Baugrube am Deichhof: Neue Erkenntnisse zur Mindener Stadtentstehung Ursula Koch Minden. Acht archäologische Ausgrabungen laufen aktuell in Ostwestfalen-Lippe, zwei davon in Minden. Das berichtet Dr. Sven Spiong, Leiter der zuständigen Außenstelle Bielefeld der Archäologie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). „Unsere Grabungsaktivitäten in Minden ruhten nach der Entdeckung des Römerlagers in Barkhausen 2008 etwas“, sagt der Archäologe. Dass jetzt so viele Gelände untersucht werden, liegt an einer Gesetzesänderung in NRW 2013. Seitdem müssen Investoren die Kosten einer wissenschaftlichen Untersuchung tragen, wenn ihre Baumaßnahme archäologische Fundplätze zerstört. Das gilt in Minden für das Baugebiet Am Grundbach (siehe unten) und in der Innenstadt für das Bauvorhaben am Deichhof. Von dem Gelände nördlich der Bäckerstraße, unterhalb der Marienkirche erhofft sich Spiong neue Erkenntnisse über die Entstehung der Stadt. Die ehemalige LWL-Chefarchäologin Dr. Gabriele Isenberg hatte in den 70er Jahren die Bäckerstraße untersucht und damit wichtige Erkenntnisse über den Stadtkern gewonnen. Von September bis Anfang Dezember hat nun eine Fachfirma im Auftrag des LWL bereits mittelalterliche Mauerreste freigelegt. Grabungsleiter ist Ulrich Holtfester. „Daran ist sehr gut die mittelalterliche Gründstücksaufteilung zu sehen“, erläutert Spiong. Freigelegt wurde eine Mischung aus Mauern und Holzfundamenten auf Pfahlgründungen. Die Grundstücke sind schmal und lang, erstrecken sich jeweils entlang der Straßen, so wie das auch an der Bäckerstraße nachgewiesen wurden. „Der Boden ist hier sehr feucht, daher ist das Holz gut erhalten“, freut sich der Archäologe. Erkennbar sei auch, dass ein barockes Gebäude auf zwei früheren Grundstücken errichtet wurde. Spannend sei, dass nachdem Isenberg den Stadtkern untersucht hatte, mit dem Deichhof nun die Randbereiche der frühen Stadt erkundet werden. Vermutlich sei die Wandlung vom Bischofssitz Minden mit einigen umliegenden Adelshöfen zu einer befestigten Stadt schon im 12. Jahrhundert geschehen und nicht wie bislang vermutet erst 100 Jahre später. Bielefeld gab es damals noch nicht. „Das waren zu der Zeit ein paar Höfe an der Luther“, sagt Spiong. Der Scharn, so meint er, „war der Prinzipalmarkt von Minden“. Das sei allerdings im Stadtbild leider verloren gegangen. Jedenfalls sei ein Adelshof der Herren zum Berge und eine dazugehörige Kirche schon für das Jahr 1130 auf dem Hügel der Marienkirche überliefert. Am Deichhof entdeckte Keramikscherben aus dem neunten bis elften Jahrhundert nähren seine Vermutung, dass die Besiedlung zum Adelshof auf dem Hügel gehörte. In den nächsten Wochen stehen neue Bauarbeiten am Deichhof an. Dann soll der Boden bis in drei Meter Tiefe abgetragen werden. „Wir kommen damit bis zum gewachsenen Bochen, das heißt bis zu den Ursprüngen der Besiedlung“, sagt Spiong. Er geht davon aus, dass nach diesen Untersuchungen der Stadtatlas für Minden überarbeitet werden muss. Zwei Grabungsleiter berichten Die ersten Ergebnisse der beiden in Minden laufenden Ausgrabungen Am Grundbach und Deichhof, werden am Sonntag, 16. Februar, um 14.30 Uhr in einem Vortrag im LWL-Preußenmuseum vorgestellt. Organisiert wird die Veranstaltung von der Gesellschaft zur Förderung der Archäologie in Ostwestfalen (GeFAO). Die beiden Grabungsleiter Sebastian Düvel (Grundbach) und Ulrich Holtfester (Deichhof) berichten. Der Eintritt ist frei. „Wir sind häufig auf öffentlichen Baustellen tätig, auf denen wir leider keine Führungen anbieten können“, sagt Dr. Sven Spiong, Leiter der Außenstelle Bielefeld der LWL-Archäologie, die alle wissenschaftlichen Untersuchungen organisiert und koordiniert. Die Gesellschaft zur Förderung der Archäologie in Ostwestfalen hat in Minden den Schutzbau für die Kreuzkirche finanziert. Ihr Anliegen ist es, die Archäologie der Öffentlichkeit nahe zu bringen. In ihrem Beirat sind alle in der Region tätigen Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe organisiert: drei in der Außenstelle Bielefeld, zwei in Detmold, der Stadtarchäologe und Museumsleiter in Paderborn sowie ein Ehrenamtlicher für den Kreis Gütersloh. Das LWL-Preußenmuseum kooperiert mit der GeFAO auf dem Wittekindsberg. Museumsleiterin Dr. Sylvia Necker möchte diese Partnerschaft weiter ausbauen.

Baugrube am Deichhof: Neue Erkenntnisse zur Mindener Stadtentstehung

Auf der Baustelle am Deichhof wird in den kommenden Wochen Boden abgetragen. Dann wird es für die Archäologen wieder spannend. MT- © Foto: Alex Lehn

Minden. Acht archäologische Ausgrabungen laufen aktuell in Ostwestfalen-Lippe, zwei davon in Minden. Das berichtet Dr. Sven Spiong, Leiter der zuständigen Außenstelle Bielefeld der Archäologie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). „Unsere Grabungsaktivitäten in Minden ruhten nach der Entdeckung des Römerlagers in Barkhausen 2008 etwas“, sagt der Archäologe. Dass jetzt so viele Gelände untersucht werden, liegt an einer Gesetzesänderung in NRW 2013. Seitdem müssen Investoren die Kosten einer wissenschaftlichen Untersuchung tragen, wenn ihre Baumaßnahme archäologische Fundplätze zerstört. Das gilt in Minden für das Baugebiet Am Grundbach (siehe unten) und in der Innenstadt für das Bauvorhaben am Deichhof.

Von dem Gelände nördlich der Bäckerstraße, unterhalb der Marienkirche erhofft sich Spiong neue Erkenntnisse über die Entstehung der Stadt. Die ehemalige LWL-Chefarchäologin Dr. Gabriele Isenberg hatte in den 70er Jahren die Bäckerstraße untersucht und damit wichtige Erkenntnisse über den Stadtkern gewonnen.

Latrinen bergen oft historische Schätze. Was die Fasslatrine am Deichhof wohl hergibt? - © Foto: LWL
Latrinen bergen oft historische Schätze. Was die Fasslatrine am Deichhof wohl hergibt? - © Foto: LWL

Von September bis Anfang Dezember hat nun eine Fachfirma im Auftrag des LWL bereits mittelalterliche Mauerreste freigelegt. Grabungsleiter ist Ulrich Holtfester.

„Daran ist sehr gut die mittelalterliche Gründstücksaufteilung zu sehen“, erläutert Spiong. Freigelegt wurde eine Mischung aus Mauern und Holzfundamenten auf Pfahlgründungen. Die Grundstücke sind schmal und lang, erstrecken sich jeweils entlang der Straßen, so wie das auch an der Bäckerstraße nachgewiesen wurden. „Der Boden ist hier sehr feucht, daher ist das Holz gut erhalten“, freut sich der Archäologe. Erkennbar sei auch, dass ein barockes Gebäude auf zwei früheren Grundstücken errichtet wurde.

Auf diesem Foto sind die schmalen Grundstücke und ein alter Brunnen zu erkennen. - © Foto: LWL
Auf diesem Foto sind die schmalen Grundstücke und ein alter Brunnen zu erkennen. - © Foto: LWL

Spannend sei, dass nachdem Isenberg den Stadtkern untersucht hatte, mit dem Deichhof nun die Randbereiche der frühen Stadt erkundet werden. Vermutlich sei die Wandlung vom Bischofssitz Minden mit einigen umliegenden Adelshöfen zu einer befestigten Stadt schon im 12. Jahrhundert geschehen und nicht wie bislang vermutet erst 100 Jahre später. Bielefeld gab es damals noch nicht. „Das waren zu der Zeit ein paar Höfe an der Luther“, sagt Spiong. Der Scharn, so meint er, „war der Prinzipalmarkt von Minden“. Das sei allerdings im Stadtbild leider verloren gegangen.

Die Wachstumsphasenkarte Minden stammt aus dem Westfälischen Städteatlas (1999, Tafel 3). - © Foto: LWL/Historische Kommission f. Westf.
Die Wachstumsphasenkarte Minden stammt aus dem Westfälischen Städteatlas (1999, Tafel 3). - © Foto: LWL/Historische Kommission f. Westf.

Jedenfalls sei ein Adelshof der Herren zum Berge und eine dazugehörige Kirche schon für das Jahr 1130 auf dem Hügel der Marienkirche überliefert. Am Deichhof entdeckte Keramikscherben aus dem neunten bis elften Jahrhundert nähren seine Vermutung, dass die Besiedlung zum Adelshof auf dem Hügel gehörte.

In den nächsten Wochen stehen neue Bauarbeiten am Deichhof an. Dann soll der Boden bis in drei Meter Tiefe abgetragen werden. „Wir kommen damit bis zum gewachsenen Bochen, das heißt bis zu den Ursprüngen der Besiedlung“, sagt Spiong. Er geht davon aus, dass nach diesen Untersuchungen der Stadtatlas für Minden überarbeitet werden muss.

Zwei Grabungsleiter berichten

Die ersten Ergebnisse der beiden in Minden laufenden Ausgrabungen Am Grundbach und Deichhof, werden am Sonntag, 16. Februar, um 14.30 Uhr in einem Vortrag im LWL-Preußenmuseum vorgestellt. Organisiert wird die Veranstaltung von der Gesellschaft zur Förderung der Archäologie in Ostwestfalen (GeFAO). Die beiden Grabungsleiter Sebastian Düvel (Grundbach) und Ulrich Holtfester (Deichhof) berichten. Der Eintritt ist frei.

„Wir sind häufig auf öffentlichen Baustellen tätig, auf denen wir leider keine Führungen anbieten können“, sagt Dr. Sven Spiong, Leiter der Außenstelle Bielefeld der LWL-Archäologie, die alle wissenschaftlichen Untersuchungen organisiert und koordiniert.

Die Gesellschaft zur Förderung der Archäologie in Ostwestfalen hat in Minden den Schutzbau für die Kreuzkirche finanziert. Ihr Anliegen ist es, die Archäologie der Öffentlichkeit nahe zu bringen. In ihrem Beirat sind alle in der Region tätigen Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe organisiert: drei in der Außenstelle Bielefeld, zwei in Detmold, der Stadtarchäologe und Museumsleiter in Paderborn sowie ein Ehrenamtlicher für den Kreis Gütersloh.

Das LWL-Preußenmuseum kooperiert mit der GeFAO auf dem Wittekindsberg. Museumsleiterin Dr. Sylvia Necker möchte diese Partnerschaft weiter ausbauen.

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