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Daten reichen nicht aus: Neuer Mietspiegel für Minden vorerst geplatzt

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Wie teuer sollte eine Wohnung sein? Bei der Antwort soll ein Mietspiegel helfen. Die aktualisierte Fassung für Minden wird mindestens ein halbes Jahr später erscheinen als geplant. MT-Symbolfoto: Alex Lehn - © Lehn,Alexander
Wie teuer sollte eine Wohnung sein? Bei der Antwort soll ein Mietspiegel helfen. Die aktualisierte Fassung für Minden wird mindestens ein halbes Jahr später erscheinen als geplant. MT-Symbolfoto: Alex Lehn (© Lehn,Alexander)

Minden (mt/cs). Der für April angekündigte neue Mietspiegel wird voraussichtlich erst im Herbst vorliegen. Das hat die Mindener Verwaltung am vergangenen Mittwoch in einer nichtöffentlichen Sitzung gegenüber dem Bauausschuss erklärt, wie aus einer Pressemitteilung der Stadt hervorgeht. Als Grund nannte der Baubeigeordnete Lars Bursian einen unzureichenden Datensatz.

Die Stadt Minden arbeitet mit Unterstützung eines beauftragten Instituts an einem neuen qualifizierten Mietspiegel. Dafür wurden von Anfang Juni bis Mitte August 2019 online und per Fragebogen Daten erfasst. Zur Teilnahme aufgerufen waren Eigentümer und Mieter, auch die großen Wohnungsbaugesellschaften wurden einbezogen. Dabei kamen rund 3.700 Datensätze zusammen, die bei dem Unternehmen ALP – Institut für Wohnen und Stadtentwicklung – im November 2019 anonymisiert gesammelt wurden.

Mit Blick auf die Zahlen sei das grundsätzlich eine gute Beteiligung, so Bursian. Bei der Ende Dezember erfolgten Analyse der Daten habe das Institut jedoch festgestellt, dass von privaten Vermietern sowie Mieterinnen und Mietern – trotz mehrfacher medienwirksamer Veröffentlichung – nur 168 Datensätze eingegangen sind. Das seien nur 4,5 Prozent der gesamten Daten. Damit gebe es insgesamt ein starkes Ungleichgewicht zwischen privaten und gewerblichen Vermietern – im Schwerpunkt hier die Wohnungsbaugesellschaften.

„Um eine valide Aussage zum Mindener Mietniveau treffen zu können, bedarf es einer größeren Datenmenge über privat vermieteten Wohnraum“, erläutert Benjamin Groß, Leiter des Bereiches Geoservice und Vermessung. Denn aufgrund der zu geringen Fallzahlen bei den privaten Vermietungen könne keine statistisch haltbare Gewichtung erfolgen, die ein wirklichkeitsgetreues Bild des Mietniveaus in Minden abbilde. Ein qualifizierter Mietspiegel sei auf dieser Basis wissenschaftlich nicht haltbar. Zudem würde er keine Zustimmung durch den Interessenverband der Mieter erhalten, ergänzt Groß.

So sei es nicht möglich, den Mietspiegel wie angekündigt zum 1. April vorlegen zu können, fasst Bursian zusammen. Die Erhebung soll nun nach Abstimmung mit Fachleuten auf Basis einer Stichprobenziehung erfolgen. Durch diese Methode soll das derzeit vorherrschende Ungleichgewicht in den Daten vermieden werden. Zur Orientierung können Mieter und Vermieter den Mietspiegel von 2016 weiter verwenden, der 2018 fortgeschrieben wurde und auf der Internetseite der Stadt Minden abrufbar ist.

„Wir wollen weiter einen qualifizierten Mietspiegel für Minden erstellen und werden uns daher an eine zügige Neuerhebung machen“, kündigt Bürgermeister Michael Jäcke (SPD) an. Angestrebt sei, den Mietspiegel nun im Herbst 2020 vorzulegen. Er bedauere, dass es temporär keinen qualifizierten Mietspiegel für die Stadt Minden gebe.

Dieser sei in den vergangenen Jahren eine wertvolle Richtlinie gewesen und habe den Mietvertragsparteien eine Orientierungsmöglichkeit gegeben, um in eigener Verantwortung die Miethöhe je nach Lage, Ausstattung und Zustand der Wohnung und des Gebäudes zu vereinbaren. Zudem bietet der Mietspiegel Kosten-Transparenz für die, die Interesse haben, nach Minden zu ziehen, so der Bürgermeister weiter.

Der Mietspiegel 2020 muss laut Gesetz ein qualifizierter sein. Laut Paragraf 558 des Bürgerlichen Gesetzbuches ist ein qualifizierter Mietspiegel im Abstand von zwei Jahren der Marktentwicklung anzupassen. Nach vier Jahren ist der qualifizierte Mietspiegel neu zu erstellen. Das ist in Minden zuletzt im Jahr 2016 erfolgt, im Jahr 2018 wurde dieser fortgeschrieben.

Die Aufstellung des neuen Mietspiegels liegt federführend in der Hand der Stadt Minden. Mit einbezogen sind der Verein Haus & Grund Minden, der Mieterverein Minden und Umgebung, die Genossenschaft für Siedlungsbau (GSW) sowie die Wohnhaus Minden.

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MindenDaten reichen nicht aus: Neuer Mietspiegel für Minden vorerst geplatztMinden (mt/cs). Der für April angekündigte neue Mietspiegel wird voraussichtlich erst im Herbst vorliegen. Das hat die Mindener Verwaltung am vergangenen Mittwoch in einer nichtöffentlichen Sitzung gegenüber dem Bauausschuss erklärt, wie aus einer Pressemitteilung der Stadt hervorgeht. Als Grund nannte der Baubeigeordnete Lars Bursian einen unzureichenden Datensatz. Die Stadt Minden arbeitet mit Unterstützung eines beauftragten Instituts an einem neuen qualifizierten Mietspiegel. Dafür wurden von Anfang Juni bis Mitte August 2019 online und per Fragebogen Daten erfasst. Zur Teilnahme aufgerufen waren Eigentümer und Mieter, auch die großen Wohnungsbaugesellschaften wurden einbezogen. Dabei kamen rund 3.700 Datensätze zusammen, die bei dem Unternehmen ALP – Institut für Wohnen und Stadtentwicklung – im November 2019 anonymisiert gesammelt wurden. Mit Blick auf die Zahlen sei das grundsätzlich eine gute Beteiligung, so Bursian. Bei der Ende Dezember erfolgten Analyse der Daten habe das Institut jedoch festgestellt, dass von privaten Vermietern sowie Mieterinnen und Mietern – trotz mehrfacher medienwirksamer Veröffentlichung – nur 168 Datensätze eingegangen sind. Das seien nur 4,5 Prozent der gesamten Daten. Damit gebe es insgesamt ein starkes Ungleichgewicht zwischen privaten und gewerblichen Vermietern – im Schwerpunkt hier die Wohnungsbaugesellschaften. „Um eine valide Aussage zum Mindener Mietniveau treffen zu können, bedarf es einer größeren Datenmenge über privat vermieteten Wohnraum“, erläutert Benjamin Groß, Leiter des Bereiches Geoservice und Vermessung. Denn aufgrund der zu geringen Fallzahlen bei den privaten Vermietungen könne keine statistisch haltbare Gewichtung erfolgen, die ein wirklichkeitsgetreues Bild des Mietniveaus in Minden abbilde. Ein qualifizierter Mietspiegel sei auf dieser Basis wissenschaftlich nicht haltbar. Zudem würde er keine Zustimmung durch den Interessenverband der Mieter erhalten, ergänzt Groß. So sei es nicht möglich, den Mietspiegel wie angekündigt zum 1. April vorlegen zu können, fasst Bursian zusammen. Die Erhebung soll nun nach Abstimmung mit Fachleuten auf Basis einer Stichprobenziehung erfolgen. Durch diese Methode soll das derzeit vorherrschende Ungleichgewicht in den Daten vermieden werden. Zur Orientierung können Mieter und Vermieter den Mietspiegel von 2016 weiter verwenden, der 2018 fortgeschrieben wurde und auf der Internetseite der Stadt Minden abrufbar ist. „Wir wollen weiter einen qualifizierten Mietspiegel für Minden erstellen und werden uns daher an eine zügige Neuerhebung machen“, kündigt Bürgermeister Michael Jäcke (SPD) an. Angestrebt sei, den Mietspiegel nun im Herbst 2020 vorzulegen. Er bedauere, dass es temporär keinen qualifizierten Mietspiegel für die Stadt Minden gebe. Dieser sei in den vergangenen Jahren eine wertvolle Richtlinie gewesen und habe den Mietvertragsparteien eine Orientierungsmöglichkeit gegeben, um in eigener Verantwortung die Miethöhe je nach Lage, Ausstattung und Zustand der Wohnung und des Gebäudes zu vereinbaren. Zudem bietet der Mietspiegel Kosten-Transparenz für die, die Interesse haben, nach Minden zu ziehen, so der Bürgermeister weiter. Der Mietspiegel 2020 muss laut Gesetz ein qualifizierter sein. Laut Paragraf 558 des Bürgerlichen Gesetzbuches ist ein qualifizierter Mietspiegel im Abstand von zwei Jahren der Marktentwicklung anzupassen. Nach vier Jahren ist der qualifizierte Mietspiegel neu zu erstellen. Das ist in Minden zuletzt im Jahr 2016 erfolgt, im Jahr 2018 wurde dieser fortgeschrieben. Die Aufstellung des neuen Mietspiegels liegt federführend in der Hand der Stadt Minden. Mit einbezogen sind der Verein Haus & Grund Minden, der Mieterverein Minden und Umgebung, die Genossenschaft für Siedlungsbau (GSW) sowie die Wohnhaus Minden.