Abschied nach 44 Jahren: Jugendamtsleiter Rainer Mohnfeld geht bald in Ruhestand Sebastian Radermacher Minden. So richtig begreifen kann er noch nicht, dass sein Berufsleben bald beendet sein wird. Rainer Mohnfeld hat aber noch so viel zu tun, so dass auch in den nächsten Monaten keine Langeweile aufkommen wird. Ende November geht der Leiter des Mindener Jugendamtes in Ruhestand – 44 Jahre und vier Monate hat er dann für die Stadt Minden gearbeitet. „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt Mohnfeld, der am vergangenen Donnerstag 65 Jahre alt wurde und einer der dienstältesten Mitarbeiter in der Mindener Verwaltung ist. Grundsätzlich freut er sich auf die freie Zeit, die bald kommen wird. Er will mehr reisen, mehr Sport machen, mehr lesen, Kontakte pflegen – all das, was in den vergangenen Jahrzehnten wegen des Berufes oft hinten anstehen musste, wie er bedauert. „Die verbleibende Zeit wird weniger. Ich möchte den nächsten Lebensabschnitt so gut wie möglich gestalten.“ Auf der anderen Seite werde er die Arbeit und seine Kollegen definitiv vermissen. „Ich habe immer gerne bei der Stadt Minden gearbeitet. Es hat Spaß gemacht.“ Deshalb werde er auch die letzten Monate noch genießen. Seine Laufbahn bei der Stadt Minden begann Rainer Mohnfeld am 1. August 1976 mit der dreijährigen Ausbildung für den gehobenen nichttechnischen Verwaltungsdienst – mit Studium an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Bielefeld. Unterrichtseinheiten wechselten sich mit Praxisintervallen in der Verwaltung ab. „Wir waren der erste Jahrgang mit dieser Art der Ausbildung“, erinnert sich Mohnfeld. In der Ausbildung erhielt er Einblicke in verschiedene Fachämter, sammelte Erfahrungen im Personal- und Hauptamt, Sozialamt, im Ordnungsamt, im Bauverwaltungsamt, der Stadtkasse oder auch in der Kämmerei. Nach der Ausbildung (Abschluss: Diplom-Verwaltungswirt) war Mohnfeld sechs Jahre im Mindener Sozialamt tätig. Als Sachbearbeiter hatte er viel Kontakt zu Bürgern, von denen Leistungen – damals noch nach dem Bundessozialhilfegesetz (BSHG) – beantragt wurden. „Die Buchstaben E bis J fielen in meine Zuständigkeit“, weiß er noch heute. Ab November 1985 wechselte er ins damalige Jugend- und Sportamt und arbeitete dort als Vormund und Amtspfleger. Wo werden Kinder untergebracht? Wie erfolgt der Schulwechsel? Als Sorgerechtsvertreter hatte Mohnfeld alle Entscheidungen des täglichen Lebens zu treffen, die sonst in der Verantwortung der Erziehungsberechtigten lagen. „Problematisch war zu dieser Zeit, dass Sachbearbeiter viel zu viele Fälle bearbeiten mussten. Man konnte oft den Interessen der Kinder nicht gerecht werden“, bedauert Mohnfeld. Als Amtspfleger war er gefragt, wenn Kinder nicht ehelich zur Welt kamen. Er musste dann die Vaterschaft feststellen und die Unterhaltsansprüche des Kindes geltend machen. Gespräche mit der Mutter, Interviews mit potenziellen Vätern – „es gibt nichts, was es nicht gibt“, sagt Mohnfeld rückblickend. In vielen Fällen sei die Vaterschaft letztlich anerkannt worden, „es war oft aber schwierig und zäh“, gibt er zu. Im April 1995 wurde Mohnfeld zum stellvertretenden Leiter des Jugend- und Sportamtes ernannt und war fortan für die Förderung von Kindertageseinrichtungen verantwortlich. In diesem Bereich gab es viel zu tun, da der Ausbau der Kinderbetreuung vorangetrieben werden musste und etliche neue Kitas gebaut werden mussten. Im Rahmen einer Umstrukturierung bei der Stadt Minden wurde Mohnfeld 1997 zum Bereichsleiter „Verwaltung Jugendhilfe/Kindertageseinrichtungen“ und zum stellvertretenden Fachbereichsleiter bestellt. Seit September 2009 ist er Leiter des Jugendamtes und in dieser Funktion verantwortlich für etwa 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, einschließlich der Kräfte in den fünf städtischen Kitas und den fünf Jugendhäusern. Die Amtsleiterstelle ist mittlerweile ausgeschrieben worden, sein Nachfolger oder Nachfolgerin soll zum 1. November beginnen. Er werde die Person so gut es geht einarbeiten, kündigt Mohnfeld an. „Das wird funktionieren.“

Abschied nach 44 Jahren: Jugendamtsleiter Rainer Mohnfeld geht bald in Ruhestand

Minden. So richtig begreifen kann er noch nicht, dass sein Berufsleben bald beendet sein wird. Rainer Mohnfeld hat aber noch so viel zu tun, so dass auch in den nächsten Monaten keine Langeweile aufkommen wird. Ende November geht der Leiter des Mindener Jugendamtes in Ruhestand – 44 Jahre und vier Monate hat er dann für die Stadt Minden gearbeitet. „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt Mohnfeld, der am vergangenen Donnerstag 65 Jahre alt wurde und einer der dienstältesten Mitarbeiter in der Mindener Verwaltung ist.

Rainer Mohnfeld ist seit 2009 Leiter des Mindener Jugendamtes – Ende November geht er in Ruhestand. MT-Archivfoto: Stefan Koch
Rainer Mohnfeld ist seit 2009 Leiter des Mindener Jugendamtes – Ende November geht er in Ruhestand. MT-Archivfoto: Stefan Koch

Grundsätzlich freut er sich auf die freie Zeit, die bald kommen wird. Er will mehr reisen, mehr Sport machen, mehr lesen, Kontakte pflegen – all das, was in den vergangenen Jahrzehnten wegen des Berufes oft hinten anstehen musste, wie er bedauert. „Die verbleibende Zeit wird weniger. Ich möchte den nächsten Lebensabschnitt so gut wie möglich gestalten.“ Auf der anderen Seite werde er die Arbeit und seine Kollegen definitiv vermissen. „Ich habe immer gerne bei der Stadt Minden gearbeitet. Es hat Spaß gemacht.“ Deshalb werde er auch die letzten Monate noch genießen.

Seine Laufbahn bei der Stadt Minden begann Rainer Mohnfeld am 1. August 1976 mit der dreijährigen Ausbildung für den gehobenen nichttechnischen Verwaltungsdienst – mit Studium an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Bielefeld. Unterrichtseinheiten wechselten sich mit Praxisintervallen in der Verwaltung ab. „Wir waren der erste Jahrgang mit dieser Art der Ausbildung“, erinnert sich Mohnfeld. In der Ausbildung erhielt er Einblicke in verschiedene Fachämter, sammelte Erfahrungen im Personal- und Hauptamt, Sozialamt, im Ordnungsamt, im Bauverwaltungsamt, der Stadtkasse oder auch in der Kämmerei.

Nach der Ausbildung (Abschluss: Diplom-Verwaltungswirt) war Mohnfeld sechs Jahre im Mindener Sozialamt tätig. Als Sachbearbeiter hatte er viel Kontakt zu Bürgern, von denen Leistungen – damals noch nach dem Bundessozialhilfegesetz (BSHG) – beantragt wurden. „Die Buchstaben E bis J fielen in meine Zuständigkeit“, weiß er noch heute.

Ab November 1985 wechselte er ins damalige Jugend- und Sportamt und arbeitete dort als Vormund und Amtspfleger. Wo werden Kinder untergebracht? Wie erfolgt der Schulwechsel? Als Sorgerechtsvertreter hatte Mohnfeld alle Entscheidungen des täglichen Lebens zu treffen, die sonst in der Verantwortung der Erziehungsberechtigten lagen. „Problematisch war zu dieser Zeit, dass Sachbearbeiter viel zu viele Fälle bearbeiten mussten. Man konnte oft den Interessen der Kinder nicht gerecht werden“, bedauert Mohnfeld.

Als Amtspfleger war er gefragt, wenn Kinder nicht ehelich zur Welt kamen. Er musste dann die Vaterschaft feststellen und die Unterhaltsansprüche des Kindes geltend machen. Gespräche mit der Mutter, Interviews mit potenziellen Vätern – „es gibt nichts, was es nicht gibt“, sagt Mohnfeld rückblickend. In vielen Fällen sei die Vaterschaft letztlich anerkannt worden, „es war oft aber schwierig und zäh“, gibt er zu.

Im April 1995 wurde Mohnfeld zum stellvertretenden Leiter des Jugend- und Sportamtes ernannt und war fortan für die Förderung von Kindertageseinrichtungen verantwortlich. In diesem Bereich gab es viel zu tun, da der Ausbau der Kinderbetreuung vorangetrieben werden musste und etliche neue Kitas gebaut werden mussten.

Im Rahmen einer Umstrukturierung bei der Stadt Minden wurde Mohnfeld 1997 zum Bereichsleiter „Verwaltung Jugendhilfe/Kindertageseinrichtungen“ und zum stellvertretenden Fachbereichsleiter bestellt. Seit September 2009 ist er Leiter des Jugendamtes und in dieser Funktion verantwortlich für etwa 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, einschließlich der Kräfte in den fünf städtischen Kitas und den fünf Jugendhäusern.

Die Amtsleiterstelle ist mittlerweile ausgeschrieben worden, sein Nachfolger oder Nachfolgerin soll zum 1. November beginnen. Er werde die Person so gut es geht einarbeiten, kündigt Mohnfeld an. „Das wird funktionieren.“

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