile der Zeit, da sich auch das Fürstentum Minden nach dem Dreißigjährigen Krieg „in einem kläglichen Zustande“ befand, wie ein kurfürstlicher Beamter 1651 schrieb. So förderte Friedrich Wilhelm den Kohlebergbau auf der Bölhorst, indem er 1663 die Einfuhr von Steinkohlen verbot. 1670 erteilte er der Stadt das Privileg eines Viehmarktes. 1671 förderte er die Ansiedlung einer reformierten, der heutigen Petri-Gemeinde durch 2.000 Taler für den Ankauf eines Hofes in der Ritterstraße.

Eine andere bis heute anhaltende Wirkung hatte die Einführung des Gregorianischen Kalenders für das Fürstentum Minden. Um die Differenzen zu katholischen Territorien in Westfalen zu beseitigen, verfügte Friedrich Wilhelm die Kalenderumstellung für den 20./30. März 1667. Erst dadurch fiel sein Geburtstag vor 400 Jahren auf den 16. Februar. Nach dem Julianischen Kalender war dies der 6. Februar 1620 gewesen.

Den Beinamen der Große Kurfürst erhielt Friedrich Wilhelm als einziger Herrscher seiner Zeit, der kein König war, aber wegen anderer Taten: wegen des Sieges mit den Schweden über Polen bei Warschau 1656, der die Souveränität des Herzogtums Preußen eintrug; des Sieges über die Schweden bei Fehrbellin 1675 und wegen der Einladung an Wiener Juden und französische Hugenotten, nach Brandenburg zu kommen.

1901 setzte die Stadt Minden ihm ein Denkmal am Wesertor. Dass Friedrich Wilhelm viele ihrer Rechte beschnitten hatte, war vergessen.

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Minden.Herrscher über Minden: Der Große Kurfürst wurde vor 400 Jahren am 16. Februar 1620 geborenJürgen LangenkämperMinden. Vor 400 Jahren wurde der erste Brandenburger geboren, der das bis dahin selbstständige Fürstbistum Minden in seinen Herrschaftsbereich eingliederte. 1620 kam Prinz Friedrich Wilhelm als Sohn des wenig bedeutenden Kurfürsten Georg Wilhelm (1619-1640) aus dem Haus Hohenzollern in Cölln an der Spree zur Welt. In den 48 Jahren seiner Herrschaft ab 1640 sollte er Brandenburg beträchtlich erweitern und die Grundlagen für den Aufstieg der einst belächelten „Streusandbüchse“ des Heiligen Römischen Reiches zum Königreich Preußen legen. Als Großer Kurfürst trug er sich in die Geschichtsbücher ein. Eine Liebe von Anbeginn an war es keineswegs, als dem jungen Kurfürsten im Westfälischen Frieden 1648 das Fürstbistum Minden zugesprochen wurde. Er hätte lieber Pommern gehabt, das der Kaiser nach dem Tod Herzog Bogislaws XIV. (1606-1637) seinem Vater Georg Wilhelm zugesprochen hatte. Doch seit 1630 hielten die Schweden, die auch schon durch Brandenburg gezogen waren und das Land geplündert und verwüstet hatten, Pommern besetzt und dachten nicht daran, es freizugeben. Lediglich das ärmere Hinterpommern ging an den Brandenburger. Zum Ausgleich für den Verzicht auf Vorpommern erhielt er die Stifte Halberstadt und Minden sowie eine Anwartschaft auf das Erzbistum Magdeburg. Für den Erwerb Mindens soll der brandenburgische Gesandte, Graf Johann zu Sayn-Wittgenstein, den Schweden bei den seit 1647 laufenden Verhandlungen hohe Bestechungsgelder gezahlt haben. Dafür wurde er hinterher erster Statthalter – bis zu seinem Tode 1657. Die Brandenburger konnten das Stift und die Stadt Minden nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges jedoch nicht gleich in Besitz nehmen, weil die Schweden das Territorium erst am 2. November 1649 übergaben. Die Stadt blieb zunächst schwedische Festung, obwohl die Mindener mit den Landständen schon im Februar 1650 dem Kurfürsten bei einem Aufenthalt mit seiner Gemahlin Louise Henriette von Nassau-Oranien auf Schloss Petershagen gehuldigt hatten. Erst am 17. September 1650 zogen die Schweden ab und übergaben die Stadt an die brandenburgischen Garnisonstruppen. Erst 1669 zog die Regierung vom Schloss in Petershagen nach Minden um. In den nächsten fast vier Jahrzehnten betrieb Friedrich Wilhelm eine protektionistische, merkantilistische Wirtschaftspolitik im Stile der Zeit, da sich auch das Fürstentum Minden nach dem Dreißigjährigen Krieg „in einem kläglichen Zustande“ befand, wie ein kurfürstlicher Beamter 1651 schrieb. So förderte Friedrich Wilhelm den Kohlebergbau auf der Bölhorst, indem er 1663 die Einfuhr von Steinkohlen verbot. 1670 erteilte er der Stadt das Privileg eines Viehmarktes. 1671 förderte er die Ansiedlung einer reformierten, der heutigen Petri-Gemeinde durch 2.000 Taler für den Ankauf eines Hofes in der Ritterstraße. Eine andere bis heute anhaltende Wirkung hatte die Einführung des Gregorianischen Kalenders für das Fürstentum Minden. Um die Differenzen zu katholischen Territorien in Westfalen zu beseitigen, verfügte Friedrich Wilhelm die Kalenderumstellung für den 20./30. März 1667. Erst dadurch fiel sein Geburtstag vor 400 Jahren auf den 16. Februar. Nach dem Julianischen Kalender war dies der 6. Februar 1620 gewesen. Den Beinamen der Große Kurfürst erhielt Friedrich Wilhelm als einziger Herrscher seiner Zeit, der kein König war, aber wegen anderer Taten: wegen des Sieges mit den Schweden über Polen bei Warschau 1656, der die Souveränität des Herzogtums Preußen eintrug; des Sieges über die Schweden bei Fehrbellin 1675 und wegen der Einladung an Wiener Juden und französische Hugenotten, nach Brandenburg zu kommen. 1901 setzte die Stadt Minden ihm ein Denkmal am Wesertor. Dass Friedrich Wilhelm viele ihrer Rechte beschnitten hatte, war vergessen.